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Boyzie

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Samstag, 6. Juni 2020, 08:16

Warum oft desolate Farben in (Amateur-)Filmen?

In vielen Laien-Filmen (etwa welchen, die nur auf DVD / BluRay erscheinen) oder auch welchen aus Hollywood und auch und vor allem (deutschen) Kurzfilmen, sehe ich oft schlechteste Farben (Color Grading), die so schlecht sind, dass ich nicht glauben könnte, dass man sie nicht verbessern können müsste (ohne Kosten). Wie kommt es, dass die Farben derart schlecht sind, also das Gegenteil etwa von einem sogenannten "cinematischen look", da das Color Grading doch keine zusätzlichen Kosten erzeugt (es sei denn, es würde gegen Geld von jemanden gemacht, aber selbst dann ist es zum Teil ja auch desolat).

Viele "low / no budget"-Filme werden ja dennoch mit teuren / guten / angesehenen Kameras - ohne dass das dem Film allzu großen Nutzen bringt, wenn überhaupt) gefilmt. Aber auch bei (vergleichsweisen) billigen Kameras / Fotoapparaten müssten doch gute oder sehr gut Filmfarben zu kriegen sein. Wie kommt es also zu so schlechten Filmfarben?

Das Gleiche gilt hier auch für das Production Design, das auch meistens aussieht wie Schrott, obwohl man sich doch nur "vernünftige" / die "richtigen" Drehorte auszusuchen brauchte um dem entgegenzuwirken.

Monitor

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Samstag, 6. Juni 2020, 10:12

Diese Frage sollte wohl zuerst an den/die Macher solcher Filme gestellt werden.

Telliminator

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Samstag, 6. Juni 2020, 10:40

Das liegt an Deinem Abspielgerät / TV. ;)
Ear-Movies - Filme für die Ohren - http://www.blackdays.de - http://timeshift.blackdays.de - TimeShift kostenloses Hörspiel - Finale ist online, Folge 8 "And All My Dreams, Torn Asunder" * TS 7.1 TechDemo *

7River

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Samstag, 6. Juni 2020, 12:28

Könntest Du Beispiele nennen/zeigen?

So schlecht finde ich das Color Grading von den meisten Filmen nicht. Allerdings sind mir bei einem Film die bunten Farben aufgefallen. Und zwar bei dem Independent-Film Slasher. DVD-Version. Blut hat zum Teil einen lila Farbstich.

„Wissen Sie, Ryback, aussehen tut's köstlich. Aber riechen tut's wie Schweinefraß. Ich hab' Ihren Scheiß lang genug geduldet. Nur weil der Captain die Art liebt, wie Sie kochen. Aber dieses eine Mal ist er nicht hier und wird Ihnen nicht helfen können.“

Boyzie

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5

Samstag, 6. Juni 2020, 12:48

Zitat

Könntest Du Beispiele nennen/zeigen?

Habe ich zufällig gerade noch gefunden: Power King (1995)[Uncut]. Desolate Farben, Beleuchtung, alles desolat.


Aber Dein Beispielfilm stellt es doch auch schon super dar, richtig schlechte Farben. Man könnte auch fragen, warum sind die Farben von bekannten "Hollywood-Filmen" oft so gut, z.B. von Steven Spielberg-Filmen, von Gremlins, Zurück in die Zukunft, Interview mit einem Vampir. Fallen mir gerade so ein. Zwar haben die wohl im allgemeinen bessere Kameras als die von mir benannten Arten von Filmen, aber daran kann es ja bestimmt nicht einzig liegen.

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7River

LennO

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Samstag, 6. Juni 2020, 13:15

Eigentlich ist die Frage mit ein paar kurzen Sätzen zu beantworten. Die von dir genannten Filme (welche jetzt aber auch nicht unbedingt durch wahnsinnig tolles Licht oder Grading hervorstechen würden) haben ein 10.000fach höheres Lichtbudget und deutlich, deutlich erfahrenere DOPs und Gaffer als ein Amateur- Indie- oder Lowbudget-Film. Wo kein vernünftiges Licht, auch kein vernünftiges Grading – zwar kann man da noch "etwas rausholen" aber wo scheisse geleuchtet wurde bleibt auch der Rest scheisse, egal was du dran machst. Und dann dazu kommt dass an größeren Filmen Grader sitzen die hoch 3 bis 4 stellig am Tag verdienen und ne Menge Erfahrung haben – und ohnehin schon solide geleuchteten Plates das i-Tüpfelchen aufsetzen, oder manchmal einem ganzen Werk noch eine ganz andere Greifbarkeit geben können (Fury Road… etc).

