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81

Donnerstag, 25. November 2010, 11:03

Ich verstehe einfach nicht, warum die Schweizer Filmindustrie immer noch nicht kapiert hat, das Schweizerdeutsch scheisse ist.


Harte Worte ich weiss.

Wenn man jedoch den Film "Max und Co." betrachtet, der mit 30 Mio der teuerste Schweizer Film ist, dann merkt man schon auf den ersten Blick warum.
Nehmen wir an, pro Kinoeintritt geht 5.- an die Produktion, so müssten 6 Mio Schweizer den Film anschauen gehen, da er ja hauptsächlich in der Schweiz vermarktet ist.
D.h. Die gesamte Deutschsprachige Schweiz müsste ihn anschauen gehen (inkl. Kleinkinder und Grosseltern). Betrachte wir nun einer der erfolgreichsten Filme der Schweiz. Er lockte, sage und schreibe, 378'000 Besucher in die Kinos. Wo ist hier der Fehler?

Auch verstehe ich nicht, warum sich Schweizer Produzenten scheuen, mit dem Ausland zusammenzuarbeiten. Klar sollte man das Heimatland unterstützen, jedoch muss man auch etwas Essen. Wenn der Film also Verlust schreibt ist niemandem gedient.

Ich meine, wenn man z.B. das Schweizerfernsehen als Geldgeber gewinnt, ist das schön und gut. Jedoch weis das Schweizer Fernsehen nicht, was es heisst Kommerziell zu Produzieren, da sie ihr Geld sowieso vom Staat in der A... geschoben bekommen. Dies wirkt sich dann auch auf de Film aus. Sie kommandieren dich dann nur rum, haben selber aber keine Ahnung.

Vielleicht sehe ich etwas falsch, dann korrigiert mich.
Jedoch habe ich wirklich das Gefühl, dass der Grösste Teil der Schweizer Filmindustrie nicht weiss, was sie tut.

Marco, ich will dir nicht in deine Sachen reinreden. Aber an deiner Stelle würde ich mir wirklich Gedanken machen, wievielt du dir gefallen lassen möchtest und deine Grenzen klar abstecken und diese auch rüberbringen.
Auch würde ich dir Raten einmal über die Kalkulation zu blicken. Bedenke 50 - 100% von dem was der Film kostet, sollte noch für Werbung ausgegeben werden.

Gruss Humus

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82

Donnerstag, 25. November 2010, 16:41

das Schweizerdeutsch scheisse ist.
Oh ich als deutscher (bayer) find das gar nicht. Ich höre die Sprache gerne, auch wenn mir untertitel dabei helfen, da ichs nicht 100 prozent versteh.
Wenn solthar als schweizer und regisseur ungern in schweizerdeutsch dreht ist das nat. ärgerlich.
Jedoch habe ich wirklich das Gefühl, dass der Grösste Teil der Schweizer Filmindustrie nicht weiss, was sie tut.
Die leute die solthar meint, sind doch Bundesämter oder? Das hat ja nichts mit der Filmindustrie zu tun. Das Geldgeber Forderungen stellen ist ja normal, und da es quasi der schweizer Staat ist, versteh ich auch das dieser so sehr darauf besteht, dass er auf schwizerdütsch gedreht wird und die crew aus der Schweiz kommt.

Auch wenns schade ist, dass du dich bei deinen Film an so strenge regeln halten musst aber: ich fänds einfach klasse wenn der Film gedreht wird, selbst mit den "Einschränkungen".

sollthar

unregistriert

83

Donnerstag, 25. November 2010, 22:14

Zitat

Ich verstehe einfach nicht, warum die Schweizer Filmindustrie immer noch nicht kapiert hat, das Schweizerdeutsch scheisse ist.


