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Schattenlord

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Montag, 11. Januar 2010, 02:44

Farbkorrektur - Oder auch: Wie man ein Bild unvergesslich macht

F a r b k o r r e k t u r
Oder auch: Wie man ein Bild unvergesslich macht

Nachdem ich in letzter Zeit häufiger darauf angesprochen wurde, was denn wichtig ist für eine gute Farbkorrektur und wie man denn eine durchführt, habe ich beschlossen, einmal ein Tutorial zu dem Thema zu verfassen. Natürlich habe ich mich vor dem Tutorial ein wenig über das Thema informiert, was „allgemein gültig“ ist, allerdings beruht der größte Teil des Tutorials auf subjektive, individuelle Erfahrungen, die ich gesammelt habe. Es hängt immer vom Betrachter ab. Aber ich werde versuchen, es so objektiv wie möglich zu gestalten. Dennoch kann es natürlich sein, dass es, jetzt mal an unsere ganzen Mediengestalter hier, von dem was zum Beispiel in Filmschulen und dergleichen gelehrt wird, abweicht. Ich bin halt kein Student, wie gesagt. ;)
Im Übrigen find ich es sowieso Blödsinn ein vorgeschriebenes Muster zu verwenden, ganz einfach, weil es eine individuelle Entscheidung ist, wie man eine Farbkorrektur durchführt. Noch etwas: Ich beziehe mich in diesem Tutorial (fast) ausschließlich auf die digitale Farbkorrektur, die im Nachhinein am PC angewandt wird.
Was ich gleich vorweg nehmen möchte: Jeder Mensch hat einen anderen Geschmack. Das heißt, jeder sieht Bilder anders, jedem fallen andere Kleinigkeiten ins Auge. Also versucht auch jeder, das Bild auf seine eigene Weise zu interpretieren.
Meistens sollen Bilder aber eindeutig sein. Egal welchen Weg man wählen will – in beiden Fällen kann eine Farbkorrektur dazu beitragen, den Zuschauer noch mehr in eine bestimmte Richtung zu bewegen, die Richtung, die der Regisseur vorgesehen hatte. Diese Richtung sieht aber halt bei jedem anders aus.
Die einen, wie zum Beispiel ich, legen sehr viel Wert auf eine gute, umfassende Farbkorrektur, die gern auch ein bisschen übertrieben sein kann, um den Aussagewert des Bildes zu erhöhen. Andere wiederum mögen es lieber dezent und einfach, sie vertrauen eher auf den Inhalt des Filmes, dabei soll das Bild unterstützend und nicht vordergründig wirken.
Jeder muss für sich selbst den richtigen und besten Weg finden. Das ist eine individuelle Entscheidung, die auch stark von dem Film selbst abhängt. Bei einem Actionstreifen a la Michael Bay lohnt es sich wohl weniger düstere und vielleicht auch kalte Farben zu verwenden, da muss die Farbkorrektur aufregend und warm sein. Ein weiteres Beispiel: Der erste große Auftritt des Bösen, die Musik schwillt dramatisch an, die Stimmung ist feindselig und gepresst: Da ist es wohl nicht ganz so sinnvoll, das Bild mit knalligen, bunten, rosaroten Farben zu überdecken. ;)
Zur Farbkorrektur sollte man deshalb ein paar bestimmte Dinge wissen.

Sie kann:
  • einen psychologischen Effekt erzielen
  • Stimmungen gezielt beeinflussen, also dramaturgisch eingesetzt werden
  • z.B. Tageszeiten verändern, also auch den Informationsgehalt des Bildes
  • Klischees bedienen, in dem sie zum Beispiel eine kulturelle Verbindung zum Bild schafft (Sprich: Filme wie „Die Mumie“ leicht gelbstichig – Pyramiden, Sand, Wüste, Tempel... / Großstadtfilme mehr in grau gelegt – Smog, trist, Autos, Betonbauten…)
  • Symbolischen Charakter aufweisen: In dem sie für etwas steht. So kann natürlich auch politisch eine Richtung gewiesen werden. Die symbolische Farbkorrektur tritt häufig vor allem in der Werbung auf, in der eine ähnliche Farbgebung wie das beworbene Produkt auftritt

Man sieht also, dass man mit Farbe sehr viel anstellen kann.

Farbkorrektur schon im Voraus?