Kurzum. Zeit, Geld, Qualität. Der eine Film hat nix davon. Der andere alles davon.

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7River, Christian_Eberle

Boyzie

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7

Samstag, 6. Juni 2020, 13:51

Zitat

Die von dir genannten Filme (welche jetzt aber auch nicht unbedingt durch wahnsinnig tolles Licht oder Grading hervorstechen würden)

Ja, dann also umso noch erstaunlicher, dass es ansonsten so schlechte Farben gibt.

Zitat

haben ein 10.000fach höheres Lichtbudget und deutlich, deutlich erfahrenere DOPs und Gaffer als ein Amateur- Indie- oder Lowbudget-Film.

Ja, ja, aber es gibt ja auch billigste Filme mit extremst sparsamer Beleuchtung, die trotzdem gut oder sehr gut ist, mit super Farben. Und auch Menschen, die die Art benannter Filme machen, haben ja mitunter das studiert, irgendwie gerlernt, wie man einen Film macht, da müssten schon auch Leute dabei sein, die das können müssten. Jedenfalls dürften da nicht solche Farben rauskommen, wie ich sie so oft sehe. Es sind ja, wie gesagt, Farben, die nicht oder kaum schlechter sein können.

Zitat

Und dann dazu kommt dass an größeren Filmen Grader sitzen die hoch 3 bis 4 stellig am Tag verdienen und ne Menge Erfahrung haben – und ohnehin schon solide geleuchteten Plates das i-Tüpfelchen aufsetzen, oder manchmal einem ganzen Werk noch eine ganz andere Greifbarkeit geben können (Fury Road… etc).

Ja, ja, derartig fähige Menschen wird es wohl in allen Bereichen geben. Ich verstehe ja auch, dass Beleuchter, Color Grader etc. Fehler machen, Beleuchtungen etc. nicht stimmen in einigen Szene, kommt ja in den teuersten Filmen vor, aber dass völlig desolat beleuchtet wird, Farben angepasst werden. Aber wie man es so desolat hinkriegt, verstehe ich nicht. Auch müsste es sich doch irgendwie beim Machen abzeichnen, erkennen lassen, so dass man dem vielleicht entgegenwirken könnte bzw. überlegt man sich ja vermutlich (vorher), wie man es haben will.

LennO

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8

Samstag, 6. Juni 2020, 14:23

Ich glaube du unterschätzt da ein wenig wie "run&gun" Style viele Amateurfilme entstehen, und auch die Tatsache dass die meisten Amateur- oder Hobby-Filme nicht unbedingt aus der Motivation heraus entstehen einen wahnsinnig guten Film als Produkt zu erschaffen, sondern eine bestimmte Materie oder Genre zum Vorbild liegt und man das "best mögliche macht" um Spass am Dreh zu haben. Viele Amateur-Projekte entstehen absolut nicht durch ausgebildete Filmleute, oder durch Menschen die Erfahrung in dem Bereich haben, sondern werden oft eher von Menschen gemacht, die zwar gerne Filme schauen, aber absolut gerade mal nur den nötigsten Kram beisammen haben um das mit ein paar Freunden durchzuziehen. Und selbst die etwas "höher-budgetierten" Amateurfilme mit vllt straight-to-DVD (naja nun eher BluRay) Release sind selten mehr als ein Haufen begeisterter die das alles eher zum zweiten mal machen als zum 20ten mal. Eine Kamera irgendwo hinstellen und draufhalten, ist halt immer noch etwas anderes als einen ganzen Film zu produzieren. Und gute Coloristen und Beleuchter sind die wenigsten in dem Bereich. Die meisten Amateurprojekte würde ich eher als Grading-Unfälle ansehen, bis auf dann eben auch fantastische Ausnahmen. Wobei auch die fantastischen Ausnahmen oft eher Studierenden-Projekte von Filmhochschulen sind, als wirklicher "Hobby-Content", und oft hat der durchschnittliche Film-Student zumindest dann doch noch mehr Leihmöglichkeiten und etwas Budget, inkl einer etwas besser ausgebildeteren Crew + Leute die auch in die Post gehen wollen.

