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Jackman

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Sonntag, 28. Oktober 2018, 10:32

Aufnahmen filmischer/cineastischer aussehen lassen

Hi Leute,

wir haben Freitag Abend ein neues Musikvideo veröffentlicht, welches ich (ausser die Aufnahmen von mir natürlich :D ) gedreht und geschnitten habe.
Ich bin ehrlich gesagt noch nicht ganz zufrieden und mir fehlt noch das gewisse etwas. :whistling:
Besonders bei den Aufnahmen im Freien ab Minute 2:40 etwa, fehlt mir das filmische. Es sieht bei mir immer noch so aus wie einfach nur drauf gehalten.



Was mache ich falsch bzw. könnte ich besser machen? Liegt es an der Komposition, sollte ich 'ne andere Linse/Brennweite verwenden? Bei oben genannten Aussen-Aufnahmen (ab 2:40min)
hab ich 35mm Brennweite an APSC + Speedbooster verwendet.
Aktuell ist ja "hand-held-shooting" recht angesagt und die folgenden Beispiele gefallen mir deutlich besser und sehen viel viel filmischer aus als meine Aufnahmen.



In diesem Beispiel hier, wurde laut dem dazugehörigen Artikel auf Slashcam.de mit recht einfachen Mitteln und zu einem Großteil mit der 5D gearbeitet:




Mir geht es auf jeden Fall nicht um das Thema Look, Grading etc. Sondern rein um die Kameraarbeit. Die Aufnahmen aus den beiden Beispielen würden auch ohne Grading besser und vor allem filmischer wirken, als mein Kram. Woran liegt's aber? Ich komme leider noch nicht drauf.
Vielleicht könnt ihr mir ein wenig weiter helfen. :)

JoeFX

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2

Sonntag, 28. Oktober 2018, 10:50

Also erst einmal muss ich sagen dass das Video schon sehr hochwertig aussieht! Da musst du dich nicht verstecken!

Ich denke das Problem das du ansprichst bei den Aufnahmen im Freien ist das harte Licht, dass fast ausschließlich mit der Sonne im Rücken gedreht ist. Bei "filmischen" oder "cinematischen" Aufnahmen ist meist weiches Licht nötig oder du filmst entgegen die Sonne. Außerdem sind die Aufnahmen auf Augenhöhe gedreht, was natürlich weniger Spannung im Bild erzeugt. Wäre die Szene gegen die Sonne gedreht und der Schatten evtl. etwas aufgehellt, würde das Bild schon cinematischer aussehen. Eine längere Brennweite hätte wahrscheinlich ebenfalls geholfen, die benutzte Brennweite (wsl 18-35mm?), ist für diesen Bildausschnitt ebenfalls nicht sehr spannend. Man kann aber auch hartes Licht mit der Sonne im Rücken spannend inszenieren, solange das Grading passt. Vielleicht einfach die komplette Belichtung um eine Blende runterdrehen könnte die Farben mehr knallen lassen (im positiven Sinne) und nicht so "ausgewaschen" wirken.

Filmisches Licht lässt sich am schnellsten mit weichem Licht und Kontrast erreichen. Draußen ist man natürlich mehr eingeschränkt, aber mithilfe von Wolken oder Abschattungen für weiches Licht oder drehen der Sonne entgegen sind oft quick fixes für ein besseres Ergebnis.

Hoffe das hilft ein bisschen.

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Jackman

Jackman

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3

Sonntag, 28. Oktober 2018, 11:27

Danke für deine Antwort :-)
Das hilft mir schon ein ganzes Stück weiter.

Zitat

die benutzte Brennweite (wsl 18-35mm?)


Es handelt sich hierbei um ein Walimex 35mm 1.4

Über weitere Tips und Tricks bin ich natürlich dankbar.

Tiger

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4

Sonntag, 28. Oktober 2018, 23:18

Die Außenaufnahmen sehen an einigen Stellen einfach mal überbelichtet aus und teilweise passt der Schwarzwert nicht. Ein ND Filter könnte das schon mal etwas abfedern. Möglicherweise reicht dann aber die Dynamik der Kamera nach unten nicht mehr aus. Entweder nimmt man eine Kamera mit mehr Reserven und zieht in der Post die Schatten hoch oder man muss entsprechend mit Licht gegen die Schatten ankämpfen (Reflektoren könnten reichen), um auf einen vernünftigen Kontrast zu kommen. Dazu spiegelt teilweise die Haut der Personen ziemlich stark, das wäre ein Job für die Maske, hier mal richtig abzupudern. Und am Schluss kommt dann doch das Grading ins Spiel, das macht verdammt viel aus. Kann es sein, daß bei den Innenaufnahmen etwas planlos eine LUT drübergeknallt wurde? Viele Aufnahmen, vor allem im Gebäude, gefallen mir aber irgendwie sind die Farben im Video inkonsistent. Ein richtiges Grading würde hier auf jeden Fall helfen.