Die richtige Farbkorrektur beginnt eigentlich schon in der Vorproduktion des Films. Wenn ein Regisseur sein Drehbuch umsetzen will, hat er meistens bereits eine gewisse Vorstellung, wie das ganze denn mal aussehen soll. Um diesen Effekt dann aber auch umsetzen zu können, sind viele Dinge wichtig. Die Farbe spielt dabei eine sehr große Rolle. Das war vor einigen Jahren noch nicht so, gerade zur Wendezeit von Schwarz-Weiß auf Farbfilm. Damals galt es zwar als Revolution in der Technik und der Geschichte des Films, aber die Wirkungsweise und Aussagekraft von Farben, wurden unterschätzt. Erst im Laufe der Zeit lernte man, Farbe gezielt als Gestaltungsmittel zu benutzen. Heutzutage wird meistens bereits beim Drehbuch schreiben schon darauf geachtet, dass die Handlung sich mit der dramaturgischen Farbgebung zwischen den Szenen nicht beißt. Verschiedene Dinge spielen da eine Rolle:

  • WO spielt die Szene? Gaaaaanz wichtig. ;) Wenn man im Wald dreht muss man davon ausgehen, dass viel Grün in der Szene dominiert. Grün ist eine Farbe, die unser Auge sowieso besonders sensibel wahrnimmt. Klar, denn grün ist in unserer Umwelt eh dominierend. Schauen wir uns die Wirkungsweise von grün an, erkennen wir, dass sie eher als Hoffnungsträger fungiert. Wir nehmen die Farbe als besonders angenehm wahr. Das heißt, eine Verfolgungsjagd in einem Wald bei Tag zu drehen, hinterher nur schnell den Kontrast anzuheben und fette Mucke drunter zu schieben, und dann hoffen, dass das ganze möglichst dramatisch wirkt – nunja, ich denke, verfehlt wäre das richtige Wort. ;) Die gleiche Szene bei Sonnenuntergang zu drehen und zum Schluss das ganze noch ein wenig rotstichiger zu machen, wäre viel sinnvoller. Rot wirkt aufregend und symbolisiert Gefahr. Somit wäre das ganze schon viel dramatischer.
  • WANN spielt die Szene? Ebenfalls ganz wichtig, nicht nur für den richtigen Weißabgleich. ;) Je nach Tageszeit herrscht eine andere Farbe, bzw. Farbtemperatur vor. Dadurch verändert sich natürlich auch die Wirkung des Bildes. Auch der Kontrast ist ja sehr entscheidend. Wenn die Sonne richtig stark scheint, kann man davon ausgehen, das starke Schatten entstehen, auf die man achten sollte. Außerdem kann man zu solch einer Zeit auch keine Szene drehen, die bei Nacht spielen soll und dann versuchen, es in der Nachbearbeitung zur Nacht zu machen. Das klappt nicht, schon allein wegen den Schatten. Je nach Lichteinfall und Intensität werden Farben stärker dargestellt, also der Kontrast ist höher, oder eben geringer. Ebenso sollte man das Wetter zu seinem Vorteil nutzen. ;) Echter Regen sieht doch besser aus als gefakter.
  • WER spielt in der Szene? Wie schon erwähnt, man kann Personen durch verschiedene Dinge charakterisieren, und die Farbe ist eine Möglichkeit davon. Den Oberschurken im größten Fantasyfilm kann man sich wohl schlecht am Tage mit schönem blauem Himmel vorstellen. :) Eine Rosarote Farbkorrektur wäre auch sicher kontraproduktiv. *g* Ich glaube, hier stimmt wohl jeder mit überein, dass etwas düsteres und dunkles an dieser Stelle angebracht wäre, um die Wirkung ins unermessliche zu steigern und damit die Musik zum Schluss den Zuschauern einen Schauer über den Rücken jagen kann. ;)
  • WAS wird in der Szene gezeigt? Eigentlich das wichtigste. Denn je nachdem, was man mit einer Szene aussagen will (eine neue Erkenntnis, jemand stirbt, oder das Gute gewinnt…), so muss ja auch die Stimmung richtig rübergebracht werden. Und das kann man mit der Farbkorrektur intensivieren. :) So etwas nennt man Farbdramaturgie.