Schlussendlich kommt es doch dann auch immer drauf an wo das Hauptaugenmerk der Produzenten liegt – ich glaube den innerlichen Anspruch einen "gut" (was auch wieder Definitionssache ist, aber auch nicht völlig beliebig) aussehenden Film zu schaffen gibt es nicht unbedingt immer gegenüber dem größeren Anspruch A) Ein Genrepublikum glücklich zu machen B)Die eigene Crew glücklich zu machen C)Von vornherin völligen Quatsch zu machen a la Asylum-Filme.

Die Indie- oder Amateurprojekte die in dem Kontext auf den wir uns hier beziehen "gut" oder "herausstechend" aussehen, haben zumeist Crewmitglieder die aus dem Filmbereich kommen, da fliesst auch hier und da etwas Geld wenn auch nicht die Branchenübliche usw usf und Sponsoring für Technik und Co. Schlussendlich gibt es aber auch einfach nicht einen einzigen Amateur-Langfilm (aber duchaus einige, vllt gar viele, Kurzfilme im 10-30 Minuten Bereich!) die an die optische Qualität eines Hollywood-Blockbuster (und das sind die Filme die du genannt hast wie Jurrassic Park, Zurück in die Zukunft…) heranreichen. Deine Beispiele stammen auch noch aus einer Zeit lange bevor es überhaupt DI gab, und das was du als den Look beschreibst ist im Endeffekt rein das Licht (und Dutzende an LKW mit Tonnen voll davon!) in Kombination mit der guten (aber auch eindeutig als solche identfizierbaren) Farbwiedergabe qualitativ hochwertigen 35mm Materials in Kombination mit der Wahl der "richtigen" Einstellungsgrößen. Und heute wird das eben digital gemacht, was ne Menge Möglichkeiten bietet – aber eben auch für viele die Möglichkeit zu verkacken. Es ist ja nicht so dass Amateurfilme oft nicht graden würden – aber Magic Bullet Looks artige Unfälle auf DV Material zu legen macht das DV Material meistens auch nicht besser ^^ Nur anders – und viele Menschen im Filmbereich neigen dazu, ihr Material, weil sie von Schauspiel über Setdesign bis Licht eben unzufrieden sind mit dem Produkt ihrer Mittel, zu verfremden, damit es "bloss nicht so aussieht" wie die Kamera es aufgenommen hat. Das vermittelt den subjektiven Eindruck von "man hat was dran gemacht" und "es sieht zumindest nicht aus wie die schreckliche Realität". Jemand der das aber von aussen sieht, sieht das weiterhin genauso wie es ausgesehen hat und denkt sich obendrein noch "was ein überzogenes Grading!". Dazu neigen durchaus auch mal hoch budgetierte Produktionen, aber sein Material verfremden zu wollen ist gerade im Low-Budget Bereich ziemlich gefragt. Dagegen gibt es den starken Kontrast von "garkein" Grading. Da du es gewohnt bist Filme zu sehen, die sowohl extrem gut geleuchtet, als auch mit extremen Fingerspitzengefühl und hunderten selektiven Keys und Masken gegradet wurden, findet man eine völlig ungegradetet Einstellung mit evtl auch noch total flachem Licht dann eben "desolat".

