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Patrick96

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1

Donnerstag, 19. Februar 2015, 18:33

Frage zu Ton in professionellen Produktionen

Hallo allerseits.

Wie der Threadtitel schon sagt, frage ich mich, wie der Ton in Profi-Produktionen z.B. im Fernsehen aufgezeichnet wird.

Ich habe in div. Making-Ofs zu Tatort, AfC11 oder dergleichen Richtmikros gesehen, frage mich allerdings, wie sie einen so klaren Sound hinbekommen, auf dem man zusätzlich noch das ganze Ambiente hört.
Das ist ja bei Richtmikrofonen eigentlich genau nicht der Fall.
Oder z.B. in engen Räumen oder der Luft, wo eigentlich kein Tonmann Platz hat...

Wie schaffen die das?

Nachsynchro im Studio wäre ja viel zu aufwendig... die müssten ja die ganze Geräuschkulisse irgendwie neu herstellen, sodass sie 1:1 auf das original Videomaterial passt.

Hab des öfteren auch schon gehört, dass oftmals beide Mikrofonierungen (sprich Kugel- & Richtcharakteristik) angewandt werden. Hier stellt sich mir allerdings die Frage, ob man dann die Schauspieler nicht zweistimmig hört.
So hab das zumindest ich mal getestet, indem ich mit Kamera- & Richtmikro aufgenommen habe. Das Ergebnis war nicht schlecht, aber man hatte teilweise ein Echo gehört.

Ich frage mal rein Interessehalber. :)

Gruß,
Patrick

2

Donnerstag, 19. Februar 2015, 19:32

Das Ambiente wird oft zusätzlich aufgenommen und dann mit den Sprachspuren der Schauspieler zusammengemischt.

Nehmen wir eine Szene in einem Café, in dem sich zwei Personen unterhalten.
Die Komparsen spielen stumm, während die Schauspieler sich unterhalten. Das wird dann mit Nierenmikros (oder versteckten Mikros aufm Tisch, oder je nach Bildausschnitt auch Lavaliermikros) aufgenommen.
Der nächste Take wäre, dass die Komparsen sich unterhalten, Getränke bestellen, die Bedienung rumläuft, Gläser klirren, Stühle rücken usw.
Beides wird dann zusammengemischt.
Möglicherweise werden dazu noch andere Geräusche aus Soundbibliotheken dazugemischt. Das ist die Arbeit eines Foley Artist und wird angewandt, wenn vor Ort die Aufnahmebedingungen schlecht sind oder Geräusche nicht einfach selbst produziert werden können.

Wenn Sprecher zweistimmig aufgenommen werden, werden die Tonspuren so synchronisiert, dass sie einstimmig klingen. Das macht Sinn, wenn z.B. ein Mikrofon die Höhen gut aufnimmt, der Sound aber zu dünn wirkt; dann kann mit einem Mikro, das den Bassbereich stärker betont, der Sound nochmal aufgeputscht werden. Oder eben für den Raumklang: Es gibt verschiedene Mikrofonierungssysteme für den Raumklang (z.B. Stereoanordnungen, Decca Tree, ORTF... und, ja, das simpelste wäre ein Kugelmikrofon), die von den Sprechern akustisch isoliert werden müssen, oder eben mit den Sprachspuren synchronisiert. Die Nachbearbeitung ist immer aufwändig, aber ein ganzes Team darauf warten zu lassen, dass die Tonmenschen jetzt endlich jedes Mikro richtig ausgerichtet haben, kann auch ganz schön ins Geld gehen. Da muss abgewogen werden, was das kleinere Übel ist.

Ein Echo entsteht nicht durch die Aufnahme eines Schauspielers mit mehreren Mikros, sondern ist ein rein raumakustisches Phänomen: Der Schall wird an einer Stelle (z.B. an der Wand) reflektiert, sodass das Gesagte zeitversetzt wieder gehört wird. Das passiert ständig, aber in kleinen Räumen fällt das nicht auf, dafür ist die Verzögerung viel zu kurz. Wenn man aber im Gebirge eine Bergwand in 330m Entfernung anschreit, hört man etwa 1 Sekunde später das Echo.

Zum Richtmikro: Es ist nicht so, dass ein Richtmikro allen Umgebungssound komplett ausblendet. Es nimmt nur aus einem sehr engen Winkel auf.
Bei der Indoor-Aufnahme setzen Tontechniker normalerweise Nierenmikros statt Richtmikros ein. Sie haben einen größeren Aufnahmewinkel und können daher auch mehr vom Ambiente aufnehmen, außerdem lösen sie höhere Frequenzen (wichtig für Sprachverständlichkeit) oft besser auf als ein durchschnittliches Richtmikro. Wobei man davon ausgehen kann, dass die Mikros in den Sendeanstalten keinesfalls durchschnittlich sind, sondern relativ hochqualitativ und dementsprechend teuer ;)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »jk86« (19. Februar 2015, 19:42)


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Lutz Dieckmann

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3

Sonntag, 22. März 2015, 01:52

Hi,

ZITAT: Nachsynchro im Studio wäre ja viel zu aufwendig... die müssten ja die ganze Geräuschkulisse irgendwie neu herstellen, sodass sie 1:1 auf das original Videomaterial passt. ZITATENDE

Damit hast Du es komplett erfasst. Genau so machen sie es. Und Aufwand ist immer eine Frage des Budgets;-)) So haben wir es bei unserem Spielfilm "Lebensfreunde" auch gemacht. Der Ton wird grundsätzlich mitgenommen und später angepasst.

Liebe Grüße
Lutz Dieckmann
Danke für´s Lesen.Jede Woche neue Online Streams auf: http://hd-filmschule.de und neue Tutorials auf http://hd-trainings.de

Lutz Dieckmann auf Facebook oder 06102/75 64 85

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