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Selon Fischer

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Mittwoch, 9. Dezember 2015, 21:46

Tipps für die Filmförderung

Es gibt für viele Filmemacher den Punkt, ab dem ein Budget im oberen vierstelligen Bereich nötig wäre, um einen Film (gut) zu produzieren. Da stößt man mit Crowdfunding schnell an seine Grenzen. Die Rettung für viele: Filmförderung! Doch auf dem Weg zu einem erfolgreichen Förderantrag gilt es viel zu beachten. Da ich just heute von einer Fördersitzung zurückgekommen bin, hab ich in diesem Thread einige der Ratschläge und Punkte zusammengetragen, die mir zu meinen Anträgen gefeedbackt wurden. Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen :)

Wo kann ich einen Antrag stellen?
Nicht alle Förderanstalten sind für alle Projekte gleichermaßen geeignet. Ein Film, der primär in einer hessischen Stadt spielt, hat beim NRW Fördertopf wenig zu suchen und umgekehrt. Auch religiöse Träger sind nur sinnvoll, wenn die entsprechenden Werte transportiert werden sollen.

Eine erste Anlaufstelle kann sein (kein Anspruch auf Vollständigkeit! Kein Links, da Google unser aller Freund/Feind ist)
Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport
FFA Filmförderungsanstalt
BKM Bundesministerium für Kultur und Medien
Kuratorium junger deutscher Film
Creative Europe MEDIA
Evangelisches Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit
MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg
FilmFernsehFonds Bayern
Film- und Medienstiftung NRW
Medienboard Berlin-Brandenburg
Filmbüro Bremen
Filmförderung Hamburg
Filmbüro Hessen
Hessische Filmförderung
Film- und Medienbüro Niedersachsen
Nordmedia Niedersachsen/Bremen
Mitteldeutsche Medienförderung
Filmbüro Mecklenburg-Vorpommern
Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur
Saarländisches Filmbüro
Gesellschaft zur Förderung des Medienstandortes Saarland
Filmverband Sachsen
Kulturelle Filmförderung des Landes Sachsen-Anhalt durch die Kunststiftung des Landes
Filmbüro Schleswig-Holstein
Kulturelle Filmförderung Thüringen
Filmbüro Franken (Stadt Nürnberg)
Förderverein Filmkultur Bonn (Stadt Bonn)

Jede dieser Töpfe stellt spezielle Anforderungen an Inhalt und Form, die eingehalten werden sollten (müssen!). Die folgenden sollten aber für alle mehr oder weniger für alle gelten:

Formale Ansprüche
  • Förderanträge gebunden einreichen (Ringbindung)
  • Außer der Film ist ein Schwarzweiß-Film: Grafiken, Deckblatt, Bilder (besonders Mood-Bilder) immer in bunt!
  • nach Möglichkeit auf den Seiten der Projektbeschreibung Storyboardausschnitte, Skizzen, Drehortbilder, Stills, Konzeptzeichnungen einbinden. Film ist ein visuelles Format, also sollten die Förderer auch was zu sehen bekommen
  • möglichst ohne Tippfehler (Korrekturlesen lassen!)
  • Sichtungs- und Recherchematerial beilegen (1-2 Kurzfilme des Regisseurs, wenn möglich, die in Richtung des Stil des Antragprojekts gehen)


