Du bist nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Amateurfilm-Forum. Falls dies dein erster Besuch auf dieser Seite ist, lies bitte die Hilfe durch. Dort wird dir die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus solltest du dich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutze das Registrierungsformular, um dich zu registrieren oder informiere dich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls du dich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert hast, kannst du dich hier anmelden.

  • »iamdanielmenzel« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Hilfreich-Bewertungen: 44

  • Private Nachricht senden

1

Montag, 7. September 2015, 20:04

Das 'Drum Herum' zum Kurzfilm (Rechtsfragen)

Nachdem ich mich die letzten Monate intensiv mit dem künstlerischen Aspekt des Filmemachens beschäftigt habe - sprich: Den Aufgaben des Autors und Regisseurs - und auch das Drehbuch für mein erstes, großes Kurzfilmprojekt derzeit in der Kritikphase steckt, stellt sich mir immer mehr die Frage nach dem Ganzen 'Drum Herum'. Mit 'Drum Herum' meine ich grob die Punkte Recht und Finanzierung, die mir - als jemand, der selbst in der Schule alles dafür getan hat nix mit Betriebswirtschafts zutun haben zu müssen - einfach extrem schwer fallen. Deswegen stelle ich in diesem Thema einfach mal alle Fragen, die mir in der Hinsicht in den Kopf schießen. Vielleicht findet sich ja eine nette Seele, die mir da helfen kann:

Wann ist ein Projekt kommerziell?
Die Antwort darauf ist zwar ziemlich einfach: "Sobald das Projekt auf finanziellen Gewinn ausgelegt ist" aber wie sieht es mit den Einzelfällen aus? Man nehme beispielsweiße an, ich würde mein Projekt über StartNext finanzieren und würde statt meinem Zeil von 500€ plötzlich 2000€ einnehmen. Theoretisch habe ich mit dem Projekt - sofern ich wirklich nur 500€ davon nutze - also Geld gemacht das, soweit ich weiß, auch versteuert werden muss. Zählt sowas schon als Kommerziell? Die selbe Frage gilt für Filmfestivals/-wettbewerbe: Ich gewinne einen Preis von 1000€. Wie mir das aus meiner (lausigen) Recherche scheint, muss auch dieser Gewinn versteuert werden. Macht das ein Projekt dann nicht automatisch kommerziell?
Spricht: Wäre ein durch StartNext finanzierter, auf Festivals ausgezeichneter Kurzfilm kommerziell oder müsste ich ihn tatsächlich verkaufen um 'kommerz' zu sein?

Was geht eigentlich bei 'Jamendo'?
Jamendo ist eine 'Suchmaschine' für Musik, die teilweise auch kommerziell genutzt werden darf bzw. unter die Creative Commons Lizenz fällt. Die Frage hier: Ich finde den perfekten Song, sehe mir das Album an, erkenne: "Aha, CC-BY sprich: Namensnennung" und als ich meinen Hollywood-Streifen damit beglücken will lese ich auf selbiger Seite: "Benötigen sie diesen Song für kommerzielle Zwecke? Kaufen sie sich die Lizenz!" .. und schon bin ich verwirrt. Sagt CC-BY nicht aus, dass der Song auch kommerziell verwendet werden darf? Letztendlich stellt sich dabei auch die nächste Frage: Deckt CC-BY auch das öffentliche Aufführen auf z.B. einem Kurzfilmfestival ab?
Sprich: Darf CC-BY Musik öffentlich abgespielt werden und ist eine währe für selbigen Verwendungszweck eine Lizenz nötig?

..und Arbeitszeit:
Wie sieht es mit den Arbeitszeiten aus? Wie lange darf ich meine Crew am Set halten und muss sich auch der Macher eines Festivalkurzfilmes an: "Keine Arbeit an Sonn- und Feiertagen" halten?

Nun etwas Theoretischer: Der Schauspieler.
Diese Frage bezieht sich weniger auf Recht und Finanzierung aber interessiert mich trotzdem: Man nehme an, dass für den selben Kurzfilm eine Rolle zu besetzen ist und man über das Internet den perfekten Schauspieler gefunden hat (wegen Leserlichkeit bleiben wir bei der "er"-Form). Dieser Schauspieler ist Teil einer kleinen Agentur und hat von mir aus schonmal eine Nebenrolle im Tatort gespielt .. ist aber ansonsten auch noch in der "Aufstrebungsphase". Da dieser Schauspieler so perfekt für die Rolle ist, denkt sich der ambitionierte Regisseur dann natürlich: "Den hol ich mir!" Doch wie realistisch ist diese Aussage?
Sprich: Arbeiten erfahrene, aufstrebende Schauspieler - die teilweise schon bezahlt wurde oder sogar fest im Theater arbeiten - auch ohne Bezahlung (Essen/Reise/Übernachtung gezahlt) an Projekten von "No-Name" Regisseuren mit? [Man gehe davon aus, dass die für den Schauspieler gedachte Rolle auch wirklich gut geschrieben ist und sowohl das Portfolio als auch die Erfahrung des Schauspielers verbessern würde]

Der Arbeitsschutz
Man geht z.B. für ein paar Drehtage in den Wald und hat die Drehgenehmigung hierfür. Was muss man ansonsten noch beachten? Muss z.B. extra jemand am Set sein der verhindert, dass der Generator in eine Wasserpfütze kippt, explodiert und den halben Forst niederbrennt? Wer haftet, wenn bei besagtem Kurzfilm soetwas passiert oder der Scheinwerfer durch einen Windstoß den Kopf des Kameraassistenten spaltet? Extreme Beispiele aber ich glaube man versteht, was ich meine.
Sprich: Welche Punkte im Arbeitsrecht müssen beachtet werden? Wo gibt es eine übersichtliche Liste? Wer haftet wann bei besagtem Kurzfilm? Gibt es Unterschiede zu den Locations oder Witterungen?

