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pikk

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Donnerstag, 14. März 2013, 13:29

Woran erkennt man die Qualität der Regie?

Mal eine Frage an die Leute, die ihr Fach im Gegensatz zu mir gelernt haben: Woran erkennt man im fertigen Film eigentlich, ob der Regisseur gut gearbeitet hat?
Besonders im Amateurfilm ist es doch sicher nicht selten der Fall, dass schlechte Regie durch die Schauspieler oder den Cutter selbstständig ausgeglichen wird, oder?
Gibt es also konkrete Merkmale, an denen man sowas erkennen kann oder erfolgt die Beurteilung da rein subjektiv?

rick

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Donnerstag, 14. März 2013, 13:40

Im Amateurfilmbereich ist das sicherlich schwieriger zu definieren, da oftmals ein und die selbe Person für Regie,Planung,Script etc. verantwortlich ist. Bestimmte Fehler können also zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstehen. Grundsätzlich aber, würde ich sagen, wenn eine Szene schlecht rüberkommt (technisch vom Bild, schauspielerisch, schlampig etc.), dann hat der Regisseur das in den meisten Fällen zu verantworten.Er ist der einzige, der eine Szene "kauft" oder nicht "kauft". Wenn er die Szene "kauft", bedeutet das nichts anderes als das er sein Okay gibt und der Meinung ist, daß bestmögliche Ergebnis (unter seinen Produktionsbedingungen) erreicht zu haben. Gerade bei Amateurfilmen wo oft jemand für die Überwachung der Kontinuität fehlt, muß derRegisseur eben auch darauf achten, ob sich Props versentlich bewegen oder irgendwelche Türen mal auf und mal zu sind. Der Kamerman ist da auch nicht unwichtig, z.B. in der Beurteilung von Lichtsetups oder "Mikro im Bild".

Eine schlechte Leistung des Regisseurs könnte man z.B. an Dialogen oder am Acting feststellen. Wenn Schauspieler in einigen Szenen glaubhaft handeln oder sprechen und in anderen nicht, dann hätte man sie einfach solange spielen lassen müssen, bis ihre Leistung ein gleichbleibend hohes Niveau hat, denn sie haben ja bewiesen das sie es grundsätzlich können.

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MoFilms

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Donnerstag, 14. März 2013, 14:12

Es ist sicherlich im Amateurbereich schwer, da, wie rick schon richtig geschrieben hat, die Aufgabenteilung oftmals sehr unausgeglich ist. Es könnte z.B. sein, dass jemand ein richtig talentierter Regisseur ist, aber aus Mangel an Ressourcen und Personal z.B. gleichzeitig die Kamera übernehmen muss, für diese wiederum aber kein großes Talent hat. Ergo sähen die Bilder relativ bescheiden aus, evt. schlecht beleuchtet etc. obwohl die Regie gar nicht so schlecht geführt wurde.
Continuity ist auch, gerade im Amateurbereich, öfter mal ein Problem. Ich denke aber, dass eine gute Regie und ein guter Film auch dann zu Stande kommen kann, wenn ein Protagonist in einem Bild mal rasiert ist und im nächsten eine Dreitagebart hat. Darüber kann man hinwegschauen, muss man aber natürlich in dem Moment auch wollen.

