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Mittwoch, 20. Juni 2012, 09:18

Welche Kameraführung?

Hallo liebe Hobbyfilmer,

Gestern-Abend lief auf NDR ein Krimi aus der Reihe "Stahlnetz".(Nicht die alten in SW, sondern die Neuauflage). Diesen Krimi fand ich ganz gut gemacht und ich benutzte ihn so nebenbei, um mal bewußt auf die Kameraführung zu achten. Wie wurde die Kamera gehalten, bzw. geführt? Wurde sie starr gehalten, oder bewegt und wenn ja, wie? Dabei viel mir folgendes auf,( Bei bewußtem Zuschauen, sozusagen aus Sicht des "unsichtbaren Kameramannes", unter Vernachlässigung der Handlung):
1. "Kamerafahrten" von der Schulter, Schwenks und Mitbewegungen, bzw. Mitgehen in "unsauberer" Form, warum auch immer.
2. Saubere Dollyfahrten, die auch sauber in eine starre Einstellung mündeten.
3. Selten sparsam eingsetzt mal eine Slider-Seitwärtsfahrt.
4. Schulterkamera mit leichten Korrekturen und leichteren Wacklern, permanent über viele Szenen.(Die Wackler waren relativ subtil, also schwer zu sagen, ob absichtlich angewendet, oder nicht)

Worum es mir nun bei meiner Aufzählung geht?
Nun, ich konnte kein System herauserkennen, warum hier mal die klassische starre Cam eingesetzt wurde, mal völlig saubere Dollyfahrten und zu ca. 60-70% die moderne, aber nicht übertrieben störend wirkende, Wackelcam. Weder Draußen und Drinnen, viel Platz, wenig Platz, Spannungsaufbau, subjektive Kamera, oder objektive Sicht. Ich konnte kein System erkennen.
Trotzdem war es gut gemacht, da ich, sobald ich wieder auf die Handlung achtete, hinterher nicht mehr sagen konnte, wie gerade die Kamera geführt wurde. Sprich: Dem "normalen" Zuschauer fällt das bewußt schon mal garnicht auf. Man muß schon als Hobbyfilmer ganz genau hinschauen.
Ich bin mir sicher, daß die Auswahl der Kameraführung im Beispiel dieses Stahlnetz-Krimis mit System angewendet wurde. Bloß konnte ich kein, für mich als Hobbyfilmer lehrreiches, daraus erkennen. ?(
Das Equipment für perfekte, saubere Dollyfahrten "in jeder Lebenslage" war jedenfalls erkennbar vorhanden. Also dürften Zeit und Geld doch kein Argument gewesen sein, oder etwa doch?

Gruß,

Kalle

joey23

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2

Mittwoch, 20. Juni 2012, 09:37

Doch. Ein Tatort hat kein unbegrenztes Budget, sondern einen ziemlich engen Finanz- und Drehplan. Ich war mal für einige Tage bei der Produktion dabei, und habe einen Einblick bekommen können. Meine Beobachtung war dort, dass vieles einfach von der Schulter gemacht wird, weil das das schnellste ist. Erst wenn es einen konkreten Grund gibt, wird "umgesattelt". So zumindest meine Beobachtungen am Set.

Ich habe den Tatort leider nicht gesehen, daher kann ich dazu jetzt schwerlich mehr sagen. Dabei wollte ich ihn eigentlich gerne schauen, weil der eine Schauspieler aus Dani Lowinski mitgespielt hat, und das hätte mich interessiert. Hat aber leider zeitlich nicht gepasst, bei mir.

Joey

PS: Gibts die Tatorte vll. irgendwo online zum gucken?

3

Mittwoch, 20. Juni 2012, 09:55

Doch. Ein Tatort hat kein unbegrenztes Budget, sondern einen ziemlich engen Finanz- und Drehplan. Ich war mal für einige Tage bei der Produktion dabei, und habe einen Einblick bekommen können. Meine Beobachtung war dort, dass vieles einfach von der Schulter gemacht wird, weil das das schnellste ist. Erst wenn es einen konkreten Grund gibt, wird "umgesattelt". So zumindest meine Beobachtungen am Set.
Das erklärt für mich die etwas "wirre" Auswahl der Kameraführung. Wohlgemerkt: Das war trotzdem gut gemacht und, sobald man sich in der Handlung "verlor", fiel da nichts Komisches auf.




Joey

PS: Gibts die Tatorte vll. irgendwo online zum gucken?
Wiegesagt "Stahlnetz", nicht "Tatort". Hatte zufällig weitergeschaut, da auf NDR direkt davor ein "Ballauf-Schenk-Tatort" lief,(bin auch Tatort-Fan).

