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Danielleinad

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1

Mittwoch, 9. September 2015, 06:13

Die Sieben Augen des Raben - (Mittelalter-Erzählung, D/P/UA 2015, mein "Debütfilm")

Filmtitel:
DIE SIEBEN AUGEN DES RABEN - frei in Sklavonien

Beschreibung:
Wie lebten die auch Sklaven (Slawen) oder Vandalen (Wenden) genannten Menschen im mittelalterlichen Pommern des 10. Jahrhunderts? Chronist und Kleriker Adam von Bremen lässt sich die Geschichte vom alten Erik von Raben 1050 A.D. in einem Klosterkeller der Stadt Roskilde erzählen.

Infos zur Entstehung: Gedreht wurde der Film mit internationaler Besetzung Ostern 2015 im ukrainischen Kiew, November 2014 im sächsischen Pegau und Juni 2015 im polnischen Groß Strelitz und Preiswitz. Es ist mein erster szenischer Spielfilm, der mit Tonaufnahme am Set und Drehbuch produziert worden ist und damit in dieser Hinsicht ein Debüt :) Angedacht war das ganze als eine Serie von drei Staffeln mit je zehn Folgen, welche in diesem Fall in der Vergangenheit, aber auch in der Gegenwart und Zukunft spielen soll. Somit ist diese Folge ein Pilotprojekt gewesen. Ein vollkommen irres Projekt. Unglaublich aufwendig und teuer, unglaublich chaotisch und amateurhaft zugleich. Ich bin gespannt, welchen Sinn ihr hinter dieser Geschichte seht. Viel Spaß beim Film :)

Kamera: Sony Alpha 65 + Tamron 17-50mm f2.8, Panasonic Lumix GH4 + Canon FD 50mm 1.8
Sonstiges Equipment: Zoom H1, "Kimahri"-Kamera-Slider
Schnittsoftware: MAGIX Video Pro X7

Stream:


Filmlänge:
25.15 Minuten

Screenshot:

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Danielleinad« (9. September 2015, 06:19)


Barbara

unregistriert

2

Mittwoch, 9. September 2015, 17:03

Zitat

Angedacht war das ganze als eine Serie von drei Staffeln mit je zehn
Folgen, welche in diesem Fall in der Vergangenheit, aber auch in der
Gegenwart und Zukunft spielen soll. Somit ist diese Folge ein
Pilotprojekt gewesen
Ich stelle mir unter "Pilotprojekt" etwas vor, dass Lust auf mehr machen soll. Aber hier bin ich nicht so sicher, ob ich mir mehr anschauen wollte. Das ganze ist doch seehr "dialoglastig", es passiert nichts wirklich Spektakuläres. Die einzige "Kampfszene", die vorhanden ist, dauert nur wenige Sekunden und ist jetzt auch nicht unbedingt fesselnd. Zudem erinnern mich die Dialoge, bzw. wie sie gesprochen wurden, doch oftmals sehr ans Theater bzw. auswendig gelernt, und auch die "Hure" verstehe ich aufgrund des Akzents manchmal schlecht.

In der ersten Szene hat der alte Erik erst eine Decke (?) umgehängt, dann trägt er ein Hemd?
Bis Minute 6 hat der "Böse" eine selbstgebaute Lanze, dann plötzlich nicht mehr und muss sich den Stock von seinem Kumpel ausleihen?
Der Pferdesattel passt nicht ins Mittelalter...

Warum hast du dich in der Post für so blasse Farben (keine Ahnung wie das heißt) entschieden?

An sich sehe ich "Historienschinken" recht gerne, doch wenn dieser im Fernsehen kommen würde, würde es mir sicher nach wenigen Minuten zu langweilig werden, leider. Daher mein Vorschlag, weniger Dialoge, mehr Handlung, bzw. die Erzählung aus dem Off und mit Spielszenen untermalt.

Wieviel habt ihr denn schon abgedreht?

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Barbara« (9. September 2015, 17:16)


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L Lawliet

comic74

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Donnerstag, 10. September 2015, 10:31

Als Erstlingswerk ganz nett, man merkt dass ihr euch bemüht habt. Was mich am meisten gestört hat war die Kameraführung UND die wirklich schlechten Schauspieler. Habt ihr eigentlich vorher geprobt oder direkt gedreht?

Selon Fischer

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Donnerstag, 10. September 2015, 16:08

Lieber Daniel,

ich habe es nun dreimal versucht, deinen Film anzuschauen. Ich schaffe es einfach nicht, ohne große Passagen durchzuskippen. Tut mir echt leid. Eigentlich würde ich dir gerne eine ausführliche Kritik abliefern, so wie du das bei anderen auch immer machst. Du bist ein aktiver Teil des Forums und dementsprechend sollte dein Debütfilm auch die nötige Aufmerksamkeit bekommen. Leider machen viele Dinge, für die du als Cutter und Kameramann nichts kannst, den Film kaputt. Die Schauspieler sind wirklich, wirklich nicht gut, die Inszenierung sehr lahm und statisch und das Drehbuch (das keinem der Protagonisten wirklich Tiefe gibt oder auch nur im Ansatz den Claim "Wie lebten die auch Sklaven oder Vandalen genannten Menschen im mittelalterlichen Pommern des 10. Jahrhunderts?" zu erfüllen!) macht es den Laienschauspielern auch wirklich nicht einfach, den Text gut zu spielen. Deine Kameraarbeit finde ich größtenteils in Ordnung, bei der Verfolgung gegen Anfang des Films aber mit den In-die-Schärfe-rennen bzw. vice versa echt eigenartig. Da hast du auch gleiche oder sehr ähnliche Einstellungen aufeinander geschnitten, was zusätzlich seltsam war. Ich hatte das Gefühl, dass du eine viel zu kurz inszenierte Verfolgungsjagd strecken wolltest, weil der Erzählfluss das so braucht. Kann ich auch voll nachvollziehen. Seltsam finde ich die Positionierung der Protagonisten: alles sehr horizontal auf einer Linie, ohne die Tiefe des Raumes auszunutzen. Besonders schade ist das gleich am Anfang bei dem Gespräch der beiden Männer - warum habt ihr die beiden so nah an die Wand gepresst? Da hätte mehr Abstand für mehr Tiefe und ein schöneres Bild gesorgt. Das zieht sich übrigens durch den Film durch. Die beiden Mädels vor dem Baum, die Kinder vor der Holzwand. Wirkt ein bisschen wie fürs Theater. Hier musst du dem Regisseur sagen, was für das Bild am besten ist ;) Schön geworden ist die Reitszene und die Lagerfeuerszene. Leider hat es mich bis dahin die Handlung nicht geschafft, mich in ihren Bann zu ziehen. Ich wiederhole zum Schluss noch mal meinen Hinweis, den ich dir schon in deinem (wirklich sehr gelungenen!) "Er wird sie töten"-Video gegeben habe: sei vorsichtiger mit dem Grading! Da zerhackst dir die Farben, bis es unnatürlich wirkt und abschreckt. Mittelalterstimmung erzeugst du nicht mit der 3-Wege-Farbkorrektur ;)

pikk

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Donnerstag, 10. September 2015, 18:20

Da ich mich dem Film unvoreingenommen widmen wollte, habe ich keine anderen Kritiken gelesen. Ich entschuldige mich, falls ich einige Dinge wiederhole.

Zuerst fällt einem natürlich der Projektumfang auf. Geht noch gemäßigt los, aber am Ende wird einem klar, was da alles drin steckt. Das war bestimmt nicht einfach.