Um jetzt nocheinmal spezifisch auf die Qualität der Regie einzugehen: die Aufgaben eines Regisseurs fangen als erstes einmal mit der Auflösung an (zumindest wenn Drehbuch und Regie getrennte Personen sind). Wenn also in einem Film ständig unverständliche Achsensprünge und nichtnachzuvollziehende Einstellungen zu sehen sind, fällt dies definitv auf den Regisseur zurück. Vor Ort ist man als Regie natürlich für die Schauspielerführung verantwortlich. Wenn ein talentierter Darsteller plötzlich Mist spielt, sollte man die Regie hinterfragen (bei Amateuren wieder schwierig, da man i.d.R. die Darsteller nicht kennt und nicht weiß, wer eigentlich wie gut schauspielern kann). Letzlich muss auch ein Regisseur technische Fertigkeiten besitzen. Er muss natürlich kein perfekter Kamermann sein oder ausgebildeter Cutter, aber er sollte zumindest wissen, was mit welcher Kamera möglich ist zu drehen, damit er keine Bilder verlangt die nicht machbar sind und auf der anderen Seite nicht mit Szenen zufrieden ist, obwohl noch mehr Qualität heraus zu holen gewesen wäre. Auch sollte er Bescheid wissen, was bei jedem Film in der Post noch machbar ist. Je nachdem welches Budget zur Verfügung steht, kann man mit Software und guten fachkundigen Mitarbeitern in diesem Bereich vieles nachbessern, wenn dies nicht der Fall ist, muss am Set noch mehr darauf geachtet werden, dass die Bilder und Einstellungen so gut wie möglich werden und wenig Post von Nöten ist.

Letztenendes kann man wohl die volle Leistung der Regie nur dann wirklich bewerten, wenn man auch beim Dreh ständig vor Ort war. Als Regisseur trägt man am Ende die künstlerische Gesamtveranwortung eines Films. Das ist manchmal unfair, wenn die Regie schlicht nichts dafür kann, wenn z.B. Darsteller privat nicht auf Continuity achten (s. Beispiel oben mit dem Bart), aber man kann auch Ruhm ernten, wenn eigentlich der Kamermann die perfekten Bilder kreiert hat.

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pikk

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Donnerstag, 14. März 2013, 14:33

Danke, das gibt mir etwas Aufschluss. Kurz gesagt hält also die Regie einfach den Kopf hin, egal ob sie an einem Fehler direkt Schuld hat oder nicht, was also im Grunde heißt, dass man über weite Strecken wirklich nur darüber spekulieren kann, wie tatsächlich gearbeitet wurde.
Die Frage kam mir in den Sinn, weil es bei vielen Filmwettbewerben (so wie hier) eine Kategorie für die beste Regie gibt und ich nie verstanden habe, wie das bewertet wird.

Ich persönlich mache natürlich auch sämtliche Aufgaben alleine und kann da immer schwer differenzieren, zumal ich "einfach mache" und nicht wirklich (aus einer Ausbildung) weiß, was ich da tue.

MoFilms

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5

Donnerstag, 14. März 2013, 14:39

Danke, das gibt mir etwas Aufschluss. Kurz gesagt hält also die Regie einfach den Kopf hin, egal ob sie an einem Fehler direkt Schuld hat oder nicht, was also im Grunde heißt, dass man über weite Strecken wirklich nur darüber spekulieren kann, wie tatsächlich gearbeitet wurde.
Die Frage kam mir in den Sinn, weil es bei vielen Filmwettbewerben (so wie hier) eine Kategorie für die beste Regie gibt und ich nie verstanden habe, wie das bewertet wird.

Manchmal gibt es natürlich schon Fehler, die man nicht auf die Regie zurück führen kann. Aber es ist eben oft schwierig, bei Amateurfilmen da man die Bereiche schwer trennen kann, bei Millionenproduktionen aber auch, weil so endlos viele Leute daran beteiligt sind, dass man (als Aussenstehender) schwer sagen kann wer nun für den einen Fehler wirklich Verantwortung trägt.

Was bei Wettbewerben gilt, ist in der Regel eben der Grundsatz der Verantwortung. Da, wie rick schon schrieb, der Regisseur die Bilder "kauft" trägt er die künstlerische Verantwortung. Wird ein Film also als Ganzes wirklich gut, bekommt oft auch der Regisseur dafür die Aiszeichnung. Siehe z.B. die Oscras bei denen sehr oft der Regisseur den Oscar gewinnt, dessen Film auch den Oscar für den besten Film bekommt oder zumindest als solcher nominiert war.

rick

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Donnerstag, 14. März 2013, 14:52

Kurz gesagt hält also die Regie einfach den Kopf hin, egal ob sie an einem Fehler direkt Schuld hat oder nicht


MoFilms hat ja schon viel angesprochen, gerade auch die Sache mit der Schauspieler Führung.

