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Purzel

Medienmogul

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Sonntag, 30. November 2008, 23:45

Entscheidungshilfe beim Camcorderkauf (Welche Videokamera?)

Zunächst einmal muß gesagt werden, daß wir hier keine Marken-bezogenen Tipps geben dürfen und keine Marken bevorzugen dürfen.
Deswegen halten wir diese Hilfe so allgemein wie möglich. Natürlich gibt es technische Unterschiede zwischen einigen Marken, das heißt aber nicht,
daß deswegen eine Marke schlechter als eine andere ist.
Der eine bevorzugt z.B. Sony oder Panasonic, der andere z.B. Canon oder JVC, deswegen sind aber die Firmen aber nicht schlechter.
Letztenendes kommt es immer auf Eure Bedürfnisse an, also fangen wir einfach mal an:

Die erste Frage, die sich stellt:
Investiere ich noch in SD oder kaufe ich gleich eine HD-Kamera?
(Da man in der heutigen Zeit keine analogen Geräte (Video8, Hi8, VHS, S-VHS) mehr kaufen wird, gehe ich nur auf die digitalen Geräte ein.)
Der Unterschied besteht bei unseren Europäischen Kameras (also im PAL-System) in der Auflösung des Bildes,
SD-Kameras (einfache Auflösung) haben 720 x 576 Pixel (Bildpunkte)
HD-Kameras (hochauflösend) haben mehrere Auflösungen:
1280 x 720 Pixel (auch 720p genannt, HD ready)
1440 x 1080 Pixel (auch 1080i genannt, HDV)
1920 x 1080 Pixel (auch 1080p genannt, FullHD)
Dementsprechend teuer sind sie auch. Wer sich mit dem Gedanken trägt, eine Kamera anzuschaffen,
sollte sich im Klaren darüber sein, daß dann auch alle bisherigen SD-Abspielgeräte (DVD-Spieler, Fernseher, Beamer, etc.) ausgewechselt werden müssen,
wenn man sich für HD entscheidet, und wenn man noch keine HD-Geräte hat.
Finger weg von NTSC-Geräten (mit 30 Voll-/60 Halbbildern)! Diese sind i.d.R günstig bei diversen Auktionshäuser zu bekommen,
bringen aber bei der Umwandlung auf das PAL-System nur Probleme mit sich. Es ist zwar günstiger, aber man tut sich wirklich keinen Gefallen damit!

Erläuterung zum Format
(Erklärung: I=Interlaced, also Halbbilder und P=Progressive, also Vollbilder)
Zu DV-Zeiten gab es NTSC und PAL, also 720*576 bei 50i und 720*480 bei 60i.
Entwickelt wurde das Zeilensprungverfahren für Röhrenfernseher und machte dort
auch Sinn. Die unterschiedlichen Frequenzen(50i und 60i) hängen mit der jeweiligen Netzfrequenz zusammen.
Die im HD-Zeitalter gängigen Formate:

1440x1080 50i (HDV genannt)
1440x1080 25p

1920x1080 25p (Full-HD)
1920x1080 50i

HD ready, ab 720p aufwärts, wie zum Beispiel:
1280x720 50p
1366×768 etc.

Hier muss jeder selbst entscheiden, was er benötigt. 1440*1080 ist das übliche Format der HD-Bandcamcorder.
Kann aber in der Post-Production am PC fast verlustfrei durch Änderung der "Pixel Aspect Ratio" z.B. für BlueRays auf Full-HD umgerechnet werden.

ISO / Gain - Empfindlichkeit des Sensors auf Licht
Bei den meisten Camcordern kann man die Iso nicht verstellen, sondern nur die digitale Signalverstärkung "Gain".
Das hat in etwa den gleichen Effekt.
Höhere Iso bedeutet einen empfindlicheren Sensor, allerdings ein stärkeres Bildrauschen.

Brennweite - Abstand der Linse zum Brennpunkt.
Eine Brennweite, die der Diagonale des Sensors entspricht wird als Normalbrennweite bezeichnet.
Alles darunter ist Weitwinklig, alles darüber liegt im Telebereich.
Je höher die Brennweite, desto näher kann ich das zu Filmende Objekt heranholen.
Da es verschiedene Sensorgrössen gibt, wird die Brennweite meist auf Kleinbildäquivalent umgerechnet.
Je niedriger die Brennweite, desto höher ist auch die Schärfentiefe.

Zoom / Zoomfaktor
Der Zoomfaktor gibt das Verhältniss von Anfangsbrennweite zu Endbrennweite an.
Ohne einen Bezugspunkt ist diese Angabe theoretisch leider sinnlos, wird aber gerne in der Werbung verwendet!

