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Matze72

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1

Montag, 17. Januar 2011, 23:52

neue Berufsperspektive in der Filmbranche

Hallo,

Ich bin momentan in einer beruflichen Situation, wo ich sage, so kann es nicht weitergehen (Call Center). Mein Beruf macht mir gar keinen Spass!
Seit 6 Monaten bin ich in der Pre Production zu meinem ersten Spielfilmprojekt "Traumatisiert". Das Drehbuch ist fertig, die (vielen) Schauspieler (hauptsächlich Profis) fast alle gecastet, Locations habe ich auch schon fast alle zusammen (sind einige). Es fehlen noch ein paar Teamleute, aber auch da habe ich schon Anfragen von Filmstudenten. Selber habe ich viel in den letzten Monaten im Internet recherchiert und Fachbücher gelesen. Es sieht also recht gut aus! Jetzt meine Frage (ist ernst gemeint): Ist es realistisch mit diesem Background und Hintergrundwissen (und eventuell Talent) sich eine neue berufliche Perspektive zu verschaffen, oder ist das nicht realistisch ohne eine fundierte Ausbildung bzw. Studium? Oder anders ausgedrückt: Reichen Talent, Seminare und Bücher um so Kompetent zu werden, dass man davon als Filmproduzent leben kann? Macht eine komplete Umschulung mit meinen 38 Jahren überhaupt noch Sinn? Ansonsten habe ich ja noch eine Perspektive in der Fitnessbranche (habe mehrere Trainerscheine und mache gerade meinen Fitnessfachwirt). Aber auch dort sieht es irgendwie nicht (mehr) so rosig aus. Die Bezahlung ist scheisse und es gibt massenhaft Konkurenz. Oder sollte ich in meinen Job bleiben und das ganze mit dem Filmen einfach nur als Hobbie sehen (eventuell sprengt das ja hier den Rahmen und ich ernte Spott und Hohn, wage es aber trotzdem)?

Viele Grüße

Matze72

Mr Dude

unregistriert

2

Dienstag, 18. Januar 2011, 00:49

Unrealistisch ist das keines Falls, nur extrem schwer. Einen guten Film zu produzieren ist die eine Sache, ihn dann so zu verkaufen, dass du davon leben kannst eine ganz andere. Wir haben hier ja viele Leute im Forum die super Filme drehen, diese verkaufen und garantiert trotzdem nicht davon leben können. Eine Ausbildung ist meiner Meinung nach nicht notwendig, wenn man sich das Wissen selbst aneignen kann, aber durch die Ausbildung bekommen viele erstmal die Beziehungen die nötig sind um einen gewissen Erfolg zu garantieren. Das ganze ist leider ein Teufelskreis: Du brauchst Geld für gute Technik, ansonsten kommst du mit dem Film erst Recht nicht ins Kino, brauchst aber Geld dafür die du durch zB Kinoeinnahmen generieren könntest.

Ich würde dir empfehlen deinen Job zu behalten, den Film so gut wie möglich zu produzieren und dann zu sehen ob es sich finanziell auszahlt. Sollte es das (überraschender Weise) dann kannst du den nächsten Schritt wagen. Mein bester Kumpel befindet sich in der selben Lage wie du, nur dass er 15 Jahre jünger ist.

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3

Dienstag, 18. Januar 2011, 01:15

Ich habe mal in einer ähnlichen Situation gesteckt. Normale Jobs haben mich gelangweilt. Mein Traum war es, Musiker zu werden!
Gott sei Dank hatte ich keine Kinder zu versorgen. Also musste niemand unter meiner Entscheidung leiden. Ich war fest davon überzeugt, es schaffen zu können, und es gab nichts was ich mir sehnlicher wünschte. Also bin ich ungefähr 5 Jahre durch ein verdammt dunkles Tal gewandert und habe eine Menge verbrannter Erde hinter mir gelassen. Aber es gab für mich nur diesen einen Weg... Ich habe an mich geglaubt, und ich habe es geschafft...
Und ganz wichtig ist: Nicht überlegen und lange herumlesen, sondern machen. Praktische Arbeit ist durch nichts zu ersetzen. Dreh Kurzfilme über Geflügelzüchtervereine, führe Interviews auf Demonstrationen, mach Dokumentationen über Schwertransporte, such dir ne lokale Band und mach Musikvideos.. einfach alles was zum Handwerk dazugehört.

Von daher meine persönliche Meinung: Wenn du nicht unter schleichendem Realitätsverlust leidest, mach dein Ding! Es wird vor allem anfangs nicht leicht. Das solltest du keinesfalls unterschätzen. Stell dich auf Hunger und abgestellten Strom ein :) Ich hatte sogar ne Räumungsklage incl. eidesstattlicher Versicherung am Arsch. Aber auch das geht vorbei... wenn du es wirklich drauf hast. Sozialhilfe und Arbeitslosengeld habe ich niemals in Anspruch genommen.

