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Mefisto

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Dienstag, 18. März 2014, 12:23

Farben in der Postproduktion - Workflow

Hallo!

Ich filme jetzt seit einiger Zeit mit der DSLR und interessiere mich auch extrem für Technik in diesem Bereich (vor allem wie man mit kleinem Geldbeutel qualitativ hochwertige Resultate hinbekommen kann). Mir wird aber immer klarer, dass dieses ganze Technikzeug zwar ne nette Spielerei ist, aber letztendlich doch nur einen kleinen Teil des Endergebnisses verbessert. Sprich: Ein erfahrener guter Filmemacher kann mit minimalem Equipment ein super Video machen, während ein relativer Anfänger wie ich mit teurem Equpment vermutlich ein eher lumpiges Resultat zustande bekommt. Deswegen ist mein Neujahresvorsatz (auch wenn wir schon März haben ;-)), mich mehr in die Details der Produktion und Post-Produkton reinzufuchsen und dort ne Menge zu üben und rumzuprobieren.

Aktuell hänge ich daran, einen guten Workflow für die farbliche Nachbearbeitung zustande zu bekommen. Das ganze klappt zwar meistens, irgendwie sieht das Video dann nach was aus, aber mich würden da trotzdem mal Expertentipps interessieren, wie man in diesem Bereich am besten vorgeht. Momentan mache ich das wie folgt:

1. Aufnahme mit meiner 550D im Cinestyle (technicolor preset) und den von ihnen vorgeschlagenen Werten. Nach ausgiebigem Testen bin ich sehr, sehr überzeugt von den Möglichkeiten, die das Preset bietet

2. Ich versuche, möglichst ein realitätsnahes Bild zu erreichen:
2.1 Mittels dem Histogramm und der Tonwertspreizung der Premiere Pro 3-Wege-Farbkorrektur mache ich dunkle Stellen schwarz und helle Stellen weiß, ohne dunkle Stellen/Highlights zu verlieren.
2.2 Mit dem mittleren regler spiele ich so lange rum, bis mir die Helligkeit der Aufnahme realistisch erscheint.
2.3 Anschließend gleiche ich mit den 3 Farbreglern die Farbe an, bis mir der Weißabgleich treffend erscheint.

3. Das realitätsnahe Bild Color-Grade ich jetzt entsprechend dem gewünschten Stil
3.1 Hierfür nehme ich in der Regel den RGB-Kurven Effekt, manchmal auch die 3-Wege-Farbkorrektur (aber als weiteren Effekt, nicht den selben wie oben).
3.2 Ich spiele solange rum (also grob weiß ich natürlich was passiert, ich ziehe nicht einfach irgendwo dran) bis mir das Endergebnis gefällt.

Wo ich mir nun unsicher bin ist folgendes: Ich verändere das Bild ja quasi doppelt. Erst mache ich es neutral, dann passe ich die Farbe an wie es mir gefällt. Logisch gesehen scheint es mir praktisch zu sein, aber geht durch dieses "doppelte" anpassen Qualität verloren? Wie genau macht ihr das mit den Farben in der Postproduktion?


Viele Grüße und danke im Voraus!

joey23

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Dienstag, 18. März 2014, 13:06

Ließ dich hier mal rein:
http://splicevine.com/july-color-correction/

Logisch betrachtet: Solange du dein Video nicht im neutralen Status rausrenderst macht es keinen Unterschied, dass du es erst neutralisierst und dann den Look drüberlegst. IMHO ist das so auch die sinnvollste Art.

TEXOFilme

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Dienstag, 18. März 2014, 13:12

Hallo @Mefisto!

Ich habe einen sehr Ähnlichen Workflow in der Farbkorrektur, darum gehe ich mal auf deine einzelnen Punkte ein:

1. Cinestyle: Das benutze ich auch seit Jahren. Allerdings gibt es dabei ein paar Kniffe zu beachten. Deine Belichtung solltest du immer in dem Standart Bildstil oder in einem neutralen (aber kontrastreicheren) Bildstil einstellen und erst bevor du den Aufnahme Knopf drückst, in den Cinestyle gehen. Dadurch kannst du besser einschätzen, wie das Bild am Ende aussehen kann/soll. Dann lieber etwas heller belichten (ohne dass dir Stellen im Hostogramm ganz ausbrennen) und in der Farbkorrektur runterregeln, denn in den dunklen Stellen der Aufnahme entsteht das meiste Rauschen.
2.1 In Premiere solltest du dir neben deinem Programmmonitor, in dem du das Resultat siehst, auch den Referenzmonitor dazu schalten. Ich stelle mir den immer auf Waveform oder RGB-Parade, um genau zu sehen, wo meine Farbwerte liegen. Dein Auge und der Bildschirm können dich täuschen, das Histogramm nicht. Ich ziehe mir dann mithilfe der Tonwertkorrektur die Schwarzwerte so hin, dass sie gerade so die Nulllinie berühren. Die Weißwerte entsprechend nach oben. Natürlich nur, wenn sich auch Weiß und Schwarz im Bild befindet. Wenn nicht, bringt es nichts, zuviel Kontraste ins Bild zu ballern.
2.2 Die Helligkeit stelle ich mit dem mittleren Regler nach Bedarf nach. Helfen würde da eine 50% Graukarte, mit der du genau herausfinden kannst, wo die "Mitte" liegt. Wie gesagt - vor allem wenn du lange auf das gleiche Bild starrst, kann dich dein Auge täuschen.
2.3 Vor allem beim Weißabgleich solltest du dich nicht ausschließlich auf dein Auge verlassen. Ich stelle ihn aus stilistischen Gründen zwar manchmal auch absichtlich etwas kälter/wärmer ein, aber du solltest versuchen, dass zumindest die Clips untereinander angeglichen sind. Dabei schaue ich immer auf die RGB-Parade und versuche die Rot-, Grün- und Blauwerte so gut es geht auf ein Level zu bringen. Ich fange mit einem Clip an und gleiche dann meistens alle anderen in der Szene an. Das mache ich eher selten mit der Dreiwege-Farbkorrektur sondern mit der Farbbalance und/oder Tonwertkorrektur in Farbkanälen, aber das kommt aufs gleiche raus. Ist wohl eher Geschmackssache.