Der Papierkram: Verträge
Ich habe nun also meine Crew und Schauspieler zusammen, welche Verträge brauche ich? Muss ich in jedem Vertrag erwähnen, dass ich alleiniger Urheber bin .. als das "mein" Kurzfilm ist oder gibt es da ein Gesetzt, dass dieses Privileg generell dem Regisseur zuordnet? Welche Verträge brauche ich für meine Schauspieler: Model-Release, irgendwas zum Ausbleiben von Gehältern (gilt auch für die Crew), etc.? Wo bekomme ich solche Verträge her ohne mir einen teuren Anwalt zu holen? Wie siehts aus mit Musik: Nur Einverständnis von Musikern, CC-Lizenz, Gema-Lizenz, etc. oder noch extra Verträge für das öffentliche Aufführen in Festivals etc.?
Sprich: Welche Verträge - in egal welchen Bereichen - müssen geschlossen werden um sich rechtlich abzusichern? .. und wo bekomme ich die her?

Das Budget
Eine weitere wichtige Frage: Wie erfasse ich das Budget für meinen Kurzfilm? Zur Finanzierung kann man sicherlich nichts genaues sagen, weil das von Projekt zu Projekt unterschiedlich ist (?) aber es gibt doch sicherlich einen guten Weg das richtige Budget für sein Projekt zu finden.
Sprich: Wie berechne ich, welche Ausgaben ich haben werde, um am Ende einen realistischen Betrag zu haben, der nicht schon am zweiten Drehtag völlig daneben liegt.?

Die Planung
Natürlich braucht man vor jedem Kurzfilm auch eine kleine Planung. Hier geht es um den wirklichen Zeitplan, Shot Lists, etc., denn auch wenn ich aus dem Skript ableiten kann, wie lange meine Einstellung im Film tatsächlich dauern wird, so ist es letztendlich doch eine ziemlich vaage Behauptung zu sagen: "Okay, vorbereitung werden wir dafür ca. 30 Minuten brauchen".
Sprich: Woher weiß ich, wie lange ich für das Drehen einer Einstellung brauchen werde? Faustregeln?

So, das waren jetzt erstmal einige Fragen die mir so in den Kopf geschossen ist. Einige dieser Fragen mögen sich natürlich etwas banal anhören aber da ich - wie gesagt - einfach keine Ahnung von all dem habe, würde ich mich dann doch lieber absichern. Und jetzt wos mir so kommt vielleicht eine letzte Frage:

Sollte ich all das rechtlich-/finanzielle nicht lieber jemandem überlassen, der sich damit auskennt?

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »iamdanielmenzel« (25. September 2015, 08:32)


Selon Fischer

Super-Moderator

  • »Selon Fischer« ist männlich

Beiträge: 1 794

Dabei seit: 22. September 2008

Wohnort: Essen

Hilfreich-Bewertungen: 283

  • Private Nachricht senden

2

Montag, 7. September 2015, 21:47

Puh, extrem viele Fragen. Ich will dir hier keine Rechtsberatung geben, vielleicht helfen dir meine Erfahrungen:

1. Ist Crowdfunding kommerziell?
Nein. Solltest du mehr Geld einnehmen als geplant, steck das eben in das Projekt und gebe es im besten Fall und Cast und Crew (auch in Form von Catering ;)) weiter.

2. Songrechte
Verkaufst du den Film? Dann kauf dir vorher die Rechte. Ist es eine CC-Lizenz? Halte dich an die Lizenz-Vereinbarungen.

3. Mindestlohn
Wäre natürlich toll, wenn du den auszahlen würdest. Ist aber in der Kurzfilm-Szene total üblich, dass alle für lau arbeiten und nur Kost/Logis/Fahrtkosten bekommen. Ein Darsteller/Arbeitsvertrag ist aber trotzdem ratsam. Schon alleine, um Verwertung des Films und Bildrechte zu klären.

4. Arbeitszeit
Du darfst theoretisch deine unbezahlten Crew- und Castmitglieder so lange am Set halten, wie du willst. 10-Stunden-Drehtage sind keine Seltenheit. Ich kalkuliere allerdings meine Drehs so, dass nach 8 Stunden der Spuk entweder vorbei oder das Ende greifbar ist. Wenn du alle länger motivieren kannst, ist gut. Für lau sollte es aber auch Spaß machen. Schließlich willst du dir keinen Ruf als Sklaventreiber abholen. ;)

5. Agenturen
Meine Erfahrung: Agenturen verpulvern ihre Schützlinge nicht für No-Budget-Zeugs. Spar dir da die Anfragen. Viele Schauspieler haben private Seiten. Hol dir da die Infos und schreib sie persönlich an. Sei nicht zu förmlich, sei aber vor allem ehrlich. Versprich oder deute keine Gagen an, wenn sie nicht sicher sind. Ehrlichkeit kommt an, Hochstaplerei nicht.

6. Arbeitsschutz
Safety first! Wenn grob fahrlässig gehandelt wird, besteht die Möglichkeit, dass du deinen Kopf hinhalten musst.

7. Verträge
siehe 3. Vorlagen findest du im Netz. ;)

8. Budget
Die Frage verstehe ich nicht. Du überschlägst alle Kosten, die anfallen werden: Leihkosten, Kostüme, Make-up, Requisiten, Bauten, Fahrten, Catering, Unterkünfte... und summierst das. Einige der Kosten fallen pro Drehtag an. Diese multiplizierst du mit den Drehtagen.

9. Planung
Faustregel für mich und mein Team: pro Drehtag schaffen wir gute 25 Einstellungen. Bei 30 Einstellungen geht es gerade noch so, ab 35 wird geschludert. Wie geschrieben, mein durchschnittlicher Drehtag dauert 8 Stunden. Wenn ihr Quick-and-Dirty dreht, plane 1 Stunde pro Drehbuchseite, 1 für Auf und eine weitere für Abbau. Eine Szene von einer Seite dauert also bei mir mindestens drei Stunden.

Ich hoffe, das hat dir ein bisschen geholfen.

Es haben bereits 3 registrierte Benutzer diesen Beitrag als hilfreich eingestuft.

Benutzer, die diesen Beitrag hilfreich fanden:

iamdanielmenzel, the machine one, Danielleinad

  • »iamdanielmenzel« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Hilfreich-Bewertungen: 44

  • Private Nachricht senden

3

Montag, 7. September 2015, 22:13

Vielen Dank für die ganzen Antworten, geholfen hat mir das auf alle Fälle. Letztendlich erledigen sich ja sowieso (fast) alle Fragen wenn man weiß, dass der Kurzfilm in unserem Beispiel nicht-kommerziell ist. :D Trotzdem nochmal eine paar kurze Fragen:

Crew
Ich hatte zwar kein Problem damit erfahrene Leute für die technischen Arbeiten (Kamera, Ton, Licht, Schnitt, etc.) aufzutreiben, wo es hingegen scheitert ist z.B. die Maske - v.A. weil es da nicht nur um Make-Up sondern eben auch um das Nachbilden von Schnittwunden geht. Meine Idee wäre jetzt natürlich das örtliche Theater um da mal nach Interessenten zu fragen. Hast du damit schon Erfahrungen gemacht oder kommt dein/e Maskenbildner/in aus dem 'normalen' Freundeskreis?

