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Lord Denn

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1

Sonntag, 26. April 2009, 21:14

Gibt es eigentlich Filme, die ohne Hauptrollen auskommen???

Ich habe mir gedacht, es wäre mal eine interessante und auch aufwändige Idee, einen Film ohne Hauptcharaktere umzusetzen.
Ich meine, was verbindet jeden Film? Hauptpersonen, die in weitertreiben, mit denen man sich identifiziert oder denen man folgt. Das Konzept geht ja auch auf, aber da ich auf unkonventionelle Filme stehe, würde mich das schon sehr reizen, wenn man das umgeht.
Natürlich braucht man dann entweder so viele Personen, dass keiner oder alle zusammen dieselbe Wichtigkeit bekommen oder gleichbedeutend erscheinen.
Natürlich ist es schwerer, dem FIlm zu folgen, aber man könnte ja zum Beispiel eine globale oder regionale Geschichte erzählen, wo die Personen ständig wechseln oder man lässt etwas passieren, an dem niemand alleine beteiligt oder keiner direkt betroffen ist. Am besten müsste man dann sehr viele Wechselnde Situationen oder Spannungsträger einbauen, die noch irgendwie zusammenpassen.
Dabei wird vieles ausgeschlossen, weil Filme normalerweise immer mit dem Handeln von Personen zu tun haben. Dokumentationen schaffen es zwar, sich nicht immer auf Einzelne zu beschränken, aber sowas meine ich nicht.
In vielen Filmen gibt es auch Erzählerteile, in denen viele Ereignisse zusammengefasst werden, so etwas ist dann mehr etwas wie die Geschichte eines gesamten Volkes oder so, aber sowas wäre auf jeden Fall mal was Innovatives.

Daher mal meine Frage, was fällt euch dazu ein?
Kennt ihr berühmte oder unbekannte, gute oder schlechte Beispiele für Filme ohne Hauptrollen? Also z.B. ohne eine oder mehrere Personen, die man begleitet oder die ständig ihren Senf zu allem abgeben?
Bin gespannt.

Denn

MichaMedia

unregistriert

2

Sonntag, 26. April 2009, 21:40

Die Hauptrolle muß keine natürliche Person sein, es kann sich auch um eine fiktive Person handeln. (Nicht sichtbar)
Weiter kann es auch ein Gegenstand sein, z.B. ein Stück Stoff das durch den Wind von Situation zur Situation weht.
Der Hauptkern kann auch ein Thema sein, was aber dann mehr in richtung Docu geht.

Also ohne natürliche Hauptrollen geht es, jede Story sollte nur eben einen Hauptkern haben, worum es geht.

mp-cw

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3

Montag, 27. April 2009, 00:14

Hauptrollen? Also z.B. ohne eine oder mehrere Personen
Ein Hauptcharakter ist viel mehr als eine menschliche Person - zu beachten sind Animationsfilme jeglicher Art von Wall-E bis Bambi, sowie Filme wie "Der Bär" oder "Die Reise der Pinguine". Was genau meinst du also damit und vorauf willst du hinaus? Inwiefern hast du Erfahrungen mit dem Genre Episodenfilm? Grenzt du in Frage kommende Filme als "Spielfilme" ein?

ein Stück Stoff das durch den Wind von Situation zur Situation weht
Das macht aus dem Film noch keine Geschichte und geht auch nur stark in die Richtung Grundthema... Das mit der nicht sichtbaren Person hab ich nicht wirklich verstanden.

Die Fragestellung bezieht sich eigentlich auf etwas viel grundlegenderes als Film, nämlich Erzähltheorie. Stichworte sind: Anthropomorph, Narrativität und Narratologie, Plot vs Story usw...

Daher bitte eine genauere Frage stellen, damit absehbar ist, womit das, was du unter "unkonventionell" verstehst, besser zu fassen ist.

TATORT CALW: HEXENSABBAT mit Vorfilm "Die Rotkäppchen und der Wolf"
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MichaMedia

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4

Montag, 27. April 2009, 02:03


ein Stück Stoff das durch den Wind von Situation zur Situation weht
Das macht aus dem Film noch keine Geschichte und geht auch nur stark in die Richtung Grundthema... Das mit der nicht sichtbaren Person hab ich nicht wirklich verstanden.