3.1 Ich nehme auch die Kurven, aber auch das ist Geschmackssache. Ich hab's auch mit Magic Bullet Looks probiert, aber konnte mich damit nicht anfreunden. Im Endeffekt sind das alles auch nur Werkzeuge, mit denen jeder anders klarkommt. Viele Tipps kann man dabei kaum geben. Das ist ja eher eine stilistische Frage. Ich zum Beispiel mag eher moderne kontrastarme Bilder, anstatt zuviele Kontraste oder leuchtende Farben.
3.2 Ja, so ähnlich sollte man das (vor allem am Anfang) auch machen, denn wie soll man sonst herausfinden, was welches Werkzeug macht. Irgendwann findet man da seine Methoden und weiß genau, auf welches Werkzeug man zugreifen muss, um eine gewünschte farbliche Anpassung zu erzielen.

Das "doppelte" Verändern des Bildes ist durchaus üblich. Du versuchst mit deiner primären Farbkorrektur (Color Correction) alle "Fehler" zu beseitigen und die Clips aneinander anzugleichen. Das mache ich für jede Szene seperat. Die sekundäre Farbkorrektur (Color Grading) gibt dann meiner Szene den entsprechenden Look. Ich weiß nicht, welche Version von Premiere du hast. Ich nutze CS6 und da kannst du mit einer Einstellungsebene eine ganze Szene angleichen, ohne die Effekte Clip für Clip zu kopieren. Ich mache die primäre Korrektur auf jedem Clip einzeln und lege mir dann eine Einstellungsebene jeweils über eine Szene und stelle mir dort, wie oben beschrieben, meinen gewünschten Look ein.

Ich hoffe, das hilft! :)

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Mefisto

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Dienstag, 18. März 2014, 13:57

Danke für die Antworten! Der Link ist interessant, fast schon zu interessant - es geht ja scheinbar auch ne ganze Menge um äußere Einflüsse bei der Farbkorrektur. Das sind Dinge, die ich später sicher berücksichtigen kann (Schnittraum, Echtfarben-Monitor, etc.) aber vorerst aus Geldgründen vernachlässigen muss und auch will. Aber es ist sicher gut zu wissen, unter welchen Einschränkungen man momentan übt und deswegen lieber auf mehreren Monitoren unter verschiedenen Bedingungen das Ergebnis nochmal gegenzuprüfen! Was ich so aus dem Teil über die letztendliche Farbanpassung rausgelesen habe überschneidet sich ja einiges mit dem Workflow den ich beschrieben habe...

@TEXOFilme: Danke für die ausführliche Antwort! Das mit dem Referenzmonitor meinte ich in meinem Ausgangspost mit "Histogramm" (war wohl falsch genannt) - der ist wirklich sehr hilfreich. Ansonsten werde ich das mit dem Kontrasreicheren Bildstil für den LiveView mal ausprobieren, da bietet die Magic Lantern Firmware ja sogar eine Einstellmöglichkeit für ("Anderer Bildstil für Aufnahme").

Bezüglich des angesprochenen Weißabgleiches habe ich mich mal etwas umgesehen und bin mehrfach auf Empfehlungen für die X-Rite Tafel gestoßen. Sie scheint eher für Fotografen zu sein, hat jemand Erfahrungen damit gemacht im Bereich Film?

pascal

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Dienstag, 18. März 2014, 14:51

Wenn du eine Graukarte vor dem Take hälst, dann wird die Farbkorrektur leichter, weil du dann weniger raten musst.

Zu 2.1:
Vorsicht. Als Faustregel kann das nicht zutreffen, da es Szenen geben kann, wo es kein pures Schwarz (kein Licht) oder pures Weiß (max Licht) gibt. Stell dir vor du bist in einem Raum mit graugekachelten Wänden. Da würde man nicht alles auf Schwarz-Weiß ziehen nur damit es den Luminanzbereich füllt.

Zu 2.2
Da kann man auch mit Richtlinien arbeiten, in dem man sich die Helligkeit von einzelnen Stellen anschaut und dann entsprechend skaliert.
Siehe: Ansel Adams zone system

Zu 2.3
Schau auch ins Vectorscope und guck dir die Skintones an (da gibts eine Skinline die den Mittelwert zeigt). Wenn die Skintones erstmal passen per Hue/3-way-color dann hat man schon eine sehr gute Basis.

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