Schauspieler
Ich hab meine bisherigen Erfahrungen nur mit Laien-Schauspielern gemacht die meist eher unfreiwillig/unvorbereitet vor die Kamera gingen. Für das jetzige Projekt will ich mich hingegen an erfahrenere Schauspieler wenden. Jetzt frage ich mich hingegen, wie ich so 'die Richtigen' Schauspieler finden soll. Taugt es z.B. was sich über CastForward oder CrewUnited die 'richtigen' Schauspieler rauszupicken und anzuschreiben in der Hoffnung, dass zum einen Interesse aufkommt und zum anderen auch Zeit vorhanden ist? ..oder sollte man sich an Schauspielschulen wenden um derzeitige Studenten zum Casting zu holen?

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »iamdanielmenzel« (7. September 2015, 22:26)


ToXic pictures

TeeTrinker

  • »ToXic pictures« ist männlich

Beiträge: 357

Dabei seit: 4. April 2013

Wohnort: Köln

Hilfreich-Bewertungen: 139

  • Private Nachricht senden

4

Montag, 7. September 2015, 23:53

Hallo auch von mir & auch bei mir zu allererst der Hinweis, dass ich dir keine rechtlich abgesicherten Antworten geben kann, sondern nur aus eigener Erfahrung und vom Hörensagen her antworten kann.

@Kommerziell...
Also weder Crowdfunding noch Auszeichnungen auf Festivals sind kommerziell. Eine kommerzielle Auswertung findet statt, wenn dein Film eine Vermarktung erfährt, sprich, wenn du DVD's verkaufst, wenn er im Kino anläuft oder wenn er eine Fernsehauswertung erfährt. Heißt, kommerziell = gewinnorientiert.

@Mindestlohn...
Das ist ein echt schwieriges Thema. Was wir inzwischen machen - und damit sind wir auf einer rechtlich sauberen Basis - wir bieten den Leuten, denen wir Mindestlohn zahlen müssten, diesen an und die schreiben uns eine Verzichterklärung. Dh. wir sind aus dem Schneider. Wer da nicht einverstanden ist und bezahlt werden will, der muss entweder bezahlt werden, oder man muss einen anderen finden.
Rückstellungsverträge sind meines Wissens tatsächlich ungültig geworden - zumindest bei uns sind sie nicht mehr erlaubt.
Ich denke aber auch, dass hier vieles von der Stufe der Professionalität abhängig ist. Wenn du mehr oder weniger eine Spaßveranstaltung frei nach dem Motto "drehen wir doch mal ein Filmchen" machst, dann wird da niemand auf die Idee kommen, dass da MiLo gezahlt werden muss. Sobald es aber ein gewisses Maß an Professionalität erreicht - und meiner Meinung nach fängt sowas dann an, wenn du Leuten Handlungsanweisungen gibst, also auch, wenn es Dispos gibt, dann wird es schwierig.

@Arbeitszeiten...
Das sehe ich etwas anders als Selon. Egal ob bezahlt oder nicht bezahlt, wenn es nicht der "wir kommen & gehen wann wir wollen"-Amateurfilm ist, dann gelten da im Filmbusiness klare Regeln. Ein Drehtag hat 10 Stunden + 1 Stunde Pause. Ein Drehtag darf bis 13 Stunden + 1 Stunde Pause erweitert werden, wenn gewisse Vorkommnisse gegeben sind (da geht es um Fremdeinwirkung, Motive, ect.). Alles was über 13 Stunden geht, ist meines Wissens nicht zulässig oder wenn es zulässig ist, dann nur unter gewissen Auflagen, die ich nicht kenne. Wichtiger als die Arbeitszeiten sind aber die Ruhezeiten, weil die sind unantastbar. Ab Arbeitsende bis Arbeitsbeginn müssen 11 Stunden Ruhezeit gewährt werden, bei längeren Drehtagen über 10 Stunden müssen dann schon 12 Stunden Ruhezeit eingehalten werden.

@Schauspieler / Agentur...
Auch das sehe ich anders als Selon. Wir arbeiten nicht selten mit Schauspielern von Agenturen, auch wenn es zugegebenermaßen oft schwierig ist an die ranzukommen. Wenn du einen Schauspieler hast, der von einer Agentur vertreten wird, dann bringt es kaum etwas, den persönlich anzuschreiben, weil das dann eh wieder durch die Agentur läuft. Wenn du einen hast, den du super findest, dann nimm mit der Agentur / dem Darsteller Kontakt auf, schicke eine gute Projektskizze / Expose / Drehbuch und wenn das überzeugend ist, dann wird das auch funktionieren. Fakt ist aber, dass es in Sachen Unbezahlt über eine Agentur sehr problematisch wird!

@Arbeitsschutz...
Großes Thema, aber Selon hat das auf den Punkt gebracht.
Hier ist einfach wichtig, dass man sich nicht überschätzen darf. Da spielt auch das Thema Arbeitszeit wieder eine Rolle. Wer nach 15 Stunden am Set noch einen großen Lichtumbau machen soll, der wird da eine größere Fehlerquote haben... und wer dann nach 16 Stunden noch ein KFZ bewegen muss, ... naja...
Auch Manpower spielt da eine Rolle. Wenn du im Wald mit Generator und 10 Lampen und 500m Kabel und Pipapo rumeierst, dann kann das halt nicht eine Person alleine leisten.
Wichtig ist, dass die Leute, die mit dem Kram umgehen müssen, dass auch können. Wenn ich lese, dass ein Generator im Wasser steht oder das eine Lampe auf den Kameraassi fällt, dann kann ich nur sagen, der Oberbeleuchter und seine Lichtleute, die gehören überall hin, nur nicht an ein Set, weil die haben da ganz sehr was falsch gemacht.
Auch eine Aufnahmeleitung hat dafür zu sorgen, dass Sets sicher sind. Da geht es um Arbeitswege / Fluchtwege ect.