Meiner Ansicht nach gibt es keine, oder extrem selten, eine indirekte Schuld des Regisseurs. Entweder liegt ein Problem außerhalb seines Einflußbereichs oder aber, er ist direkt "verantwortlich".

Beispiel Ton, da muß sich ein Regisseur auf die Tonleute verlassen, daß sie sofort bescheid sagen, wenn Störgeräusche oder ähnliches vorhanden sind, oder sich jede Aufnahme selber anhören, was zeitlich gar nicht möglich ist. Also delegiert er dies an eine Person und muß sich da auf das Urteilsvermögen eines Dritten verlassen (gilt für die Fälle in denen ein Regisseur keinen Einfluß auf die Wahl der Crew hat).

Anderes Beispiel, Requisite/Kostüm, der Regisseur muß mit dem arbeiten was der Produzent budgetiert hat. Im Ernstfall muß der Regisseur natürlich auch bei schlechten Kostümen oder Dialogen darüber entscheiden ob eventuell kurzfristige Änderungen möglich/finanzierbar sind. Dies bedarf dann der Rücksprache mit dem Produzenten oder bei Textänderungen auch dem Autor (sofern der Mitspracherecht hat. Wenn am Ende trotzdem "Müll" rauskommt, dann zumindest der Regisseur alles versucht um seiner Verantwortung gerecht zu werden. Nur leider wird der Zuschauer dies nicht erkennen können. Natürlich sollte sich diese Verantwortung auch in der Gage für den Regisseur niederschlagen.

maximus63

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Samstag, 16. März 2013, 17:08

Schau Dir alle Hitchcock Filme an.

capote

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Sonntag, 17. März 2013, 02:18

Eine schlechte Leistung des Regisseurs könnte man z.B. an Dialogen oder am Acting feststellen. Wenn Schauspieler in einigen Szenen glaubhaft handeln oder sprechen und in anderen nicht, dann hätte man sie einfach solange spielen lassen müssen, bis ihre Leistung ein gleichbleibend hohes Niveau hat, denn sie haben ja bewiesen das sie es grundsätzlich können.
Sorry, aber das ist kompletter Unsinn.
Schauspieler sind Menschen und keine Roboter.
Außerdem ist das Tagesform- und Szenenabhängig.
Ganz zu Schweigen von den äußeren zeitlichen Bedingungen.
Du kannst die Leute ja nicht einfach 800 Takes machen lassen, wenn sie mal einen schlechten Tag haben
oder sich Stimmungsmäßig beim Dreh nichts ergibt .
Hallo ihr Lieben,
Wir arbeiten gerade an unserem zweiten Spielfilm.
Wenn ihr mögt schaut doch mal auf unserer Filmseite vorbei.
www.facebook.com/ninafussballgirl

rick

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9

Sonntag, 17. März 2013, 04:38

Du kannst die Leute ja nicht einfach 800 Takes machen lassen, wenn sie mal einen schlechten Tag haben

Ich sehe es sogar als Verpflichtung des Regisseurs gegenüber den Schauspielern, der Produktion und dem Publikum an, zur Not (wenn es nicht anders geht) genau das zu tun.

Aber eine Szene bis zum Erbrechen zu wiederholen ist ja nicht die einzige Möglichkeit. Bevor man sich damit abfindet, daß ein Darsteller schlecht drauf ist, und eine schlechte Szene kauft, wird man sich als Regisseur bemühen, dem Darsteller Hilfestellung zu geben - Ihm alternative Spielweisen gegebnenfalls angepaßte Dialogzeilen anbieten, andere Szenen vorziehen, zur Not auch Eselsbrücken auf Notizzettel schreiben. Das bedeutet nicht, daß man Darsteller als Robotor sieht oder sie durch 800 Takes quält wenn es an diesem Drehtag keinen Sinn macht. Nur weil heutzutage die Anzahl der Drehtage immer knapper kalkuliert wird, kann man sich doch als Regisseur nicht mit einer schlechten/schwankenden schauspielerischen Leistung zufriedengeben und jegliche Verantwortung dafür auf die Tagesform und den Produktionsdruck abwälzen.