Jackman

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5

Montag, 29. Oktober 2018, 10:43

Vielen Dank für deine Kritik.
Die Punkte die du ansprichst sind natürlich alle richtig und es ist noch jede Menge Luft nach oben. Ausser, dass ich in der Post nicht einfach nur 'ne LUT drüber geknallt hab.
Mir ging es allerdings bei meiner Frage in erster Linie um Punkte wie Kameraführung, Auswahl des Objektives, Bildkomposition - Blickwinkel zum jeweiligen Objekt, Positionierung zum Licht.

In dem Video von Betontod sind auch einige Aufnahmen, die etwas überbelichtet sind, wirken aber dennoch filmischer auf mich als meine Aufnahmen bei dem Part mit der Wasserbombe.
Man könnte auch beide Aufnahmen unbearbeitet oder schwarz/weiß gegenüberstellen. Ich würde ja dennoch den kürzeren ziehen in den von mir angesprochenen Punkten.

Gab es nicht mal vor einiger Zeit eine, auch hier im Forum, erwähnte Serie, welche mit Absicht gegen jede Regel der Bildkomposition "verstoßen" hat? Da mag mit Sicherheit alles andere wie Belichtung, Lichtsetzung, Grading etc. gestimmt haben. Aber vom Bildaufbau und seiner Wirkung war das mal gar nicht mein Fall.

Tiger

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6

Montag, 29. Oktober 2018, 19:58

Das mit der LUT habe ich vielleicht ein bischen hart formuliert, weil ich LUT hasser bin, das ist für mich wie Tütensuppe. Ich wollte dir nicht zu nahe treten ;)

Sah für mich nach einer der üblichen Standard LUTs aus, weil da sowas wie ein Grading erkennbar ist, es aber von Shot zu Shot nicht konsistent bleibt. Das passiert oft, wenn eine LUT oder ein Standard Look angewendet wird, ohne individuelles Feintuning. Das Thema Grading können wir gerne bei Bedarf vertiefen aber du sagst ja, daß hier aktuell nicht der Fokus drauf liegt.

Stellt sich die Frage, was ist abgesehen von Schnitt, Grading etc. "filmisch"? Mir fallen spontan ein paar Elemente ein, die gerne ergänzt werden dürfen:

Emotionen: Die Bilder müssen Emotionen transportieren und der Geschichte zuträglich sein. Gerade bei dem Betontod Video erzählen die Bilder ganz ohne Ton eine sehr emotionale Geschichte
Motive: Die Motivwahl entscheidet natürlich darüber, ob das mit den Emotionen klappt. Wenn das Motiv schon kacke aussieht, macht niemand mehr cinematisches Gold draus
Kameraposition/Blocking: Der Blickwinkel und die Position der Akteure unterstützt die Emotionen und die Dramatik, das darf gerne auch von schräg oben oder unten sein oder mal extreme Close-Ups usw.
Kamerabewegung: Es gibt heute keinen Film mehr, in dem nicht mit bewegten Kameras gearbeitet wird. Egal ob Handkamera, Stedicam, Motion Control oder was es sonst noch gibt, auch hier wird viel Dramatik erzeugt
Schärfentiefe: Oft wird im Film Tiefe erzeugt oder der Blick geführt durch einen unscharfen Hintergrund bzw. durch den Fokus auf das Wesentliche. Aber auch komplett scharfe Shots können "filmisch" sein, z.B. bei großen Panoramaaufnahmen (Herr der Ringe z.B.)
Licht: Mit dem passenden Licht lässt sich nicht nur der Kontrast auf das nötige Maß angleichen sondern auch die Dramatik und die Story vorantreiben, ein Hammer was Lichtsetzung angeht ist für mich Blade Runner 2049
Lichteffekte: Schon "on Set" kann das Licht Farben haben, reflektiert oder abgeblockt werden, durch Nebel gestaltet werden usw.
Dynamikumfang: Mit einer Arri bekommt man filmischere Aufnahmen bzw. zumindest eine bessere Basis für die Postproduktion als mit einer 8 Bit EOS
Objektive: Manche Objektive bringen von sich aus schon mehr Kino-Look mit als andere

Wichtig ist dabei, nur eine gute Kamera und ein gutes Objektiv machen noch keine filmische Aufnahme, umgekehrt zaubern manche Leute tolle Sachen mit dem Smartphone. Die Basis muss stimmen, dann kommt die Technik.

Und trotzdem darf man die Postproduktion nicht vernachlässigen, ich behaupte mal, die spielt eine ziemlich große Rolle. Dabei meine ich nicht nur Schnitt und Farbe sondern auch Effekte, Re-Lighting, Zeitlupen/Zeitraffer, Musik, Sounddesign und was noch alles dazu gehört. Ein Film wirkt nur richtig "groß" wenn alle Elemente passen.

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