@Verträge...
Da kenne ich mich überhaupt nicht aus. Motivverträge sind wichtig, Drehgenehmigungen... Mit Kindern ist immer ein riesiger Aufwand... Fakt ist, dass die Vorproduktion in dieser Sache sehr viel Vorlauf braucht, weil du einiges bei der Stadt / dem Land ect. schon mehrere Wochen bis Monate vorher anmelden und genehmigen lassen musst. Was da aber alles zu tun ist, da musst du mal mit einem Produktionsleiter sprechen, die kennen sich da aus.

@Budget...
Da hat Selon im Prinzip auch recht, aber oft ist es ja genau andersherum... Du hast eine Summe, die du weißt und dann schaust du, wie du die verteilst.
Budgetgeschichten sind häufig auch Erfahrungswerte. Das ist dann auch wieder so eine Sache, wo es wichtig ist, ein gutes Team zu haben, wo dir gewisse Leute sagen können, was sie brauchen und was das voraussichtlich kostet. Ich als Kameramensch / Oberbeleuchter / Beleuchter kann dir sagen, was ich für dies oder jenes brauchen würde und was das dich pro Drehtag kostet.
Wichtig ist, denke ich, dass du bei einer Kalkulation weißt, was du vor hast und anhand dessen kannst du vieles einschätzen. Es ist ja ein Unterschied, ob du mit 5 Leuten am Set stehst oder mit 50. Genauso ist es ein Unterschied, ob du mit ner Spiegelreflex und 2 Lampen drehst oder mit ner Alexa, nem Magnumdolly und nem LKW voller Licht.
Wichtig ist auch an die vielen Kleinigkeiten zu denken, die sich da immer ansammeln, weil die übersieht man gern.

@Crew...
Ich kenne mehrere Masken, darunter auch eine oder zwei VFX-Masken, dh. die können dir ganze Menschen als Dummy nachbauen. Das Problem ist, ich hatte noch nie einen Dreh, wo die Maske unbezahlt war... Ich glaub das gibt es nicht.

@Planung...
Also ich weiß nicht, wie Selon seine Filme dreht, aber 25 bis 30 Einstellungen pro Drehtag halte ich für gewaltigen Unsinn. Man rechnet beim Kinofilm mit 30Sekunden bis 1min30sek pro Drehtag. Beim Fernsehen rechnet man mit 4min bis 6min pro Drehtag, da hast du dann wenn es mal richtig hoch kommt 25 bis 30 Einstellungen, aber da hast du auch Teams, die sind so gut eingespielt, dass das zu machen ist. Außerdem kommt da hinzu, dass man recht schnell und simpel arbeitet, weil da produzierst du ja für den kleinen Bildschirm und nicht für die Leinwand.
Meine Faustregel ist, nicht mehr als 15 Einstellungen pro Drehtag. Nun muss man einschätzen können, wie aufwendig eine Einstellung wird, wie viel Umbau da gemacht werden muss, wie szenisch aufwendig die ist, wie technisch aufwendig die ist, ect. Kann auch mal sein, dass du nur 1 oder 2 Einstellungen an einem Tag schaffst. Auch hier ist es einfach komplett vom Team, dem Cast und deiner Vision abhängig.
Auf- und Abbauten hängen davon ab, was man vor hat, das kann länger und weniger lange dauern.

@Sollte ich all das rechtlich-/finanzielle nicht lieber jemandem überlassen, der sich damit auskennt?
Das kommt auf das Projekt an und wo du damit hin willst. Ich bin grundlegend der Meinung ein Regisseur sollte sich nicht mit der Produktion beschäftigen müssen.
Wenn das Projekt aufwendiger wird, dann beantworte ich die Frage ganz klar mit "Ja!".

Es haben bereits 2 registrierte Benutzer diesen Beitrag als hilfreich eingestuft.

Benutzer, die diesen Beitrag hilfreich fanden:

iamdanielmenzel, Danielleinad

Selon Fischer

Super-Moderator

  • »Selon Fischer« ist männlich

Beiträge: 1 794

Dabei seit: 22. September 2008

Wohnort: Essen

Hilfreich-Bewertungen: 283

  • Private Nachricht senden

5

Dienstag, 8. September 2015, 00:00

Eine/n gute/n Maskenbilder/in zu finden, ist in unseren Bereichen ganz großes Glück. Effekt-Make-Up hab ich bisher nur bei einem Projekt benötigt. Da war die Maske aber eigenständig kreativ und hat vorher schon geübt und sich eingearbeitet. Tatsächlich sind bei mir immer Maske und Catering diejenigen Posten, die nicht durchgängig von einer Person besetzt sind. Pro Projekt hab ich meistens bis zu fünf Maskenbilder, die an unterschiedlichen Drehtagen arbeiten.

Zu den Schauspielern: ich glaube, du hast da eine falsche Vorstellung. Schauspieler sind (meistens) Vollblut-Künstler. Das heißt, wenn sie ein Projekt (oder eine bestimmte Rolle, die vielleicht besonders tiefgründig/anspruchsvoll/anstrengend/gegen den Typ bzw. Geschlecht besetzt werden soll etc.) interessiert, machen die da mit. Einfach, weil Kunstschaffende Kunst schaffen wollen. Deshalb hab auch keine Scheu Theaterschauspieler anzuschreiben. Die sind einzig durch Probenzeiten und Vorstellungen limitiert, sind aber häufig heiß drauf, ihr Film-Showreel auszubauen. Synergie-Effekte und so ;) Bei freien Schauspielern hast du diese Limitierungen nicht, dafür sind die natürlich weg, sobald sich ein Bezahljob ergibt. Ist ja logisch. Zu den Schauspielschulen: da gibt es total krasse Unterschiede. Zum einen zwischen den staatlichen und den privaten, zum anderen zwischen den einzelnen Schulen selber. Einige blockieren mitunter ihre Erst- und Zweitsemester, sodass die an keinen Drehs außerhalb der Schule teilnehmen können/dürfen/sollen. Wenn du aber junge Leute suchst, bist du da richtig.