Ach komm Alex Du willst mich nur ärgern.
Der Hauptkern kann auch ein Gegenstand sein, worum sich die Geschichte dreht, wichtig ist der passende Plot dazu.
Im Grunde ist nur wichtig die Geschichte, und man macht sich gedanken darum diese zu visualisieren

FreddyJBrown

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5

Montag, 27. April 2009, 15:06

Muss mich meinen Vorrednern anschließen. So gesehen ist ein Film ohne Hauptrollen kaum möglich. Es gibt zwar Episodenfilme oder Ähnliches, aber da gibt es halt mehrere Hauptpersonen.
Es sei denn du möchtest einen Dokumentarfilm drehen. ;) Wobei da das Thema, mit dem du dich befasst ja auch irgendwie eine "Hauptrolle" einnimmt.

Lord Denn

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6

Montag, 27. April 2009, 16:46

Einiges möglich

Hey,
Ne klar, dass ein Thema in die Mitte rückt, das muss wohl sein. Ob es ein Ort oder ein Gegenstand ist, beides wäre schon mal keine Person und damit für mich schon unkonventionell. Man könnte natürlich auch Episoden machen, wie ihr sagtet, oder eben ständig springen und verhindern, dass eine Vertrautheit mit bestimmten Personen eintritt.
Wenn man verhindert, dass nur eine gewisse Grundeinstellung immer und immer wieder kommt, wie zum Beispiel immer dieselbe Straße einer Gegend, so könnte man auch schon verhindern, dass der Zuschauer sich bindet.

Mir geht´s einfach darum eine spannende, sich bewegende Handlung zu haben, die niemandem folgt, der natürliche Züge aufweist. Bei Animationen und Tieren haben wir einen Ersatz, jeder kann sich in Märchen in ein Tier hineinversetzen, aber ein Schwert, dass sich nicht von selbst bewegt, reagiert oder handelt, jedoch benutzt und umstritten ist, kann ein guter Ersatz sein, wenn die Handlung trotzdem spannend bleibt.
Ich denke, hier wird die Grenze zwischen heutzutage Mainstream-Film und andersartigem Film sichtbar. In Büchern, auch Drehbüchern, kann man sowas leichter schreiben, aber die Umsetzung wird umso schwieriger.

Am besten schreibe ich irgendwann mal ne Mischung aus all dem, was mir und euch hier so eingefallen ist und geh damit nach Hollywood oder sowas, damit die Handlung mehr an Wichtigkeit gewinnt, als einzelne Schauspieler in ihren Rollen, sie können ja wichtig sein, aber am Ende ist es meistens die Geschichte von dem und den...

LG
Denn

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7

Mittwoch, 29. April 2009, 09:09

so könnte man auch schon verhindern, dass der Zuschauer sich bindet.
Warum sollte man das wollen?

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Lord Denn

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8

Freitag, 1. Mai 2009, 13:00


so könnte man auch schon verhindern, dass der Zuschauer sich bindet.
Warum sollte man das wollen?

Nun ja, ich suche ja nach was Neuartigem. Und ich persönlich finde es langweilig, wenn ich nur mit Hauptpersonen mitgehe, wenn ich Filme sehe, die sterben dann auch selten und die meisten Filme haben sowieso Happy Ends. Deswegen meinte ich jetzt, dass der Zuschauer ja nicht immer nur bei den Hauptpersonen hängen muss, sondern einfach sich auf die Handlung selbst konzentriert, zu der natürlich auch Personen gehören können, aber nicht permanent und so persönlich. So kommen mir FIlme oft wie Biografien von Personen vor. Kann ja auch gut sein, aber ich will was anderes zur Abwechslung ;)

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Freitag, 1. Mai 2009, 18:18

Du meintest also, der Zuschauer solle sich nicht an "die Hauptperson" binden? Ich hab das so aufgefasst, dass du nicht willst, dass der Zuschauer sich überhaupt an etwas bindet... "Neuartig" ist übrigens was anderes als "unkonventionell". Also was genau meinst du damit?