Eins von unzähligen Beispielen: Manche mögen's heiß 1959 - Regie Billy Wilder.
Zitat aus Wikipedia: "Durch Marilyn Monroes Unpünktlichkeit und Unfähigkeit, sich ein paar Zeilen zu merken, hatte sich der Dreh um 20 Tage verlängert." Zitat Ende
Daraus ergeben sich Mehrkosten von 400.000 $. Der Film spielt das 9 Fache seiner Produktionskosten in den USA ein und liegt laut dem American Film Institute auf Platz 14 der 100 besten amerikanischen Filme und auf Platz 1 der 100 besten amerikanischen Filmkomödien. Der Film zählt zu den bekanntesten Monroe Filmen, nur kann man in diesem Fall leider nicht Marilyn den Erfolg zuschreiben sondern Wilders Regiearbeit (selbstverständlich auch dem großartigen Acting von Tony Curtis und Jack Lemmon).

Bitte erkläre mir was daran kompletter Unsinn ist, im Hinblick auf das widerholen lassen von Szenen, das Rücksicht nehmen auf Tagesformen und Befindlichkeiten, daß Umdisponieren, um als Regisseur einem Schauspieler die bestmögliche Leistung abzuverlangen ?

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L Lawliet, Birkholz

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10

Montag, 18. März 2013, 14:02

Du kannst die Leute ja nicht einfach 800 Takes machen lassen, wenn sie mal einen schlechten Tag haben

Ich sehe es sogar als Verpflichtung des Regisseurs gegenüber den Schauspielern, der Produktion und dem Publikum an, zur Not (wenn es nicht anders geht) genau das zu tun.

Aber eine Szene bis zum Erbrechen zu wiederholen ist ja nicht die einzige Möglichkeit. Bevor man sich damit abfindet, daß ein Darsteller schlecht drauf ist, und eine schlechte Szene kauft, wird man sich als Regisseur bemühen, dem Darsteller Hilfestellung zu geben - Ihm alternative Spielweisen gegebnenfalls angepaßte Dialogzeilen anbieten, andere Szenen vorziehen, zur Not auch Eselsbrücken auf Notizzettel schreiben. Das bedeutet nicht, daß man Darsteller als Robotor sieht oder sie durch 800 Takes quält wenn es an diesem Drehtag keinen Sinn macht. Nur weil heutzutage die Anzahl der Drehtage immer knapper kalkuliert wird, kann man sich doch als Regisseur nicht mit einer schlechten/schwankenden schauspielerischen Leistung zufriedengeben und jegliche Verantwortung dafür auf die Tagesform und den Produktionsdruck abwälzen.

Eins von unzähligen Beispielen: Manche mögen's heiß 1959 - Regie Billy Wilder.
Zitat aus Wikipedia: "Durch Marilyn Monroes Unpünktlichkeit und Unfähigkeit, sich ein paar Zeilen zu merken, hatte sich der Dreh um 20 Tage verlängert." Zitat Ende
Daraus ergeben sich Mehrkosten von 400.000 $. Der Film spielt das 9 Fache seiner Produktionskosten in den USA ein und liegt laut dem American Film Institute auf Platz 14 der 100 besten amerikanischen Filme und auf Platz 1 der 100 besten amerikanischen Filmkomödien. Der Film zählt zu den bekanntesten Monroe Filmen, nur kann man in diesem Fall leider nicht Marilyn den Erfolg zuschreiben sondern Wilders Regiearbeit (selbstverständlich auch dem großartigen Acting von Tony Curtis und Jack Lemmon).