Blende
Verhältnis von Brennweite zu Öffnungsweite der Linse.
Die Blende ist eine dimensionslose Grösse.
Je grösser die Blendenzahl ist , desto grösser ist die Schärfentiefe.

Belichtungszeit (Shutter)
Zeit mit der ein einzelnes Bild belichtet wird.
Filmkameras haben einen 180° Shutter. Das bedeutet, dass bei 25fps jedes Bild 1/50 Sekunden belichtet wird.
Bei höherer Belichtungszeit (1/50) entsteht mehr Bewegungsunschärfe und das gefilmte Material erscheint flüssiger.
Bei niedriger Belichtungszeit (1/1000) ist jedes Einzelbild scharf abgebildet.

Fokus - Schärfepunkt.
Manuelles Fokussieren ist zumindest bei festen Einstellungen meisst die bessere Wahl. Hier wird reingezoomt, scharf gestellt und wieder rausgezoomt. Diese
Technik funktioniert selbst bei schlechtesten Lichtverhältnissen. Allerdings muss hierfür das Auflagemaß stimmen, was leider nicht bei jedem Camcorder der
Fall zu sein scheint. Wie das ganze bei DSLR aussieht, weiss ich leider nicht.
Der Autofokus funktioniert nicht bei allen Lichtverhältnissen problemlos.

Codec - Kompressionsverfahren des Materials.
Zu DV Zeiten gab es weit weniger verschiedene Codecs, als heute. DV, DVCAM, ...
Diese Codecs komprimierten das Material weit weniger, als die heutigen HD-Codecs, wie AVCHD, HDv,...
Die HD Codecs sind jedoch sehr rechenintensiv bei der Nachbearbeitung. Zumindest AVCHD.
(mindestens DualCore-Prozessor benötigt, Quadcore dringend empfohlen!)

Hat man sich mal entschieden, kann man sich anhand der nächsten Liste ein paar genauere Gedanken zum Modell machen.
Je mehr Features man haben will, desto mehr muß man auch bereit sein an Geld auf den Tisch zu legen.
Natürlich sollte man auch beachten, daß der eigene Rechner auch mit den Datenmengen zurechtkommt, wenn man sich eine HD-Kamera zulegt.
Ansonsten kann schnell mal ein neuer Rechner fällig werden oder man schneidet in Zeitlupe weiter...

Für normale Ansprüche:
S/W-Sucher (ist schärfer), (ist bei neueren HD-Kameras i.d.R. hochauflösend genug)
3 CCD-System (3 Chips - bessere Farbtrennung, leichteres Keying möglich, Chipgröße möglichst groß wählen)
oder
CMOS-Chipsystem (mom. noch nicht sehr verbreitet.)
Externe Anschlüsse für Kopfhörer und Mikrofon (i.d.R. Klinken- oder Chinchstecker, XLR-Stecker wären noch besser, gerade was längere Kabel angeht)
Stereo sollte es schon sein (hat heute eigentlich jede Kamera)
Außendisplay (nicht nur im Sucher, ist bei neueren HD-Kameras ggf. sogar in HD-Auflösung vorhanden)
Einstellmöglichkeit am Objektiv für manuellen Focus (das ist im Prinzip für gescheites Filmen schon wichtig!)
Manuelle Einstellungsmöglichkeiten für Blende, Zoom, etc.
(die "Auto"-Funktionen sind in der Regel nicht so zu gebrauchen, als wenn man das von Hand einstellt, deswegen empfehle ich die manuellen Funktionen.)
für Digital-Modelle: Firewire/iLink (DV out) oder USB.
Fernsteuerungs-Möglichkeit zur Aufnahme (egal ob Kabel (LANC) oder IR)
Manueller Weißabgleich ist i.d.R. besser als die voreingestellten Programme.
Möglichst große Objektiv-Durchmesser
evtl. verschiedene Shutter-Programme
Hat man eine Kamera ohne manuellen Focus, sollte man wenigstens darauf achten,
daß man eine kabelgesteuerte Hinterkamera-Fernbedienung mit Focus-Funktion/Zoomwippe anschliessen kann.

Für gehobene Ansprüche:
Wechselobjektiv-System,
XLR-Audio-Anschlüsse,
Möglichkeit zur Programmierung der Kamera,
zusätzliche Möglichkeit zum Anschluß externer Festplatten, etc.
Fernsteuerungs-Möglichkeit für z.B. Hinterkamera-Fernbedienung (LANC-Anschluß) ist "Pflicht".

