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Samstag, 12. März 2016, 12:41

Wie nennt man diese Technik und mit welcher Art Software setzt man sie um?

Hallo,

ich habe noch nie etwas mit Filmen gemacht, bin also nur ein Interessierter und habe keine Ahnung. Daher bitte nicht über Fragen wundern, die für euch recht klar sind oder evtl. auch "komisch" sind ;-)


Hier in diesem
werden Objekte in verschiedenen Farben verwendet, die dann später in real aussehenden Objekte geändert werden.
Wie nennt man diese Technik und setzt man diese eher mit einem 3D Programm oder einem Programm wie After Effects um oder beiden?

Könnte man so z.B. auch Häuser erstellen? Ich stelle Pappkartons jeweils in einer Farbe auf, filme diese und kann diese mit einer Textur versehen?


Was ich schon seit Kindheit immer machen wollte sind Szenen erstellen, wo etwas in die Luft fliegt, explodiert :-)


Ich stelle mir folgende Szene vor. Eine die Kamera fährt durch eine Straße, links und rechts sind Häuser. Teilweise sollen Teile der Straße und Häuser explodieren und entsprechend Teile davon durch die Gegend fliegen.

Für die Umsetzung gibt es bestimmt verschiedene Möglichkeiten, welche wäre hier am besten? Ich würde gerne mit einem kleinen Modell arbeiten.
Das Modell würde ich so aufbauen. Die Straßen sind einfach blaue breite Streifen, die Häuser Pappkartons in jeweils eintönigen, deutlich zu unterscheidenen Farben.

Das Aufplatzen der Straße und Häuserwände würde durch eine Präparation erzeugt werden. Dabei sollen kleine "Brocken" und kleine Papierschnippsel die jeweils wieder eingefärbt sind raus fliegen.

All diese Modelle sollen dann in einem Programm so angepasst werden, dass sie nach einer Straße, Häusern, Steinen und Unterlagen aussehen.

Wäre das möglich? Ist das der richtige Weg?

Gruß
ebody

LennO

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Samstag, 12. März 2016, 13:05



Hier in diesem Video werden Objekte in verschiedenen Farben verwendet, die dann später in real aussehenden Objekte geändert werden.
Wie nennt man diese Technik und setzt man diese eher mit einem 3D Programm oder einem Programm wie After Effects um oder beiden?



Ähm…naja, "in reale Objekte geändert" ist eine etwas extrem einfache Umschreibung für das was passiert ;) Die Klamotten die die Schauspieler hier tragen nennt man "Mo-Cap Suits". Motion-Capturing ist eine Technik, bei der einzelne Punkte auf den Anzügen am Rechner getrackt werden (d.h. ihre Bewegung nachverfolgt) und sich so auf ein computer-generiertes Modell übertragen lassen. Das funktioniert aber mitnichten vollkommen automatisch, und die entsprechenden Modelle und die dazugehörigen Rigs (kannst du dir vorstellen wie ein computergeneriertes Skelett mit Steuer-Objekten, dass die Figur deformiert) sind in tagelanger bis wochenlanger bis monatelanger Handarbeit in einem 3d-programme wie Maya, 3dsMax, Cinema4D oder vergleichbaren "gebaut", um auch hier mal wieder das ganze einfach beschrieben zu halten.

Die "fabrigen Objekte" die dabei gehalten werden dienen natürlich dazu, dass die Schauspieler auch am Set mit etwas interagieren können. Nötigenfalls können diese auch mit Markern versehen und getrackt, oder aufgrund ihrer Form direkt getrackt werden. Grundsätzlich aber dienen sie primär dazu in der Post-Production als Referenz für die Platzierung der entsprechenden CG-Pendants der Objekte benutzt zu werden. Von der "gefilmten" Footage bei einer Mo Cap-Session wird "direkt" auch nichts im Film verwendet. Was wichtig ist aus ner Mo-Cap Session sind die entstandenen Tracking Daten, wobei das Video für die Animators durchaus nicht unwichtig als Referenz ist. Allerdings wird das Ganze i.d.R. auch nicht nur mit einer Kamera mitgefilmt.


Könnte man so z.B. auch Häuser erstellen? Ich stelle Pappkartons jeweils in einer Farbe auf, filme diese und kann diese mit einer Textur versehen?

Das Aufplatzen der Straße und Häuserwände würde durch eine Präparation erzeugt werden. Dabei sollen kleine "Brocken" und kleine Papierschnippsel die jeweils wieder eingefärbt sind raus fliegen.

All diese Modelle sollen dann in einem Programm so angepasst werden, dass sie nach einer Straße, Häusern, Steinen und Unterlagen aussehen.

Wäre das möglich? Ist das der richtige Weg?



Nein, das ist quatsch ;)

A) Gibt es kein Programm das automatisch irgendwelche Farbflächen durch irgendwelche Objekte ersetzt.

B) Das Tatsächliche vorgehen ist deutlich…komplexer ;)

Zunächst – Für dein beschriebenes Szenario gibt es generell zwei Möglichkeiten: Du filmst den entsprechenden Strassenzug real, dann werden die explodierenden Häuser/Strassenteile durch entsprechende computergenerierte Teile ersetzt und die Kamera getrackt. I.d.R geht man so vor, wenn nur Teile einer Strasse zerstört werden, und die benötigte Kamerafahrt real umsetzbar ist. Wird die gesamte Strasse zerstört, und eventuell ist der Kameraflug derart komplex dass er sich in einem realen Strassenzug auch garnicht so realisieren lassen würde, so ist es dann eher so dass die komplette Szene computer-generiert ist. Oft nachempfunden einem realen Strassenzug im Film, der mittels LIDAR-Scan oder ähnlichem als Referenz für die Modeller 3d-gescant wird.

