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Konstantin

unregistriert

1

Sonntag, 25. April 2010, 13:17

Spezielle Anwendungsbereiche der verschiedenen Objektive

Hallo liebes Forum!

Was ich mich oft frage: Es gibt bei Objektiven so viele Brennweiten, doch wann benutzt man die jeweilige Brennweite in welcher Situation?

Klar, es gibt die kleinen Brennweiten (Weitwinkel, z.B.: 16mm), die "mittleren" (z.B. 50mm) und die großen Brennweiten (Tele, z.B. 200mm).

50mm eignet sich oft sehr gut beim Filmen als "Standard-Linse". Doch dann frage ich mich, ob spezielle Brennweiten ein bestimmtes Aufgabenfeld erfüllen. Denn oft lese ich Sachen, dass sich z.B. 50mm gut für Oberkörper-oder Ganzkörperaufnahmen eignen, aber nicht für reine Gesichtspotraits und etc. .

Gibt es solche Regelungen, wann man welches Objektiv benutzen sollte?
Oft sehe ich beispielsweise 85mm-Objektive in Sets Anderer und dann frage ich mich, wann diese genau benutzt werden. Denn eigentlich könnte man mit einer 50mm auch näher ans Objekt wandern und hätte dann auch 'ne bessere Blende, als dass man das 85mm-Objektiv benutzt (es sei denn es ist für den photographer unmöglich näher zu gehen oder das 85mm-Objektiv hat die gleiche Blende wie das 50mm). Oder haben bestimmte Obejktive mehr Depth-of-field als andere? Was sind die Geheimnisse?

Ich hoffe ihr versteht was ich meine. Vielleicht habt ihr ja nützliche Links auf Lager oder was empfehlenswertes zu kaufen.

Es ist mir schon klar, dass ich Weitwinkel z.B. bei wide-shots anwenden sollte, statt die üblichen 50mm zu verwenden, aber da kommt wiederum die Frage, warum man nicht einfach mit dem 50mm weiter nach hinten geht, um den gleichen Bildausschnitt zu bekommen? Aber wahrscheinlich liegt das wirklich an dem handling, dass bestimmte Objektive an Ort und Stelle die jeweilige Aufnahmesituation vereinfachen sollen...


Unterscheidet man denn bei der Anwenung von Objektiven zwischen Videografie und Fotografie?

Ich hoffe ihr könnt mein Fragen beantworten ^^



Viele Grüße,
Konstantin

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Konstantin« (25. April 2010, 13:23)


Marcus Laubner

unregistriert

2

Sonntag, 25. April 2010, 14:24

Ich hab Sollthar vor kurzem die gleiche Frage gestellt. Die höheren Brennweiten sind zum Beispiel gut für sowas hier:


Die Kamera ist sehr weit weg, mit ner 50mm Brennweite würdest du auf die Entfernung nicht so eine geringe Schärfentiefe erreichen, nahezu alles wäre scharf. Die kleinen Brennweiten sind widerrum gut für große Schärfentiefen (also wenig Unschärfe).

Konstantin

unregistriert

3

Sonntag, 25. April 2010, 14:48

Die Kamera ist sehr weit weg, mit ner 50mm Brennweite würdest du auf die Entfernung nicht so eine geringe Schärfentiefe erreichen, nahezu alles wäre scharf. Die kleinen Brennweiten sind widerrum gut für große Schärfentiefen (also wenig Unschärfe).

Aber wenn ich wiederrum mit dem 50mm näher ans abgefilmte Motiv gehe, um den gleichen Bildausschnitt wie diesen vom Teleobjektiv zu bekommen, dann habe ich wieder meinen schönen depth-of-field.
Der Bildausschnitt muss der gleiche sein, wenn man die Schärfentiefe vergleichen möchte.