Neben deinen genannten Websites kann ich noch http://www.schauspielervideos.de/ in den Raum werfen :)

edit: ToXic pictures arbeitet in einer anderen Liga als ich. 25 Einstellungen sind bei uns tatsächlich der Durchschnitt. Oft können wir es uns nämlich nicht leisten, für eine Szene an einen Drehort zurückzukommen und müssen pro Drehtag alle Szenen pro Motiv durchrocken.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Selon Fischer« (8. September 2015, 00:07)


Es haben bereits 2 registrierte Benutzer diesen Beitrag als hilfreich eingestuft.

Benutzer, die diesen Beitrag hilfreich fanden:

iamdanielmenzel, Danielleinad

jk86

Registrierter Benutzer

Beiträge: 403

Dabei seit: 25. März 2013

Wohnort: Frankfurt

Hilfreich-Bewertungen: 121

  • Private Nachricht senden

6

Dienstag, 8. September 2015, 08:49

Arbeitsschutz: Die meisten Unfälle passieren durch Unachtsamkeit. Gerade deshalb auch die Ruhezeiten einhalten und dafür sorgen, dass das Team nicht hundemüde rumtorkelt. Weitere potenzielle Gefahrenquellen sind Strom, Feuer, Höhen, Dunkelheit, herumliegende und nicht ausreichend abgesicherte Teile, insbesondere beim Licht. Das bedeutet, immer einen Feuerlöscher am Set zu haben, ebenso wie einen Erste-Hilfe-Kasten, und Ersthelfer zu benennen. Leider kommt das in den Teamansprachen nie zu Wort, aber alle müssen wissen, was sie im Notfall tun müssen und an wen sie sich wenden! Es bedeutet auch, dafür zu sorgen, dass die Leute am Set wissen, was sie tun. Wenn ein Best Boy noch nie ein Safety in der Hand hatte und (insbesondere in älteren Gebäuden) niemals einen Blick in den Sicherungskasten wirft, eignet er sich nicht für den Job. Besonders scheiße ist es, wenn eine potenzielle Gefahr benannt und dann nicht abgeschafft wird, weil es kurz vor Drehschluss ist und der letzte Take unbedingt endlich im Kasten landen muss. Ich hab mal Ton geangelt und dem Lichtdepartment und der Aufnahmeleitung mehrfach gesagt, dass da Kabel rumliegen, über die ich schon mehrfach gestolpert bin. Alle schauen mich mit einem Schulterzucken an. Ich hab mich dann einfach zurückgezogen und die Szene wurde ohne Ton gedreht. Mir ist meine körperliche Unversehrtheit wichtiger als dass der Ton in ner Szene mit dabei ist! Am besten ist es, vor Drehbeginn jedes Set nochmal kurz aufzuräumen. Die zwei Minuten sollten drin sein.

Budget und Planung: Rechne einen Puffer mit ein, 10-20% des Budgets für unabsehbare Kosten. Wichtiger als das Budget ist meiner Meinung nach die zeitliche Vorbereitung, weil durch eine ausreichende Vorlaufzeit, guter Planung und Vorbereitung vieles gespart werden kann. Bei meinem letzten Dreh wurde an alles gedacht, nur das Mikro hat niemand auf seine Funktion überprüft, es hat gerauscht wie unter der Dusche, die ersten Takes konnten wir tonmäßig wegschmeißen. Zum Glück hatte ich das gleiche Modell zuhause, aber dahin zu fahren und zurück bedeutete eine Stunde Drehpause, danach müssen die Schauspieler wieder in die Maske, die dann Überstunden macht, für den zweiten Sprinter muss ne Stunde länger Parkschein bezahlt werden, und hätte ich zufälligerweise kein Mikro gehabt, hätten wir doch zum Filmverleih fahren müssen. Mikros kosten da echt nicht die Welt, aber Kleinvieh macht auch Mist. Eigentlich ne gute Idee ist es, nach nem besonders langen Drehtag den nächsten um einige Stunden zu verschieben - wenn dann das halbe Team in der Rush Hour feststeckt und die Sprinter genau dann parken müssen, wenn es nicht mehr kostenfrei ist, hätte man das vorher eben besser kalkulieren müssen. Du wirst dich wundern, was du am Ende alles für Kleinkram ausgibst, den du von Anfang an billiger hättest haben können. Egal was du brauchst - Batterien, Lebensmittel, Gaffer Tape - vorher mit Preisvergleich eingekauft ist es billiger als bei der Tanke ums Eck nachts um drei.
Zu den Auf- und Abbauzeiten, frag am besten die einzelnen Departments, welche Erfahrungswerte sie haben. Denk an die Abhängigkeiten: Das Licht braucht Anweisungen von der Kamera, die Continuity muss der Maske und Requisite Bescheid geben, etc.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »jk86« (8. September 2015, 08:59)


Es haben bereits 3 registrierte Benutzer diesen Beitrag als hilfreich eingestuft.

Benutzer, die diesen Beitrag hilfreich fanden:

the machine one, iamdanielmenzel, Danielleinad

  • »iamdanielmenzel« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Hilfreich-Bewertungen: 44

  • Private Nachricht senden

7

Dienstag, 8. September 2015, 17:29

Ich bin jetzt einfach mal so dreißt neben den normalen Antworten auch nochmal ein paar Fragen zu stellen. :D

Drehzeit

Ist natürlich interessant zu sehen, wie sehr sich der 'Einstellungen pro Drehtag'-Faktor zwischen den unterschiedlichen 'Ligen' unterscheidet. Ich denke da werde ich für das jetzige Projekt in den sauren Apfel beißen und mich überraschen lassen müssen, denn ich habe derzeit tatsächlich noch keien Ahnung, wie die 'Chemie' in unserem Team sein wird. Eventuell sollte ich mich da auf jedenfall schomal für einen kleinen Test-Dreh mit der Crew und deren Arbeitsgewohnheiten vertraut machen.

Schauspieler
Danke für den Link, Selon. Die Seite kenne ich tatsächlich schon - die Profile auf CastForward und CrewUnited sind damit ja meist verlinkt - und genau über diese bin ich auch auf die Personen getroffen, die perfekt für die von mir zu besetzenden Rollen wären. Leider sind aber alle von Agenturen vertreten und deswegen kam da auch meine Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Kontaktaufnahme für einen unbezahlten Job. Zwar haben zwei der drei Schauspieler in jüngster Zeit (also 2015) auch an mind. einem Kurzfilm mitgewirkt aber wie gesagt: Mit all dem hab' ich leider noch wenig Erfahrung, deswegen meine Frage.