Von "Lady in the Lake" über "High Fidelity" bis zu "Das Lied vom jungen Akkordeonspieler" gibt es viele unkonventionelle Erzählperspektiven, alle sind trotzdem stark an die Hauptfigur gebunden. "Ocean's 11, 12, 13", "Die Glorreichen Sieben" u.ä. wären je nach Definition Filme mit sehr vielen oder mit sehr wenigen Hauptrollen. Ebenso Malicks "Thin Red Line", der in vielerlei Hinsicht ein Gegenentwurf zu Spielbergs "Private Ryan" und anderen (Anti-)Kriegsfilmen ist. Bei "Teamfilmen" wie "The Nest" ebenfalls nicht. Altmans "Short Cuts" oder Inarritus "Babel" sind Episodenfilme par excellence, bei dem man sicher auch nicht von "einer Hauptperson" sprechen kann usw... Es gibt also genug Möglichkeiten.

Insgesamt denke ich, dass hier einiges verknappt wird und verschiedene Themen vermischt werden. Hier ein paar Stichpunkte (auch auf die Gefahr, dass es sich vielleicht etwas Theorie-lastig anhört):

Erzählperspektive und Handlungsstruktur folgen oft einer bestimmten Formel, können bzw. sollten sogar je nach Film anders ausgestaltet werden. (Formel darf in dem Zusammenhang nicht immer gleich negativ bewertet werden!) Zuschauer haben die Möglichkeit, sich entweder Protagonisten oder Antagonisten anzuschließen. Oder einzelnen Supporting Characters – deren Bedeutung meist sowieso stark unterschätzt wird. Zwischen Identifikation und Empathie muss allerdings unterschieden werden. Eine Bindung des Zuschauers in irgendeiner Weise an den Spielfilm ist aber unter allen Umständen nötig, wenn ein Film-"Vergnügen" (nicht zu verwechseln mit "Feel-Good-Movie" bzw. Filmen mit Happy End) gewährleistet werden soll. (Buchempfehlung zum Einstieg: Dirk Blother: "Erlebniswelt Kino", 1999. Auch wenn es aus einem anderen Jahrtausend stammt, ist das meiste immer noch wahr :D ).

Dass Filme wie Biographien sind, wäre mir neu – zumindest außerhalb des Biopic-Genres ;). Ob es ein Happy End gibt oder nicht bzw. wie ein Film ausgeht entscheidet sich noch in der letzten Sekunde (vgl. "Wild Things"). Wer Happy Ends vermeiden oder mehr Abwechslung haben möchte, kann am einfachsten weg vom Mainstream gehen oder mehr Dramen schauen. :D

Fragen zum Schluss:
- Was verstehst du unter "der Handlung selbst"?
- Nenn doch mal fünf Filme, die du wie beschrieben zu konventionell und langweilig findest...
- und fünf Filme, die auf deiner "unkonventionell bzw. neuartig"-Topliste ganz oben stehen.

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Lord Denn

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10

Dienstag, 5. Mai 2009, 00:12

Man, darf ich da wieder viel erklären ^^

Ja, richtig, die Hauptpersonen sollen mal nicht essentiell sein. An etwas generell in der Handlung kann und sollte er sich bestimmt binden, denn was soll einen zum Filmegucken in der Freizeit anregen, wenn die die Lust zu erfahren, wie es ausgeht oder eben die Spannung, die aufgebaut wird.
Mit neuartig meine ich nicht nie dagewesen, sondern untypisch, anders als die meisten Filme, eben anders, neuartig.
Mit unkonventionell meinte ich, dass sie sich abheben von den meisten ähnlich gemachten Streifen, wie sie eben oft in die Kinos kommen.
Aber es sollte eben speziell für den Fall jetzt wirklich so sein, dass ich nicht der Figur "Peter" oder Gruppe "Überlebende" folgen möchte, sondern das Geschehen "Geschichte" in einer bestimmten "Weise so betonen will, dass man die Namen der einzelnen Menschen oder Wesen nicht mehr wissen muss.

Mein Zitat mit den biographischen Filmen darf man nicht so ernst nehmen. Ich meinte damit, dass ich eben keine Geschichte des Soldaten Ryan haben will, keine Einblicke in James Bonds leben und nicht nur die Familie Simpsons bei ihrem Leben in Springfield erleben möchte. Sicherlich, alle Filme haben Nebenhandlungen und Charaktere, aber man springt eben nicht wirklich von der einen Gruppe oder Person ab. Ich suche eben die Möglichkeit den Krieg, Bonds Auftrag oder Springfield selbst zu sehen und zu erleben. Das man sich dabei kurzzeitig mit Personen auseinandersetzt, ist selbstverständlich, aber ich will mal was ausprobieren, wo man eben wirklich sehr umfangreich wird.
Da das aber ein rechter Aufwand ist und man viel dafür braucht, würde ich das höchstens in Buchform versuchen.