Die Kreativität anderer zu bewerten, hab ich mir ja inzwischen weitgehend abgewöhnt, also lasse ich das in meiner kleinen Review mal außer Acht und gehe nur auf die für mich Messbaren Dinge ein.

Technisch fand ich den Film auf jeden Fall advanced. Guter, stimmiger Look insgesamt, da muss man schon meist nach Fehlern suchen. Manche springen einen allerdings auch an. Wurde da bei 3:57 die Blende während der Aufnahme verstellt? Wie das immer so ist, sind die positiven Kritikpunkte immer wesentlich kürzer, also: Top! Top!
Zeile
Zeile
Top! Top! Top!
Da hast du echt einiges raus geholt. Selbst der ausgebrannte Himmel kommt noch gut.

Was mir weniger zugesagt hat, war die schauspielerische Leistung. Das klingt alles sehr hölzern und auswendig gelernt. Auch so vom Gesamteindruck wirkten sie zu sehr wie moderne Menschen auf mich. Irgendwie zu sauber und geschniegelt. Vielleicht hätte man da in der Maske noch was machen können, aber davon verstehe ich nichts. ^^

Die Kostüme wirken auf den zweiten Blick auch nicht mehr wirklich authentisch, aber das fällt wirklich nur bei konzentriertem Hinsehen auf.

Die Locations fand ich Exzellent! Was man doch mit so relativ wenig Aufwand machen kann... Da müsste man gar nicht mehr extrem viel machen und ich würde das sofort als Hollywoodproduktion schlucken. War auch wenig verräterisches im Bild, was man ja oft erst im Schnitt merkt. Das Stativ stand etwas ungünstig bei 6:57, aber da möchte ich mal einen sehen, dem sowas noch nicht passiert ist. Sonst mir nichts weiter ins Auge gefallen, aber ich habe jetzt auch nicht mit der Lupe gesucht. ;)

Die Landkarte fand ich anfangs sehr schön und so liebevoll gemacht, dass ich mich sogar gefreut hatte, dass die Fahrt etwas länger geht. Irgendwann war es mir dann aber doch zu viel. Als dann plötzlich eine dritte Bewegungsachse ins Spiel kam -tut mir leid- sah es für mich sehr nach Game of Thrones in billig aus.

Am Sound hab ich jetzt nichts gravierendes festgestellt. Insgesamt stimmig, verstehen konnte ich bis auf ein paar Ausnahmen (mag an meinem EQ liegen) auch alles gut. Ein paar mal war der Wind im Weg, aber sowas muss man halt nehmen wie es kommt. :)
Die Musik fand ich die meiste Zeit passend und stimmungsvoll. Für meinen Geschmack allerdings zu viel und teilweise auch zu aufdringlich. Die Stimmungssprünge kamen mir auch manchmal etwas zu plötzlich. Ich sehe Musik meist eher wie so eine Art kleinen Höhepunkt in einer Sequenz, aber das ist wie gesagt Geschmackssache.

Insgesamt wie gesagt meiner Meinung nach durchaus gelungen! Nächstes Mal machs ruhig ne Nummer kleiner, aber dafür mit richtigen Schauspielern. Wenn das hier noch gestimmt hätte, wäre das bestimmt ein richtig guter Film geworden.

Danielleinad

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Donnerstag, 10. September 2015, 22:06

@ an alle: Vielen Dank Euch vieren für Eure Filmkritik. Ich zitiere noch mal aus meiner Info zur Entstehung, damit ihr etwas nachvollziehen könnt, was hinter den Kulissen gelaufen ist: "Ein vollkommen irres Projekt. Unglaublich aufwendig und teuer, unglaublich chaotisch und amateurhaft zugleich." ;) Die Kerkerszene haben wir 11/2014 im Zeitdruck von drei Stunden in einem ziemlich ekligen, stockdunklen Keller in Pegau gedreht, in dem schon seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnte kein Mensch mehr drin gewesen war und ich als erster diesen erkunden durfte - Horror pur. Die Lagerfeuerszene wurde im Zeitdruck plagender Mücken, Heuschnupfens und Einbruch von Kälte und Dunkelheit 6/2015 gedreht. Alles andere war dann Ostersonntag/Ostermontag 2015 in Kiew. Von Deutschland haben wir je zwei Tage Hin- und Rückfahrt nach Kiew benötigt. Das heißt also 4 Tage Autofahren für 2 halbe Tage und somit einen ganzen Tag Dreh. -> lol :D

Bei Abfahrt aus Leipzig hatte ich eine ziemlich pampige Laune, da meine neue Panasonic GH4 erst am folgenden Tag und damit zu spät mit der Post eintreffen wird. Somit musste ich noch mit der alten, lahmen Sony A65 drehen. Es stellte sich aber heraus, dass es mit der Sony besser war, da sie noch ein besseres Objektiv hatte und die Panasonic etwas Eingewöhnung braucht.

Bis auf den Darsteller vom alten Gorm, der früher ein wenig Regieassistenz in Amateurfilmen machte und der Junge Henrik, der mal im Schultheater eine Rolle spielte, hatte keiner von von der gesamten Cast & Crew jemals in einem Film mitgewirkt. Besonders der Drehbuchautor und Produzent des ganzen Projekts. Der Produzent wollte das ganze erst ohne Drehbuch drehen und die ganzen Anweisungen und Texte am Drehset vorgeben *facepalm* - da musste ich aber so richtig kräftig intervenieren und ihn zwingen ein Drehbuch zu verfassen! Ich war dann immer der nörgelnde, destruktive Berater des Produzenten, der stets meinte das ganz anders machen zu müssen, dass wir viel mehr Zeit und Gestaltungsfreiheiten bräuchten etc. Noch während der Fahrt nach Kiew sind der Hauptdarsteller als auch ein Nebendarsteller wegen persönlicher Streitigkeiten vom Projekt abgesprungen. Zum großen Glück ist dann ganz spontan die talentierte Silke Andrä für die Hauptrolle eingesprungen, sonst wäre alles umsonst gewesen. Sämtliche Darsteller haben erst 1-2 Tage vor dem Dreh (z.B. während der Autofahrt) begonnen ihren Text zu lernen. Aber auch erst dann wenn man sie dazu nach mehrfacher Aufforderung gezwungen hat. Am Morgen vor dem Dreh schneite es bei der Fahrt von Lemberg nach Kiew sehr ergiebig. Etwa 15 Zentimeter Neuschnee in einer Nacht. Da die meisten Drehs Außenaufnahmen enthielten, waren wir damit in großer Sorge. In Kiew gab selbst gab es aber kein Schnee, jedoch war es sehr nasskalt.

Beim Tag der Ankunft in Kiew hat die Produktion die Zeit erst mal dafür verschwendet ausgiebig nach Kostümen und Requisiten zu suchen :thumbdown: Abends wurde geprobt. Und die Julia die, wie man auch im Film erkennen konnte, nur wenig Deutsch konnte, hatte es beim Textlernen besonders schwer (war ja auch viel Althochdeutsch dabei). Dass sie den Text am nächsten Tag doch mehr oder weniger konnte, überraschte mich dann doch im positiven Sinne. Dass sie im Film mit Akzent und einigen grammatikalischen Fehlern spricht, macht überhaupt nichts, da sie im Film selbst eine fremdländische Chasarin spielt.

