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1

Sonntag, 26. September 2010, 00:01

Worauf kommt es euch an?

Hallo,

da bei meinem Roboto-Film eine Diskussion über Struktur und Geschichte ausbrach, habe ich mir viele Gedanken über das Filmemachen allgemein gemacht. Ich habe viele Krufilme angesehen, dabei auch die von den Profis und habe bei meinem Urteil versucht wirklich ehrlich zu sein, ob der Film mir gefallen hat oder eher nicht.

Jetzt habe ich auch festgestellt, dass es anscheinend jedem Filmemacher um andere Dinge bei seinen Filmen geht. Vor allem bei ''uns'' Amateuren sind doch recht unterschiedliche Filme mit den unterschiedlichsten Strukturen zu sehen. Dabei setzen einige auf Emotion, einige auf eindrucksvolle Bilder, andere auf eine sehr ausgefeilte Geschichte usw.

Jetzt möchte ich euch fragen, worauf es denn bei euch, bei euren Filmen ankommt. Ganz egal ob ihr auch schafft diese Punkte einzuhalten, denn niemand ist perfekt. Was beachtet ihr immer und wie ehrlich wart ihr euch selbst, mit dem was ihr Produziert habt? Damit meine ich, habt ihr euch schon eure Filmwünsche erfüllt? Jeder Filmemacher hat, so glaube ich, mindestens eine Szene im Kopf, die er unbedingt irgendwann umsetzen will/wollte.

Mir kommt es an auf :

-Keine überflüssigen Bilder. Jedes Bild soll die Geschichte weiter erzählen und kein Bild soll die Geschichte bremsen.
-Auch wenn es wenig Geschichte ist, das was erzählt wird, soll gut erzählt sein. Also Struktur im Drehbuch und im Film.
-Atmosphäre muss sich konsequent durch den Film ziehen und darf nicht unterbrochen werden.
-Lebendige Charaktere. Dabei werden sie oft oberflächig, aber ich finde es so immer noch besser als zu ruhige Charaktere.
-Keine Parodien mehr.
-Meinen Stil finden.
-Beim Dreh viel Spaß haben.
-Meine Vision so gut wie möglich vermitteln und umsetzen.


So ehrlich war ich bisher :

Eigentlich war ich das nie. Bei 2 Kurzfilmen, darunter Roboto, habe ich es versucht aber musste mich schon wegen dem machbaren stark zurück halten.

Ich habe bisher nur einfache Filme gedreht, weil ich etwas anderes nicht geschafft hätte.

Das will ich nun aber ändern, denn ich mache Filme, weil ich Wünsche und Träume habe, die mich zum Film gebracht haben. Und ich glaube diese Dinge zeigen erst den eigenen Stil und das wahre Können im Kopf des Filmemachers.


So das wars von mir.

Epicon

sollthar

unregistriert

2

Sonntag, 26. September 2010, 08:18

Die Frage ist dermassen Komplex, dass sie schwer zu beantworten ist. Sie hat einfach viel zu viele Ebenen. Und ja, sie ist völlig Subjektiv.

Ebene 1: Mir kommt es als Filmemacher darauf an, Emotionen bei meinem Publikum auszulösen. Manchmal will ich sie zum lachen bringen, manchmal zum nachdenken, manchmall will ich sie irritieren, manchmal will ich sie neugierig machen, manchmal anspannen, manchmal schockieren, manchmal melancholisch zum weinen - oftmals mehrere Dinge gleichzeitig oder nacheinander. Auf jeden Fall will ich, dass sie auf meinen Film reagieren - mit ihren Gefühlen UND ihrem Kopf.
Dafür muss ich ihnen eine in sich stimmige Welt präsentieren, in die sie mit möglichst wenig Zweifel eintauchen können. Heisst konkret: Eine Geschichte finden, die solche Emotionen auslösen kann, die ehrlich interessiert, sie so erzählen, dass diese Emotionen sich entfalten können - ihnen also die notwendige Zeit geben, sich zu entwickeln und die Geschichte so strukturieren, dass sie möglichst ihr volles Potential ausschöpfen können - und vorallem so glaubhaft wie möglich sein. Also Schauspieler, die solche Emotionen mit ihrem Spiel auch auslösen können. Figuren, die solche Emotionen auslösen. Ein Setting, die solche Emotionen auch zulässt. Eine technische Umsetzung, die nicht ablenkt, sondern eben dies ermöglicht.