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7River

Boyzie

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Samstag, 6. Juni 2020, 15:25

Bei diesen im "run&gun"-Stil gemachten Filmen kann ich es verstehen, die meinte ich aber gar nicht (was ich aber gar nicht erwähnt hatte), obwohl das ja richtige Amateurfilme sind. Bei den Filmen geht es eben einfach um den Spaß oder so was beim Machen bzw. nicht darum einen spitzen Film machen zu wollen. Ich meinte tatsächlich einzig die Filme, die von Menschen gemacht werden, die auch einen guten Film als Ergebnis haben wollen, bei denen eigentlich Menschen wirken, die gelernt haben, wie man das macht, was man in der jeweiligen Abteilung können sollte, die sich eben mit dem Filmemachen auch wirklich beschäftigen. Die Personen, die diese Filme machen, sind also eigentlich gar keine Amateure bzw. sollten es nach dem, was sie gelernt / studiert haben / sich angeeignet haben nicht sein. Also die in Deinem ersten Absatz genannte Personengruppe meine ich nicht, von der abgesehen vielleicht, die Direkt-Zu-DVD-Filme machen, da fällt mir gerade Steven Seagal ein, da sind ja, vermute ich, schon mindestens öfter Meschen tätig, die sich mit Filmemachen auskennen.

Aber ja, die Ursachen für die desolaten Farben müssen wohl an u.a. den unterschiedlichen Umständen, einer Kombination daraus, liegen, die Du ansprichst. Das klingt plausibel.

Wie lange dauert ein vernünftiges Color Grading denn eigentlich bei einem Langfilm? Wie aufwendig ist das?

Tofuhuehnchen

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Samstag, 6. Juni 2020, 19:55

Man darf auch nicht vergessen, dass man in Hollywood auch noch daran denkt dass Sets, Requisiten, Gewand und Locations aufeinander abgestimmt sind (3-Farben Regel).
Wenn man das konsequent durchzieht, macht das eine Menge aus.
Liebe Grüße
Euer Tofuhuehnchen

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Christian_Eberle

Boyzie

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11

Samstag, 6. Juni 2020, 20:45

Zitat

Man darf auch nicht vergessen, dass man in Hollywood auch noch daran denkt dass Sets, Requisiten, Gewand und Locations aufeinander abgestimmt sind (3-Farben Regel).

Was bedeutet das genau? Wie wirkt sich das aus?

LennO

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12

Sonntag, 7. Juni 2020, 04:42

Wie lange dauert ein vernünftiges Color Grading denn eigentlich bei einem Langfilm? Wie aufwendig ist das?


Das kommt komplett auf den Film an. Pauschal kann man da wenig zu sagen, auch wenn viele Coloristen eine Zahl von 8-14 Tagen in den Raum werfen würden. Durchschnittliche Filme werden auch in ca der Zeit gegraded, es hängt aber auch vom Prozess ab… ggf. auch davon ob Regie/DOP dabei sitzt oder nicht und konkrete Vorstellungen hat, der/die Colorist/in freie Hand hat oder ne Menge Korrekturschleifen entstehen. Auch manchmal davon wieviel des Films noch in der Post entsteht – grundsätzlich kanns mal sein (meistens ist das so ^^) dass VFX Shots relativ spät reinkommen und dann die in ner zweiten Schleife gegradet werden. Und dann hängts auch noch n bisschen davon ab was für verschiedene Deliveries (also Endprodukte…DCP, BD Master…) direkt aus der DI kommen müssen.

Irgendwo also zwischen 60-200 Stunden ist alles möglich ;)

Regelfall eher ne Woche.

Boyzie

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Sonntag, 7. Juni 2020, 10:55

Also grundsätzlich im Verhältnis schon weitaus weniger Zeit, als sie offenbar für viele Kurzfilme (5-10 Min.) gebraucht zu werden scheint, die erstaunlicherweise oft erst nach ein, zwei Jahren fertig werden.

Wie stark beeinflußt die Kamera das Color Grading / die Nachbearbeitung / die Filmfarben? Bzw. in welchem Maße lassen sich durch die Kamera hervorgerufene ungünstige Farben beir Farbanpassung-, korrektur noch ausgleichen? Sollte die Kamera hautpsächlich gewählt werden danach, welches Aussehen man für einen Film haben will? Wäre es also wichtig oder unabdingbar schon bei der Planung eines Filmes zu wissen, wie er am Ende aussehen soll?