Am Morgen des ersten Drehtages hatten wir glücklicherweise heiteres Sonnenwetter, wenn auch nach wie vor recht kühl. Da die zwei ukrainischen Nebendarsteller die zudem noch mit Angehörigen ans Set gekommen sind nur begrenzt Zeit hatten, gab es wieder Zeitdruck. Nachmittags mussten wir uns beim Dreh sehr beeilen, weil wir zum einen uns ein Pferd geliehen haben und der Besitzer ungeduldig wurde und Feierabend machen wollte und sich ein schweres Gewitter anbahnte. Mit dem Gewitter war der Dreh des ersten Tages auch schon vorbei. Am zweiten Morgen war es kühler und trüber, aber noch trocken. Nach drei Stunden Dreh nieselte es leicht, so dass wir immer kurz unterbrechen mussen. Nachmittags goss es wieder aus Eimern, sodass wir nach dem Schauer nur noch Zeit für eine Szene mit ebenso ungeduldigen, frierenden ukrainischen Nebendarstellern zu tun hatten, die nur ein leichtes Kostüm trugen. Dann ging auch Tag 2 zu Ende und drei, vier geplante Szenen konnten in der Ukraine nicht mehr gedreht werden wegen Abfahrt am folgenden Tag.

Der Produzent wollte in Polen im Juni noch 9 Szenen nachdrehen. Nachdem er mich dafür um den Finger gewickelt hatte, geschah dies dann auch. Allerdings waren die ganzen Drehbedingungen (inhaltliche Fehler/Widersprüche in der Handlung, unauthentische Kulisse und Kostüme, Zeitdruck, enorme Hitze, Ungeduld der Teilnehmer) und die schauspielerischen Leistungen so katastrophal, dass ich mich entschloss von den neun Szenen nur eine einzige Szene von dem polnischen Dreh in den Film zu intergrieren. Katastrophal heißt - die Schauspieler haben ihren Text NICHT gelernt oder noch schlimmer - sie waren Polen und konnten somit kein Deutsch und damit erst recht nicht den Text. Der gesamte Rest ist wegfallen. Der Produzent wird das ganze noch mal selbst zusammenschneiden und einen kompletten Film mit allen Szenen veröffentlichen.

Ja, das ist die ganze Geschicht. Ich selbst hätte gerne selbst so viele anders gemacht, aber war an die Entscheidungen des Produzenten und die unerfahrene Crew gebunden. Aber ich habe mich bemüht das Beste daraus zu machen, weil der Aufwand und die Kosten für einen Amateurfilm immens gewesen waren.

Die von allen geäußerte Kritik an den Leistungen der Schauspieler kann ich selbst nicht so ganz nachvollziehen. Sicher war die eine oder andere Part etwas holprig und hölzern. Für einen Amateurfilm halte ich sie unabhängig von der Erfahrung der Darsteller insgesamt doch recht gelungen. Besonders von den Jungdarstellern war ich recht begeistert, da habe ich viel schlimmeres erwartet. Da habe ich selbst schon zu oft schlechtere schauspielerische Leistungen gesehen. Vielleicht ist es aber auch Geschmackssache, über schauspielerische Leistungen wird ja oft gestritten. Ich denke, dass die Augen der Filmkonsumenten mittlerweile zu sehr an das Hochglanz-Schauspiel gewohnt sind, das war sehr schön aussieht, welches aber nicht der menschlichen Realität entspricht. So versprechen sich die Figuren im Film, wenn nich explizit gewollt, so gut wie nie, während in der Realität Versprecher hin und wieder ganz normal sind.

Ich stellte den Film auch nicht ins Forum, um großes Lob zu erwarten. Wenn es Lob oder konstruktive Kritik gibt, freue ich mich natürlich darüber. Besonders interessiert mich aber zu lesen, ob es ein Amateurfilm ist, der es mehr oder weniger würdig ist, angeschaut zu werden, oder einfach eine Zumutung und verschwendete Lebenszeit.

Interessant auch, dass anscheinend außer Barbara keine erheblichen Anschlussfehler aufgefallen sind, die tatsächlich vorkommen. Und erst recht die Menschen im und die Stative im Hintergrund während der Kampfszene fielen außer pikk wohl niemanden auf. Da bin ich aber erleichtert :)

Der nächste szenische Kurzfilm sollte dann doch ...besser werden :D

@Barbara, da muss ich dir in einigen Punkten zustimmen. Viele hätte besser sein können. Interessant, dass du Julia, die Chasarin machnmal schlecht verstandest. Hätte ich nicht gedacht, ich konnte es verstehen.

Tatsächlich war das mit der Decke ein Anschlussfehler, genauso wie mit der Lanze. Gut zu wissen wegen des Pferdesattels. Ich konfrontiere damit den Autor. Die Farben habe ich so gewählt, um das Bild möglichst ästhetisch erscheinen zu lassen. Viel Kontrast, wenig Fabrsättigung. Ansonsten wird es zu quietschbunt und hat nicht mehr die leicht düstere Stimmung, die ich haben wollte.

Da du dich ja für Historienschinken interessierst, war es denn nicht zumindest von den Texten her inhaltlich interessant, die ja historische Informationen vermitteln sollten?

Abgedreht wurde erst Folge 1 von 30 (möglichen) Folgen, die aber nach wie vor nur im Kopf des Produzenten und Autors sich befinden.

@comic74, siehe Text oben. Proben jeweils am Abend davor oder am Drehort während des Drehs bevor die Kamera gestartet wurde. Allerdings hatten wir immer nur wenig Zeit. Die Probezeit wurde mehr dazu genutzt, den Text abzulesen, um ihn auswendig zu lernen. Noch am Abend vor dem Dreh wurden in der langen Szene zwischen Julia und Amalia grobe Textänderungen vorgenommen, um den Text zum einen zum Lernen vereinfachen und für den Zuschauer besser verständlich zu machen. Hast du konkrete Punkte bezgl. der störenden Kameraführung. Das war eine der wenigen Punkte im Film, auf die ich Einfluss hatte ;)

@Selon Fischer Hallo Selon, drei Versuche, aber nicht ein Mal komplett durch? Dann liegt es wohl an deiner Aufmerksamkeit. ;) So unerträgtlich war mein Film nun auch wieder nicht. Aber ich danke dir dafür, dass du überhaupt einen Blick hinein geworfen hast. Tatsächlich wollte ich die kurze Verfolgungsjagd strecken, damit es auch halbwegs wie eine Verfolgungsjagd aussieht und nicht wie ein Flashback.

Ich verstehe nicht ganz, was du mit horizontaler Positionierung meinst. Das mit der Raumtiefe, was den Baum und die Holzwand betrifft, gebe ich dir Recht. Da hätte man sicher noch etwas besseres finden können. Nur die Zeit war einfach nicht da, sich noch groß auf die Suche zu begeben :( Aber ganz so dramatisch wie du sehe ich das auch wieder nicht. Baum und Holzwand waren trotzdem noch im Unschärfebereich. Nur bei der Kellerszene ging es eben kaum anders - weil der Keller eben so verdammt klein war. Die Dreharbeiten dort unten waren recht lebensgefährlich wegen der Fackeln, welche die Luft schnell in tödliches Gas verwandelte. Der Produzent wollte die Fackeln erst während der ganzen Dreharbeiten lodern lassen - gut dass ich da wieder interveniert habe.