Die zweite Ebene hat mit dem Publikum nichts zu tun: Ich will Geschichten finden, die MICH interessieren und die ich erzählen will. Ich will Dinge ausprobieren, die ich vorher noch nicht probiert habe und sehen, wie sie funktionieren. Ich will Themen ansprechen, die mich bewegen. Mich selbst weiterentwickeln in meiner Fähigkeit zu führen oder mit einem bestimmten Gerät oder Technologie umzugehen. Ich will mich selbst als Mensch besser kennen und verstehen lernen.

Als Publikum - also jemand, der Filme schaut - möchte ich genau das gleiche wie oben beschrieben. Manche Filme schaffen es, mich einfach zu unterhalten, manche bringen mich zum nachdenken, andere bringen mich zum weinen, andere lösen ein wohliges Gefühl mir aus, wieder andere fesseln mich an den Stuhl und manche machen mir Angst. Die besten, tun all dies. Viele ziehen spurlos an mir vorbei.


Ich glaube, das Problem vieler Amateure ist, dass Ebene 2 viel zu viel Bedeutung hat. Das "ich" ist wichtiger als das Publikum. Spass beim Dreh, Filmtechnik, 3D Animationen, welche Kamera, Achsensprung oder nicht, Struktur im Drehbuch - das Ausprobieren eigener Fähigkeiten und neuer Möglichkeiten. Dabei geht das Publikum vergessen. Für ein Publikum ist dies nämlich nicht interessant.

Zb: Fast alles was du da oben aufzählst ist "Mittel zum Zweck". Aber es fehlt eben halt der Zweck. Das ist der Grund, warum dein Roboto kein zufriedenes Publikum zurücklässt. Struktur macht keine guten Geschichten, sie ist lediglich dazu da, eine Geschichte, die was taugt, so zu erzählen, dass die Emotionen auch möglichst gut zum tragen kommen.

Ich kann "Mann öffnet Türe" perfekt strukturieren mit der Frage "Kann der Mann die Türe öffnen?", Ziel "Mann will Türe öffnen", Wendepunkt "Türe ist abgeschlossen", Problem "Wo ist der Schlüssel", Wendepunkt 2 "Aha, in der Hosentasche" und Auflösung mitsamt Happy End "Mann öffnet Türe". Als Übung an einer Schule würd ich dies auch tun und durchführen lassen.
Aber nichts ändert die Tatsache, dass "Mann öffnet Türe" keine Emotionen auslösen wird und sich keine Sau das ansehen will. :)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »sollthar« (26. September 2010, 09:04)


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3

Sonntag, 26. September 2010, 12:12

Zitat

Die zweite Ebene hat mit dem Publikum nichts zu tun:
Ich finde alles was im Film geschieht und zu sehen ist, hat mit dem Publikum zu tun, denn wie du schon gesagt hattest, reagiert der Zuschauer auf alles. Finde aber du hast recht mit der Aussage, dass diese Punkte unwichtiger sind als die Emotion die den Zuschauer durch den Film leiten soll.


Ich finde Geschichte, Emotion, Struktur und Ziel sind sehr stark miteinander verknüpft und das macht die Sache so schwer. Mal hat man eine gute Geschichte die sich aber kaum strukturieren lässt, mal hat man eine super Emotion für die man aber keine passende Geschichte findet, oder das was bei mir sehr oft der Fall ist : Alles ist da, nur kein Ziel...


Bei einem wirklich guten Film ist das Ziel durch die Emotion entstanden. Da kann man auf jeden Fall mit dem Helden fühlen, da wir emotional nachvollziehen können, warum der Held dieses Ziel erreichen möchte. Oder wir haben das Ziel erst oberflächig exponiert und später mit einer Emotion verknüpft. Das hat bei meinem Roboto gefehlt <..<


Geschichte und Struktur + Emotion in der Geschichte ist schwer zu erreichen. Bei mir sind es meistens kleine emotionale Szenen die, die erste Idee eines Drehbuchs auslösen. Ich finde alle diese Punkte hängen voneinander ab und wiegen gleichermaßen schwer.


Zb wenn ich mit dem Helden vorher nicht gelacht habe, kann ich nicht richtig mit ihm weinen. Struktur ist in erster Linie dazu da um der Geschichte Akzent und Tempo zu verleihen. Ohne emotionale Bindung spürt der Zuschauer nicht das was der Held spürt. Also braucht man in der Expo viele Punkte die so emotionale Verbindungen schaffen.