Die Handlung selbst ist der Grund, warum ich den Film sehen will, was geschieht und was ich verfolge und erfahre.
Ich finde die konventionellen Filme ganz und gar nicht allesamt langweilig, aber ich bin für Abwechslung, daher ist es schwer und unnötig jetzt hier meine nicht gemochten Filme aufzuzählen.
Und die andere Liste kann ich dir auch nicht geben, weil mir bisher kein Film einfallen ist, der so ist, weshalb ich hier ja auch so viel schreibe ^^

Ich schaue mir bei Zeiten mal deine Vorschläge an, danke.

mp-cw

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11

Dienstag, 5. Mai 2009, 10:02

Tut mir leid, wenn du so viel erklären musst. Ist auch mein letzter Beitrag, versprochen...

Neuartig/Unkonventionell:
"neuartig" heißt doch genau "vorher noch nicht da gewesen", und nicht einfach "anders". Es ist zwar per se immer erst mal "unkonventionell", die Frage ist aber wie lange. Beispiel: Actionfilme lassen sich in eine Ära vor und nach "Matrix" teilen. "Matrix" war neuartig und unkonventionell, beides ist ein Film im Matrix-Stil jetzt aber schon lange nicht mehr. "The Lady in the Lake" war 1947 neuartig und unkonventionell. Da es aber wenig Filme gibt, die diesem Konzept folgen, wäre ein Film, der das gleiche Erzählkonzept nutzt, immer noch unkonventionell, bestimmt aber nicht mehr neuartig.

"[...]dass sie sich abheben von den meisten ähnlich gemachten Streifen, wie sie eben oft in die Kinos kommen."
Wie sind denn die meisten ähnlich gemachten Streifen? Was für Filme schaust du? Gehst du eher in Kleinstadtkinos, Multiplexe, Arthousekinos, Kokis? (Oder kaufst die die entsprechenden Filme auf DVD?) Wir alle sind Teil des Mainstreams. Selbst wenn wir uns dagegen verwehren. Es gibt genug gute "andersartige" Filme, man muss sie nur schauen.

Die Handlung selbst ist der Grund[...]
Handlung/Geschichte – Bitte die Grundbegrifflichkeiten klären:
Plot und Story sowie What's the difference between story and Plot. What is plot-driven? oder ähnliches...

Hauptfiguren nicht essentiell?
Da es schwierig ist, eine Handlung aufzuzeigen ohne ein handelndes etwas – man kann "Bonds Auftrag nicht sehen, ohne ihn selbst" – schlägt ein Grundmodell aus der Filmanalyse auch folgende Unterteilung als Zugriff auf einen Film vor:
1. WAS (Handlung)
2. WER (Figuren)
3. WIE (film-/erzähltechnische Bauformen)
4. WOZU (Message)
(Werner Faulstich, "Grundkurs Filmanalyse", UTB)

Oder als Analogie zu Lasswell aufgebaut:
Who says what to whom using what channel/cinematic expression to what effect?“

Figuren sind also immer ein genauso essentieller Bauteil wie die "Handlung selbst". Sie sind Handlungsträger, bieten immer Identifikations-, oder Empathiemöglichkeiten und je mehr man sie kennt, desto leichter wird es. Hier bieten sich viele Gestaltungsmöglichkeiten. Eine Tüte kann auch Handlungsträger sein, nur wird es vermutlich nicht ganz so leicht, mit ihr mitzufühlen. Ich kann ein und dieselbe Handlung in unendlich vielen Variationen erzählen, einfach, indem ich Figuren und Setting austausche. Beide stehen vollwertig neben der Handlung, auch wenn sie sich teilweise gegenseitig bedingen. Ein naheliegendes Beispiel sind z.B. die "Teenie-Agenten/Gangster/usw-Filme" hier im AFF. Das Alter der Darsteller beeinflusst die Figur. Nicht aber die Handlung. Deshalb entsteht ein Bruch. Die Handlung ist wichtig. Figuren aber auch. Deshalb könnte es äußerst schwierig sein, deiner Anforderung zu entsprechen...

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