Generell gilt:
Bei der Kamerawahl sollte natürlich auch die Lichtempfindlichkeit (je größer das Objektiv, desto besser) mit berücksichtigt werden,
die Möglichkeit, am Objektiv noch Filter (ND-Filter, zirkulare Polfilter) aufschrauben zu können,
Das Kameragewicht spielt manchmal eine Rolle (z.B. bei Flugreisen oder der Benutzung eines Schwebestativs)

Generell bin ich der Meinung, man sollte lieber etwas mehr Geld für eine Kamera ausgeben, als sich hinterher zu ärgern,
weil man z.B. bestimmte Tutorials aufgrund der Kamera-Beschränkungen nicht nachmachen kann.
Je mehr der o.g. Features eine Kamera hat, desto teurer wird sie natürlich auch..
Vernünftige SD-Kameras bewegen sich derzeit im Preisrahmen ab 800-1000,-€ aufwärts...
Die Preise für Kameras schwanken je nach Händler sehr stark (teilweise bis zu 500,-€!!!), so daß ein Preisvergleich nie schaden kann.
Auch ein Besuch im Elektromarkt kann nie schaden, um sich mal ein genaueres Bild von seinem neuen Liebling zu machen.
Da es verschiedenste Möglichkeiten gibt, seinen Film in der Kamera zu speichern, will ich hier noch kurz auf die diversen Varianten eingehen.
Wer verschiedene getestete Modelle vergleichen will, kann das hier (Slashcam) tun.
Ihr könnt dort aus der Liste links bis zu drei Kameras mit STRG anwählen und dann direkt nebeneinander vergleichen.

Unterschiede bei den Aufzeichnungsmedien:
Videokassette/Band
pro:
relativ günstig
gut archivierbar
wenig komprimiert (gut verarbeitbar)
contra:
Das Laufwerk arbeitet mechanisch, weshalb ein natürlicher Verschleiss unvermeidbar ist.
Das Überspielen des Materials dauert noch einmal die gleiche Zeit, die auch gefilmt wurde.
Ein Band sollte nicht zu oft überspielt werden, da sonst Dropouts entstehen können. (je nach Qualität ab 3-10 Überspielungen)

Karte
pro:
Szenen können simpel am Drehort wieder gelöscht werden
schnelles Überspielen
beliebig oft überspielbar
contra:
Archivierung sehr teuer.
komprimierte Aufzeichnung

DVD
pro:
direkt auf dem DVD Player abspielbar
contra:
Stossempfindlich
schlecht bearbeitbar aufgrund komprimierter Aufzeichnung

Festplatte
pro:
Szenen können simpel am Drehort wieder gelöscht werden
schnelles Überspielen
beliebig oft überspielbar
contra:
Stossempfindlich
Das Laufwerk arbeitet mechanisch, weshalb ein natürlicher Verschleiss unvermeidbar ist.


Die verschiedenen Camcorder-Arten im Vergleich:

Consumer Camcorder - point ´n shoot
Kleine handliche Camcorder. Hier ist es häufig schwierig, manuelle Einstellungen vorzunehmen, da man sich hierfür erst durch etliche Menüs wühlen muss.
Vor allem haben diese Geräte meist keinen Schärfering am Objektiv. Von daher ist das manuelle Fokussieren schonmal fast nicht möglich.
Allerdings funktioniert die Automatik zumindest bei guten Lichtverhältnissen ganz gut.
Diese Geräte haben meist keinen Klappsucher, wodurch nur über das Display gefilmt werden kann.
Durch den kleinen Sensor haben diese Geräte eine hohe Schärfentiefe. Der Camcorder passt das Bild häufig schon an und zeichnet es scharf.
Hierdurch wirkt das Material auf den ersten Blick zwar besser, bietet aber nur wenige szenische Reserven in der Nachbearbeitung.

Prosumer Camcorder - z.B. für Doku
Grosse Geräte, häufig mit einem Tragegriff ("Henkelmann").
Dazu ein Mikrofon, das den meisten Consumern überlegen ist. Auch bieten sich hier teilweise XLR-Anschlüsse,
um ein externes Mikro anzuschliessen.
Alle Bedienelemente sind gut zu erreichen und manuelle Einstellungen sind im Handumdrehen vorgenommen.
Der Sensor ist etwas grösser, als derjenige der Consumer, wodurch auch eine geringere Schärfentiefe möglich ist.
Der Sucher ist eine grosse Hilfe und lässt den Bildeindruck besser bewerten, als ein Display.
Durch die Grösse und das Gewicht der Kameras lassen sich diese weitaus ruhiger halten, als Consumer oder DSLR.
Mit etwas Geschick und Ahnung läßt sich aber auch hier ohne Probleme szenisch filmen und der "Kinolook" erzeugen.