Ich betone noch einmal, dass dies meine persönliche Meinung ist! Dies ist keine rechtsgültige Lebensberatung :)

Was die Ausbildung angeht: Ich glaube die ist enorm hilfreich, aber letzten Endes nicht entscheidend. Mich fragt heute niemand mehr danach.

Hast du schon mal etwas von dir hier gepostet? Dann könnte man wenigstens die große Gefahr des Realitätsverlustes besser einschätzen.

anreable

unregistriert

4

Dienstag, 18. Januar 2011, 12:57

ganz klar egal was du machst, laufe niemals ohne planb durchs leben.
wenn du kündigst glaubst du hast weniger probleme weil er ja sowieso
keinen spass macht ABER der trugschluss hat schon viele umgehaun.
Wenn du keinen "richtigen" job hast und demnach kein einkommen, dann
MUSS das mit dem film klappen. diesen druck baust du dir im grunde nun
selbst auf wenn du kündigst. da du nicht in einer situation steckst wie
es bill gates oder mark zuckerberg waren (studenten in harvard, die
nach einer guten idee alles abbrachen um sich auf die eine sache zu konzentrieren)
würde ich es tunlichst unterlassen zu glauben du schaffst nicht nur die
filmproduktion, selbst den verkauf sondern davon leben zu können.

Matze72

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5

Dienstag, 18. Januar 2011, 23:07

Ja Dude, Du hast Recht probieren geht über studieren...:-)

Habe schon viel gepostet Schleiereule...hatte jahrelang Schulden....weiss wie es ist von der Hand in den Mund zu leben...ich werde den Job, nicht von heute auf morgen aufgeben...verdiene gutes Geld : 14 Gehälter+ Sozialleistungen und dazu auch noch ein gutes Arbeistklima...allerdings null Sinnerfüllung!

Zu Anreable: Du hast Recht, mit dem Plan B...werde den Job wie schon geschrieben nicht von heute auf morgen aufgeben...allerdings langfristig geht das nicht mehr! Vielleicht ja auch diese Fitness-Schiene (habe da einen soliden Grundstock an Know How), allerdings in der Regel total unterbezahlt...am meisten reizt mich momentan Film...werde aber nichts überstürzen!

MP-Digital

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6

Dienstag, 18. Januar 2011, 23:41

Reichen Talent, Seminare und Bücher um so Kompetent zu werden, dass man davon als Filmproduzent leben kann?

Ich sag mal ja !

Du musst was machen, was andere überzeugt, Dich zu holen usw. Aber noch wichtiger wie jedes Studium ist, dass Du den Glauben an Dir, Deine Art und das was Du kannst, nicht verlierst - es weiter ausbaust, auch wenn Du zwischenzeitlich andere Wege gehen musst, um dass zu erreichen.

Ein Ziel ist, nicht zu hören auf das was andere sagen, machen oder meinen zu wissen, wichtig ist, was Du machst und dass mit 100% Einsatz. Es muss überzeugen!

Matze72

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7

Mittwoch, 19. Januar 2011, 17:51

Ja, klar ich muss halt Gas geben!

HareMadeFilms

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8

Mittwoch, 19. Januar 2011, 18:11

Was man diesem Zusammenhang nicht unterschätzen sollte: Kontakte, Mundpropaganda, "vernetzt" sein. In so ziemlich allen Bereichen, in die ich bisher mal beruflich selbst oder durch Freunde oder Bekannte oder sonstwie Einblick nehmen konnte, spielten Kontakte eine mindestens ebenso große, nicht selten auch eine größere Rolle als Talent und fachliche Qualifikation. Wer irgendwem, der irgendwas entscheidet, irgendwie schon mal empfohlen worden ist, hat (manchmal unendliche) Vorteile. Es gibt z. B. zahlreiche Anwälte, die auf bestimmte Parties gehen, Vernissagen besuchen, Golfclubs beitreten, um Kontakte zu knüpfen und daraus irgendwann einmal Mandanten zu gewinnen. Was auch nicht selten funktioniert, sogar in Abwesenheit fachlicher Qualifikation... In der Schriftstellerei und Drehbuchschreiberei ist es nach meiner (allerdings begrenzten und nicht eigenen) Erfahrung sehr ähnlich, mit Empfehlung geht auch ein mittelmäßiges Buch seinen Weg, und bessere von unbekannten Verfassern bleiben nicht selten liegen. Oder: In irgendeinem Bewerbungsverfahren wird ein dicker Stapel Bewerbungen gesammelt, dann ruft eine alter Kumpel vom Chef an und bringt seinen Neffen unter. Oder: Wohnungsuche in Großstädten: 48 Bewerber stehen Schlange, dann geht die Wohnung unter den Hand an den Sohn einer Jugendliebe des Vermieters ...

