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Jazzman

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1

Donnerstag, 13. Juli 2017, 09:59

Schulterstativ vs. Steadycam

Hallo,
was wäre im Amateurbereich eurer Meinung nach eine sinnvollere Anschaffung, wenn es darum geht, verwackelungsfreie Bilder mit einer DSLR oder Systemkamera aufzunehmen?

Eine einfache Steadycam wie diese hier? https://www.amazon.de/dp/B06WVRM5BL
Oder eher ein Schulterrig? https://www.amazon.de/gp/product/B00EYGBY6A/

Es geht um Situationen wie Closeups einer laufenden Person oder einfache "Kamerafahrten" mit Handkamera. Klar, mit dem Rig kann man noch andere Probleme wie die Befestigung von Mikros und Sonnenblenden lösen, wärend ein Schwebestativ sicher im Zweifel die wackelfreieren Bilder produziert. Aber wozu würdet ihr mir ganz praktisch raten?

Lierov

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2

Donnerstag, 13. Juli 2017, 11:15

es kommt tatsächlich darauf an, was für ein Ergebnis du filmtechnisch erzielen möchtest. Im besten Fall hast du beides am Start, denn beide Varianten haben ihre spezifischen Einschränkungen.
Ich persönlich habe nur ein Rig und kann mit den Einschränkungen in den meisten Fällen ganz gut leben. Hatte mal für kurze Zeit eine Steadycam, bin aber einfach nicht mit warm geworden.
Für Kamerafahrten hatte ich vorher schon Dolly und Slider. Das Hauptproblem bei diesen beiden ist, dass sie sehr viel Platz bei der Lagerung und dem Transport in Anspruch nimmt.

Die Hauptprobleme bei einer Steadycam sehe ich nach wie vor darin, dass a) sich Schärfeverlagerungen schwierig realisieren lassen, b) man im Prinzip nur weitwinklige Objektive benutzen kann und c) man sich in das Ausbalancieren der Kamera reinfuchsen und Bewegungsabläufe erstmal üben muss.
Also Steadycam kaufen - Kamera drauf schrauben und losfilmen wird sicherlich nicht zu den gewünschten Ergebnissen führen. Ich habe da noch das Erstlingswerk eines Jungfilmers vor Augen, der ein Musikvideo machen wollte und sich kurz vorher eine Steadycam gekauft hat. Das Ergebnis sah dann so aus, dass vom Sänger in diversen Szenen die obere Hälfte des Kopfes fehlte oder der Kopf alleine in der unteren Kante des Bildes zu sehen war und dabei weniger als 5% des Bildes einnahm (Siehe Foto). Dafür waren die Kamerafahrten butterweich! :-)

Beim Rig hast du dann das Problem dass du eben keine butterweichen Kamerafahrten hast und auch der Einsatz von Teleobjektiven kann problematisch werden. Ich persönlich finde aber die latente Unruhe des Bildes die beim Einsatz eines Rigs auftritt für szenische Filme häufig sehr passend. Natürlich gibt es diverse Fälle, wo eine butterweiche Kamerafahrt oder sogar eine statische Einstellung die bessere Wahl ist. Aber das hängt davon ab, was für eine Wirkung man konkret mit dem Bild erzeugen möchte.
»Lierov« hat folgendes Bild angehängt:
  • 1x1.jpg
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Jazzman

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3

Donnerstag, 13. Juli 2017, 11:28

Danke für die Erläuterung. Sowas in der Richtung hatte ich mir schon gedacht. Etwas Einarbeitungszeit rechne ich so oder so mit ein.

Tiger

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4

Donnerstag, 13. Juli 2017, 18:58

Die einfachen Steadycams taugen nur für leichte Kameras/Objektive, sonst fault einem nach wenigen Minuten der Arm ab. Wenn zusätzliches Equipment wie ein Monitor/Recorder zum Einsatz kommt ist es eh vorbei mit den Dingern, dann braucht man ein richtiges System mit Weste und Stabi-Arm. Da gehen schnell paar1000 € für drauf. Ich würde eher ein Rig für den Freihand Einsatz empfehlen und einen Selbstbau-Dolly für Kamerafahrten. Bastelanleitungen gibt es jede Menge im Netz.

Diramus

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5

Donnerstag, 13. Juli 2017, 20:56

Die großen Vorteile beim Schulterstativ ist die Fähigkeit einen Follow Focus anzubringen und das man mit einfachen Mitteln ziemlich viel Zubehör, wie Monitor, Richtmikro, Mattebox zusätzlich anbringen kann. Ebenso hast du im Stand eine relativ gute Stabilisierung. Machst du jedoch einen Schritt wirds schon schwierig. Für eine solche "Kamerafahrt" ist dann eher ein Schwebestativ oder elektronisch stabilisiertes Gimbal oder ganz einfach Dolly/Slider geeignet. Jedes dieser Drei "beweglichen Stative" erzeugt einen ganz eigenen Look, jedoch kannst du Dolly- und Slideraufnahmen relativ gut mit einem Gimbal und etwas Übung imitieren. Mehr Übung benötigt hingegen das Schwebestativ. Hierfür würde ich nach Kauf eine Woche Übung einplanen (so hab ichs gemacht; es gibt tonnenweise gute Tutorials auf YT). Ich habe mittlerweile mein Schulterstativ zum Verkauf stehen, da ich es seit einem halben Jahr nicht mehr genutzt habe.

movie-grinder

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6

Donnerstag, 13. Juli 2017, 21:39

ich bin ein grosser steadycam fan, ich hab schon vor 20 jahren mir der steadycam jr. rum gemacht und damit tolle dinge gedreht von musikclips über imagefilm und szenische kurzfilme. die köglichkeit eine kamera frei im raum schweben zu lassen ist toll und cineastischer wirds dann auch nicht mehr.

aber eine steadycam bringt natürlich auch einen haufen systembedingter unzulänglichkeiten mit sich.

hast du eine steadycam wie die die du auf amazon gefunden hast, also ohne weste, dann fällt dir nach sehr kurzer zeit der arm ab mit der du das ding hälst. d.h. du rückst einen ellenbogen zwangsläufig an den körper ran um das gewicht abzustützen. das ist natürlich für butterweiche bewegeungen sehr kontraproduktiv. also lange filmen geht nicht.

eine steadycam ist ein windfang. das das gewicht ober und unterhalb des gimbels gleich verteilt ist bedeutet natürlich nicht das die aerodynamik ebenfalls gleich ist. das bedeutet jedes bissel wind bring deine steadycam aus der balance.

steadycam und eine kamera sind ebenfalls dinge die sich wiedersprechen. eine kamera auf eine steadycam zu schrauben und das dann auszubalancieren dauert zeit. wenn du das ganze dann auch noch draussen machen must ohne einen tisch oder stativ und ohne ein zelt als windschutz bekommst du die pockenpest. deswegen macht man das auch nicht sondern legt sich eine weitere kamera zu die auf dem ding fest montiert bleibt. objektivwechsel sollte man natürlich ebenfalls vermeiden, weil gerade bei den hand-held steadycams super leichte kameras zu beforzugen sind und da ist dann der unterschied im gewicht des objektives schon deutlich was wieder neues ausbalancieren notwendig macht.

also eine steadycam ist eine tolle sache. die bilder die du damit machen kannst sind super. aber es kommt halt auch mit einem riesen haufen mist daher den du erstmal lösen must. was oben schon geschrieben wurde das man übung braucht und das das mit der schärfe alles nicht so einfach ist kommt noch oben drauf, das wollte ich nur nicht wiederholen.

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