DSLR - szenisch (Kinolook)
Eigentlich zum Fotografieren entwickelt, aber inzwischen teilweise mit einer sehr guten Videofunktion gesegnet.
DSLR haben einen großen Sensor, wodurch sie sehr lichtempfindlich sind. Zudem kann man hier das Objektiv wechseln.
Die Schärfentiefe ist durch den grossen Sensor sehr gering, kann allerdings durch Abblenden erhöht werden.
Ohne Zubehör, wie Displaylupe, Rig, externe Tonaufzeichnung ist es sehr schwierig mit diesen Geräten gut zu arbeiten.
Rolling Shutter ist noch ein Nachteil, der der Bediener einschränkt, soweit er diese Effekte vermeiden will (schnelle Schwenks/Bewegungen vermeiden).
Einen guten Autofokus besitzt leider keine der momentan angebotenen DSLR-Kameras
Mit DSLR lässt sich aus diesen Gründen fast ausschliesslich szenisch Filmen.

Und noch eine kleine aber feine Randnotiz:
Man wird immer noch eine Kamera finden, die mehr kann und die man haben möchte... Man sollte lernen, damit zu leben und die Grenzen seines Modells zu akzeptieren... Und dann geht man raus in die Welt und dreht tolle Filme... Wenn man später doch noch was Besseres möchte, kann man immer noch upgraden.
Für erste Schritte reicht i.d.R. ein einfacheres Modell, da nicht die Filmqualität, sondern der Inhalt für den Zuschauer entscheidend ist.
Der "Herr der Ringe" wäre auch in VHS-Qualität super angekommen, da der Zuschauer eine schlechte Bildqualität viel eher verzeiht als inhaltliche Fehler...!
Die Bildqualität hängt also nicht nur von der Technik ab. Kameraführung und Bildinhalt spielen ebenfalls eine grosse Rolle.
Wenn man weiss, was man tut, holt man aus jeder dieser Kameras ein klasse Motiv.
Gerade bei dem momentanen DSLR-Hype wird das gerne häufig übersehen, zumal es aber auch schon die ersten Videokameras mit Wechselobjektiven gibt.
Für Videokameras gibt auch sogenannte 35mm-Adapter, die vor die Kamera geschraubt werden und mit denen man ohne viel Einstellungen die Tiefen(un)schärfe
bekommt. Dazu benötigt man dann aber auch noch Foto-Objektive verschiedener Brennweiten und dafür fallen natürlich zusätzliche Kosten an
und es geht etwas mehr Licht verloren, so dass man auf gute Ausleuchtung achten muss.
Es gibt aber auch Selbstbauanleitungen von findigen Bastlern hierfür, wer also Zeit und bastlerisches Geschick hat, kann sich daran versuchen.
Wenn man szenisch filmt, benötigt man eh Licht/Reflektoren/etc, sonst nutzt einem die beste Kamera auch nichts.
Und mit dem passenden Licht lassen sich mit jedem Camcorder gute Bilder einfangen, dazu braucht man nicht zwingend eine DSLR-Kamera.
Auch die sehr beliebte geringe Schärfentiefe lässt sich beim szenischen Filmen mit nahezu jedem Camcorder erreichen,
sofern dieser ausreichend manuelle Einstellungen bietet.
Wenn man dokumässig filmt, kann man bei einem Prosumer alle wichtigen Einstellungen auf dem Weg von Kameratasche zum Kamerastandpunkt vornehmen.
Mit Consumern und DSLR ist das als Anfänger nicht so einfach möglich. Trotz allem hat man im Falle der DSLR natürlich auch gleich einen schicken Foto dabei.

Trotz allem für und wider ist Filmen für mich in erster Linie ein Hobby und jeder muss für sich selbst wissen, wie exzessiv er sein Hobby betreiben will und
wieviel Einstellungen er selbst vornehmen will und wieviel Zeit und Geld er dafür verbraten will.
Dass es sich lohnen kann, wird hier im Forum immer wieder bewiesen...!


(Ergänzt mit Tipps des Users "Latz" - Danke.) ;)
Wenn Amateurfilmen einfach wäre, hieße es RTL.

Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Purzel« (29. Mai 2011, 11:56) aus folgendem Grund: Ergänzung mit Tipps des Users "Latz".


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