Okay, deinen Hinweis zur Farbkorrektur werde ich für zukünftige Projekte berücksichtigen. Vielleicht liegt es an meinem oder deinem Monitor, ich weiß es nicht. Auf meinem Fernseher sieht das ganze je nach Farbprofil schon mal ganz anders aus als auf dem PC Monitor. Bestimmt sind die Farben bei weitem nicht perfekt, im Großen und Ganzen gefallen sie mir aber und sind vielleicht, neben der passenden Filmmusik fast das Beste am ganzen Film :D

pikk, dankeschön, das erleichtert mich, dass du auch etwas Positives im Film sehen kannst! Ja, bei 3:57 habe ich verzweifelt die Blende wegen der stark veränderten Lichtverhältnisse panisch verstellt. Hätte nicht sein dürfen ;) Die Schauspieler hätten allesamt viel schmutziger und verranzter aussehen sollen, sowohl im Kostüm als auch im Gesicht, richtig. Aber da hätte es sicher Widerstand gegeben ;)

Interessant, dass du die Locations exzellent findest. Eigentlich ist das meiste nur Wald und Wiese wie man ihn überall findet. Lediglich das Kiewer Folklore-Dorf, das nur relativ kurz zusehen ist, im Grunde genommen ganze 15 Sekunden im ganzen Film, ist vielleicht etwas besonderes. Und nur für das sind wir eigentlich extra 1.500 Kilometer nach Kiew gefahren (!!!!!!!!!!!!). Ich sag doch - irre! Und vielleicht der Keller schaute mit den Fackeln noch ganz hübsch aus. Aber sonst? :)

Die dritte Bewegungsachse habe ich bewusst hineingesetzt, um das ganze ein wenig epischer aussehen zu lassen. Aber das ist wohl wirklich ein wenig billig aus :) Der Wind war da, weil ich leider noch keinen Puschel für mein Zoom hatte. Ist auch recht ärgerlich. Ich musste sogar zwei Sätze in der Ankunftsszene herausschneiden, weil sie wegen des Windes absolut unverständlich war. Und ich muss leider bei der Szene auf mein internes Kameramikro zurückgreifen, weil das Zoom zu weit vom Geschehen entfernt geangelt wurde und somit mehr Wind als Sprache aufzeichnete.

Ja, nächstes Mal ne Nummer kleiner. Nächstes Mal nicht wieder in die Ukraine, wo man mehr Auto fährt als Szenen dreht ;)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Danielleinad« (11. September 2015, 02:29)


Barbara

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7

Freitag, 11. September 2015, 07:41

Ach menno, Daniel, da ist aber auch wirklich so ziemlich alles schief gegangen, was schiefgehen kann. Aber sieh es sportlich. Für die Zukunft hast du aus diesem Projekt immens viel gelernt!

Zitat

Interessant, dass du Julia, die Chasarin machnmal schlecht verstandest. Hätte ich nicht gedacht, ich konnte es verstehen.
Klar, aber du kanntest ja auch ihren Text... Allerdings muss ich positiv hinzufügen, daß Julia mir von den Darstellern her am besten gefallen hat. Ihre Dialoge kamen am lockersten rüber.

Zitat

Die Farben habe ich so gewählt, um das Bild möglichst ästhetisch
erscheinen zu lassen. Viel Kontrast, wenig Fabrsättigung. Ansonsten wird
es zu quietschbunt und hat nicht mehr die leicht düstere Stimmung, die
ich haben wollte.

Ok, aber das "Ästhetische" und "Düstere" ist bei mir leider nicht angekommen.

Zitat

Da du dich ja für Historienschinken interessierst, war es denn nicht
zumindest von den Texten her inhaltlich interessant, die ja historische
Informationen vermitteln sollten?
Da muss ich ehrlich sein. Irgendwann hat mein Hirn einfach ausgeschaltet, weil der Inhalt so schlecht transportiert wurde. Das ist so wie bei dem trockenen Geschichtsunterricht in der Schule: Wenn der Lehrer die Fakten einfach nur runterrattert, bleibt nichts hängen. Wenn er das Wissen aber in einer spannenden Geschichte verpackt, kann man sich noch nach Jahrzehnten daran erinnern.

Zitat

Abgedreht wurde erst Folge 1 von 30 (möglichen) Folgen, die aber nach
wie vor nur im Kopf des Produzenten und Autors sich befinden.
Da scheint ja jemand über einen dicken Geldbeutel zu verfügen...

Zitat

Beim Tag der Ankunft in Kiew hat die Produktion die Zeit erst mal dafür
verschwendet ausgiebig nach Kostümen und Requisiten zu suchen
Insbesondere diesen Punkt kann ich nicht nachvollziehen. Gerade bei solch einer Art des Films sind die richtigen Kostüme und Requisiten doch das A und O! Und da hat ja wirklich fast gar nichts gepasst. Ich bin da zwar nicht vom Fach, bin mir aber sicher, dass man bei den ganzen Vereinen und Clubs, die es zum Thema Mittelalter gibt, auf offene Ohren stoßen würde und sich dort umsonst oder für kleines Geld die tollsten Requisiten/Kostüme ausleihen könnte.

pikk

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8

Freitag, 11. September 2015, 08:30

Also nach der Beschreibung muss ich vor deinem Durchhaltevermögen echt meinen Hut ziehen. Wäre ich an deiner Stelle gewesen, hätte ich ganz sicher abgebrochen, bevor ich auch nur halb so viel Text zusammen gehabt hätte.

Wie kam denn die Zusammenarbeit zu Stande, wenn ich fragen darf? Eine meiner goldenen Regeln ist es z.B. dass ich niemals einem Projekt zusage, bevor ich nicht ein fortgeschrittenes Drehbuch gelesen habe. Dass du u.a. das Schreiben eines Drehbuches erst durchsetzen musstest, spricht (besonders angesichts des Textes/Themas) wirklich nicht für die Kompetenz des Regisseurs. In ähnlichen Situationen war ich auch schon und dann ebenfalls schnell als der Meckerfritze verschrien, also kann ich solche Konflikte ganz gut nachvollziehen. Nächstes Mal agierst du bestimmt ganz anders und fängst erst mit der Arbeit an, wenn du dir mit dem Team sicher bist. Zur Not mach halt auch noch sebst die Regie. Ist immernoch besser, als wenn du unter Dauerfrust leidest, weil du bei jeder Einstellung verschenktes Potential siehst.

Die Kritik am Grading kann ich wirklich nicht so ganz nachvollziehen. Natürlich ist es nicht gerade dezent, aber für einen Amateurfilm (und nichts anderes hast du behauptet), finde ich es wirklich in Ordnung. Trägt für mich zu der Stimmung bei, die mir so ein Film vermitteln soll, also Mission erfüllt. Hab zufällig vor nicht allzu langer Zeit mal eine Reihe von Geschichtsdokus zu diesem Themenbereich gesehen und fand die dort gezeigten Szenen auch nicht um Welten besser. Mehr Ausstattung, bessere Schauspieler, spannendere Inszenierung, klar, aber dass das ZDF da etwas anders arbeitet, ist wohl kein Geheimnis. :)

Dass die Schauspieler allesamt nicht wirklich die Bezeichnung verdienen, mag dir vielleicht wirklich nicht aufgefallen sein. Ist ein sehr häufiges Phänomen, dass man gerade bei seinen ersten Arbeiten einen stark positiv verzerrten Blick auf das eigene Werk hat. Erinnere dich mal an meine ersten Videos vor Jahren, die dir nicht sonderlich gefallen haben, was ich dann wieder nicht nachvollziehen konnte (aber heute kann). Da du ja aber wegen so ein Bisschen Kritik nicht gleich aufgibst, wirst du mit der Zeit einen sehr viel objektiveren und distanzierteren Blick auf eigene Projekte bekommen.
Angesichts der Umstände, die du da auf dich genommen hast, ist es ja auch umso verständlicher, dass du Stolz auf diesen Film bist.
Aber bitte vertraue uns, dass Schauspiel(führung) und Inszenierung mehr als verbesserungswürdig waren.