hjkoenig

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4

Sonntag, 25. April 2010, 14:51

Hallo,
dazu kommt:
mit unterschiedlicher Brennweite verändert sich die Zuordnung der abgebildeten Dinge im dargestellten Raum - mitgekommen, soweit?
Beispiel: man stelle eine Person z. B. vor ein Gebäude und sorge dafür dass sie sowohl bei Weitwinkel- als auch bei Tele immer formatfüllend abgebildet ist (das heißt, dass man dazu mal näher ran, mal weiter weg gehen muss). Dann kann man beobachten, dass das Gebäude im Hintergrund mal kleiner als die Person erscheint (Weitwinkel) und mal größer abgebildet wird. Weitwinkelaufnahmen können "weiträumiger" wirken, oder sie verzerren die Größenverhältnisse (Das geht soweit, dass jemand einen enormen Riechzinken bekommt, wenn man ihm mit extremem Weitwinkel die Kamera vor die Nase hält.) Bei Teleaufnahmen wirkt alles mehr zusammengerückt und verdichtet Je mehr Telebrennweite, desto realistischer erscheint das Größenverhältnis der Dinge im Bild zueinander zu sein. Da aber die extreme Teleaufnahme nur einen kleinen Ausschnitt des Objekts zeigt, lässt sich auch damit verfremden.
Mit der Brennweite wird also nicht nur der Bildausschnitt verändert und die Schärfeebene verändert, sondern auch Atmosphäre erzeugt.
Gruß Hajo König
hans joachim könig

Marcus Laubner

unregistriert

5

Sonntag, 25. April 2010, 15:54

Aber wenn ich wiederrum mit dem 50mm näher ans abgefilmte Motiv gehe, um den gleichen Bildausschnitt wie diesen vom Teleobjektiv zu bekommen, dann habe ich wieder meinen schönen depth-of-field.

Die extreme Tiefenunschärfe wie auf dem Bild erreichst du so (zumindest mit ner 50mm Linse) nicht, auch wenn du näher rangehst. Außerdem hast du das Problem, wenn du die Szene mit ner 50mm Linse nachstellen wollen würdest, müsstest du wirklich nah ran und dann laufen Dir die Personen aber innerhalb einer Sekunde Film schon ausm Bild, ganz iim Gegensatz zu der Szene im Film, da bleiben sie aufgrund der Distanz zur Kamera lange im Bild. Deshalb nimmt man dafür ja auch andere Linsen, wenn man alles mit ner 50mm Linse nachstellen könnte, bräuchte man sich ja nicht haufenweise teure Linsen kaufen ;)

Heltfilm

unregistriert

6

Sonntag, 25. April 2010, 16:53

- Beitrag entfernt -

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »orionVFX« (19. Juni 2011, 17:19)


Konstantin

unregistriert

7

Sonntag, 25. April 2010, 23:14

Schonmal vielen Dank für die Antworten!

Vorallem das was hjkoenig schreibt ist höchst interessant.

Man müsste sich dann ja eine bestimmte Liste aufschreiben, wann welches Objektiv ab einer bestimmten Entfernung in welcher Situation und welchem Bildauschnitt in Frage käme. Wie macht Hollywood das? Gibt's da vielleicht eine besitmmte "Objektiv-Bibel", worin genau diese Sachen aufgelistet sind? Das ist dann ja schon etwas komplexer als man denkt, vorallem die ganzen Möglichkeiten die einem dann zukommen.

Darum gibts auch die ganzen verschiedenen Objektive für DSLR, weil man je nach Situation das passende Objektiv braucht.

Dann hatte ich mit meiner Hypothese ja Recht :) Danke dir.

Marcus Laubner

unregistriert

8

Montag, 26. April 2010, 07:38

Es kommt auf die Blende an.
Hier ein Beispiel mit Blende 1.8 auf 50mm Brennweite.