Das soll keinen Pessimismus verbreiten, und es ist auch nicht so, dass sich nicht auch Leistung immer mal wieder durchsetzt, aber das ist eben nur ein "Erfolgsfaktor", und ich würde an Deiner Stelle keinesfalls den Job aufgeben, ohne in dieser Richtung irgendeine Perspektive, irgendeinen Zugang zu Leuten zu haben, die schon in dem Geschäft sind und damit Geld verdienen. Auch schon allein deshalb, damit Du etwas genauer weißt, was auf Dich zukommt. Genauer jedenfalls, als Du es durch Nachfragen wie hier im Forum erfahren kannst.

Im Übrigen kommt es natürlich darauf an, ob Du der Typ bist, der sich über Durststrecken hinweg dauerhaft motivieren und sich auch dann disziplinieren kann, wenn´s mal gerade überhaupt keinen Spaß macht. Darauf, ob Du mehr auf Motivation oder auf Druck reagierst. Darauf, ob in Dir Lebensängste schlummern und Du psychisch eine bestimmte Absicherung brauchst, um vernünftig leben zu können, usw. usw. Ich selbst bin ziemlich sicher, dass mir meine "kreativen" Hobbies sehr viel weniger Spaß bereiten würden, wenn ich sie unter dem Druck, damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen, "durchziehen" müsste.

Na ja, das soll hier keine Psycho-Beratung werden, aber ich würde es nur riskieren, wenn Du sowohl "was drauf hast" als auch Rückschläge verkraften kannst als auch mit Menschen im allgemeinen ganz gut umgehen kannst und im Übrigen nicht nur vage Hoffnungen, sondern eine halbwegs aussichtsreiche konkrete Perspektive hast, bevor Du Deinen Job an den Nagel hängst. Rein statistisch sind gescheiterte Existenzen sicherlich häufiger als Erfolgsgeschichten anzutreffen. Im Übrigen ist es auch beim Filmemachen sehr komfortabel, wenn man ein bisschen Geld zur Hand hat und sich bestimmtes Equipment leisten kann...

Na ja, das alles soll Dich nicht demoralisieren, sondern allenfalls dazu anhalten, Dir die Sache gut zu überlegen. Viel Erfolg jedenfalls, wie Du Dich auch entscheidest!

Matze72

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9

Donnerstag, 20. Januar 2011, 15:23

Ja klar, Mundpropaganda und Beziehungen machen sauviel aus. Habe es jetzt bei der Locationssuche gemerkt, nachdem ein Entscheidungsträger gesehen hat, dass ein Bekannter von Ihm mitspielt ist er sehr kooperativ und die Locationsuche ist total easy! Und es gibt bestimmt viele Leute, die super sind und keine Beziehungen und deswegen keinen oder wenig Erfolg haben! Das ist wirklich so!!! Ich will halt endlich mal etwas machen, was mir echt Spass macht! Ich werde auf jeden Fall nicht von heute auf Morgen meinen gut bezahlten Call Center Job aufgegeben. Ich werde eher die Stunden reduzieren. Meine Kollegen wissen allerdings noch nichts von meinen beruflichen Ambitionen...habe auch keinen Bock auf den Flurfunk! Wenn ich dann (hoffentlich) bald was ordentliches vorzuweisen habe, sieht die Welt schon anders aus! Eventuell stecke ich auch schon in der MidlifeCrisis....will das aber jetzt nicht noch weiter erläutern, denn dafür sollte ich mir vieleicht ein anderes Forum suchen...:-)

joey23

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10

Samstag, 22. Januar 2011, 21:32

Zitat

Die Bezahlung ist scheisse und es gibt massenhaft Konkurenz.


Schlimmer als in der Filmbranche kann es in der Fitnessbranche kaum noch sein. Fakt ist: Es gibt schon jetzt viel zu viele gute studierte Filmemacher in Deutschland die Taxi fahren und Burger braten und etwa 10x so viele ambitionierte Amateure und Halb-Profis, die gerne mit ihren Filmen Geld verdienen würden.

Wenn du Filme machen willst um damit Geld zu verdienen: Vergiss es. Such dir eine andere Branche. Wenn du Filme machen willst weil dass einfach deine absolute Leidenschaft ist, dann mach es. Und wenn du ganz ganz viel Glück hast, reicht es eventuell auch ohne Taxi fahren zum Brötchen kaufen.

Das ist hart, aber die Wahrheit. Mach dir keine falschen Hoffnungen. Als Quereinsteiger mit 38 in der Filmbranche wirklich Fuß zu fassen, ohne jeden filmischen Background und die entsprechenden Kontakte ist fast unmöglich.

Matze72

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11

Sonntag, 23. Januar 2011, 14:58

Zu Joey23:

ich weiss nicht, ob Du dass nicht etwas zu pessimistisch siehst...einfach ist es natürlich nicht...gibt es wirklich so viele GUTE Leute (egal ob Prof, Semiprofi, oder Amateur). Ich denke auch mal an richtige Spielfilme trauen sich auch nicht soooo viele (ein Dipl. Regiesseur hat zu mir kürzlich gesagt, er bewundere wohl die Leute, die so etwas machen)!

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