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KiniMusic

unregistriert

1

Montag, 6. April 2015, 21:28

Anforderungen an die Musik

Hallo,
ich würde gerne eine allgemeine Frage als Musiker/Komponist an die Filmemacher stellen:
Was sind Eure Anforderungen an (Film-)Musik?
Ich mache jetzt schon seit einiger Zeit Musik, die eigentlich zum Zuhören komponiert ist. Beim letzten Projekt (www.kyneah.com) kam mir der Gedanke, dass sich die Musik auch sehr gut als Soundtrack eignen würde. Ich habe gerade erst begonnen, mich mit Filmmusik-Komposition zu beschäftigen, würde aber gerne von Euch mal wissen, auf was Ihr achtet, wenn Ihr ein Musikstück oder Soundtrack auswählt.

Zum Beispiel in Bezug auf:
  • Tonart
  • Geschwindigkeitswechsel
  • Kompression
  • Effekten (z.B. Hall, Delay ...)
  • Länge
  • Möglichkeit des Zusammenschneidens, selbst stückeln
  • Ohrwurm-Potential
  • Endabmischung / Frequenzgang
  • Intro, Outro, Steigerungen
  • Abwechslung/Wiederholung
  • Akkordfolgen, Kadenzen, Rückführungen auf den Grundton
  • Instrumentierung
  • Format der Datei (mp3, wav)
  • Mixdown startet genau auf Zählzeit
  • Suround
  • Komplexität
  • Gefühl
  • ...
Viele Grüße!

2

Dienstag, 7. April 2015, 21:11

Oh mein Thema gerade im Studium. Schreibe nach der Arbeit mal was dazu...

MagnoliaDriver

unregistriert

3

Dienstag, 7. April 2015, 23:11

"A film is - or should be - more like music than like fiction. It should be a progression of moods and feelings. The theme, what's behind the emotion, the meaning, all that comes later."
Stanley Kubrick

"To make a film the final big collaborator that you have is the composer."
Paul Thomas Anderson

Ich kann nur für mich sprechen. Jeder Filmemacher kann seine eigene Herangehensweise an die Filmmusik haben.
Zuerst einmal ist die Filmmusik oder auch die Musik für mich als Filmemacher eines der wichtigsten Facetten des Films. Während ich ein Drehbuch schreibe höre ich Musik. Ohne Musik könnte ich gar nicht schreiben. Bevor ich überhaupt mit dem schreiben beginne lege ich mir eine Playlist zusammen und diese ausgewählte Playlist ist sehr wichtig, da sie eine erste musikalische Inspiration für den Komponisten sein kann. Dazu habe ich eine eigene grundsätzliche Idee des Score. Soll er eher elektronisch sein oder orchestral? Sollen besondere Instrumente verwendet werden? All das bespreche ich im vorneherein mit dem Komponisten. Natürlich wird auch besprochen welcher Charakter ein Theme bekommen und welche Szene musikalisch unterlegt werden könnte. Er komponiert erste Tracks, die höre ich mir an um zu überprüfen, ob der Score in die richtige Richtung geht. Stimme ich dem überein legt er los. Wenn er fertig ist, stelle ich mir den Score wie ein Album vor. Die Tracks sind Puzzleteile und der gedrehte Film das Puzzlebrett. Meine Aufgabe ist es nun die richtigen Puzzle in das Brett zu legen. Und das entscheide ich nach Gefühl.

Ein Beispiel aus der professionellen Filmwelt: Hier die Anfangsszene aus Paul Thomas Anderson's "The Master":

In dieser Eröffnungsszene verwendet Anderson die von Jonny Greenwood komponierten Stücke "Baton Sparks" und "Able Bodied Seamen". Aber hör dir mal "Baton Sparks" im Ganzen an.


Ab der Mitte verändert sich der Track ganz gewaltig, aber diese Musik findet nirgendswo in "The Master" Verwendung. Anderson nimmt die erste Minute aus "Baton Sparks" und schneidet dann ganz
plötzlich auf "Able Bodied Seamen". Die verzerrte dunkle zweite Hälfte hat anscheinend nirgendswo in den Film gepasst.