Ich hatte ein Bild aus Keinohrhasen geposted, das mindestens aus 20m Entfernung gedreht wurde, das kann man mit so einem Standardbild aus nächster Nähe nicht wirklich vergleichen ;)

sollthar

unregistriert

9

Montag, 26. April 2010, 08:25

Die Idee verschiedener Brennweiten ist die Wahl des Ausschnitts. Die Schärfentiefe ist ein Nebenprodukt, dass Amateurfilmern, die eben erst neue Objektive entdeckt haben, viel wichtiger ist als den meisten Profi DP's - da stehen narrative oder Bilddramaturgische Möglichkeiten im Vordergrund. Der Unterschied, mit einer niedrigen Brennweite nah ans Objekt zu gehen oder mit einer hohen Brennweite weiter weg liegt nicht im Objekt oder zwangsläufig in der resultierenden Schärfentiefe, sondern im Hintergrund und in der Tiefenwirkung des gesamten Bildes.

Nahe gefilmt mit kleiner Brennweite heisst, man sieht mehr vom Hintergrund (zum Beispiel einer Burg oder eines Hauses oder eines Waldes). Durch die Nähe entsteht ein anderer emotionaler Bezug zum Charakter. Man ist nahe dabei. Gefühle sind hier also entscheidend.

Weit gefilmt mit hoher Brennweite heisst, man sieht weniger vom Hintergrund (zum Beispiel halt nur die Frontmauer oder ein paar Bäume). Durch die Distänz wird der emotionale Bezug eher zum Beobachter verschoben. Man ist distanzierter als Zuschauer.

Bei deinem Varianten wäre das Hauptobjekt, der Schauspieler, gleich gross im Bild. Aber der Ausschnitt des Hintergrunds ändert sich massiv und damit auch die Dramaturgie der Einstellung..

Das kann also je nach Narration oder Drehrealität (zum Beispiel an nicht ganz gebautes Set oder die entstehende dramaturgische Wirkung) so oder so gewünscht sein.



Ob ich eine niedrige oder hohe Brennweite für einen Closeup wähle hängt also auch oder sogar primär von der dramaturgischen Wirkung und dem Hintergrund ab. Das ganze OMG TIEFENSCHÄRFE gedöns liest man primär bei Hobbyfotografen und Hobbyfilmern. Für Profi DP's ist die Dramaturgie entscheidend, nicht die Schärfentiefe. :)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »sollthar« (26. April 2010, 08:31)


Konstantin

unregistriert

10

Montag, 26. April 2010, 13:46

Danke für die Infos sollthar!

Dass, was hjkoenig schrieb, hab ich ausprobiert und der Unterschied ist enorm. Dieser Unterscheid ist mir primär nie so richtig aufgefallen. Probiert's mal aus!

joey23

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11

Dienstag, 27. April 2010, 12:49

Hier ist vieles schon erklärt, eine Kleinigkeit noch:

Je kleiner die Brennweite, desto verzogener werden Objekte dich am Objektiv abgebildet. Darum lässt sich mit einem Weitwinkel auch kein Portrait schießen. Die Nase wird dann riesig. Bekannt ist der Effekt (hier gewollt) dem ein oder anderen eventuell von diesen
Bilden:

Costa

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12

Dienstag, 27. April 2010, 16:26

Besonders gut verdeutlicht wird die Veränderung der Brennweite übrigens beim "Vertigo"-Effekt. Dabei sieht man die Auswirkungen ziemlich gut, da der Bildausschnitt prinzipiell immer der gleiche bleibt.



In der Stereoskopie fallen höhere Brennweiten übrigens sehr viel deutlicher auf, da sich hier das "Zusammenrücken" des Raumes dadurch äußert, dass die Personen und Gegenstände sehr platt erscheinen, während sich der Raum hingegen relativ gesehen vergrößert.
Unsere Filmprojekte:
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Konfuzius

tomatentheo

unregistriert

13

Mittwoch, 14. Juli 2010, 15:27

Moin!

Ich grabe mal das alte Thema wieder aus.
"Stillmotion", eine Firma aus den Staaten, hat zusammen mit Canon eine Roadshow durch die Staaten gemacht. -> "Canon Cinema Caravan"
In einem Video erklären sie, welche Objektive sie für die 5D//D verwenden. Okay, nix für den kleinen Geldbeutel, aber die Unterschiedlichkeit der Objektivbrennweiten kommt gut zum Tragen.


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