Vielleicht weil, obwohl du das ein wenig nach Fakt klingen lässt, Ansichtssache ist. ;)

Ich hätte lieber auf Hochdeutsch gedreht, weil ich Schweizerdeutsch zwar nicht "scheisse" finde, aber für einen Thriller Sprachklanglich nicht unbedingt ideal und ich mir eben auch dachte, dass es die internationale Vermarktung erschwert. Da musste ich mir allerdings die Realität vor Augen führen lassen: Schweizer Filme verkaufen sich nicht nach Deutschland. Egal in welcher Sprache sie gedreht wurden. Passiert so gut wie nie.
Und nun ist es halt so, dass das BAK - zumal es ja ein Bundesamt für schweizer Kultur ist - es gerne sieht, wenn Filme klaren Bezug zur Schweiz haben. Und dies durch ihre Sprache auch zeigen. Für mich ist das kein Weltuntergang, braucht aber ein Umdenken meinerseits.


Der schweizer Markt ist nunmal zu klein um finanziell erfolgreich zu sein, das ist ein Fakt. Deswegen wird er subventioniert. Das ist in Deutschland anders, in den USA sowieso. Hierzulande ist das nunmal Realität. Es GIBT keine Möglichkeit in der Schweiz kommerziell effektiv zu produzieren. Die gibt es einfach nicht. Die wissen schon, was sie tun. Aber die Voraussetzungen sind nun mal anders.

Zitat

Aber an deiner Stelle würde ich mir wirklich Gedanken machen, wievielt du dir gefallen lassen möchtest und deine Grenzen klar abstecken und diese auch rüberbringen.


Das tu ich. Wenn das BAK mir die Chance gibt, einen Kinofilm zu machen und will, dass der auf Schweizerdeutsch ist, dann mach ich das so. Ist ja kein Drama. Schade, aber kein unüberwindbares Drama. Wenns das für mich wäre, würd ichs nicht tun. Aber ich find Schweizerdeutsch nicht "scheisse". :)

Zitat

Auch würde ich dir Raten einmal über die Kalkulation zu blicken. Bedenke 50 - 100% von dem was der Film kostet, sollte noch für Werbung ausgegeben werden.


Ich geh sicher die Kalkulation mit durch, aber ich bin da nicht die Fachperson. Der Produzent schon - der macht das ja seit 30 Jahren erfolgreich. 50 bis 100% von den Kosten für Werbung mögen realistische Zahlen in Deutschland sein, in der Schweiz wäre das wie schon gesagt mathematischer Unsinn.

Die Märkte und Art wie sie funktionieren lassen sich nicht übertragen. So viel weiss ich, obwohl ichs zum ersten Mal in dem Rahmen mache.

Zitat

ich fänds einfach klasse wenn der Film gedreht wird, selbst mit den "Einschränkungen".


Danke! Ich auch. Die Lernerfahrung alleine wäre spannend. Allüren kann ich entwickeln, wenn ichs dann zum zweiten Mal mache. ;)

84

Donnerstag, 25. November 2010, 23:02

Der schweizer Markt ist nunmal zu klein um finanziell erfolgreich zu sein, das ist ein Fakt. Deswegen wird er subventioniert. Das ist in Deutschland anders, in den USA sowieso. Hierzulande ist das nunmal Realität. Es GIBT keine Möglichkeit in der Schweiz kommerziell effektiv zu produzieren. Die gibt es einfach nicht. Die wissen schon, was sie tun. Aber die Voraussetzungen sind nun mal anders.
Das ist mir auch klar, ist ja auch ok. Der Grund dafür ist jedoch, dass es immer mehr den Bach runter ging/ und geht, und der Staat immer mehr zahlen muss.
Warum ist den das so? Spielen die Filme kein Geld ein? Sucht euch die Antwort selbst.
Schweizer Filme verkaufen sich nicht nach Deutschland. Egal in welcher Sprache sie gedreht wurden. Passiert so gut wie nie.
Aber deutsche Filme verkaufen sich nach Amerika... Für was gibt es in Frankreich und anderen Orten, internationale Märkte an denen Filme verkauft werden können.
Ich meine sieh dir den Film Break an, der von Deutschland nach Amerika, Brasilien, Japan etc. verkauft. Es muss also auch möglich sein Schweizer Filme ins Ausland zu verkaufen. Ich erachte es als totaler Schwachsinn, dies schon von Anfang an zu unterdrücken. Und genau da hakt das BAK wieder ein. Filme auf Schweizerdeutsch aber zuwenig Geld für Synchronisationen. Ich meine die Hochdeutsche Fassung von mein Name ist Eugen ist zum weinen... eine englische Fassung gibt es gar nicht. Kein wunder lassen sie sich nicht verkaufen.
50 bis 100% von den Kosten für Werbung mögen realistische Zahlen in Deutschland sein, in der Schweiz wäre das wie schon gesagt mathematischer Unsinn.
Warum denken immer alle Menschen, ihr Produkt werde gekauft, wenn es niemand kennt. Es geht beim Verkauf nicht darum was man anbietet sondern wie man es Vermarktet. Schaut euch einmal die Musikindustrie an. Zum Teil können diese Komerzhitparadensänger ja wirklich nichts mehr.
Ich denke wenn ein Film 1'000'000 kostet, muss er mindestens ein Werbebudget von 500'000 haben. Für Plakate aufzuhängen reicht dies etwa gerade einmal für 1-2 Wochen in der ganzen Schweiz. Nur weil Made in Swiss darauf steht, ändert das nichts daran.