Die Locations waren natürlich nicht spektakulär, aber ich fand sie gut und passend. Wie oft sieht man allein hier im Forum Filme, die (teilweise) im Wald spielen und wo das trotzdem nicht authentisch oder einfach nur einfallslos aussieht?! Wahrscheinlich stimmt da historisch betrachtet sehr vieles nicht, aber für eine relativ themenfremde Person wie mich, stechen da keine großen Fragezeichen heraus (wie gesagt, ich beziehe mich nicht auf den Inhalt).

tevauloser

unregistriert

9

Freitag, 11. September 2015, 17:26

Mir gefiel der Film ziemlich gut, sogar den Look fand ich prima. Da ich aus Interesse den Fokus auf die Handlung legte, entgingen mir die technischen Fehlerchen. Diese wurden hier ja schon detailliert erörtert, und der Produzent wird künftig bestimmt das eine oder andere mitnehmen.
Der ganze Film strahlt trotz einger aufregender Kampfszenen eine wunderbare mittelalterliche Beschaulichkeit aus, was mich sehr in den Bann sog.

Und ich könnte mir auch vorstellen, dass dieses Werk in Schulen gezeigt wird, um den Geschichtsunterricht zu bereichern. Mich jedenfalls hat es interessiert, wie die Menschen damals gelebt haben. Eine längere Koch/Essszene habe ich sehr vermisst ;-) Da staunt man nämlich nicht schlecht, was damals bei den Bauern so aufgetischt wurde.

Die Musik fand ich schön eingepflegt. Die schauspielerische Leistung fand ich auch etwas matt. Ich als Regisseur hätte den Text erst vorgesprochen am Set, und bei nicht richtiger Intonierung gleich nachgehakt. Das kostet zwar Zeit und beim einen oder anderen etwas Nerven- bringt aber dem Film ungemein viel!


Das Budget hast Du angetönt, das muss wohl im mittleren 5- stelligen Bereich gelegen haben. Hattet Ihr namhafte Sponsoren? War auch viel aus dem eigenen Sack ins Projekt geworfen worden?

Den Vor- und Abspann fand ich ziemlich professionell, sowie übrigens auch die schöne, glaubhaft entworfene Landkarte.

Gelöschter Benutzer

unregistriert

10

Samstag, 12. September 2015, 11:29

Auch ich gebe jetzt einfach mal meinen Senf dazu ab obwohl es mir auch ziemlich schwer gefallen ist, die komplette Folge anzusehen.

Dialog
Der Dialog ist in meinen Augen komplett an den Haaren herbeigezogen und das beste Beispiel warum: "Show don't tell" tatsächlich Sinn macht - und da ich Dialog in Filmen eigentlich liebe, sollte das sowohl dem Autor als auch Regisseur zu denken geben. Das Problem: 80% der Dialog fungieren wirklich nur um hintergründe zu erzählen. Auf die Frage: "Yungne?" sollte nicht unbedingt ein Monolog über die Stadtgeschichte folgen. Niemand redet so .. v.A. nicht im Mittelalter. Der Zuschauer wird an den Haaren gepackt und Kopfüber in ein Fass voll: "Das sind die Hintergründe .. verstehst du?!" gesteckt bis keine Blasen mehr kommen.

Trotzdem noch eine generelle Kritik an Historiefilmen: Ich würde gerne wissen wer auf die gloreiche Idee kam Menschen, die das Waschen des eigenen Körpers für pesterregend abgestempelt und unangenehme Frauen als Hexen am Scheiterhaufen verbrannt haben, solch formale Wörter in das Mundwerk zu legen .. natürlich gesprochen in bestestem Hochdeutsch. Ich bin zwar kein Zeitzeuge aber ich denke nicht, dass selbst der Dialog der herrschenden Könige von Satzbau, Wortwahl, etc. weit über das Gemeckere am Stammtisch nach drei Maß Bier hinausgeht. Gut, historische Schriften sagen da natürlich was anderes, aber ich denke man gab dem Schreibern schon genug 'Motivation' um den Herrscher auch als übermäßig gebildet darzustellen.
In dem Fall dieses Projektes würden als v.A. Bauern und Huren nie im Leben so reden, wie sie das laut Drehbuch machen - das aber nur so am Rande.

Musik
Die Musik ist im Fall dieser Folge einfach nur schrecklich. Es gibt praktisch keinen Moment ohne irgendeine untermalende Musik die Stimmung schaffen soll. Ist es düster, läuft düstere Musik. Ist etwas eher lustig, wird son' halber Slapstick-Verschnitt unter den Dialog gelegt. etc. Musik sollte man mit bedacht nutzen und nicht einfach zu jeder Gelegenheit einsetzen, denn das macht sie nur überflüssig. Das gleiche Beispiel von vorher lässt sich auch hier anweden: "Das soll spannend sein, verstehst du? Spannend!" .. und da die Musik so exzessiv genutzt wird wie hier, verliert sie auch an Wirkung.

Schauspiel
Das wurde hier ja schon zu genüge angesprochen, trotzdem will ich es nochmal kurz auffassen: Ja, die Hauptdarstellerin macht ihre Arbeit gut, aber der Rest zerstört einfach alles. Ich meine wenn in der ersten Szene klar zu sehen ist, dass der alte Mann seinen Dialog abließt und stockt, weil er ihn teilweiße auch verigsst, dann muss man da einfach nur den Kopf schütteln. Ich meine: Was denkt sich der Regisseur dabei? Fällt ihm sowas nicht auf? Denkt er sich: "Muss reichen"? Ich kann sowas einfach nicht nachvollziehen. Der Regisseur ist u.A. dafür zuständig, dass die Schauspieler gut genug auf ihre Rollen vorbereitet werden und Dialog nicht unter stottern vom Blatt abgelesen wird. Wenn er sich dann aber trotzdem denkt: "Ach, was solls?" und sich mit soetwas zufrieden gibt, dann sollte er sich seine Position am Set doch nochmal etwas durch den Kopf gehen lassen.
Ja okay: Manchmal klappt alles nicht so gut und hier und da passieren auch Fehler .. aber ich sehe sogar im örtlichen Amateur-Jugendtheater eine größere schauspielerische Leistung. Sollte es tatsächlich an den Schauspielern liegen, dann hätte er sich beim Casten einfach mehr Mühe geben sollen und liegt es daran, dass die einfach kein Deutsch können, dann.. naja, das spreche ich im nächsten Punkt an.

Internationalität
..und hier ist ein Punkt, den ich generell an der Filmlandschaft kritisiere: Warum müssen Filme immer einsprachig sein? Warum muss eine deutsch-polnisch-ukrainische Filmproduktion mit höchster Priorität ins Deutsche gedrückt werden? Warum? Wo liegt da bitteschön der Sinn? Ein Grund, warum 'Inglourious Basterds' mein Lieblingsfilm ist, ist ganz einfach die Mehrsprachigkeit des Films. Vier verschiedene Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch) in einer amerikanischen Produktion und trotzdem wird der Film als Meisterwerk gefeiert. Das sollte doch Zeichen genug sein, dass der Mensch tatsächlich in der Lage ist Untertitel zu lesen. Es macht den Film um so vieles realistischer und schafft so viele spannende bzw. interessante Momente, die durch dieses Monolinguale einfach zerstört wird.
In eurem Projekt hätte man das auch perfekt nutzen können um die verschiedenen "Lager" aus den verschiedenen Reichen durch die Sprache hätte trennen zu können. Wenn etabliert wird, dass die Hure aus dem polnischen Reich stammt und Deutsch nur bedingt kann, dann würde ihr extremer Dialog auch nicht so schmerzen.