LennO

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14

Sonntag, 7. Juni 2020, 11:21

Also grundsätzlich im Verhältnis schon weitaus weniger Zeit, als sie offenbar für viele Kurzfilme (5-10 Min.) gebraucht zu werden scheint, die erstaunlicherweise oft erst nach ein, zwei Jahren fertig werden.


Aber sicherlich nicht weil jemand so lang fürs Grading braucht. So ne Post-Zeit bei nem Kurzfilm liegt eher anderen Faktoren, wie das lange für den Schnitt gebraucht wird, evtl nachgedreht werden muss oder VFX entstehen müssen. Selbst jemand der unerfahren ist wird maximal einen Monat für einen 5-10 Min Film brauchen, vllt nicht unbedingt dann am Stück wenn man es in der Freizeit macht.


Wie stark beeinflußt die Kamera das Color Grading / die Nachbearbeitung / die Filmfarben? Bzw. in welchem Maße lassen sich durch die Kamera hervorgerufene ungünstige Farben beir Farbanpassung-, korrektur noch ausgleichen? Sollte die Kamera hautpsächlich gewählt werden danach, welches Aussehen man für einen Film haben will? Wäre es also wichtig oder unabdingbar schon bei der Planung eines Filmes zu wissen, wie er am Ende aussehen soll?


Das Grading heute…kaum, aber einer gewissen Qualität. inwiefern du frei bist im Grading kreativ zu sein, hängt eher von der Qualität des Materials (Bit-Tiefe und Kompression, wieviele Blenden du aus dem Raw noch rausholen kannst falls du es musst) also von der Farbwiedergabe der Kamera ab. Selbst wenn Red Raw Black Magic Raw und Arriraw sich erstmal grundsätzlich nicht ähnlich sehen und sowohl jeder Sensor als auch jedes Format eine spürbar andere Farbwiedergabe haben, so kommst du von allem in alles. Keine Farbwiedergabe heutzutage bei einer Kamera in einem ernszunehmenden Segment ist ein Stein im Weg zu guten Farben. Die Kamerawahl sollte weiterhin Sache der Kameraperson sein, und Post-Belange sollten dabei berücksichtigt werden. Wenn man uns in VFX fragt worauf wir arbeiten wollen wird die Antwort immer Redraw oder Arri Raw sein ;)
Aus ner kleinen Digiknipse kann man natürlich auch weniger rausholen. Aber wie bereits gesagt, Grading rettet in aller Regel kein schlechtes Licht oder mangelndes Setdesign. Wie der Film am Ende aussehn soll, ist bei der Planung eigentlich wirklich unabdingbar, aber das hat dann auch eben auch eher mit Design (und mit Farbwahl Fragen) und Licht( und wie Licht gesetzt werden soll) zu tun. Bei der Kamerawahl spielt wirklich eher Größe der Mühle, mögliche Optiken, Handling, aquierierbares Ausgabe und Intermeditate Format (8k scheissen, 4k raus / 8K scheissen, 2k raus usw usf) und soetwas ne Rolle.

Boyzie

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Sonntag, 7. Juni 2020, 12:39

Ja, das stimmt natürlch, nicht allein fürs Grading, immerhin für den ganzen Film, aber 1, 2 Jahre (entsprechend die Dauer fürs Grading vielleicht) für die Fertigstellung eines Kurzfilms mit 5-10 Min. Länge zu brauchen (oder gar noch länger), kommt mir schon irrsinnig vor, ist ja offenbar auch keine Ausnahme, dass es so lange dauert.

Das hätte ich nicht gedacht, das heißt, falls ich recht verstehe, selbst bei einer Billig-Kamera (vielleicht 500 €), so fern die Farbwiedergabe in Ordnung ist, lassen sich - falls man nicht die falschen Einstellungen verwendet - beim Grading noch gute Farben rausholen. Sind Kameras wie Sony α7 III, GH5 schon im ernstzunehmenden Segment?