Kannst ja einmal mit Unternehmer (AG's, GmbH's) darüber reden, sie werden es dir bestimmt bestätigen.

Vielleicht trete ich jetzt ein paar Menschen auf die Füsse, ich denke jedoch wirklich, dass es einmal an der Zeit ist die Augen aufzumachen und zu handeln.
Dem Schweizer Film geht es scheisse, und wenn es so weiter geht, gibt es ihn bald nur noch voll unter der Hand des Staates oder gar nicht mehr.

sollthar

unregistriert

85

Freitag, 26. November 2010, 06:53

Verzeihung Humus, aber auf was für Grundlagen oder Zahlen basieren deine Aussagen?

Zitat

Warum ist den das so? Spielen die Filme kein Geld ein?


Ja, die Filme spielen kein Geld ein. Wie auch? Selbst wenn jeder 10. Schweizer einen Film sieht (unrealistisch hohe Zahl) haben wir 700'000 Zuschauer.
Pro Zuschauer fliessen 3 bis 4 Franken an die Geldgeber zurück, also liegt bei einem Grosserfolg kaum mehr als 2 Millionen Einnahmen drin. So viel kostet alleine die Produktion.

Als Vergleich, Sennentuntschi läuft erfolgreich mit knapp mehr als 100'000 Zuschauern. Produktionskosten: 6 Millionen. Rechne selbst.

Zitat

Es muss also auch möglich sein Schweizer Filme ins Ausland zu verkaufen.


Es ist möglich, aber extrem selten. Das ist einfach eine Tatsache. Schweizer Filme werden selten gekauft und wenn, dann rechnet sich das finanziell nicht sonderlich, weil Filme im ausländischen Markt kaum bestehen. Sie finden nur wenig Publikum. Das gilt im übrigen auch für Deutsche Filme, die ins Ausland verkauft werden. Wenn du dir die Zahlen anschaust, was das alles kostet und dann, was so ein Film im internationalen Markt einspielt, dann würdest du wissen, dass es eben lediglich zusätzliches Taschengeld ist. Bestenfalls ist. Meistens ist es Gratiswerbung und ein Schulterklopfen.

Zitat

Ich erachte es als totaler Schwachsinn, dies schon von Anfang an zu unterdrücken.


Ich versteh gar nicht was du da redest. Wer unterdrückt denn irgendwas?

Zitat

Ich meine die Hochdeutsche Fassung von mein Name ist Eugen ist zum weinen... eine englische Fassung gibt es gar nicht. Kein wunder lassen sie sich nicht verkaufen.


Es ist umgekehrt. Die haben ausnahmsweise ein Angebot gekriegt, den Film nach Deutschland zu bringen - die USA wollte den Film schlicht nicht. Das Angebot war grosszügig, aber nicht ansatzweise gross genug um eine vernünftige Synchronfassung davon zu produzieren.

Zitat

Warum denken immer alle Menschen, ihr Produkt werde gekauft, wenn es niemand kennt. Ich denke wenn ein Film 1'000'000 kostet, muss er mindestens ein Werbebudget von 500'000 haben.