Habe bloß noch diesen link gefunden: http://www.ndr.de/fernsehen/epg/epg1157_sid-1186280.html

Gruß,

Kalle

joey23

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Mittwoch, 20. Juni 2012, 10:06

Ah verdammt, das habe ich jetzt mit dem Wissen verdreht, dass auf NDR gestern der Tatort lief, sorry. Ich würde aber mal vermuten, dass das da nicht so sehr anders aussieht. Diese Eigenproduktionen finde ich persönlich immer ziemlich gut, sie gehören meiner Meinung zum oberen drittel der deutschen Produktionen, und das bei verältnismäßig knappen Budget von bis zu 1,5 Mio, was wirklich wenig ist, für professionelle Produktionen.

5

Mittwoch, 20. Juni 2012, 10:20

Also ich persönlich tendiere im Zweifel immer gerne zu den "Dritten Programmen", also den Regionalen, wie NDR,WDR,MDR,SWR,HR, usw., weil da doch oft qualitativ hochwertig gedrehte Sachen laufen, a´la Tatort. Was nicht heißen soll, daß ich nicht auch sehr gerne Stieg Larsson, oder Wallander schaue. Die sind für mich mindestens genauso hochwertig gedreht und oft spannender.
Wie auch immer: Ich denke, daß man hier ganz gut beobachten kann, wie die Profis arbeiten. Schön wären natürlich "Making Of´s". Gibt es da Möglichkeiten, noch mehr "über die Schulter" schauen zu können?

Filmstammtisch

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6

Mittwoch, 20. Juni 2012, 10:58

Doch. Ein Tatort hat kein unbegrenztes Budget, sondern einen ziemlich engen Finanz- und Drehplan. Ich war mal für einige Tage bei der Produktion dabei, und habe einen Einblick bekommen können. Meine Beobachtung war dort, dass vieles einfach von der Schulter gemacht wird, weil das das schnellste ist. Erst wenn es einen konkreten Grund gibt, wird "umgesattelt". So zumindest meine Beobachtungen am Set.


Hallo
Ich stimme dem zu, wobei sich diese Arbeitsweise bei den meisten Fersehproduktionen feststellen lässt. Meistens ist es aber so, daß noch in der ersten Drehwoche alles penibel nach Drehplan ausgeführt wird. Man darf dabei aber nicht vergessen, daß z.B. das Aufstellen eines Schienendollys viel Zeit beansprucht, weil die Schienen ja in beiden Achsen in die Waage gebracht werden müssen.

Nach der zweiten Woche erscheint dann ein kleiner Mann mit Aktentasche am Set ;) und erklärt dem Regisseur, daß das Budget heillos überzogen und viele Einstellungen schneller gedreht werden müssen.

So wird dann spätestens ab der dritten Woche nur mehr versucht den Zeitplan einzuhalten, ohne jetzt bei den Einstellungen großartig auf Perfektion zu achten.

Das wäre eine Möglichkeit.
Mfg.

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joey23

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7

Mittwoch, 20. Juni 2012, 11:12

Und da der Film nicht Chronologisch gedreht wird, sind eben manche Szenen nachher von der Schulter, und manche richtig ordentlich vom Dolly etc. Und nachher ist dann eben alles wild durcheinander :)

In Braunschweig wurden damals Komparsen gesucht, und da habe ich mich beworben. So war ich 3 oder 4 Tage am Set und habe zuschauen können. Es war bitterkalt, weil wir draußen gedreht haben, nachts, im Winter, und ich falsch informiert wurde, was ich anziehen soll. Ich durfte aber die nächsten Nächste nichts anderes anziehen, da wir jeweils die gleiche Szene gedreht haben, und ich ja nicht plötzlich was anderes tragen konnte ...

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Mittwoch, 20. Juni 2012, 18:28

Und da der Film nicht Chronologisch gedreht wird, sind eben manche Szenen nachher von der Schulter, und manche richtig ordentlich vom Dolly etc. Und nachher ist dann eben alles wild durcheinander :)

In Braunschweig wurden damals Komparsen gesucht, und da habe ich mich beworben. So war ich 3 oder 4 Tage am Set und habe zuschauen können. Es war bitterkalt, weil wir draußen gedreht haben, nachts, im Winter, und ich falsch informiert wurde, was ich anziehen soll. Ich durfte aber die nächsten Nächste nichts anderes anziehen, da wir jeweils die gleiche Szene gedreht haben, und ich ja nicht plötzlich was anderes tragen konnte ...

ja, das leuchtet mir ein und ist eine Erklärung. Vielleicht kannste den Krimi ja doch noch irgenwo anschauen und dann selbst nochmal Dein Urteil dazu äußern.

Aus der freien Hand zu filmen, bzw. vom Schulter-Rig aus, oder Schulterstativ incl. der unvermeidbaren Verwackler,(oder sogar gewollten Wackler?), scheint mehr und mehr "gesellschaftsfähig" zu werden, habe ich das Gefühl. Gerade bei Krimis offensichtlich regelrecht Mode.

Verwendete Tags

Dolly, RIG, Starr, Wackelkamera

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