Ja, gegen schlechtes Licht / falsche Beleuchtung läßt sich in der Nachbearbeitung wohl nicht so viel machen. Beim Prduction Design unter Umständen doch vielleicht schon etwa mehr (VFX), könnte ich mir denken.

Tofuhuehnchen

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Montag, 8. Juni 2020, 10:14

....
Was bedeutet das genau? Wie wirkt sich das aus?

Das bedeutet, man verwendet für Requisiten, Gewand, etc.. nur drei Farben und deren Nuancen. (Schwarz und Weiß zählen nicht als Farben).

Bsp:


Sie trägt blaues Gewand, er Dunkelblaues/schwarzes Sakko und ein weißes Hemd. Dahinter ein roter Kasten und ein blaues Bett, der rest des Bildes besteht aus grau, weiß und beige-Tönen.

Bsp 2:

Es überwiegen rot ("Exit"-Schild, Mann mit rotem Hemd, rot gepunktetes Hemd der Darstellerin), orange(Person mit orangenem Hemd), blau(Hose Darsteller, hellblaues Hemd des Darstellers).
Der Eingangsbereich und die Wände gehen von einem gelblichen Ton in braun über.

Es wirkt sich als ein "stimmigeres" Bild aus - da meist Komplementärfarben verwendet werden.
Liebe Grüße
Euer Tofuhuehnchen

Boyzie

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Montag, 8. Juni 2020, 10:46

Vielen Dank für die Beispiele!

Das heißt also, um eine sinnvolle Farbgestaltung zu kriegen, einen vernünftigen Bildaufbau, kann man oder sollte man sich an diese Regel halten bzw. sie auf jeden Fall in die Gestaltung mit einbzeziehen.

Mir fällt da gearde der Film "Dick Tracy", 1990, ein (und dessen Klamotten in wohl allen möglichen Farben), bei dem wurde diese Regel bestimmt nicht angewandt, oder doch? Und auch "Crimson Peak" mit wohl unübertreffbarer Gestaltung, da waren dann in dieser Hinsicht wohl besonders gute Leute am Werk.

Der Aufwand diese Regel bei einem Filmdreh einzuhalten, wird wohl ganz schön hoch sein, vor allem brauchte man ja für die entsprechenden Abteilungen wohl auch extra Leute. Das sind bestimmt die Abteilungen, auf die die meisten oder fast alle "low / no budget"-Filme verzichten.

Tiger

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Montag, 8. Juni 2020, 17:37

Das heißt also, um eine sinnvolle Farbgestaltung zu kriegen, einen vernünftigen Bildaufbau, kann man oder sollte man sich an diese Regel halten bzw. sie auf jeden Fall in die Gestaltung mit einbzeziehen.

Es gibt keine fixe Regel, ob man 1, 2, 3 oder 4 Farben verwendet, du wirst für jeden Ansatz Beispiele finden. Die Idee dahinter ist aber immer die gleiche, man bedient sich aus einer definierten Farbpalette, um einen konsistenten Look zu bekommen. Das Konzept zieht sich vom Set bis zum Color Grading durch. Klassisch aber auch etwas abgedroschen ist gerade bei Hollywood Filmen der orange/teal look, bei dem letztendlich zwei Farben übrig bleiben. Ein schönes Beispiel für konsequente Arbeit mit Farben ist die Serie Miami Vice. Die Farben Magenta und Türkis finden sich schon im Logo wieder und tauchen konsequent immer wieder auf. Für die Serie wurden ganze Häuser innen und außen neu angemalt um ins Farbschema zu passen. Filme, bei denen man viel über Farben lernen kann sind z.B. Interstellar, Mad Max Fury Road oder Blade Runner (der alte und der neue, im neuen gibt es für jede Location eine eigene Farbpalette). Entscheidend ist, daß nicht wahllos irgendwas bunt gemacht wird, sondern ein künstlerisches Konzept dahinter steht, das in allen Produktionsschritten berücksichtigt wird. Dabei geht es nicht nur um Ästhetik sondern auch um Farbpsychologie. Es lohnt sich, sich in das Thema etwas einzuarbeiten. Man kann mit relativ einfachen mitteln massiv den eigenen Output verbessern.