Wer sagt denn das? Grössere Kino-Filme kosten aber keine Million, auch in der Schweiz nicht - die sind im Normalfall teurer. Aber selbst wenn: Okay, nehmen wir dein Beispiel. 1,5 Millionen an Kosten. Der Film hat praktisch KEINE Chance, dieses Geld wieder einzuspielen. In der Schweiz müsste er der erfolgreichste Film der letzten Jahre werden und sich besser ins Ausland verkaufen als alles in den letzten 5 Jahren, damit er dieses Geld wieder zurückbekommt. Und das Problem ist: Kinofilme kosten mehr als das. "Motive" wird mehr als das kosten und ist in der untersten Budget-Klasse für Kinofilme angesiedelt.

Ich glaube du verwechselst Wunschdenken mit Realität. Oder du Vergleichst Märkte, die mit anderen Zahlen funktionieren.

86

Freitag, 26. November 2010, 19:02

Ja, die Filme spielen kein Geld ein. Wie auch? Selbst wenn jeder 10. Schweizer einen Film sieht (unrealistisch hohe Zahl) haben wir 700'000 Zuschauer.
Pro Zuschauer fliessen 3 bis 4 Franken an die Geldgeber zurück, also liegt bei einem Grosserfolg kaum mehr als 2 Millionen Einnahmen drin. So viel kostet alleine die Produktion.

Als Vergleich, Sennentuntschi läuft erfolgreich mit knapp mehr als 100'000 Zuschauern. Produktionskosten: 6 Millionen. Rechne selbst.

Wie gesagt, die Frage war ironisch gemeint. Ich weis, dass unsere Filme kein Geld einspielen. Doch findest du nicht das sollte sich ändern? Hättest du nicht auch Freude wenn die Filme Gewinn machen würden und sich so unsere Filmindustrie erholen würde? Doch wie geht das. Der Weg dazu ist nicht ganz einfach, jedoch denke ich besteht er darin, einerseits Filme billiger zu Produzieren.
Leicht gesagt ich weiss. Aber warst nicht du es, der uns vorgezeigt hatte wie das geht. Warst nicht du es der mit 5'000 - 10'000 einen Actionstreifen gedreht hat? Klar alle Mitarbeiter haben freiwillig und unentgeltlich mitgearbeitet, aber ich denke es gibt einige Positionen, an denen man einsparen kann. Leicht ist es jedoch nicht und leben muss man auch. Wege gibt es aber bestimmt.
Dazu müssen wir lernen mit Deutschland und Österreich ZUSAMMEN Filme zu Produzieren. (Ich weiss, das es schon einige solcher Projekte gibt) Die Zeiten in denen jeder sein eigenes Ding durchzieht sind leider vorbei.
Und drittens mehr Werbung. Ich sah vor einigen Tagen "Stationspiraten" im Kino. Wenn mich nicht die Mutter von einem der Darsteller darauf aufmerksam gemacht hätte, wüsste ich heute noch nicht das der Film existiert. Und wenn ich nicht weis, das der Film existiert, kann ich ihn auch nicht anschauen gehen - obwohl er eigentlich ganz ok ist.Mann kann nicht sagen, wir haben schon zuviel Geld für die Produktion ausgegeben, wir können nicht mehr Werben. Wenn mann nicht wirbt, hat man nicht einmal mehr die Chance das Geld einzuspielen.
Es ist möglich, aber extrem selten. Das ist einfach eine Tatsache. Schweizer Filme werden selten gekauft und wenn, dann rechnet sich das finanziell nicht sonderlich, weil Filme im ausländischen Markt kaum bestehen. Sie finden nur wenig Publikum. Das gilt im übrigen auch für Deutsche Filme, die ins Ausland verkauft werden. Wenn du dir die Zahlen anschaust, was das alles kostet und dann, was so ein Film im internationalen Markt einspielt, dann würdest du wissen, dass es eben lediglich zusätzliches Taschengeld ist. Bestenfalls ist. Meistens ist es Gratiswerbung und ein Schulterklopfen.
Ok, in diesem Punkt lasse ich mich beraten, wusste nicht, das sie sich so schlecht verkaufen (wird also höchste Zeit herauszufinden warum dies so ist). Jedoch denke ich auch hier, dass eine Zusammenarbeit unter den den drei Länder dieses Problem mindern würde.
Ich glaube du verwechselst Wunschdenken mit Realität. Oder du Vergleichst Märkte, die mit anderen Zahlen funktionieren.
Nein, ich verwechsle nicht Wunschdenken mit Realität. Ich schildere jediglich aus meinem Standpunkt.
Z.B. Ich sehe das das Schweizer Fernsehen ein schlechtes Programm hat (kommt nicht nur von mir). Folgerung Wenn man es Privatisiert, muss das Programm besser werden, da sonst nicht genug einnahmen vorhanden sind.