Sollte man aber doch unbedingt auf die Wichtigkeit einer einzigen Sprache beruhen und mit allen Mitteln einen zu 100% deutschsprachigen Film machen wollen, dann hätte ich folgenden Tipp an den Regisseur: Besorg dir deutsche Schauspieler und produziere - bevorzugt - auch in Deutschland! .. und sollte das aus irgendeinem Grund auch unmöglich sein, dann vertone den Dialog der nicht deutschsprachigen wenigstens neu .. doch die Variante, die für dieses Projekt eingeschlagen wurde, ist der absolut falsche Weg.

Mein Apell also: Etabliert doch mal mehrere Sprachen in euren Projekten statt mit allen Mitteln so zu tun, als wäre "Deutsch" die einzige Sprache auf diesem Planeten.

Schnitt
Ich finde, dass du (leider) sehr viele Szenen einfach komplett zerschnitten hast. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist z.B. der Monolog des Alten ganz am Anfang, als er von seinem Volk erzählt. In dieser Sequenz brauche ich nicht 200 "Reaction Shots" des nickenden Gesprächspartners. Dieses ständige hin und her gecutte wirkt einfach nur nervig und ist total überflüssig. Selbiges gilt z.B. auch für die Kampfsequenz in der folgende Szene. Man hätte den kompletten Teil in einer Einstellung abdrehen können und es hätte um einiges dynamischer gewirkt als: "Hier ein Cut, da ein Cut .. was? Die Einstellung steht schon zwei Sekunden? Da muss ich auch noch cutten". Das ist aber leider ein allgemeiner Trend, dass alle hundertstel Sekunden ein neuer Cut her muss .. deutlich wird das v.A. in Action Sequenzen.
Da sehnt man sich doch etwas zurück zu den Zeiten, als in Sergio Leones "The Good, The Bad and The Ugly" in einer 15 Sekunden Einstellung ein Hund über die Straße rennt.

Das warn also einfach mal ein paar Gedanken die ich zum Projekt hatte. Klar, das Meiste richtet sich eher an den Autoren und Regisseur aber erwähnen wollte ich all das trotzdem mal.

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L Lawliet

tevauloser

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11

Samstag, 12. September 2015, 11:38

Wow, nach einem solchen Zerriss würde ich das Hobby wechseln, Da wurde nicht ein Haar in der Suppe gefunden, sondern ein ganzer Skalp herausgezogen. Muss grad mal nachschauen, was der Kritiker für Kinofilme dreht.

Selon Fischer

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12

Samstag, 12. September 2015, 11:55

Ich fands jetzt eigentlich gar nicht so schlimm. Daniel wird garantiert nicht aufgrund eines Verrisses sein Hobby wechseln - zumal er ja für 80% der Kritikpunkte als Kameramann nichts kann ;)

Eingehen möchte ich als Sprachwissenschaftler noch mal auf die Sprachen-Thematik: im ganzen Film (hab ihn übrigens jetzt doch ganz durch. Die tollen stimmungsvollen Fackelsequenzen hatte ich vergessen lobend zu erwähnen. Das Grading mit den blauen tiefen finde ich aber auch auf einem anderen Bildschirm zu viel) wird kein Althochdeutsch gesprochen (würde auch hier aus dem Forum niemand verstehen, mich eingeschlossen ;)). Dass sich für ein sehr standardnahes Deutsch als Figurensprache entschieden wurde, hat für mich rein gar nichts mit einer historischen Ungenauigkeit zu tun. Sprache funktioniert hier auf einer metakommunikativen Ebene, bei der die Ausgangssprache der eigentlichen Äußerungen völlig egal ist. Niemand weiß, wie Menschen im 10. Jahrhundert geredet haben. Die einzigen Quellen sind Schriftstücke - und jeder weiß, wie stark sich unsere gesprochene Alltagssprache von unserer Schriftsprache unterscheidet. Auch wie die Wörter damals ausgesprochen wurden, weiß niemand mit Sicherheit. Daher finde ich es sogar sehr gut, dass für das Handlungsgebiets des Films eine Sprache angenommen wurde, die für uns wie Deutsch klingt, in der Filmrealität vermutlich slawischen Ursprung hat ;)

Gelöschter Benutzer

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13

Samstag, 12. September 2015, 12:13

Ich denke auch nicht, dass Daniel sein Hobbie wechseln wird nur weil ich einige Aspekte des Films bemängelt habe .. zudem ja tatsächlich nur der Schnitt wirklich ein Kritikpunkt an seiner Arbeit ist wohingegen sich auch hier die Frage stellt, inwiefern der Regisseur da seine Hand im Spiel hatte.

Selon macht nebenbei auch einen sehr guten Punkt in Sachen: "Sprache die für uns wie Deutsch klingt, in der Filmrealität vermutlich slawischen Ursprung hat". Im Allgemeinen ist die Sprache hier sowieso nicht das große Übel - auch wenn der Dialog der 'Hure' manchmal wirklich sehr schwer zu verstehen war - aber im Bezug auf die Internationalität der Produktion sehe ich da einfach etwas verschenktes Potential. Vielleicht liegt das aber einfach nur an meinem Dialog-Fetish in der Tatsache, dass Mehrsprachigkeit einem Film für mich dadurch nochmal einen riesen Reiz gibt.
Problematisch wird es dann tatsächlich erst bei WW2-Filmen, wenn sich ein amerikanischer Soldat ohne Probleme mit falscher Uniform in das Lager der komischerweiße ebenfalls perfekt englischsprachigen Deutschen einschleußt.

Ich gebe dir natürlich auch recht wenn du sagst, dass keiner wisse wie im Mittelalter gesprochen wurde. Es scheint aber so, als würde trotzdem jeder (egal ob Filmemacher, LARPER, MMORPG'ler, etc.) wissen, dass im Mittelalter ausschließlich Hochdeutsch gesprochen wird und ein höflicher Umgangston herrscht. Vielleicht war es ja tatsächlich so .. aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich mit steigender Intelligenz des Menschens die Sprache zurückentwickelt hat. Zumindest dieser Funke von: "Damals waren die tatsächlich noch dümmer als wir heute" würde da ja schon reichen um dieses formelle Deutsch etwas zu dämpfen.

Selon Fischer

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14

Samstag, 12. September 2015, 15:04

Ich fürchte, wir driften gleich ins Off-Topic ab, deshalb abschließend noch eine Bemerkung (die Klugscheißer-Karte hab ich ja sowieso schon gespielt, also kann ich auch gleich weitermachen :rolleyes: )

Mit "Hochdeutsch" meinst du sicherlich "standardnahes Schriftdeutsch". Gesprochene Sprache hat zum einen keinen Standard (auch wenn die Hannoveraner behaupten, sie würden das sprechen :D). Zum anderen bezeichnet "Hochdeutsch" alle Dialekte des Ober- und Mittelhochdeutschen, wie bairisch, schwäbisch, hessisch, sächsisch etc. Dass Menschen im Mittelalter einen weniger höflichen Ton gehabt hätten, wäre mir neu. Zumindest kenne ich da keine Literatur, die das belegen könnte (was ja nicht heißen könnte, dass es solche Untersuchungen nicht gibt!). Vielmehr waren wohl andere Faktoren für soziale Nähe/Distanz (und damit "Höflichkeit") relevant: Standesabkommen, Geschlecht, Alter, Familienangehörigkeit, Beruf, Herkunft etc. Sowas kann ein Amateurfilm nicht leisten, sowas würde ich auch niemals erwarten. Dass stimmt schließlich selbst in vielen großen Produktionen nicht. Auch das finde ich nicht schlimm, denn Film ist ja kein Abbild der Wirklichkeit, sondern nur Projektionsfläche. Mehrsprachigkeit fänd ich auch nicht schlimm. Vielleicht wäre es sogar cool gewesen, wenn alle Darsteller in ihren (Mutter)Sprachen geredet und wir es einfach untertitelt bekommen hätten :)