Die große Aufgabe des Komponisten ist den Film musikalisch wiederzugeben. Musik/Film ist Gefühl d.h. am besten funktioniert eine Zusammenarbeit zwischen Komponist und Filmemacher, wenn der Komponist die Geschichte des Films so "fühlt" wie der Regisseur/Drehbuchautor (dazu sind intensive Gespräche mit dem Filmemacher nötig) und diese dann in Musik wiedergibt. Und wenn sich die richtigen Beiden (Leone/Morricone; Hitchcock/Herrmann) gefunden haben entsteht Genialität. Das neueste Beispiel ist Iñárritu/Sanchez. Wie bitte kamen die beiden auf die geniale Idee Drums für den kompletten Score für "Birdman" zu verwenden?

Es hat bereits 1 Gast diesen Beitrag als hilfreich eingestuft.

Naranne

unregistriert

4

Mittwoch, 22. April 2015, 05:08

Ich bin auch Musikerin/Komponistin, und ich wünsche nur dass mehr Filmemacher wie Sie denken, MagnoliaDriver.

Ich habe nur die Musik für vielleicht drei oder vier Kurzfilme (am meistens für Studenten wie ich) geschrieben, aber ich denke dass zu viele Filmemacher keine Ahnung um die Funktion der Musik im Film haben. Zu viele Filmemacher haben zu mir gesagt, "Oh... ich will vielleicht das, das und das haben" und wenn ich sie WARUM gefragt habe, können sie nicht sagen.

Filmemacher sollen zu Komponisten sagen, "Ich werde x hier haben, weil y", und sagen etwas über die Gefühle in einer Szene, aber zu viele können das nicht sagen.

(Entschuldigung für mein Deutsch, es ist nicht meine Muttersprache)

joey23

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5

Mittwoch, 22. April 2015, 11:30

Sicher habt ihr damit völlig Recht. Verfasst doch mal eine Art "Leitfaden", ähnlich wie die in meiner Signatur. Darin fasst ihr zusammen, welche Infos ihr euch vom Filmemacher wünscht, was ihr eventuell gerne als Stilvorlagen bekommen wollt etc. Also was aus eurer Sicht einfach eine Hilfe wäre. Wenn man erst mal im Projekt drin steckt, hat man da vielleicht keinen Kopf mehr zu. Wenn es hier einen Leitfaden dazu gäbe, könnte man sich aber eventuell im Vorfeld schon Gedanken machen.

Michael - Visual Pursuit

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6

Mittwoch, 22. April 2015, 13:42

Ich habe letztes Jahr für ein Projekt eine Soundunterlage gebraucht.
Vorgabe war daß das die Signaturmusik für den Kunden werden solle,
die unter alle Videos für sein Unternehmen gelegt werden sollte.

Das muss man nicht gut finden, klar. Ich hab's auch lieber wenn
das individuell an das bild angepasst wird. Ging hier nicht.

Erschwerend kam hinzu, daß teilweise Protagonisten sprechen sollten,
teilweise ein Sprecher aus dem Off sprechen sollte - und natürlich
waren alle Filme unterschiedlich lang.

Also brauchten wir Musik mit leichter Temposteigerung zum Ende
die für Videos zwischen 3 und 5 Minuten Länge reichen musste
und eine Taktrate knapp über Herzfrequenz zum Start haben sollte.

Die Instrumentierung musste so ausfallen daß keine schrillen,
hervorstechenden Instrumente beteiligt waren, und man musste
sie beim Sprechereinsatz so zurücknehmen können, daß sie noch als
Musik erkennbar blieb, und nicht nur Bässe oder die härtesten hellen
Töne übrig blieben. Die Grundlautstärke musste über die gesamte
Laufzeit gleich bleiben, damit man daraus für den Sprechereinsatz
ohne langes Gefummel den Fader stellen konnte.

Möglich wären auch Loop-Module gewesen die man hätte
kombinieren können.

Meine bevorzugte Komponistin lieferte dazu 3 Varianten die alle
funktioniert hätten. Die beteiligten fünf Entscheidungsträger beim
Kunden konnten sich auf keine Variante einigen und kamen dann
mit einem eigenen Komponisten um die Ecke.

Der lieferte:
Extreme Lautstärkenschwankungen, beim Runterfaden blieben
nur aggressive metallische Akkorde über, und zu kurz war's auch.

Am Ende haben wir den Schnitt abgelehnt und nur das Bildmaterial
geliefert. Eine gute Entscheidung, das wurde im Folgenden noch
zu einem Gemetzel. Glücklicherweise ohne uns als Combattanten.
It's all about the light.

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