Es ist nur mein Standort. Ich kann nicht sagen das dieser Richtig ist, und ich sage auch nicht, das ein anderer Falsch ist (auch wenn ich es manchmal so schreibe ;-) ) Ich betrachte das ganze nur ein bisschen von einer anderen Richtung.

Bez. der Umsetzung von Motive. Natürlich unterstütze ich dieses Vorhaben voll und fände es toll, wenn du diese Möglichkeit bekommen würdest. Das andere war einfach ein allgemeiner Einwand zum Thema Schweizer Filmindustrie, wie bringen wir sie wieder auf die Beine.

sollthar

unregistriert

87

Freitag, 26. November 2010, 19:52

Zitat

Ich weis, dass unsere Filme kein Geld einspielen. Doch findest du nicht das sollte sich ändern?


Natürlich hätte ich gerne eine schweizer Filmindustrie, die erfolgreich produziert und Geld verdient. Darum gehts doch überhaupt nicht. Alle fänden das gut. Warum dem nicht so ist hast du selbst erklärt. Der Markt existiert nicht. Der wird auch nicht existieren. Wir sind zu wenig Leute in der Schweiz. Mit 7 Millionen Einwohnern, die nicht mal dieselbe Sprache sprechen etablierst du keinen rentablen Kinomarkt - ausser, du willst ein SRG Monopol, die dann die einzigen währen, die erfolgreich produzieren, da es schlicht keinen Platz für jemanden anderen hat. markt ausgeschöpft, Ende.

Da gibts tatsächlich zwei Wege:

Weg 1:

Wir sind aufs Ausland angewiesen, das unsere Filme kauft und im eigenen Markt erfolgreich führt (und hier stellt sich schon das Problem... Wieso sollten die das tun und damit ihren eigenen Markt schwächen? Kein Land der Welt macht das). Die Amis und Inder haben rein bevölkerungsmässig die grössten Märkte und siehe da: Sie haben auch die stärksten und selbsttragende Filmindustrien. Die Amis exportieren weltweit mit Filmen die teuer produziert sind und pro Land ein Werbebudget haben, mit dem in dem Land vermutlich mehrere Kinofilme produziert werden könnten. Mit denen KANNST du es nicht aufnehmen, das ist wirtschaftlicher Suizid. Sie sind zu gross und zu mächtig und haben zu viel Geld. Das wird jetzt vielleicht vielen weh tun, aber die Filme "GUT" oder "SCHLECHT" sind ist absolut sekundär und zählt weniger als eine Marketingmaschine, mit der wirs nicht aufnehmen können.
Dann kommen noch die Kulturunterschiede. Guck dir an was die USA macht: Remakes von zig ausländischen Produktionen, um die Kulturunterschiede anzupassen, weil die Originale keine Sau anschauen geht. Das Publikum existiert nicht, Werbung hin oder her. Selbst die deutsche Kultur lässt sich schwer in der Schweiz vermarkten, weil wir anders ticken. Schweizer Kultur ist schwer nach Deutschland zu vermarkten. Deswegen ist dieser Weg für die schweizer Filmindustrie in 99% aller Fällen eine Sackgasse.
Das nur zwei Punkte zur Frage, warum sich schweizer Filme schlecht verkaufen (genauso wie alle anderen auch ausser den Amis, die schlicht so viel Kohle haben um alles zu ertränken). Und sicher, wir produzieren billiger und der Normalokinozuschauer sieht das. Und guckt das was mehr seinem Sehstandard entspricht. Und du willst nun in Weg 2 noch billiger produzieren?