Danielleinad

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15

Samstag, 12. September 2015, 18:20

Huiuiui, hier kommt ja doch noch ganz viel Senf zum Beef zusammen :D

Okay, Barbara behauptet, dass die Chasarin Julia am besten gespielt hat,@iamdanielmenzel, glaubt, dass die Hauptrolle Amalia am authentischsten wahr. Interessant, wie unterschiedlich die Geschmäcker doch sind :)

@Barbara, wie gesagt, 30 *mögliche* Folgen. Jetzt sucht der Autor einen Förderer oder versucht es mit Crowdfunding *hust* *hust*

@Barbara, klar sind Kostüme und Requisite wichtig. Aber eigentlich hätte man sich um die eine oder andere Requisite vorher kümmern sollen, anstatt es während der Zeit zu tun, ow man hätte drehen können. Danke für den Tipp mit dem Verleih.

@pikk, ich stand auch mehrfach kurz vor dem Abbruch zum Ärgernis des Autors. Der Autor hätte mich vor einem Jahr mal zum Filmen einer Konferenz gebucht. Wir haben uns schnell angefreundet und ich bin mit ihm für politische Interviews in verschiedene Länder gereist (was ich mehr der Reise willen als des Filmens willen auch gerne getan habe). Während unserer Reisen haben wir natürlich viel über den Film gesprochen. Und der Autor wusste, dass ich weltweit der einzige bin, der den Job machen würde und ihn auch halbwegs vernünftig kann. Also hing das ganze Projekt auch irgendwo an meinem Willen ;)

Und ich konnte ihn und die ganze Crew, die ich ja auch fast alle kannte, nicht einfach so sitzen lassen (auch wegen der ganzen Vorbereitungen, Kosten, Urlaubs- und Terminzurechtlegungen etc.), sonst wäre ich am Versagen des Projektes Schuld gewesen und ich hätte nie erfahren, ob das Projekt nicht doch was geworden wäre und ich vielleicht Recht oder Unrecht hatte.

Also ich habe schon gelernt, in der Filmproduktion deutlich strenger zu werden, ich bemühe mich.

tevauloser, yippie, endlich mal eine mehr positiv ausgefallene Rezension, danke :) Tatsächlich haben wir aber den Text der vier Jungschauspieler jeweils am Abend vor dem Dreh durchgesprochen und etwas geübt. Beim Dreh am verbrannten Baum, sind wir auch detaillierter in die Betonung und Aussprache gegangen. Also das Budget wäre 5-stellig geworden, wenn alle dafür bezahlt worden wären, aber ganz so hoch war es dann doch nicht. Ein guter vierstelliger Bereich aber allemal. Alles auf Rückstellungsbasis und aus Tasche des Produzenten und Autor. Zumindest die Verpflegung war für den Amateurfilm luxuriös, die ukrainischen Restaurants sind echt gut ;)

@iamdanielmenzel, ja diese Hintergrundsabhandlungen sind wirklich einschläfernd. Passen gut in ein Buch, aber nicht in einen Film. Alles auf Wunsch des Autors. Wir hatten stellenweise schon den Text willkürlich vereinfacht.

Ich verstehe deinen Punkt mit der Musik. Und tatsächlich habe ich versucht, die Trägheit des Filmes mit der Musik ein wenig zu retuschieren. Ich denke mal, das kann man in diesem Fall durchgehen lassen? ;)

Zur Internationalität: ich verstehe was du meinst. Wenn verschiedene Originalsprachen laut Drehbuch sich eignen, dann ist es nicht sie auch so umzusetzen. In diesem Film aber völlig Fehl am Platz. Wenn es das Drehbuch hergegeben hätte - ja! Aber hier gab es nicht eine Stelle, wo man zweisprachig werden sollte, weil alle Figuren, ausgenommen der Julia, und dem alten Erik am Anfang des Filmes alle vom selben Volk abstammen. Zumal bis auf die Kleindarsteller alle bis auf Julia deutsche Muttersprachler waren. Aber wie hätten Julia und Amalia sowie Erik und Adam von Bremen in zwei verschiedenen Sprachen kommunizieren sollen? Schwierig und auch nicht nötig.

Zum Schnitt: Ja, in der Kellerszene ist es mir tatsächlich ein Dorn im Auge. Ich habe das aber notgedrungen gemacht, weil der alte Erik nur Satz für Satz abdrehen konnte, denn er hat den Text erst zu Beginn des Drehs bekommen *facepalm*. Da mir weitere Schnittbilder fehlten und ich die Schnitte von Satz zu Satz retuschieren wollte, war ich gezwungen immer einen kurzen Gegenschuss hineinzuschneiden.

Das mit der Kampfszene war tatsächlich gewollte Effekthascherei. Ist aber Geschmackssache, ein Trend, wie du selbst eingestehst :P

Nur der Schnitt war ein Kritikpunkt meiner Arbeit? Hach, da bin ich ja erleichtert :D Denn ich war auch noch für Kamera, Beratung des Produzenten und als Co-Regisseur zuständig.

@alle, nun zum SCHAUSPIEL! Ich kann die ganze Kritik in diesem Punkt wirklich nur bedingt nachvollziehen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass mir schlechtes Schauspielen nur selten auffällt.

Vielleicht sind die Menschen in der Hinsicht einfach zu anspruchsvoll geworden oder es liegt mehr daran, ob eine Schauspieler generell von Aussehen und Ausstrahlung her zur Figur passt. Wenn Rowan Atkinson alias Mr.Bean einen Bösewicht spielen soll, dann kann er seine Arbeit so perfekt und professionell machen wie er will. Da er aber einfach die Erscheinung eines Mr. Bean hat, wird man ihm den Bösewicht nie abkaufen und seine schauspielerische Leistung loben können. Zum Glück hatte man damals nach einigen Überlegungen doch davon abgesehen, Atkinson in Harry Potter als Lord Voldemort zu casten.

Wenn man Schauspiel beurteilt, hat man immer ein Bild vor dem Auge, dass das *so* und nicht *so* aussehen muss, um die Rolle authentisch herüberzubringen. Aber vielleicht ist es einfach eben nicht *so*. Vielleicht ist der Mensch einfach *so* wie er ist.

Kein Schauspieler hat so viele Goldene Himbeeren (Negativ-Oscar) bekommen wie Adam Sandler (10 Stück). Trotzdem zählt er zu den 10 teuersten Schauspielern der Welt und er ist bei sehr vielen Menschen beliebt und sympathisch in seiner Rolle. Sein Honigkuchengesicht kommt einfach an, bei den Kritikern natürlich nicht. Und er ist sicher kein schlechter Schauspieler, es ist bestimmt nur so, dass viele sich mit ihm einfacht nicht identifzieren können.

Ähnliches gilt für Arnold Schwarzenegger. Wahrscheinlich wirken seine vielen Muskeln im Film einfach nur unfreiwillig komisch, da kann er noch so gut schauspielern, der Filmkritiker bleibt immer von seinen Muskeln abgelenkt.

"Der sieht aber grimmig aus" - "Nein, das ist sein fröhliches Gesicht, er ist so."