Inhaltliche Ansprüche
  • Kurze Synopsis des Plots
  • längeres Treatment des Plots
  • Themenschwerpunkte: was macht das Projekt interessant? Welche Themen werden berührt? Welche Relevanz/Aktualität haben die?
  • Visuelles Konzept: Welche visuelle Sprache spricht der Film? An welcher Filmsprache ist die visuelle Ebene angelehnt? Farbbedeutungen etc. Der Punkt sollte nicht zu knapp ausfallen!
  • Auswertung: Wo soll der Film gezeigt werden? "YouTube" reicht nicht! "Festivals" ist Standard! Versucht, den Film ins Kino oder Fernsehen zu bringen. Dabei aber realistisch bleiben! Ein fünf-Minüter läuft nie und nimmer alleine im Kino. Als Vorfilm aber schon. Ab 20-40 funktioniert ein Kurzfilm in einem Kurzfilmprogramm, aber nicht mehr als Vorfilm. Gibt es ggf. noch andere Auswertungsmöglichkeiten?
  • Zielgruppe: Wer soll wie erreicht werden?
  • Drehbuch (vollständig oder eine Szene, die den Stil oder die Problematik des Films besonders gut zusammenfasst. Achtung! Die Szene muss schon verdammt gut sein, denn sie entscheidet über den gesamten Film!)
  • Stabliste: Wer übernimmt welchen Posten? Für regionale Förderungen sind hier auch die Wohnorte wichtig! Welcher der Beteiligten ist Student? (bei einigen Fördertöpfen dürfen keine Studenten oder sich im Studium befindliche Personen gefördert werden)
  • Besetzungsliste (mit SCHÖNEN Bildern! Das werden schließlich die Gesichter des Films!): Wer spielt was? Mit: Name, Rollenbeschreibung und kurzem Text über bisherige Arbeiten (Wo bereits gespielt, in welchem Film zu sehen? Evtl. Preise?)
  • Film- und Biographie des Regisseurs (mit Bild!): kurzer Text über Regisseur und Filmographie. Hier sollten besonders Filme stehen, die auf Festivals gelaufen sind und Preise/Nominierungen erhalten haben.
  • Vollständige und transparente Auflistung der Kosten (Gagen - eine erste Orientierung sollte hier der TV FFS sein, Equipment, Reisekosten, Unterkunft, Catering, Maske, Kostüme, Bauten, Requisiten, Drehgenehmigungen, Prüfgebühren)
  • Finanzierungsplan: Rückstellungen, Beistellungen, Handlungskosten? Was ist Eigenfinanzierung? (einige Fördertöpfe fordern 10-20% der Fördersumme als Eigenfinanzierung durch den Regisseur. Eigenfinanzierung kann auch teilweise durch eigenes Equipment geleistet werden, z.B. 150€ pro Tag pro eigenem Schnittplatz - wenn man denn selber der Cutter ist!) Wie viel soll tatsächlich bezuschusst werden? Hier empfiehlt sich unbedingt einen Blick auf die bisherigen Fördersummen der Förderinstitution zu werden. Sich daran anzupassen, ist klug. Wenn im Durchschnitt 10.000€-Projekte gefördert werden, sollte man nicht mir einem 500€-Antrag kommen. Andersherum aber auch nicht.
  • Übersicht über den Drehplan: Wann wird wo und wie lange gedreht? Wann wird der Film fertiggestellt werden?



Was jeden Förderungsantrag leichter macht:
  • Letter Of Intent: Schauspieler, Kameramänner oder Lichtspielhäuser stellen den aus, indem sie schreiben, (ohne einen Vertrag einzugehen oder sich an euch zu binden) dass sie im Falle einer positiven Förderung an dem Film mitwirken würden. Je bekannter die Namen der Schauspieler, desto besser!
  • konkrete Kostenpläne: Wieviel verlangt der Tonmann? Wie teuer wird das Lichtequipment? Wie viel verlangt die Stadt für die Drehgenehmigung? Je konkreter die Kosten (am besten schriftlich) vorliegen, desto glaubwürdiger wird der Antrag
  • ein gut ausgestattetes Konto und einen Nachweis darüber
  • einen aktuellen deutschen Ausweis
  • Einreichfristen beachten! Faustregel: der Film sollte noch nicht begonnen worden sein, wenn das Fördergremium über den Antrag tagt. Grund: Evtl. Auflagen können dann nicht mehr erfüllt werden
  • generell: je attraktiver, offener und plastischer ein Antrag ist, desto besser



Die Punkte sind natürlich keine Garantie, dass euer Film bei der Förderung auch durchgeht. Helfen sollten sie aber allemal :)

Wenn ihr noch Punkte habt, die mit auf die Liste sollten, immer her damit. Auch Feedback oder Diskussionen sind immer willkommen.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Selon Fischer« (9. Dezember 2015, 21:53)


Stig

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2

Mittwoch, 9. Dezember 2015, 22:07

Hallo Selon,

super Beitrag. Falls Du Deine Liste noch bereichern möchtest, würde ich gerne die MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg erwähnen.

Und warum stößt man mit Crowdfunding an die Grenzen?
Da gibt es eigentlich keine Grenzen.

Viele Grüße

Stig
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Selon Fischer

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3

Donnerstag, 10. Dezember 2015, 09:49

Danke für dein Feedback! :) Die MFG ist schon drin ;)

Ich hab bei Crowdfunding oftmals das Gefühl, dass ein entsprechendes Netzwerk über den Erfolg einer Kampagne entscheidet und manchmal nicht unbedingt die Qualität. Mir geht es zumindest so, dass ich auch nur an den Kampagnen derjenigen Filmemacher teilnehme, die ich irgendwie irgendwoher kenne. Daraus resultieren eher Peer-interne-Kampagnen, wodurch die Reichweite und Möglichkeiten beschränkt werden können. Summen ab 10.000 EUR findet man daher selten auf Crowdfundingseiten.


Der Vorteil an Filmförderungen ist, dass man sein Projekt einem unabhängigen Gremium vorstellt - die dann über Erfolg oder Misserfolg des Antrags abstimmen. Hat beides seine Vor- und Nachteile.

Satan

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4

Dienstag, 5. Juli 2016, 14:23

Klasse Beitrag!
Habe selbst mehrere Scripts geschrieben die ich nun umsetzen möchte. Deine Infos helfen sehr! Vielen Dank!!! :)