Maskenbildner
Warum sind Maskenbildner in unserer 'no-budget' Abteilung solche Glücksgriffe? Ich meine wenn Schauspieler vollblut Künstler sind und (im Regelfall) gerne auch kostenlos gute Rollen spielen .. und in Bereichen Kamera, Ton, Schnitt, etc. auch mit wenig Problemen eine motivierte, erfahrene Crew zu besorgen ist, warum ist das bei Maskenbildern so anders?

Arbeitszeiten
Ich denke auch, dass ich bei den Drehzeiten nicht unbedingt die 11 Stunden Marke überschreiten will und die Ruhezeiten werden natürlich auch eingehalten. Ich hatte da selbst durch meine Zeit beim Fernsehen den ein oder anderen Verstoß gegen das Arbeitszeitengesetz, weil der Arbeitgeber da einfach keinen schei* drauf gegeben hat .. ist definitiv kein Spaß mehr nach 11 Stunden und genau das sollte ja zumindest noch vorhanden sein, wenn man schon kostenlos arbeitet.

Budget
Gut, dieses Drehbuch habe ich tatsächlich nach dem: "Alles für die Story"-Motto geschrieben. Sprich: Wenn ich wirklich an das Drehbuch glaube, dann kann ich es auch irgendwie finanzieren. Ob das jetzt etwas 'naiv' ist weiß ich nicht aber ich hatte einfach keine Lust mehr mich vor ein Buch zu setzen, das am Ende zu sehr ausgepaart wird nur damit ich es für .. was weiß ich .. 500€ finanzieren kann. Ein wirkliches Budget muss ich zwar noch berechnen/entwickeln und es kommt natürlich auch auf das nötige Budget an .. trotzdem schonmal folgende Frage:
Wie habt ihr eure letzten Projekte denn finanziert? Komplett aus eigener Tasche, irgendwelche Förderungen, Crowdfunding, etc.?

Festivals
Auch interessant wären vielleicht eure Festivalerfahrungen .. zumindest in der Hinsicht auf die Vorstellung eurer Projekte. Sind in euren Augen 2k oder 4k nötig um akzeptable Bildqualität auf der großen Leinwand zu erreichen und was könnt ihr in Sachen Sound empfehlen (also DolbyDigital, etc.)? Kommt man auch mit dem 'üblichen' 1080p 2-Kanal-Stereo aus? Die Frage ist insofern auch wichtig, weil 4k Equipment natürlich auch noch nen ganzen Haufen an Verleihkosten an Land spühlen könnten .. zumindest wenn das Full-HD Equipment der FH (fast) kostenlos ist.

..und ja: Ich bin auch der Meinung, dass die Arbeiten eines Produzenten nicht unbedingt auf den Regisseur fallen sollten. Auf der anderen Seite stellt sich natürlich die Frage, wo man fähige Produzenten findet die ebenfalls eher fürs Portfolio (und vor Allem das Projekt selbst) arbeiten statt Geld zu fordern.

jk86

Registrierter Benutzer

Beiträge: 403

Dabei seit: 25. März 2013

Wohnort: Frankfurt

Hilfreich-Bewertungen: 121

  • Private Nachricht senden

8

Dienstag, 8. September 2015, 19:34

Bild- und Tonformat ist davon abhängig, was du mit dem Film machen willst. Wenn du ihn ins Internet stellst, macht Full HD und höher schon Sinn. Ne DVD ist hingegen auf 720p ausgelegt. Und die meisten Menschen und kleinen Kinos besitzen gar kein Dolby 5.1 oder DTS. Stereoton reicht da dicke - außerdem bedeutet 5.1 auch konsequenterweise eine Aufnahme mit mehr als einem Mikrofon - ist meine Meinung. Es kann nicht schaden, den Film in der bestmöglichen Quali aufzunehmen und dann je nach Endprodukt downzugraden.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »jk86« (8. September 2015, 19:41)


  • »iamdanielmenzel« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Hilfreich-Bewertungen: 44

  • Private Nachricht senden

9

Dienstag, 8. September 2015, 19:47

Wir reden hier natürlich von einer Auswertung durch Filmfestivals und dabei stellt sich für mich natürlich die Frage, ob Full-HD nicht einfach zu 'grob-pixelig' ist .. immerhin meine ich zu wissen, dass der Standard - zumindest in digitaler Hinsicht - immer so um die 2k war.

ToXic pictures

TeeTrinker

  • »ToXic pictures« ist männlich

Beiträge: 357

Dabei seit: 4. April 2013

Wohnort: Köln

Hilfreich-Bewertungen: 139

  • Private Nachricht senden

10

Dienstag, 8. September 2015, 22:44

Wir reden hier natürlich von einer Auswertung durch Filmfestivals und dabei stellt sich für mich natürlich die Frage, ob Full-HD nicht einfach zu 'grob-pixelig' ist .. immerhin meine ich zu wissen, dass der Standard - zumindest in digitaler Hinsicht - immer so um die 2k war
Hier wird ja schon wieder alles durcheinander...
Das Erste... Full HD & 2K ist nicht der Hammer Unterschied, wenn du das denkst... Full HD hat 1920x1080, 2K hat 2048X1152.
Hier sind so viel mehr Sachen wichtigm die ja auch immer wieder, auch von mir, hier im Forum geschrieben wurden und wo ich als Kameramann ein Lied von singen kann.

Auflösung ist nicht alles im Leben. Ein hochwertiges HD ist viel besser als ein schlechtes 4K. Will sagen, du kannst auch mit einem guten HD auf ein Festival gehen, klar! Es stellt sich da eher die Frage nach einem Kinotauglichen Bild und da liegt der Stein der Weisen bei dem Kontrastumfang, dem Farbsampling, dem Codec der Kamera und auf jeden Fall auch in der Postproduktion.

Ich würde, wenn ich für eine Kinoauswertung produziere, auf jeden Fall auf Kameras (und Equipment) zurückgreifen, welches auch dafür gemacht ist. Heißt Alexa, RED, Sony (F7, F55 / F5 ect.), Blackmagic (URSA). Da kommt es bei der Wahl der Kamera natürlich auf unterschiedliche Faktoren an, die man jeweils projektabhängig abwegen muss. Alexa geht immer, RED ist schon eine 2. Überlegung wert, bei den Sonys bin ich nicht so Fan von, gleiches gilt für die Blackmagics. ABER... ich bin verwöhnt und damit - wie man mir ja gelegentlich vorwirft - auch kein Maßstab.