Ich habe da etwas von Peter Jackson gefunden :


http://www.youtube.com/watch?v=cZT23V07w4Q


Das Foto gibt dem ganzen plötzlich eine viel größere Dimension. Eine Welt neben dem was sichtbar ist wird plötzlich eingeführt. Es ist nicht viel, nur ein Foto, aber besser als in Roboto mit gar nichts da zu stehen.

Ich glaube eine Struktur in Kurzfilmen ist nicht so wichtig, aber Akzent sollte der Film dennoch haben, damit die Höhen und Tiefen erkennbar werden. Eine Geschichte kurz zu erzählen erfordert immer einen anderen Aufbau, damit das, worauf es ankommt, in der kurzen Erzählzeit auch ans Licht kommt. Also hat jeder Kurzfilm seine eigene Art zu strukturieren und haften zu bleiben. Da muss ich noch trainieren und ausprobieren.

Geschichte und Struktur fließen eigentlich sozusagen zusammen, egal wie die Struktur am ende aussieht, die Geschichte liefert den Anspruch und die Struktur ordnet sie, um den Zuschauer alles besser verstehen zu lassen. Jedoch hängen diese beiden Punkte von der Emotion ab und die Emotion von ihnen, denn ohne die strukturierte Geschichte hat der Held keinen Grund emotional Höhen und Tiefen zu erleben, weil eben nichts geschieht.

Es ist wie du schon sagtest sehr komplex und ich habe echt keine Ahnung ob ich damit richtig liege.

Epi

4

Sonntag, 26. September 2010, 12:36

Viele Amateure machen ein Tutorial nach, drehen eine Sequenz passend zum Tutorial.
Aber eigentlich sollte es so sein, daß der Effekt nicht auffällt, dann ist es ein guter Effekt.
Irgendwer wollte hier ein Schnittprogramm mit möglichst vielen Schnitt-Effekten.
Wenn ich ein Hochzeitsvideo mache, dann brauche ich max. drei Effekte. Auch in jedem anderen Film.
Die Zuschauer sollen sich ja nicht auf die Überblend-Effekte konzentrieren, sondern auf den Inhalt.
Und wenn ich z.B. eine spacy C4D-Schiebetür als Tutorial gemacht habe, dann muß ich die im Film so einbauen,
daß keiner auf die Tür achtet, sondern auf den Darsteller, der da durchgeht.
Es wird natürlich gerade für Amateure schwierig einen Effektfilm á la King Kong oder Terminator zu machen,
bei dem die Effekte eine nicht zu unterscheidende Illusion zur Wirklichkeit sind. Aber genau da müssen die FX sitzen!
Da darf nichts schlecht gekeyt sein, es sei denn die Handlung ist gut und die Bilder an sich stimmen.

Ich darf die Tür wahrnehmen, aber eben nur als Durchgang. Und die Tür ist nur das Mittel zum Zweck, nicht der filmische Inhalt.

Und der Zuschauer soll immer neugierig bleiben, irgendein Rätsel zum Mitfiebern haben.
Also Fragen offen lassen, die die Handlung betreffen, nicht Fragen stellen, die noch mehr Fragen aufwerfen.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Purzel« (26. September 2010, 12:41)


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5

Sonntag, 26. September 2010, 12:43

Zitat

Und der Zuschauer soll immer neugierig bleiben, irgendein Rätsel zum Mitfiebern haben.
Ich denke, dass das ein Fehler ist, denn der Zuschauer weiß erst am ende worum es ging und wozu diese ganzen Szenen gut waren. Wenn man am Ende den Zuschauer mit der Erleuchtung über die Handlung verblüffen möchte, sollte man ihn am Anfang belügen und ihn glauben lassen, er wisse worum es geht. Es ist nämlich schwer einen Film anzusehen, den man bis zum Ende nicht versteht.


Epi

6

Sonntag, 26. September 2010, 13:16

Zitat

Es ist nämlich schwer einen Film anzusehen, den man bis zum Ende nicht versteht.


Ähm - Nein.
Sonst würden andere Filme gar nicht funktionieren... (z.B. Snatch)

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7

Sonntag, 26. September 2010, 13:20

Snatch hat anscheinend nicht funktioniert, denn ich kenne ihn nicht.