Bitte erkläre mir was daran kompletter Unsinn ist, im Hinblick auf das widerholen lassen von Szenen, das Rücksicht nehmen auf Tagesformen und Befindlichkeiten, daß Umdisponieren, um als Regisseur einem Schauspieler die bestmögliche Leistung abzuverlangen ?

Svhwierig. Das Beispiel ist leider heutzutage tatsächlich unbrauchbar, da sich die Bedingungen sehr stark geändert haben und dazu kommt, dass Wilder und Co., die damals an diesem Film gearbeitet haben natürlich echte Stars waren. Was sich heute evt. noch ein Tarantino, Nolan oder Peter Jackson erlauben können, nämlich den Dreh um ein paar Tage zu verlängern ist in den meisten Fällen undenkbar, besonders in der deutschen Produktionslandschaft. Schauspieler bekommen Tagesverträge (sind meist an den anderen Tagen ohnehin nicht verfügbar, selbst wenn der Produzent dem Regisseur einen weiteren Tag finanzieren wollen würde), Drehs werden disponiert und exat geplant und daran kann der Regisseur nichts ändern. Wenn du anfangen möchtest mit der Herstellunsgleitung und Produktionsleitung zu diskutieren, dass die gesamte Planung und das Budegt umgeschmissen werden, kannst du dir in Zukunft abschminken als Regisseur in Deutschland noch bei großen Projekten zu arbeiten.
Ausnahme wäre es natürlich, wenn du neben der Regie auch als Produzent tätig bist und am besten noch deine eigene Firma hast, die den Film finanziert. Dann kannst du natürlich solche Maßnahmen ergreifen, solche Fälle sind aber selten und als Regie bist du idR den Rahmenbedingungen ausgeliefert. Gerade hier sehe ich aber auch eine gewisse Qulität der Regie, nämlich die, mit der geplanten Zeit und dem geplanten Budget das bestmögliche heraus zu holen, wer das schafft, der ist ein guter Regisseur. (Um mal einen Vergleich anzustreben: Wer z.B. als Fussballstrainer mit den Bayern Meister wird, schafft nicht unbedingt mehr, als der Trainer, der mit Freiburg oder Düsseldorf 10. wird.) Letzlich weißt du ja auch vorher wie der Film finanziert werden soll. Wenn du als Regisseur darauf bestehst alle künstlerscihen Freiheiten zu besitzten, musst du knapp finanzierte Projekte eben ablehnen. Übrig bleiben da allerdings nicht mehr viele, also bleibt eig. nur noch die selbstfinanziereung deiner eigenen Projekte als Alternative.

Um jetzt noch mal auf die Amateure zurückzukommen: hier hat man idR Gleichgesinnte um sich, die freiwillig tätig sind. Entweder diese sind bereit länger zu arbeiten, oder sie haben eben andere Verpflichtungen (viele haben ja auch andere Jobs etc.), damit muss man umgehen können. Wenn ein Darsteller, der normalerweise durchschnittlich ist, einmal eine herrausragende Szene spielt, ist das eben Glück für den Film, oft helfen aber im Nachhinein keine Widerholungen, Zettel oder sonstige Tipps der Regie um aus einem durschnittlichen Darsteller dauerhaft einen herrausragenden zu machen. Da muss man sich über die tolle Szene freuen und nicht den Regisseur dafür verantwortlich machen, dass es eben nicht immer klappt.

.SAMUEL.

unregistriert

11

Montag, 25. März 2013, 21:19

Ihr habt ja beide Recht.
Es kommt immer drauf an, was ich an "Soft- und Hardware" zur Verfügung habe.

Bei mir vor der Haustür (bin aus Tirol) wurde einmal eine Szene einer deutschen Produktion gedreht.
Sie haben dann einen typischen Tiroler Bauern dargestellt. Der stritt mit seiner rebellischen Tochter.
Abgesehen davon, dass er total klischeehaft bäuerlich angezogen war (was niemand in dem Alter in Tirol ist),
redete er in einem hochdeutschen Dialekt mit ihr.