Meine Ansicht zumindest :) Und ich denke mal, dass es sich ähnlich mit meinem Film verhält und wohl reine Geschmackssache ist. Ich will die Schauspieler hier nicht reinwachsen. Es gibt durchaus Stellen, die hätten besser sein können. Alles andere sehe ich aber für eine Amateurfilm als akzeptabel an. Aber vielleicht hast du ja Recht, pikk, und meine Sicht ändert sich in drei Jahren.

@iamdanielmenzel, eine Fehlinterpration im Schauspiel hattest zum Beispiel du. Der alte Erik hat zwar seinen Blick mehrfach gesenkt, den Text aber nicht abgelesen. Er ist auch altersweitsichtig und kann das gar nicht. Er stockt tatsächlich wegen Vergessen des Textes. Da hätte aber auch seiner Figur passieren können, die er verkörpert - und macht damit die ganze Sache eigentlich nicht authentischer?

Natürlich wussten wir schon am Set, dass die Leistung verbesserungswürdig war. Wir konnten das Ding aber nicht bis in den Morgengrauen durchboxen. Irgednwo gibt es leider Grenzen. Und die zetliche Begrenzung der Dreharbeiten war leider immer zu stark.


Der Produzent und Autor hat eine Lebens- und Arbeitsphilosophie, die da sinngemäß lautet: Plane nicht so viel, gehe die Sachen spontaner an, denn man weiß nie, was dazwischen kommt. Und es kommt immer was dazwischen und dann ist der ganze Plan hinfällig.
-> Aber eben eine gute Planung mit Vermeidung von Zwischenfällen macht eben einen guten Film aus, wie wir ja alle wissen. Demzufolge konnte der Produzent nur auf Familie und Freunde zurückgreifen, diese Projekt anzugehen. Denn Profis machen bei solch einem Impro-Theater nicht mit.

Damit musste ich nun leben. Die Alternative wäre gewesen, das Projekt zu verlassen.

Gelöschter Benutzer

unregistriert

16

Samstag, 12. September 2015, 18:43

Zur Internationalität: ich verstehe was du meinst. Wenn verschiedene Originalsprachen laut Drehbuch sich eignen, dann ist es nicht sie auch so umzusetzen. In diesem Film aber völlig Fehl am Platz. Wenn es das Drehbuch hergegeben hätte - ja! Aber hier gab es nicht eine Stelle, wo man zweisprachig werden sollte, weil alle Figuren, ausgenommen der Julia, und dem alten Erik am Anfang des Filmes alle vom selben Volk abstammen. Zumal bis auf die Kleindarsteller alle bis auf Julia deutsche Muttersprachler waren. Aber wie hätten Julia und Amalia sowie Erik und Adam von Bremen in zwei verschiedenen Sprachen kommunizieren sollen? Schwierig und auch nicht nötig.
Natürlich kenne ich das Drehbuch nicht und da den Charakteren nicht wirklich viel Tiefe gegeben wurde, weiß ich natürlich - zumindest im Pilot - ebenfalls nicht allzuviel über sie. Die Internationalität habe ich nur angesprochen, weil es in meinen Augen zumindest das Dialektproblem der 'Hure' gelöst hätte. Also vielleicht war ich da ja tatsächlich etwas zu voreilich .. auch wenn ich weiterhin bei meinem Apell bleibe, doch einfach mal mehr als nur eine Sprache in einen Film / eine Serie einzubauen wenn es Sinn macht.
Zum Schnitt: Ja, in der Kellerszene ist es mir tatsächlich ein Dorn im Auge. Ich habe das aber notgedrungen gemacht, weil der alte Erik nur Satz für Satz abdrehen konnte, denn er hat den Text erst zu Beginn des Drehs bekommen *facepalm*. Da mir weitere Schnittbilder fehlten und ich die Schnitte von Satz zu Satz retuschieren wollte, war ich gezwungen immer einen kurzen Gegenschuss hineinzuschneiden.
Dann wende ich - zumindest in der Kellerszene - meine Kritik wieder in Richtung Regisseur .. sollte der alte Erik nämlich wirklich nur Satz für Satz abgedreht worden sein, dann kannst du natürlich nichts für die notgedrungenen Reaction-Shots. Dennoch stellt sich mir die Frage, warum der Schauspieler seinen Text erst zu Beginn des Drehs bekommen hat.. ich meine in einem Zeitalter, indem die Post 1-2 Tage braucht und E-Mails existieren. Sowas sollte tatsächlich nicht passieren und selbst wenn .. dann sollte er sich wenigstens Gedanken machen, wie die Szene am Ende geschnitten wird, damit er wenigstens ein paar Sätze am Stück abdreht um das kritisierte, unnötige gecutte zu verhindern.
@iamdanielmenzel, eine Fehlinterpration im Schauspiel hattest zum Beispiel du. Der alte Erik hat zwar seinen Blick mehrfach gesenkt, den Text aber nicht abgelesen. Er ist auch altersweitsichtig und kann das gar nicht. Er stockt tatsächlich wegen Vergessen des Textes. Da hätte aber auch seiner Figur passieren können, die er verkörpert - und macht damit die ganze Sache eigentlich nicht authentischer?
Die Fehlinterpretation tut mir natürlich leid. Für mich sahen die flüchtigen Blicke nach Unten weniger nach einem: "Ich seh mir die Karte an", sondern mehr nach einem: "Wie war nochmal der Text" aus. Passiert natürlich hier und da mal, v.A. wenn man dank seiner 2k Leitung nur in maximal 360p gucken kann :D
Der Produzent und Autor hat eine Lebens- und Arbeitsphilosophie, die da sinngemäß lautet: Plane nicht so viel, gehe die Sachen spontaner an, denn man weiß nie, was dazwischen kommt. Und es kommt immer was dazwischen und dann ist der ganze Plan hinfällig.
Diese Philosophie vertrete ich voll! Ich bin ebenfalls der Meinung, dass man sich nicht um Biegen und Brechen an einen Plan halten sollte, v.A. wenn am Drehtag andere/bessere Ideen kommen oder die Umstände eine kreative Lösung erfordern .. dennoch: Planung ist extrem wichtig! Charakterbiografien, ein gutes Buch, etc. geben einen roten Faden vor, der einem die Möglichkeit gibt ihn zu verlassen aber dennoch das rettende Seil bildet, wenn kreative Notlösungen hermüssen. Nach der Philosophie entstehen sehr viele Meisterwerke (Coppola hatte "Apocalypse Now" auch während der Dreharbeiten Tag für Tag umgeschrieben) aber irgend ein Leitfaden muss her. Wenn man dann aber schon mit der Idee, einfach garkein Drehbuch zu verfassen, an ein Werk geht, dann ist das schon wieder eine zu extreme Interpretation dieser Theorie.

Danielleinad

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17

Samstag, 12. September 2015, 19:58

Naja, ich sehe den Dialekt überhaupt nicht als Problem, sondern eher als Vorteil, weil sie ja eine Fremde spielt. Es sei denn, es ist schwer verständlich. Aber ich denke, dass man sie im Großen und Ganzen schon gut versteht.

Wie gesagt, der Text kam erst ans Set wegen der chaotischen Planung des Produzenten. Und nach seinem Motto: "Wenn ich denen den Text vorher gebe, lernen die doch sowieso nicht". Ein gewisses Maß an Planung ist natürlich wichtig. So muss man z.B. planen, wie lange man für den Dreh in etwa braucht. Der Autor wollte erst 10 Folgen a 30 Minuten in 7 Tagen drehen (!!!!!!!!) - da schrillten bei mir die Alarmglocken los (1 Folge haben wir letztendlich an insgesamt fünf Tagen geschafft).

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