Zum Thema 4K / 2K / HD... Wenn du nichts mit VFX machst (Greenscreen ist da in erster Linie interessant), dann brauchst du kein 4K und dann würde ich das auch nicht drehen. 2K ist auf jeden Fall eine Überlegung wert und wenn du die Möglichkeit hast, würde ich das auch machen. HD geht immer und ist nicht schlecht, wenn es von einer guten Kamera kommt.
Zum Ton kann ich da nicht viel sagen... ein gutes Stereo ist aber denke ich vollkommen ok. Vieles passiert da ja auch in der Tonmischung. Dialog wird ja eh immer Mono geangelt, interessant ist das Ganze bei den Atmos. Dolby solltest du nicht verwenden, denn soweit ich weiß ist das eine Lizenzpflichtige, teure Angelegenheit.

Was bei Festivals sehr wichtig ist... schau dir genau an, was die von dir haben wollen! Da steht fast immer DCP oder 35mm Kopie drin (war zumindest vor 2 Jahren noch so). Eine 35mm Kopie kommt eher nicht in Frage. Ein DCP verlangt aber gewisse Sachen von dir und die musst du im Workflow beachten.

Es haben bereits 1 registrierter Benutzer und 1 Gast diesen Beitrag als hilfreich eingestuft.

Benutzer, die diesen Beitrag hilfreich fanden:

the machine one

Selon Fischer

Super-Moderator

  • »Selon Fischer« ist männlich

Beiträge: 1 794

Dabei seit: 22. September 2008

Wohnort: Essen

Hilfreich-Bewertungen: 283

  • Private Nachricht senden

11

Mittwoch, 9. September 2015, 07:34

Auch mit diesem Beitrag bekommst du Erfahrungswerte aus einer Liga, die unter der von ToXic Pictures und jk86 (stufe euch beide ähnlich ein) spielt:

Festivals, die DCP oder 35mm haben wollten, habe ich gesehen. Denen hat aber für die Sichtungskopie eine einfache DVD gereicht. Auf Festivals mit diesen Anforderungen wurde noch nie einer meiner Filme ausgewählt oder gezeigt - was mir zeigt, dass die dort ganz andere Qualität und Production Values erwarten. Spricht: ich hätte gar nicht die Möglichkeit von Haus aus die Anforderungen zu erfüllen. Ganz viele Festivals, auf denen mein Zeug lief, wollten mitunter nur eine Video-DVD! Also so rein gar nix mit HD ;) Wir produzieren in 4k und skalieren dann am Ende auf FullHD runter. Genügt unseren Ansprüchen. Stereo ist bei uns auch üblich.

kurzer Nachtrag: mein Team arbeitet jetzt seit fast vier Jahren kontinuierlich zusammen. Da weiß ich schon beim Setzen der Dispos intuitiv, wie lange ein Lichtumbau braucht. Das sind Erfahrungen, die du selber machen musst. jk86' Tipp mit dem Zeitpuffer solltest du unbedingt bedenken! Ich gebe dir noch mit auf den Weg: es dauert alles länger, als du zuerst annimmst ;)

Ein Schauspieler ohne feste Tätigkeit ist freischaffend, ein Maskenbildner ohne Job arbeitslos ;) Ich finde es jedes Mal sehr anstrengend und langwierig gute zu finden, die auch mal mehr als zwei Drehtage hintereinander können. Liegt vielleicht daran, dass Schauspieler, Kamera, Ton und andere Filmschaffende gewohnt sind, zwischen den Drehs einige längere Pausen (von mehreren Wochen) zu haben - die Gage ist daran angepasst. Maskenbildner allerdings sind häufig darauf angewiesen, eine möglichst kontinuierliche Auftragslage zu schaffen und können daher ein No-Budget-Projekt nicht so ohne weiteres unterstützen. Wie gesagt, das ist meine Erfahrung, vielleicht stell ich mich auch nur doof an.

500€? Geht bei zwei Drehtagen ganz gut. Das aktuelle Projekt hat bislang sieben Drehtage gehabt und hat die 2000er Marke gut geknackt. Wenn du nicht das übelst geilste Projekt hast, lohnt Crowdfunding nicht. Eher im Gegenteil, da steckt noch mal selber ein riesen Kosten-und Zeitaufwand drin. Förderung zu beantragen ist an sich schon ziemlich ressourcenintensiv ;) Vor jedem Film beantrage ich Förderung, da kam allerdings noch nie was. Deshalb: eigene Tasche. Aktuell läuft noch ein Antrag bei der Film- und Medienstiftung NRW, der aber auch abgelehnt werden wird. Mein Projekt ist narrativ zu Standard ;) Das gute daran ist, dass ich jedes Mal gezwungen werde, alle Daten zu meine Film frühzeitig zusammen zu haben und auch durchkalkuliert zu haben. Die Produktionsmappe springt also quasi nebenbei raus ;)

  • »iamdanielmenzel« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 69

Hilfreich-Bewertungen: 44

  • Private Nachricht senden

12

Mittwoch, 9. September 2015, 11:42

@Toxic:
Ich glaub' ich hab' mich tatsächlich etwas irrtümlich ausgedrückt was die 'Produktion für Filmfestivals' angeht. Natürlich ist mir klar, dass sich Full-HD und 2k kaum unterscheiden und ich weiß auch, dass ich einen Kurzfilm auch in SD drehen und dann gestreckt in 4k rausrendern könnte. Mir ging es in der Frage tatsächlich eher um: Ist 4k nötig und wie produziere ich den Kurzfilm so, dass er in Festivals auch in annehmbarer Qualität zu bewundern ist?
Gemeint war also eher: Welche Kameras eigenen sich dafür besonders (ohne jetzt in die High-End Bereiche zu gehen)? Wie gestalte ich mein Bild Kinotauglich bzw. habe ich da auch wirklich einen Einfluss oder liegt es eher an der Kalibrierung der Projektoren? Welches Soundformat bietet die beste Qualität in Kinosälen? etc.

Es ist aber definitiv schonmal gut zu wissen, dass HD auch ausreichend ist - sofern es aus der richtigen Kamera kommt.