Die Objekte die vorkommen wie die Häuser, Strassen, Gehwege, Strassenlampen, sind allesamt Modelle die von Artists in 3d-Software erstellt und texturiert werden.

Danach werden eben jene Objekte durch Simulationen (oder per Hand-Animation, je nach dem wie viel Kontrolle über bestimmte Teile gefordert ist, oder einem Mix aus beidem) zerstört. d.h. in kleine Teile zerlegt und deren Bewegung entsprechend physikalischer Gegebenheiten berechnet. Normalerweise sind das im Falle größerer Strassenzerstörung Simulationen die durchaus gerne mal ein paar Nächte in voller Komplexität durchrechnen. Dazu kommen dann etwaige Partikel und Fluid-Simulationen für Feuer, Rauch etc. Dies alles wird gerendert (d.h. aus den 3d-Daten Bilddaten, Frames, erzeugt). Diese wiederum gehen dann ins Compositing (beispielsweise After Effects, wobei eher andere Software in diesem Fall…) wo die einzelnen Elemente zusammengefügt und farblich aneinander angeglichen werden und weiteres. Wenn ein realer Strassenzug gefilmt wurde, ist dies auch der Punkt, an dem die CG-Elemente in die reale Footage eingefügt werden.

Da du keine Vorerfahrung hast, habe ich mich mal bemüht das Ganze so einfach wie möglich zu umschreiben. Bei weiteren Fragen gerne melden, allerdings, wenn du das Ganze wirklich mal in die Tat umsetzen möchtest kann ich dir nur empfehlen erstmal ein wenig "kleiner" anzufangen, und dich mal erstmal grundsätzlich mit 3d-Software auseinanderzusetzen, um ein Gespür dafür zu bekommen, wieviel Arbeit in solchen Szenen steckt. "Automatisiert" läuft da jedenfalls wenig bis garnichts.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »LennO« (12. März 2016, 13:17)


EvilMonkey

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Samstag, 12. März 2016, 13:28

Ich kann mich LennO nur anschließen, möchte aber mal einen etwas konkreteren Weg hinzufügen zum "anfangen".

Man kann darüber streiten, aber das einsteigerfreundlichste 3D-Programm (überschaubares, freundliches Interface, viele Tutorials online) ist wohl Cinema4D. Für Schüler/Studenten gibt es das kostenlos, es läuft auf Mac und PC und - ganz interessant - es hat eine After Effects Integration. Für so "richtiges Profi-Compositing" ist AE war nicht ideal, aber bei weitem auch nicht ungeeignet. Dabei ist es eine so eierlegende Wollmilchsau, dass es eigentlich für fast jeden Menschen der "irgendwas mit bewegenden Bildern" produzieren will, sinnvoll ist, AE zu lernen.

Also, falls du wirklich dein Ziel erreichen willst, mache dich auf die minimale Zeitskala von einigen Monaten gefasst und darauf, dass es nicht so aussehen wird wie du dir das vorstellst.

Was wäre also (aus meiner Sicht) ein sinnvoller Weg?

Weg 1: Dich interessiert eher das wirkliche Erstellen der 3D-Objekte:
Guck Tutorials zu Cinema 4D. Alle, wenns geht :D Der Youtube-Kanal Mt.Mograph ist z.b. eine erste Anlaufstelle mit fantastischen Tutorials. Bau diversen Kram bis du die Grundlagen des Modellings verstanden hast, dann versuche dich mit spezielleren Dingen vertraut zu machen (Rendering. Texturierung, Physiksimulation z.b.)
Wenn du das kannst, dann würde es mit Weg 2 weitergehen.

Weg 2: Dich interessiert eher das einbauen von 3D-Objekten in gefilmte Szenen:
Dann ist deine erste Anlaufstelle Videocopilot.net . Damit hat nahezu jeder, der in den letzten 5-10 Jahren AE lernen musste, angefangen. Das sind so 120 Tutorials. Du fängst bei Tutorial 1 an und bei Tutorial 100 hast du ein relativ breit gefächertes Wissen zu AE (das natürlich trotzdem bei weeitem nicht alles erfasst). Entweder investierst du dann Geld in das Plugin Element 3D von videocopilot mit dem sich 3D-Dateien direkt in AE importieren lassen und fängst mit Compositing an. Oder du suchst dir aus einer der vielen online Model-Bibliotheken ein schickes Gratis-Modell raus und benutzt die AE-Cinema 4D integration um damit zu arbeiten. So überspringst du Weg 1, falls dich das modeln nicht wirklich interessiert.


Falls das aber alles nur so eine Samstagmorgen-Idee war und es dir doch nicht soo wichtig ist da direkt ein Full-Time-Hobby draus zu machen... dann sei hiermit versichert, dass die siebzehn bärtigen Nerds im Hintergrund einer solchen MoCap-Aufnahme keine Statisten sind ;)

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Samstag, 12. März 2016, 14:12

Vielen Dank für die sehr hilfreichen und ausführlichen Antworten :-)

Dass da viel Arbeit hintersteckt, habe ich mir schon gedacht und natürlich ist mein Ziel auch kein hoch professionelles Bild am Ende. Mich hat einfach interessiert, ob das so wie ich es mir vorstelle umsetzen lässt und wenn nicht wie. Daher sind eure Antworten für mich auch sehr hilfreich.

Gruß
ebody

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