Und genau hier scheitern fast alle Amateurfilme und auch jede Menge Profi Produktionen. Ich kenne kaum einen deutschen Film oder eine TV Produktion, wo man wirklich ein sinnvolles Farbkonzept erkennen kann. Manchmal wird halbherzig ein wenig Color Grading gemacht, das nützt aber nichts, wenn nicht schon am Set die Grundlagen für ein sauberes Farbkonzept geschaffen wurden und kein klares Konzept dahinter steht. Dazu kommt, daß Color Grading viel mehr ist als eine LUT draufzuklatschen oder paar Farben rein und raus zu drehen. Fast jede Szene lässt sich mit Re-Lighting und gezielt eingesetzten Secondaries noch massiv aufpeppen um z.B. eine gezielte Blickführung der Zuschauer zu erreichen und das Farbkonzemt vom Set Design konsequent rauszuarbeiten. Color Grading ist eine Kunstform, kein lästiger aber notwendiger Arbeitsschritt. So kommt es, daß ich manchmal 20-30 Nodes in Resolve auf einem Clip liegen habe.

Hier gibt es noch jede Menge Lesestoff zum Thema:

https://www.studiobinder.com/blog/how-to…color-palettes/

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Tofuhuehnchen

Boyzie

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Montag, 8. Juni 2020, 21:09

Ich glaube, ich habe noch nie einen (Kurz-)Filmdreh mitgekriegt, bei dem es auch nur ansatzweise um diese Art von Gestaltung gegangen wäre. Ist / wäre ja schade, zurückhaltend ausgedrück, einen Film zu machen ohne derartige Gesaltungsmöglichkeiten zu nutzen. Aber offenbar verzichtet man efinfach auf Personal, das für diese Gestaltungsmöglichkeit gebraucht würde, obwohl doch auch das nicht schwerer zu finden sein müsste als andere Teile des Teams und auch nicht mehr Kosten verursachen würde als andere Teile des Teams, also eher keine oder kaum welche, im "low / no budget"-Bereich. Vielleicht geht es ja eher um den (vermeintlichen) Aufwand, zusätzliche Organisation etc. Aber - wie Du schon schreibst - man kann mit einfachsten (billigsten / kostenfreien) Mitteln und geringstem Aufwand das Aussehen einer Szene mitunter enorm verbessern.

Wie würde man denn am besten vorgehen, wenn man, etwa für einen eigenen Film, dieses Gestaltungsmittel intensiv einsetzen wollte?


Vielen Dank auch für den Link. Ja, in der Tat, viele Informationen dort.

Selon Fischer

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Dienstag, 9. Juni 2020, 10:49

Aber offenbar verzichtet man efinfach auf Personal, das für diese Gestaltungsmöglichkeit gebraucht würde, obwohl doch auch das nicht schwerer zu finden sein müsste als andere Teile des Teams und auch nicht mehr Kosten verursachen würde als andere Teile des Teams, also eher keine oder kaum welche, im "low / no budget"-Bereich.

Ich fürchte, du untertschätzt gewaltig den Aufwand, den man betreiben muss, um auch nur ein Team von fünf Personen (Regie, Kamera, Ton, Licht, Maske) terminlich für mehrere Drehtage unter einen Hut zu bringen. Filme, so wie wie meisten in diesem Forum sie machen, sind Freizeitprojekte. Und wie alle Freizeitprojekte müssen sie sich ihre Projektzeit mit anderen (beruflichen, familiären, etc.) Projekten teilen. Darum drehe ich am liebsten mit kleinen Teams für eine überschaubare Drehzeit. Das erhöht die Chance, dass der Film überhaupt abgeschlossen werden kann. In allen Independent-Drehs, an denen ich partizipieren konnte, war eine Menge Herzblut im Spiel. Das bedeutet aber nicht, dass die Leute nicht (vollkommen verständlicherweise!) abspringen, sobald sich ein bezahltes Angebot auftut.

Darum: Kritik ist gut und notwendig, aber wenn Amateurfilmer Profiarbeit machen würden, gäbe es keinen Bedarf an Profis.

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