Epi

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Alexxx11

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8

Sonntag, 26. September 2010, 13:22

"Snatch" ist als Beispiel ungeeignet, da man den Film sehr wohl versteht, jedoch ein Twist am Ende alles anders erscheinen lässt. Das gibt es ja z.B. auch bei "Shutter Island".
Spontan fällt mir kein Beispielfilm ein, bei dem der Zuschauer bis zum Ende hin gar nichts versteht, sondern lediglich welche, bei dem der Zuschauer auf die falsche Fährte gelockt wird.

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9

Sonntag, 26. September 2010, 13:30

Jup, bei Shutter Island wird der Zuschauer und der Protagonist von Anfang an belogen, damit der Film eine Richtung bekommt.

Bei solchen Filmen ist das der Typische Aufbau. Aber wie einen Kurzfilm mit diesem Effekt erzielen? :?:

Epi

sollthar

unregistriert

10

Sonntag, 26. September 2010, 16:12

Zitat

Snatch hat anscheinend nicht funktioniert, denn ich kenne ihn nicht.


Ob du einen Film kennst oder nicht hat kaum Einfluss darauf, ob er funktioniert oder nicht. ;)

Ich denke auch, man muss dem Zuschauer etwas geben, was ihn interessiert. Das kann ein Rätsel sein, muss es aber nicht. Es kann auch eine Figur sein, die ihm sehr nahe steht, die ein Problem hat. Aber irgendwas muss er gelöst sehen wollen. Und das muss eben letztenendes einfach emotional berühren.
Ich sehs wie du Epicon: Ein Film muss, wenn er auf Twists aufbauen will, das Publikum gezielt belügen. Filme, die absolut sinnlos sind bis zum Ende stellen die meisten vorher ab. Als Zuschauer muss man das Gefühl haben, man wisse, worum es geht. Und kann dann überrascht oder bestätigt werden.

Ich selbst baue die meisten meiner Arbeiten so auf. Mein neuer Kurzfilm "Art" beinhaltet mit knappen 15 Minuten Laufzeit erneut eine Menge an Wendepunkten und klassischen "Twists", bei denen das, was der Zuschauer bisher gesehen hat, eine neue Komponente oder gar völlig neue Bedeutung bekommt. Dabei wechsel ich sogar strikt genommen das Genre mehrfach. Ein Experiment, von dem ich gespannt bin, wie's beim Publikum ankommen wird.

Zitat

Geschichte und Struktur + Emotion in der Geschichte ist schwer zu erreichen.


Definitiv. Bei mir kommen die Emotionen ganz klar zuerst. So suche ich mir auch Geschichten aus. Weil ich finde "Das löst in mir etwas aus, also will ich es erzählen!". Die Struktur ist ganz klar nur mittel zum Zweck und kommt am Schluss, nachdem ich bereits etwas habe, was ich erzählen will. Dann setz ich mich hin und strukturier das so, dass diese Emotionen, die ich auslösen will, auch zum tragen kommen können.
Es gibt ja auch verschiedene Strukturen, derer man sich bedienen kann - manche widersprechen sich auch. Überhaupt sind diese Strukturen lediglich ein kläglicher Versuch, etwas so komplexes wie menschliche emotionale Reaktionen auf einen künstlerischen Reiz in einen wissenschaftlich mathematischen, und damit klar erlernbaren und mehrfach reproduzierbaren, Vorgang zu drücken.
Tatsache ist, das ist nicht die Realität. Es gibt zu Filme, die verfolgen diese Strukturen bis ins Detail - und trotzdem berühren sie nicht.

Ich denke, was zählt ist, was ich erzählen will und welche Emotionen da drin strecken. Solange ich als Regisseur die im Griff habe, kann ich auch ein Publikum ansprechen, dass auf diese Emotionen anspricht. Und das ist halt unterschiedlich, worauf wir ansprechen und worauf nicht.

Ich hab mir zum Beispiel schon oft sagen lassen, dass meine Filme - lustigerweise anders als meine Bühnenstücke - allesamt trotz vielen Emotionen etwas kühles, schräges und leicht morbides haben (kein Wunder bin ich Tim Burton Fan). Ich hab auch eine Abneigung gegen klassische Happy Ends und Gut-Welt Figuren. Aber das hat mit mir als Mensch zu tun und wirkt sich natürlich entsprechend massiv auf mich als Geschichtenerzähler wie als Teil des Publikum aus.