Wenn man schon im Voraus solche Dinge berücksichtigt, kann man im Nachhinein bei der Farbkorrektur viel Zeit sparen und die Wirkung natürlich erhöhen. Außerdem kommt man so näher an seine eigene Vorstellung heran.
Auch lohnt es sich oft, im Voraus ein Farbschema zu entwerfen, welche Farben in den jeweiligen Szenen dominieren sollen. So kann man bereits beim Dreh darauf achten, im richtigen Licht und so weiter die Szene zu gestalten.
Dies gilt auch, sogar besonders, bei Schwarz-Weiß Filmen. Viele denken ja immer, Schwarz-Weiß Filme wären am einfachsten zu machen. Drehen, in der Nachbearbeitung Sättigung rausnehmen und bissel Kontrast anheben, fertig. Das ist falsch. Gerade bei Schwarz-Weiß Filmen gehört viel mehr Arbeit dazu, manchmal sogar mehr, als bei Farbfilmen. Denn hier können die falschen Kontraste falsche Bildwirkungen hervorrufen oder das ganze auch recht flach wirken lassen. Farben geben mehr räumliche Tiefe. Bei Schwarz-Weiß ist die Bandbreite ziemlich eingeschränkt. Deshalb sollte man da auch Hintergrund und Vordergrund einzeln korrigieren, damit zum Schluss das Bild am Besten zusammenpasst. Bedeutet aber auch schon beim Dreh darauf zu achten, alles ordentlich zu beleuchten und die richtigen Farben zu verwenden (Jeder farbige Gegenstand gibt zum Schluss einen anderen Kontrast bei Schwarz-Weiß).

Farbkorrektur in Adobe After Effects

Wenn wir nun gedreht haben und geschnitten, folgt nun die Farbkorrektur unseres Films. Wie schon am Anfang erwähnt, ist dieses ja recht individuell, je nach Szene und Farbschema. Ich möchte euch jetzt einmal an einem praktischen Beispiel von mir zeigen, wie ich das in einer Szene von „Die Porzellanpuppe “ gehändelt habe. Dabei nutz ich ein Schema, welches relativ häufig so in der Art bei mir zum Einsatz kommt. Außerdem hat man hier auch gleich mal ein gutes Beispiel, wie man die Tageszeit in der Farbkorrektur ganz einfach verändern kann. ^^
Ich nutze Adobe After Effects CS3, auf Deutsch. Eigentlich nur Bordmittel, die in jeder Version dabei sein dürften.
Übrigens könnt ihr euch die Projektdatei samt Footage HIER herunterladen, um die einzelnen Schritte besser nachvollziehen zu können, oder um einfach selbst mitzumachen. :)
Hier haben wir unser Ausgangsbild:



So sah der Shot vor der Farbkorrektur aus. Ich habe ihn bereits in der Bildgröße und Position angepasst (leicht gedreht, um den Horizont zu begradigen). Das Farbschema was wir uns bereits im Voraus ausgedacht hatten, sollte ein dunkles Orange-Rot sein. Mit hellen Kontrasten, ein Sonnenuntergang halt. :) Es sollte Farbintensiv, aber auch irgendwie dunkel und bedrückend wirken. Das Farbschema sah folgendermaßen aus:



Übrigens: Ihr könnt auch selbst solche Farbschemen ganz einfach und kostenlos mit Adobe Kuler erstellen. Dies ist eine Internetplattform von Adobe, geht ganz einfach und schnell. :) Ihr könnt die Schemen auch speichern oder sogar in die Creative Suits laden. :) Nur zu empfehlen.

Als erstes habe ich dazu auf den Clip eine Kurven-Korrektur durchgeführt. Die Kurven-Korrektur ist mit eines der mächtigsten Mittel in der Farbkorrektur. Man kann den Kontrast individuell anpassen und verändern und auch verschiedene Farben in den Vordergrund heben. Genau dies habe ich auch getan. Ich habe als erstes den Kontrast etwas angehoben (eine leichte S-Kurve im RGB Channel), danach habe ich den Rotwert etwas nach oben verschoben und den Blauwert etwas rausgenommen.
Hier mal einzeln, damit man es erkennen kann:



Was hat das gebracht? Wir führen die Hauptfarben des Bildes mehr dem zu, was bei einem Sonnenuntergang zu sehen ist. So passt es allerdings noch nicht mit dem ausgedachten Farbschema zusammen. Aber bevor wir weiter die Farbe korrigieren, fehlt ja noch etwas Wichtiges: Die Sonne. :)
Für diese habe ich einen einfachen Standart Lens-Flare von After Effects auf eine neue Schwarze Farbfläche verwendet, weil ich finde, dass dieser einfach am Besten gepasst hat.
Von diesem Lensflare habe ich einfach die Sättigung etwas raus genommen, und ihn mit dem Gauschen Weichzeichner etwas unschärfer gemacht.
Nicht vergessen den Modus auf „Negativ multiplizieren“ zu stellen. Nun sieht das schon besser aus:



Allerdings fehlt immer noch dieser Orange Sonnenuntergangs-Look. Um diesen Effekt zu erzeugen, erstellen wir eine neue Farbfläche und stellen den Modus auf „Farbe“. Auf diese Farbfläche wenden wir nun einen Farbverlauf an. Wir gehen also auf „Effekt“, „Generieren“ und dort auf „Verlauf“. Nun haben wir einen Farbverlauf generiert, der Standardmäßig vom oberen bis zum unteren Bildrand in der Mitte verläuft. Daran wollen wir auch nichts ändern, sondern wenden uns gleich den Farben zu. Wir nehmen unser Farbschema wieder zur Hand. ;) Von diesem setzen wir die erste Farbe gleich der Anfangsfarbe des Verlaufes. Das gleiche tun wir mit der letzten Farbe des Schemas und dem Verlaufsende. So sieht das ganze natürlich absolut übertrieben aus, weil die Farben alle anderen überdecken. Deshalb stellen wir die Deckkraft der Farbfläche zurück auf 54%. Schon besser. :)
Die Farbe der Farbfläche überwiegt zwar noch (um die Hälfte zu den anderen), aber die Originalfarben scheinen immer noch durch.
Ich benutze bei jedem Shot solch eine Farbflächen-Farbanpassung. Natürlich nicht immer so krass, das kommt immer ganz auf die Szene an und muss man individuell anpassen. Es kommt auch immer ganz aufs Farbschema drauf an. Das Ergebnis sieht nun so aus:



Das ist doch schon mal gar nicht so schlecht, kommt nah an dem, wie es geplant war. Wir sind aber noch nicht fertig. Jetzt kommt etwas, was ich bei jedem Shot mache. Es sieht dadurch, finde ich, einfach echter, mehr aus einem Guss, aus.
Wir duplizieren das Ausgangsvideo mit der Kurvenkorrektur (STRG-D). Es dürfte genau über dem Original liegen. Dort soll es auch bleiben.
Bei diesem verändern wir nun die Kurven – wir bringen sehr viel Kontrast ins Bild, ziehen also den unteren Punkt der S-Kurve bis fast ganz nach unten. Der obere bleibt wo er ist. Als nächstes wenden wir einen Belichtungseffekt an. (unter „Farbkorrektur“, „Belichtung“ zu finden). Bei diesem stellen wir die Belichtung auf 2,50 und die Gammakorrektur auf 1,20. (Das ist alles sehr individuell. Man muss schauen, wie es zu seinem Shot am Besten passt. Ziel ist es, einen ganz krassen Kontrast zu erzeugen, bei dem die dunklen Stellen alles so gut wie schwarz und die hellen Flächen nahe an weiß sind – aber immer noch ihre Kontur besitzen.) Es empfiehlt sich nun, auch die Sättigung ein bisschen runter zu nehmen, damit die Farben nicht ganz so krass dargestellt werden (in meinem Fall um -11). Als letztes fehlt jetzt noch ein Gauscher Weichzeichner. Auf diesen wenden wir einen Wert von 10 an.