Weg 2:

Der Amateurweg. Wir produzieren billiger. Wir sind bereits an der unteren Limite herrje. Auch wenn Amateurfilmer da gerne den Blick für die Realität verlieren weil sie mit ihren Kollegenproduktionen in Foren wie diesen viele Komplimente bekommen wie toll und super das alles aussieht. Die Realität ist: Selbst die besten Vertreter können mit Kinostandard nicht mal ansatzweise mithalten. Mit der amerikanischen Konkurrenz, gegen die unsere Filme bestehen müssen sowieso nicht.
Abgesehen davon: Leute kosten Geld. Die wollen ja auch was verdienen und die Löhne sind in der Schweiz weiss Gott nicht übermässig hoch. Hier wird jetzt schon keiner reich beim Film. Sollen die alle einen Zweitjob haben damit sie sich eine Wohnung und was zu Essen leisten können? Und Ausbildung kostet ja auch was. Noch billiger? Hey, die machen das nicht als Hobby. Die machen das BERUFLICH.

NightCast als Beispiel? Hätten die alle einen Stundenansatz bekommen der normal ist, wäre das Budget des Films etwa 3 Millionen gewesen (Die Kalkulation gibts). Nichts mit 15'000. Verwechsel da nicht die Amateurfilmwelt mit der richtigen Filmbranche. In unseren Kreisen ist es toll wenn jemand ne DVD rausbringt und die das Taschengeld der Macher aufbessert und wir reden alle von "Erfolg". Aber mehr ist das nicht. Wenn du so produzieren willst, dass du eine ernsthafte Konkurrenz auf dem Markt sein willst, kostet dich ein einziger Drehtag locker 50'000. Und unter 5 Millionen an den Kinokassen machst du nicht mal Profit. Peanuts.

Zitat

Mann kann nicht sagen, wir haben schon zuviel Geld für die Produktion ausgegeben, wir können nicht mehr Werben.


Kann man eben doch, wenn man in Mathematik keinen Fensterplatz hatte. :)
Werbung soll Einnahmen generieren. Du zahlst 200% um mehr 20% Einnahmen zu generieren. So sehen die Zahlen aus, mit denen die schweizer Filmwelt eben tagtäglich zu tun hat. Das läuft eben nicht linear.

Darum bleib ich dabei: Dein Wunschdenken fänd ich auch schön. Aber es bleibt eben genau das: Wunschdenken. Die Zahlen sehen leider anders aus.

Das das SF Schrott sendet und viele schweizer Filme auch wirklich nicht mit ausländischen Produktionen mithalten können ist dabei weder im Zweifel noch irgendwie relevant. Das kommt nur noch erschwerend dazu. :)


Bei mir mit ein Grund warum ich mir die Filmwelt nicht als berufliches Standbein ausgesucht habe. Dafür lebe ich wohl im falschen Land. Ein schönes Hobby ists und wenn uns das BAK Geld gibt um einen Kinofilm zu machen, hey, AWESOME! :thumbup:
Wenn nicht, dann gibts eine schöne Indieproduktion, die viel Spass machen und ein finanzieller Totalflop sein wird. Ein Hobby eben. ;)

Es hat bereits 1 Gast diesen Beitrag als hilfreich eingestuft.

88

Freitag, 26. November 2010, 20:03

Herzlichen Dank für deine Ausführliche Rückmeldung. Werde mir dies durch den kopf gehen lassen.

Wie gesagt, ich bin 17 und weis noch lange nicht alles, werde jedoch bez. Studium in die Richtung Jura und Wirtschaft gehen.
D.h. Ich hoffe, dass ich dieses Wissen einmal für die Schweizer Filmindustrie einsetzten kann, damit es mit ihr hinauf geht und ich nicht immer nur Kritisieren muss, sonder auch mal etwas bewirken kann.