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Sonntag, 26. September 2010, 16:17

Also für mich ist „zuerst“ mal sehr wichtig, dass eine Filmgeschichte in einigen Sätzen anderen erklärt werden kann. Wenn hier 5 mal nachfragt werden muss, wie war das oder dabei Langeweile aufkommt, kann es sein, dass der Filmstoff nicht ankommt bzw. nicht verstanden wird / wurde.

Wenn dann die Geschichte noch mit den uns zur Verfügung stehen den Mitteln umsetzbar ist, dann stimmt soweit alles. Alles andere kommt danach.

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12

Sonntag, 26. September 2010, 16:39

Zitat

dass eine Filmgeschichte in einigen Sätzen anderen erklärt werden kann.
Das ist richtig. Das ist ein weiterer Punkt der zu beachten ist. Ich baue immer an der Geschichte und schaue ob ich es kurz in wenigen Sätzen erklären kann. Meistens merke ich da, dass noch etwas fehlt.

Zitat

Bei mir kommen die Emotionen ganz klar zuerst. So suche ich mir auch Geschichten aus.
Ich würde sagen, dass da der Unterschied zwischen uns beiden ist. Bei mir kommen erst die Geschichte und seine Struktur. Danach setze ich die Emotion drauf (Wenn ich das denn überhaupt je Filmisch und nicht Literarisch im Drehbuch gemacht habe) und forme alles nochmal und verstärke es. Dann bin ich immer verblüfft, wie viel Sinn alles plötzlich ergibt, weil ess so genial zusammen passt. Aber dann gibt es die nicht funktionierenden Elemente und Szenen, die man ausbügeln muss. Das ist etwas das ich hasse, denn es fühlt sich an als müsste man an einer fertig Zementierten und getrockneten wand, mühevoll unpassende Ziegel raushauen und passende finden. Das führt dann oft dazu dass die Geschichte sich in eine ungewollte Richtung ändert. Aber ich denke das Problem haben alle Autoren.


Ich bin selbst ein James Cameron Fan seit Avatar und liebe die Filme von Steven Spielberg. (na wer hätte das gedacht :P) Was stilistisch sich kaum machen lässt mit wenig Mitteln. Außerdem färbt meine Anime liebe in meine Art zu Erzählen ein wie man bei mir schon oft anmerkte. Ich habe noch nicht meinen endgültigen Stil gefunden und noch lerne ich schneller als ich umsetzen kann.

Ich bin auch total gespannt auf deinen neusten Film. Darf ich da jetzt zu viel erwarten? :whistling:


Epi

Thom 98

unregistriert

13

Sonntag, 26. September 2010, 16:54

Also für mich ist „zuerst“ mal sehr wichtig, dass eine Filmgeschichte in einigen Sätzen anderen erklärt werden kann. Wenn hier 5 mal nachfragt werden muss, wie war das oder dabei Langeweile aufkommt, kann es sein, dass der Filmstoff nicht ankommt bzw. nicht verstanden wird / wurde.
Wieso muss eine Story simple sein? Ich schaue unheimlich gerne Filme, deren Story etwas komplexer ist und gerade dadurch zum Nachdenken anregt. Langweilig ist für mich eher das Gegenteil, nämlich zu simple Stories, die dann meistens auch noch vorhersehbar sind.
Bestes Beispiel, das mir gerade einfällt wäre wohl Inception. Ein unheimlich komplexer Film, den man unnöglich in 2 Sätzen zusammenfassen kann und in dem nicht umsonst 10 Jahre Arbeit Drehbucharbeit stecken!

sollthar

unregistriert

14

Sonntag, 26. September 2010, 16:55

Ja, was du schreibst kenne ich auch. Sind wirklich die typischen Autorenprobleme. Deshalb bin ich wohl auch schon an der 6. Fassung meines Spielfilmdrehbuchs. Noch geht nicht alles schön auf. ;(

Cameron weiss genau was er tut und versteht es hervorragend, seine Geschichten klar zu erzählen, definitiv (bei Avatar wars mir zu sehr "nach Lehrbuch", weshalb mir der Film jetzt auch nicht soooo wahnsinnig zusagte was die Originalität betrifft. Ist ja aber auch klar, dass man beim teuersten Film allerzeiten auf altbewährtes setzt und inhaltlich keine Experimente macht).
Er ist auf jeden Fall auf sehr talentierter Erzähler von Dingen, die ihm wahnsinnig am Herzen liegen. Womit wir wieder bei den Emotionen wären, die bei Cameron klar zuerst kommen - Mensch und Technik bedeuten Cameron viel aufgrund seiner Vergangenheit, das Meer und die Natur bedeuten ihm viel, die Mathematik und die Wissenschaft bedeuten ihm viel - all das trägt in jedem einzelnen seiner Filme Früchte. So meine ich das.