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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Schattenlord« (11. Januar 2010, 10:03)


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Schattenlord

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Montag, 11. Januar 2010, 10:02



Super. Nun haben wir ein wunderbar überzeichnetes Bild der Konturen. ^^ Jetzt könnt ihr die Deckkraft des Clips runtersetzen. Es empfiehlt sich Erfahrungsweise ein Wert zwischen 10 und 18 %. Ich habe mich hier für 12% entschieden.
Was haben wir jetzt gemacht? Wir haben die Konturen stärker hervorgehoben. Sozusagen einen stärkeren Kontrast ins Bild gebracht. Allerdings – anders als bei der Kurvenkorrektur, haben wir hier mehr Kontrolle über die Belichtungsstärke und den Gammawert. Diese Methode habe ich zum Standart entwickelt. Ich nutze sie eigentlich immer, wenn ich eine Farbkorrektur mache.
Als weiteren Schritt habe ich eine neue Komposition geöffnet und unsere Komposition hinein verschoben. Dann habe ich den Maskenzeichner genommen und um die Komposition eine ovale Maske gezeichnet. Dabei habe ich dem obersten Punkt etwas mehr Spielraum gelassen. Als nächstes habe ich eine weiche Maskenkante erstellt – 292 Pixel. Nun haben wir eine tolle Vignette um unsere Komposition. Dadurch wird der Sonnenuntergangs-Effekt noch ein bisschen stärker hervorgehoben.



So, dann fehlt nur noch eins – unser Shot ist im Prinzip schon fertig. Ich füge aber nach der Farbkorrektur immer noch ein leichtes (gefaktes) Filmkorn ins Bild. Gut, das ist absolut Geschmackssache. Manchen gefällts, manchen nicht. Hollywood versucht davon loszukommen und ich setze es extra mit rein. ;) Meiner Meinung nach wirkt aber das Bild dadurch…nunja. Einfach wärmer. Es ist schwierig zu beschreiben. Aber das ist auch jedem selbst überlassen, wie er das Handhaben möchte. :)
Ich habe es folgenderweise gemacht: Ich habe wieder eine neue Komposition erstellt und unsere Maskenkomposition dort hinein verschoben. Dann habe ich eine einfache Körnung hinzugefügt („Effekte“, „Störung und Körnung“, „Körnung hinzufügen“). Vergesst nicht, den Ansichtsmodus auf Endausgabe umzustellen. Unter „Tweaken“ verstellt ihr die Intensität der Körnung auf 0,120 und die Größe genau auf 0. Unter dem Modus „Farbe“ habe ich die Sättigung auf 0,6 runtergesetzt. Mehr ist es auch schon nicht. :)

Nun kann die Komposition an die Renderliste gesetzt werden. Ich habe mein Farbschema umsetzen können und einen sehr dramatischen Shot geschaffen, der im Film seine Wirkung getan hat. ;)
Im Endeffekt sieht er so aus:



So. So viel zum praktischen Beispiel. ;)
Ich muss dazu sagen, dies war einer der wenigen einfachen Shots im Film. Teilweise nutze ich Farbkorrektur wirklich sehr aufwendig. So kann es schon mal vorkommen, dass 6-7 animierte Masken in einem 4 Sekunden Clip irgendwelche Bereiche des Bildes umgeben, die einzeln hervorgehoben oder korrigiert wurden. So habe ich auch oft Augen von den Charakteren im Nachhinein aufgehellt oder Gesichtszüge mehr in den Schatten gelegt – einfach, um die Wirkung zu maximieren. Farbkorrektur kann wirklich sehr aufwendig sein. :)

Ziel von Farbkorrektur ist es ja, eine Anpassung zu den restlichen Shots der Szene zu bewirken (damit zum Schluss alles gleich aussieht und nicht 5 verschiedene Kontraste und Weißabgleiche den Fluss des Films behindern – unser Auge muss sich schließlich jedes Mal von neuem dran gewöhnen) und die Wirkung der Bilder auf den Zuschauer zu steigern und ihn richtig mitzureißen. :)
Leider vergessen viele Filme letzteren Punkt. In Deutschland gibt es zu viele Filme, die ein eher graues, langweiliges Bild besitzen.

So, nun habe ich viel über Farbkorrektur erzählt. Ich hoffe, ich konnte damit ein paar Leuten zeigen, dass man mit Farbe sehr viel anstellen kann und das mehr dazu gehört, als nur ein bisschen Kontrast anzuheben. Das Thema ist noch um einiges vielschichtiger und man könnte sicherlich noch weitere Romane drüber schreiben. ^^ Aber ich wollte erst einmal einen kleinen Einblick geben, wie so etwas denn aussehen kann. Letztlich muss doch jeder für sich selbst den besten und richtigen Weg finden. Wer mehr über das Thema erfahren will, findet bei Movie College auch noch ausführliche Berichte.
Sehr interessant ist das Thema Farbdramaturgie. Ich empfehle übrigens auch jedem einmal anzuschauen, wie Farben denn auf uns wirken, die Wirkungsweise der Farben. Denn damit kann man schon viel reißen. Farben können uns mitnehmen, auf eine Reise der Fantasie. Sie können uns Geschichten erzählen. Und sie können ein Bild unvergesslich machen. :)
In diesem Sinne.