Gruss Humus

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89

Freitag, 26. November 2010, 20:23

Mal ne Off Topic Frage: Habt ihr in der Schweiz desöfteren Kommunikationsprobleme? Ich meine... Mit vier verschiedenen Sprachen stelle ich mir das recht schwierig vor! :D

90

Freitag, 26. November 2010, 20:33

Eine Sprache wird beinahe nicht gesprochen, eine muss man in der Schule lernen und eine beherrscht man, bleibt also nur noch eine übrig die man nicht versteht.
Ausserdem können beinahe alle ein bisschen Englisch.

sollthar

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91

Freitag, 26. November 2010, 21:03

Hehe, schöne Zusammenfassung. Ja, ich hab schlicht kaun Kontakt zu den anderen 3 Sprachen. Kann alle 3 nicht. :)
Ausserdem reden die im Vallis auch Deutsch und trotzdem versteh ich bei einem starken Akzent kein Wort....

Humus: ich hoffe sehr, dass du dein Wirtschaftsstudium machst und einen Weg findest, den Markt umzustellen. Da hättest du sofort die gesamte Filmbranche hinter dir. Mich mit Sicherheit. :)

92

Freitag, 26. November 2010, 22:25

Hey!
Freut mich, dass dein nächster Film voran geht.
Inhaltlich hat es mich nicht so von Hocker gehauen.
Technisch natürlich toll, auch über jeden Zweifel erhaben, wie du bei uns sagtest. Es sollte aber wohl nur ein Produktionsteaser sein.
Für den Film erwarte ich noch mehr. NightCast war ja auch geil.

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93

Freitag, 3. Dezember 2010, 13:34

hm... Constantin Film produziert doch auch mit Babelsberg zusammen. Ich denke, dass der Markt sich in den nächsten Jahren stark verändern wird und eigentlich schon damit angefangen hat. Die Wirtschaft wächst aus meiner Sicht immer mehr zusammen und das ist sicher von Vorteil für die Filmemacher.

Zuerst sollte man sich von dem Gedanken lösen, dass es schlechte Filme und gute Filme gibt. Es gibt Filme, die sind Inhaltlich und von ihrer Umsetzung derart genial (Adamas Äpfel mal als Beispiel) die aber nicht gut verkauft werden. Dann gibt es Filme, die weniger genial sind aber sehr sehr gut verkauft werden. Also, WAS ist der Unterschied, das diesen Erfolg ausmacht? Ich glaube nicht, dass es die Wirtschaft ist. Ich kann als Afrikaner sicher Produzenten aus Amerika bekommen, wenn ich denen ein (gutes) Drehbuch vorlege, von dem sie erkennen, dass dieser Geld einspielen wird. Also WAS ist gut? Gut ist nicht gleich gut sondern angepasst und erfolgversprechend. Solche Filme sind in ihrer gewollten Richtung gut (eben auf den Mainstream zugeschnitten) und werden von DEN Filmemachern verkannt, die diese Filme als oberflächig abstempeln und lieber tiefgründige Filme machen. Ist ja auch richtig aber Fakt ist eben, dass es 2 GUT gibt. 1 GUT = Mainstream GUT und Kassenerfolg. 2 GUT = Inhalt und Umsetzung GUT (Kassenerfolg ist Glückssache)

So sehe ich das.

Auf den Schmarn, der im TV kommt, gehe ich erst gar nicht ein.

Epi

sollthar

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94

Freitag, 3. Dezember 2010, 15:47

Diese Diskussion kannst du (oder die, die darauf reagieren wollen) gerne in einem eigenen Thema weiterführen, aber bitte nicht hier.

Merci

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95

Freitag, 3. Dezember 2010, 16:15

Ok, sorry.

Zum Film Motive : Ich freue mich darauf, auch wenn es auf afghanisch ist und ich nichts verstehe. Vor allem freue ich mich auf all deine neuen Erfahrungen die du sammeln wirst und uns weitergeben wirst :) Der Hammer, dass es geklappt hat. Möge alles glatt gehen. Ich drücke euch allen auf jeden Fall die Daumen!

und nochma
toitoitoi

Epi

braunbaer

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96

Donnerstag, 23. Dezember 2010, 12:27

Hi,

klingt alles sehr interessant,
mich würde wahnsinnig interessieren, mit welchem Equipment ihr arbeitet,
also Cam, Optiken, Audio, Monitore, Licht und auch post-spezifisch.