Zitat

Darf ich da jetzt zu viel erwarten?


Haha, na mal sehen. Ich drehe meine Filme ohne Budget und oft mit Laiendarstellern oder Schauspielern in Ausbildung in wenigen Drehtagen und mache die Postpro praktisch alleine zuhause am PC - also gleich wie alle andern hier. :)
Sobald der Komponist die Musik hat, geht der Film online. Wenn alles klappt, ist das nächste Woche.

Zitat

Wieso muss eine Story simple sein?


Du missverstehst Thom: Der Plot muss simpel sein und der von Inception IST simpel: Ein Mann pflanzt einem anderen Mann in seinem Traum eine Idee ein, um wieder mit seiner Familie vereint zu sein.

Ein simpler Plot kann kompliziert erzählt werden, das ist dann eben die Kunst, aber plots müssen simpel sein.

"Ein Hobbit und seine Freunde machen sich auf den Weg um den Ring der Ringe zu zerstören" - ergibt im Kino 3 Filme à 3 Stunden.

"Ein junger Zauberschüler in Ausbildung ist der einzige, der die Welt von einem stetig Widerkehrenden Magier retten kann" - ergibt im Kino 7 Filme über 2 Stunden.

etc

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15

Sonntag, 26. September 2010, 16:57

Aber oft ist die Geschichte da, die Emotionen auch, nur kann sie nicht umgesetzt werden, aus etlichen Gründen. Die Umsetzbarkeit sollte immer eine Rolle spielen, sonst geht es einfach nicht weiter. So finde ich, dass eine Geschichte immer im Team ausgearbeitet werden sollte, da doch einige gute Ideen beitragen können (wenn dies Geschichte nicht schon feststeht).

sollthar

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16

Sonntag, 26. September 2010, 17:00

Wie gesagt, um im Strukturjargon zu sprechen: Dein 2. Akt kann so lange und komplex und kompliziert sein wie du ihn hinbekommst. Aber dein Plot, der im 1. Akt erklärt und im 3. aufgelöst wird, muss simpel und einfach sein.

Nolan versteht es hervorragend, simple Plots kompliziert zu erzählen. ;)

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17

Sonntag, 26. September 2010, 17:06

So finde ich, dass eine Geschichte immer im Team ausgearbeitet werden sollte, da doch einige gute Ideen beitragen können (wenn dies Geschichte nicht schon feststeht).


Dem kann ich (aus meinen Erfahrungen) gar nicht zustimmen! Wie man so schön sagt... Zu viele Köche verderben den Brei! Außerdem kommt es so öfters mal zu Konflikten oder Streitigkeiten bei den Beteiligten. Meine Methode ist es, dass ich meine eigenen Ideen nutze, selbst das Drehbuch schreibe und dieses dann auch als Regisseur nach meinen Vorstellungen umsetzen will. Was ich tue: Ich schicke das Drehbuch zahlreiche Leuten und lasse mir Verbesserungstipps oder Vorschläge zur Handlung geben, die ich dann mehr oder weniger berücksichtige und im Drehbuch korrigiere. Ich schicke das Drehbuch dann Leuten die Ahnung vom Film haben, aber auch welchen, die sich gar nicht mit der Marterie auskennen. Ist immer gut zu sehen, was die Leute aus verschiedenen Lagern anzumerken haben.

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Sonntag, 26. September 2010, 17:06

Wer macht den hier „Einen unheimlichen komplexen Film“ ? Das sind wohl 2 – 3 Filmer hier. Und die verstehen es ihn zu machen, ihn zu erzählen. Wir sprechen hier aber von der breiten Maße im Forum.