Das ist für mich ein Musterbeispiel für schlechte Regie. Das war eine Frau (nix gegen Frauen), aber
ein 3tägigen Aufenthalt in Tirol kann viel Aufschluss darüber bringen, wie Bauern bei uns angezogen sind (nämlich
ganz normal) und dass die sicher nicht in einem hochdeutschen Dialekt fluchen und sprechen.

Regie ist ja das Führen von Schauspielern, das Organisieren, Denken an alles.
Aber auf der anderen Seite ist es die Kunst, aus der geschaffenen Realität des Filmes
eine Harmonie zu schaffen, ein Zusammenwirken aus allem, es glaubhaft darzustellen
und ein kleines oder großes Meisterwerk zu vollbringen.
Mit einer kleinen Produktion oder mit einer millionenschwere - ein Film sollte niemals nur
aus Zusammenstellen der Termine, Auswahl des Personals und dem Beachten aller Details bestehen.
Ein Regisseur legt etwas von sich in den Film, etwas, das du sonst nirgends siehst.
Und wenn du das in dem Film siehst, die gewisse Atmosphäre, das ganz Spezielle genannt
"das gewisse Etwas" - dann war da wohl Clint Eastwood oder Christopher Nolan am Werk ;).

Der Posten als Regisseur ist nicht wie der der Kameraführung, des Visagisten oder des Lichtchefs.
Obwohl jeder ein Künstler für sich selbst ist, der Regisseur ist der Dirigent.
Der Dirigent hebt die Hand und die Künstler folgen seinen Gefühlen, jeder für sich - der Dirigent
ist es, der alles zusammenwirken lässt und aus verschiedenen Instrumenten eine harmonierende,
explosive und leidenschaftliche Symphonie entstehen lässt.

edit: Zum Thema Amateurfilm: Ich glaub, ich habe noch keinen Amateurfilm gesehen, wo Regie wirklich
im Film sichtbar geführt wird. Ich glaube das ist auch nicht möglich, wenn man nicht 100 Mitwirkende hat.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ».SAMUEL.« (25. März 2013, 21:26)


MoFilms

unregistriert

12

Mittwoch, 27. März 2013, 00:48

Ihr habt ja beide Recht.
Es kommt immer drauf an, was ich an "Soft- und Hardware" zur Verfügung habe.

Bei mir vor der Haustür (bin aus Tirol) wurde einmal eine Szene einer deutschen Produktion gedreht.
Sie haben dann einen typischen Tiroler Bauern dargestellt. Der stritt mit seiner rebellischen Tochter.
Abgesehen davon, dass er total klischeehaft bäuerlich angezogen war (was niemand in dem Alter in Tirol ist),
redete er in einem hochdeutschen Dialekt mit ihr.

Das ist für mich ein Musterbeispiel für schlechte Regie. Das war eine Frau (nix gegen Frauen), aber
ein 3tägigen Aufenthalt in Tirol kann viel Aufschluss darüber bringen, wie Bauern bei uns angezogen sind (nämlich
ganz normal) und dass die sicher nicht in einem hochdeutschen Dialekt fluchen und sprechen.

Wobei hier natürlich die Frage nach dem Ziel bzw. der Zielgruppe gestellt werden muss. ;) Soll der Bauer tataäshlich realistisch sein, oder einfach nur ein Klischee verkörpern?
Soll man die Darsteller auch in ganz Deutschland ohne Untertitel verstehen oder muss es wirklich 100% realistischer Dialekt sein? Beispielsweise müsste dann ja eigentlich z.B. Schindler's Liste komplett in deutsch geschauspielert sein, ist es aber nicht, da es eine amerikanische Produktion ist. Würde dennoch Steven Spielbegr bei dem Film keine schlechte Regie - Leistung vorwerfen wollen.