Freue mich über Infos,

Sebastian

sollthar

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97

Donnerstag, 23. Dezember 2010, 13:20

Das teil ich dir gerne mit, sobald es klar ist. Momentan ist der Budgetplan und die definitive Drehfassung des Skripts Thema und das ist ein Immens spannendes Feld. Insbesondere bei solch hohen Beträgen in Millionenhöhe, wo gewisse Entscheidungen locker mal eine Null mehr oder weniger im Feld ausmachen.

Im Gespräch steht die Arri Alexa, die Red wurde aufgrund der Komplexität und Grösse bereits ausgeschlossen. Aber wir suchen noch nach weiteren Alternativen. Gleichzeitig versuchen wir auch an sonstigen Ecken und Enden das Budget ruterzudrücken, ohne das wir Abstriche machen müssen. Glücklicherweise hab ich einen Kamermann, der ähnlich Indie-mÄssig denkt wie ich.

Es wird noch viel passieren bis zur Eingabe. Einiges darf ich leider nicht veröffentlichen, anderes ist nach wie vor einfach unklar.

Ich update aber spätestens im Januar wieder, wenn wir das Dossier haben. :)

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98

Donnerstag, 23. Dezember 2010, 14:28

Sag mal... Gibt's dann wieder so ein geiles, umfangreiches Making Of? Auch gerade jetzt schon im Anfangsprozess wäre das sicher spannend. Und vor allem, weil du "einer von uns" bist! :D

sollthar

unregistriert

99

Montag, 27. Dezember 2010, 13:53

Update 27.12.10

In weniger als 2 Wochen, am 8. Januar nämlich, ist es soweit und wir liefern die erste Eingabe dem Kanton ab. 9 Tage später geht sie dann ans Bundesamt für Kultur. Und danach heisst es, warten... und warten...

Neben Budget- und Finanzierungsplan, momentan zielend auf etwa 2 Millionen, wie einer Kopie des Drehbuchs (welches ich in gewünschter BAK-Form nun auch auf schweizerdeutsch Übersetzt habe, bzw die Dialoge, mt Kursivtext daneben die Hochdeutsche Übersetzung) brauch ich eine 1-Seitige Synopsis und einen 3-Seitigen kreativen Regie-Text, in dem ich meine Umsetzungsabsichten, meinen Fokus und all meine kreativen Überlegungen darlege (selbstregend, ohne diese vorher mit meinem Team abgesprochen zu haben, da ja noch kein Geld da ist, als dass ich mit meinem kreativen Team vorher allzugross zusammen sitzen könnte........).

Meine Freundin illustriert mir ein paar kleinere Storyboards, welche ich beilegen werde, damit man sich beim lesen des Drehbuchs bereits ein bisschen ein Bild machen kann. Konkret ist das eine Übersicht über die Situation ausserhalb der Bank und in der Bank selbst. Also vorallem eine geografische Orientierungshilfe.

Diese Bilder werde ich natürlich im Tagebuch posten und vielleicht sogar teile des Dossiers. Dann gäbe es dann zum ersten Mal auch Bildmaterial und nicht nur Text. :)

Hier ein erstes Bild für die Situation ausserhalb der Bank, wo sich ein guter Drittel des Films abspielen wird:



Als kleiner Freudensprung am Rande: Cast und Crew die ich bisher zusammenhabe ist vom Skript sehr begeistert und findet die Geschichte spannend und emotional. Ich hoffe, das BAK sieht das auch so. Oder zumindest genug, um uns Geld zu geben, es auf die Leinwand zu bringen.


@Birkholz:
Making Of's sind für mich Oberpflicht! Ich werde, wenns klappt, garantiert so viel wie möglich dokumentieren. :D

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »sollthar« (27. Dezember 2010, 15:48)


niGGo

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Montag, 27. Dezember 2010, 16:26

Mensch, das hört sich klasse an und sieht klasse aus! Also wirklich. Ich hoffe es geht alles glatt und niemand macht dir bei der Finanzierung einen Strich durch die Rechnung. Toi, toi, toi! :)

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