Auch einen komplexen Film mit super Geschichte muss ich in wenigen Sätzen (nicht 2 – 3 Sätzen, dass ist schon klar) anderen erklären können. Oder der Zuhörer verbringt damit über eine halbe Stunde der Erzählung und dann wird es ihm evtl. langweilig. Kommt aber auch darauf an, wie er sie erzählt bekommt.

Komplexe Filme in Kurzform zu erzählen ist wie das gute Bild zu erzeugen, eine Kunst. ;)

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Donnerstag, 30. September 2010, 23:40

Zitat

Ich kann "Mann öffnet Türe" perfekt strukturieren mit der Frage "Kann der Mann die Türe öffnen?", Ziel "Mann will Türe öffnen", Wendepunkt "Türe ist abgeschlossen", Problem "Wo ist der Schlüssel", Wendepunkt 2 "Aha, in der Hosentasche" und Auflösung mitsamt Happy End "Mann öffnet Türe"
Dass die Türe abgeschlossen ist, ist kein echter Konflikt. In dem Beispiel fehlt der Anstoß. Wenn wir eine Begründung liefern, dann ist ''Türe ist versperrt'' der Konflikt. Wenn wir aber den Schlüssel in seiner Hosentasche lassen, ist es keiner mehr, denn schließlich weiß er das. Wenn wir den Schlüssel also irgendwo vor der Türe verstecken, wird es ein Konflikt. Wie oben schon gesagt, brauchen wir einen Auslöser, eine Begründung. Wenn wir ihn vorher telefonieren lassen, dass er jetzt zum Meeting geht, und sich Papiere aus der Wohnung holen muss, die er beim Meeting dringend braucht, haben wir eine schöne Begründung.


Zusammenfassung :


Mann Telefoniert mit einem Kollegen über wichtige Dokumente die er für ein Meeting in 20 Minuten braucht. Er scheint keine Probleme mit der Situation zu haben. Dann kommt er an die Haustüre und findet seine Schlüssel nicht. Wir sehen die Schlüssel in seinem Büro auf dem Tisch liegen. ( Die Phase der Verzweiflung können wir jetzt ausdehnen und schmücken) Als ihm dann schließlich einfällt, dass er doch immer einen Schlüssel unter dem Blumentopf neben der Türe versteckt, den er dann findet und reingeht.
Ich habe jetzt zwar die Handlung auf die Mappen fokussiert aber im Grunde geht es doch darum, dass er die Türe öffnen muss. Der Rest : Er geht rein, holt die Mappe und geht zu seinem Meeting, hält diesen erfolgreich ab usw. wäre Auflösung. Also hängt alles davon ab, dass er die Türe öffnen muss,> ehe das Meeting beginnt. <

Also muss unser Konflikt schon ein richtiger Konflikt sein und nicht nur eine kleine Bremse.


Epi

EDIT : Was ich damit meine : Die Türe ist ja die ganze Zeit schon versperrt gewesen und es ist sicher nicht das erste Mal, dass er vor einer abgeschlossenen Türe steht. Vor allem wenn es seine Wohnungstür ist und er schon einen Schlüssel dafür besitzt. Wenn er das vergessen hat, ist es auch kein Konflikt. Es sei denn, es geht bei ihm um Amnesie. Dann wäre die Frage : Wird er es schaffen, sich zu erinnern, wo er den Schlüssel hin hat?

Keine Ahnung ob es für dich Sinn ergibt. Für mich tut es das jedenfalls. Ich bin der Meinung, dass man wirklich alles mit einer guten Struktur, interessant erzählen kann. Ganz egal, wie oft die selbe Geschichte erzählt wurde.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Epicon« (1. Oktober 2010, 00:14)


sollthar

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20

Freitag, 1. Oktober 2010, 06:34

Zitat

Ich bin der Meinung, dass man wirklich alles mit einer guten Struktur, interessant erzählen kann.


Ja, da ist wohl der grosse Unterschied zwischen uns. Deine Strukturgläubigkeit hab ich nicht.

Man kann alles besser oder schlechter strukturieren, das ändert imo nichts daran, dass es Geschichten gibt, die besser und schlechter / interessanter und weniger interessant sind. Aber ja: Man kann auch etwas völlig belangloses richtig strukturieren. Trotzdem bleibt es völlig belanglos. So wie Colorgrading aus einer schlechten Einstellung nicht plötzlich eine gute Einstellung macht. Es bleibt eine schlechte Einstellung mit anderen Farben.

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