Insgesamt ist der Beruf eines Regisseurs auch vor allem ein Handwerk, für welches man Erfahrungen sammeln muss, und besteht aus vielen Aspekten die man erlernen kann und sollte. Hat man diese gemeistert, kommt die Kunst. Niemand ist als perfekter Regisseur auf die Welt gekommen, da gehört auch viel Arbeit dazu.

.SAMUEL.

unregistriert

13

Donnerstag, 28. März 2013, 06:42

Zitat

Soll man die Darsteller auch in ganz Deutschland ohne Untertitel
verstehen oder muss es wirklich 100% realistischer Dialekt sein?
Na, ich rede ja nicht davon, dass der Dialekt nicht zu 100% richtig war, sondern dass er sogar typisch deutsche Ausdrücke verwendet hat, so hochdeutsch hat er geredet. Also so weit daneben, dass es schon fast weh tat.

Zitat

Beispielsweise müsste dann ja eigentlich z.B. Schindler's Liste komplett
in deutsch geschauspielert sein, ist es aber nicht, da es eine
amerikanische Produktion ist.
Na den Film gibts ja auch auf deutsch. Tatsache ist, dass, wenn ich einen alteingesessenen Ur-Berliner filme, nicht die Dialoge des Berliners dann auf tiefbayrisch führen kann. Für eine deutsche Produktion. Das macht ja keinen Sinn, oder? Verstehst, was ich meine? Grobe Widersprüche einfach. Das kann man meiner Meinung nach auch nie mit einer ausländischen Produktion des Inlandes vergleichen, die sowieso in alle Sprachen übersetzt wird. Weiters kann man auch nicht Steven Spielberg mit dieser Szene vergleichen, dass ist eigentlich wie, wenn man einen Ferrari mit einem Fahrrad vergleicht.
Ich wette, dass Steven Spielberg darauf achtet, dass ein in Washington wohnender Amerikaner nicht spricht, wie ein Ranger in Texas.

Im übrigen war das keine Kritik gegen deutsche Produktionen im Allgemeinen :D. Ich finde mit Till Schweiger, Bully Herwig,.. und Christoph Waltz (ok, der is gebürtiger Österreicher, lebt ja aber mehr oder weniger in Berlin) gibts einige wirklich sehr gute Produktionen, wo ich selbst keine österreichischen kenne, die denen gleichkommen. Nicht, dass mein Beispiel falsch verstanden wird! :D

Vielleicht ist das Beispiel auch einfach zu kurz zusammengefasst - die ganze Szene war völlig schlecht umgesetzt von allen Seiten. War halt eine sehr billige Produktion fürs Fernsehen.

dajgaw

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14

Donnerstag, 28. März 2013, 11:10

falls ihr mal in die position kommt, verantwortung für mehrere tausende euro zu haben, euch mit allen departments die ein film so hat auseinandersetzen zu müssen, euch mit etlichen wildfremden menschen, statisten herumschlagen müsst und nicht zu letzt mit schauspielern (und ich meine namenhafte, echte schauspieler) arrangieren müsst, zeitpläne einhalten müsst, nach 14 std dreh total übermüdet entscheidungen fällen müsst, denn ALLE die am set sind, warten auf DICH, deine entscheidung, und diese entscheidung ist später die richtige gewesen, der film ist glaubhaft und gut - ja dann hat der regisseur eine gute leistung vollbracht.



solange dieser druck, stress und die verantwortung nicht da ist, solange man mit einer canon irgendwo hingeht und 1000 jahre zeit hat irgendwas zu filmen, solange kann man nicht im ernst von einer "guten" oder "schlechten" regieleistung sprechen - eher von einem guten oder schlechten film.