Schattenlord


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Montag, 11. Januar 2010, 10:31

Schönes Tutorial, obgleich auch sehr spezifisches Fallbeispiel, was man allgemeingültig vermutlich nur bedingt anwenden kann. Dennoch eine gute Inspiration für viele hier, einfach mehr aus ihrem Bild zu machen.

Ein paar kleine Anmerkungen meinerseits:

Das Beispiel hier fällt größtenteils eher unter die sekundäre Farbkorrektur oder auch das "Color Grading". Da hier ja schon gezielte Änderungen am Bild vorgenommen werden, die weit über eine Korrektur des Bildes hinaus gehen. In der primären Farbkorrektur würde man sich erstmal den offensichtlichen Korrekturen widmen. Man gleicht die einzelnen Shots einer Sequenz aufeinander an, um die Illusion eines fortlaufenden Bildes zu erhalten. Man gleicht falsche Weissabgleiche aus, man passt die Gammakurve aufeinander an usw. Dies hat aber alles noch nichts mit dem Grading, der stilistischen Änderung des Bildes zu tun.

Ganz wichtig zu beachten bereits beim Dreh: Gerade mit unseren Low Cost Consumer Kameras muss man beachten, so viel wie möglich von dem eh schon geringen Kontrastumfang zu erhalten. Meistens gilt je billiger die Kamera desto mehr ungewünschte undwiderufliche Änderungen am Bild werden in-Kamera schon vorgenommen. Einer der Gründe warum "Film" wie Film aussieht, ist der enorme Kontrastumfang, den er beinhaltet. Da kommen unsere Cams im Leben nicht ran. Man sollte also wenigstens versuchen beim Dreh selbst, ein so neutrales Bild wie möglich aufzuzeichnen. Je nachdem was die Kamera an Einstellungen hergibt. Verzichtet also auf extremen Kontrast, überbelichtete oder zu dunkle Aufnahmen. Was einmal falsch aufgenommen ist, kann nur noch schwer in der Post-Pro gerettet werden. Je neutraler das Bild aufgenommen wird, desto mehr Kontrolle hat man in der späteren Nachbearbeitung für seine Korrekturen und Gradings.

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Montag, 11. Januar 2010, 12:27

Na da hat ja einer Kuler entdeckt :)...

Schönes Tutorial (wie versprochen und erwartet :D ), das das Thema mal nicht nur rein postpro-technisch angeht, sondern aufzeigt, dass das ganze wesentlich mehr enthält. Danke auch für Heths Anmerkungen. Kommt alles gerade rechtzeitig, für einen CC/CG-Noob wie mich ;)

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Schattenlord

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Montag, 11. Januar 2010, 16:18

Na da hat ja einer Kuler entdeckt :)...

Seitdem du mir davon berichtet hast, nutz ich das dauernd. :D Ist wirklich echt praktisch. :)

Schattenlord


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Montag, 11. Januar 2010, 17:17

@ Schattenlord, Dein Beitrag ist sehr hilfreich und einfach super :thumbsup:

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Dienstag, 12. Januar 2010, 06:38

Ein schönes und leicht zu verständliches Tutorial, wenn man etwas in der Materie drinsteckt.

Wie gesagt, ist es schon stark auf dein Beispielbild fixiert, aber man kann es ja ziemlich einfach abändern für seine eigenen Shots.

Danke dafür :thumbup:
:thumbsup:

Humus

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Mittwoch, 13. Januar 2010, 22:12

Hei Schattenlord

Cooler Artikel, jedoch finde ich es schade dass du gerade eine der leichtesten Shots gewählt hast. Dies da mich die selektive Farbkorrektur brennend interessierst.

Du kennst nicht gerade ein gutes Buch?

Ansonsten währe es ja vielleicht möglich, dich noch zu einer Beschreibung eines komplexeren Bildes zu überreden.

Gruss Humus



Verwendete Tags

adobe, After Effects, Farbkorrektur

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