.SAMUEL.

unregistriert

15

Donnerstag, 28. März 2013, 20:49

Zitat

solange dieser druck,
stress und die verantwortung nicht da ist, solange man mit einer canon
irgendwo hingeht und 1000 jahre zeit hat irgendwas zu filmen, solange
kann man nicht im ernst von einer "guten" oder "schlechten"
regieleistung sprechen - eher von einem guten oder schlechten film.
Ich versteh schon was du sagen willst, trotzdem nicht ganz richtig.
Ich habe selbst keine gute Singstimme, kann aber trotzdem beurteilen, ob jemand eine interessante Singstimme hat oder nicht.
So auch hier. Tatsache ist, es gibt gute Regisseure, es gibt weniger gute. Das kann man wohl nicht bestreiten.
Bei den weniger guten passen Dinge nicht, oder sind nicht so optimal gemeistert.
Und das kann man als aufmerksamer Zuseher sehrwohl bemerken und sehen - wenn man auch ein Gefühl dafür hat.
Auch muss ich kein Profifußballer sein, um Spieler berurteilen zu können. (Siehe Trainer wie Villas-Boas, Tottenham)
Wenn Du persönlich das nicht bewerten kannst, dann tu es nicht.

Zitat

solange man mit einer canon irgendwo hingeht und 1000 jahre zeit hat irgendwas zu filmen
Möchtest Du damit sagen, dass jeder hier im Forum unbegrenzt Zeit (also keinen Job) hat, und einfach irgendwo mit einer
Canon hingeht und irgendwas filmt? Das finde ich etwas beleidigend für die guten Produktionen hier, muss ich an der Stelle sagen.

Außerdem war die Frage am Anfang, woran man die Qualität der Regie erkennt.
Dein Einwurf beantwortet die Frage nicht.

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MoFilms

unregistriert

16

Donnerstag, 28. März 2013, 21:29

Zitat

solange man mit einer canon irgendwo hingeht und 1000 jahre zeit hat irgendwas zu filmen
Möchtest Du damit sagen, dass jeder hier im Forum unbegrenzt Zeit (also keinen Job) hat, und einfach irgendwo mit einer
Canon hingeht und irgendwas filmt? Das finde ich etwas beleidigend für die guten Produktionen hier, muss ich an der Stelle sagen.

Außerdem war die Frage am Anfang, woran man die Qualität der Regie erkennt.
Dein Einwurf beantwortet die Frage nicht.
Jo, da stimme ich voll zu. WEnn ich ein neues Projekt anstrebe, muss ich verdammt eng planen, eben gerade weil meine "Kollegen" in der Regel keine Profis sind und andere Verpflichtungen haben. Wären es ausgebildete Schauspieler (gut, teilweise arbeite ich sogar mit solchen zusammen, dann aber auf freundschaftlicher Basis), und es würden Gehälter bezahlt, kann ich eher mal erwarten, mit denen mehrere Tage am Stück zu drehen, als in einer Low- oder gar No-Budgt Produktion.
Ein viel größeres Problem sind dabei sogar die Locations. Wenn es mal etwas aufwändiger werden soll (z.B. Bar, Restaurant, Supermarkt, Hörsaal etc.) ist man meist darauf angewiesen, dass Menschen einem helfen und ihre Räumlichkeiten umsonst oder günstig zur Verfügung stellen. Dann ist dies aber i.d.R. nicht für ein ganzes Wochende möglich, sondern ein paar Stunden, während der Mittagspause in einem Kisok z.B. (war bei mir einmal der Fall). Da herrscht ein gehöriger Zeitdruck, wenn man dabei auch noch halbwegs proffesionell arbeiten möchte mit Beleuchtung, Grip etc.!

Es ist natürlich so, dass bei einer Multi-Millionen Produktion ein verdammt großer Druck auf der Regie lastet, wesentlich höher als bei Amateurfilmern, die vlt. hoffen an einem Wettbewerb teilzunhemen, aber nicht auf Gewinne angewiesen sind und mit schlechten Filmen ihre Karriere gefährden.
Dennoch kann man auch bei Low- und No-Budget Filmen erkennen, ob hier jemand am Werk war, der ein wenig Ahnung von Regieführung hat oder eben nicht.

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