Die Anforderungen einiger Festivals hab' ich mir schon angesehen und das variiert ja sowieso bis zum geht nichtmehr: Die einen wollen DCP oder die 35mm Kopie, andere begnügen sich mit .h62 und meinen sogar, dass der Film maximal 500mb groß sein darf.

@Selon:
Gut, die Finanzlage der Maskenbilder leuchtet schon irgendwie ein .. ich war nur der Annahme, dass auch in dem Bereich viele mit der gleichen Motivation an die 'Karriere' gehen wie in den Bereichen Regie, Kamera, Schnitt, Schauspiel, etc. Hätte ja sein können, dass das der angehende Maskenbildner auch auf gute Referenzen angewiesen ist. :D

Ich denke der Aufwand, der in das Erstellen einer sehr guten Crowdfunding-Kampagne oder dem Beantragen der Förderung steckt, sollte doch sowieso vor jedem Projekt betrieben werden - vor Allem, wenn man aus eigener Tasche finanziert. Ich meine ich hätte da doch meine Probleme in ein Projekt, an das ich nicht zu 100% glaube, ein 2000€ Investment zu stecken. Klar, SocialMedia Aufwand, etc. ist bei Eigenfinanzierung zwar geringer aber so die übliche Vorbereitung von Drehplänen, Storyboard, Mood-Boards/Reels, etc. und natürlich ein hammer Drehbuch sind ja praktisch für alle Finanzierungsweißen Standard.

the machine one

Registrierter Benutzer

  • »the machine one« ist männlich

Beiträge: 581

Dabei seit: 11. Mai 2015

Wohnort: Berlin

Hilfreich-Bewertungen: 112

  • Private Nachricht senden

13

Mittwoch, 9. September 2015, 12:17


Gemeint war also eher: Welche Kameras eigenen sich dafür besonders (ohne jetzt in die High-End Bereiche zu gehen)?


Das sollte so ziemlich egal sein. Man muss nur damit umgehen können. Egal ob eine 5D oder ARRI. Nützt ja nichts wenn du sie nicht beherrscht. Bin immerwieder überrascht was die Profis aus Consumercams holen!

Ich glaube für den Einstieg eignet sich die BM Pocket ganz gut. Die Kamera selber ist relativ günstig, die meiste Kohle geht aber für das Zubehör drauf. Akkus, Speicherkarten, Speedbooster und bei den Objektiven ist sie auch eher wählerisch.
Ich denke aber das mit keiner anderen Kamera so schnell an "Cinema" kommt wie mit den Black Magic Kameras. Sie haben ihre Nachteile: Akku Laufzeit, Vorschaumonitor, Datemmonster(in RAW), unergonomisch, etc.
Man muss sich mit manchem arrangieren, dafür wird man mit spitzen Material belohnt.

ToXic pictures

TeeTrinker

  • »ToXic pictures« ist männlich

Beiträge: 357

Dabei seit: 4. April 2013

Wohnort: Köln

Hilfreich-Bewertungen: 139

  • Private Nachricht senden

14

Mittwoch, 9. September 2015, 23:56

@Toxic:
Ich glaub' ich hab' mich tatsächlich etwas irrtümlich ausgedrückt was die 'Produktion für Filmfestivals' angeht. Natürlich ist mir klar, dass sich Full-HD und 2k kaum unterscheiden und ich weiß auch, dass ich einen Kurzfilm auch in SD drehen und dann gestreckt in 4k rausrendern könnte. Mir ging es in der Frage tatsächlich eher um: Ist 4k nötig und wie produziere ich den Kurzfilm so, dass er in Festivals auch in annehmbarer Qualität zu bewundern ist?
Gemeint war also eher: Welche Kameras eigenen sich dafür besonders (ohne jetzt in die High-End Bereiche zu gehen)? Wie gestalte ich mein Bild Kinotauglich bzw. habe ich da auch wirklich einen Einfluss oder liegt es eher an der Kalibrierung der Projektoren?
Es ist aber definitiv schonmal gut zu wissen, dass HD auch ausreichend ist - sofern es aus der richtigen Kamera kommt.

Mir ist vollkommen klar, wohin deine Frage zielt und die habe ich auch entsprechend beantwortet. 4K ist unnötig, solange du keine aufwendige Postproduktion machst. 4K ist zB. dann wichtig, wenn es darum geht, Greenscreens zu drehen, weil es da um sehr feine Strukturen geht.

Wie produzierst du einen Kurzfilm so, dass er in annehmbarer Qualität auf einem Festival zu bewundern ist... Das ist eine Frage, die man nicht beantworten kann, weil das davon abhängt, welchen Anspruch du an eine annehmbare Qualität hast. Für mich wäre das ARRI Alexa oder RED oder 16/35mm Film mit einem, den Projekt angepassten Optiksatz, ein Sprinter mit Kamerazubehör & Kamerabühne und ein LKW mit Beleuchtung. Aber das ist mein Anspruch und meine Definition von annehmbarer Qualität für die Kinoleinwand.

Welche Kameras eignen sich ohne in den High-End Bereich zu gehen...
Da würde ich auch zu Blackmagic raten, auch wenn ich die vom ganzen Handling vollkommen Set-untauglich finde (ist aber meine persönliche Meinung). Wichtig ist einfach darauf zu achten, wie bereits von mir in diesem Post erwähnt, dass die Kamera einen vernünftigen Workflow ermöglicht. Das heißt, dass die einen möglichst großen Blendenumfang hat (12Blenden und mehr), dass die ein vernünftiges Farbsampling hat (mindestens 422, besser 4444), einen vernünftigen Codec verwendet (ProRes oder DnxHD), dass das Handling passt usw. Wenn man diese ganzen Faktoren zusammennimmt, dann kann man auch ein kinotaugliches Bild gestalten, was dann der nächste Punkt ist.

Wie gestalte ich ein Bild Kinotauglich?
In erster Linie, in dem ich mir über das Bild Gedanken mache. Cadrage, Kamerabewegung (nicht Wackel Wackel, sondern sauber und wenn es wackelt, dann erstens, weil es einen szenischen Grund hat und zweitens ordentlich gewackelt & da ist eine schwere Kamera Gold wert!), Farbdramaturgie im Bild und im Film, Lichtgestaltung. Das Letzte ist dabei mit das Interessanteste. Eine gute Lichtgestaltung macht ein Bild erst kinotauglich. Da spielt zu einen ein gewisser Lichtpegel eine Rolle, dh. wenn das Sucher- / Monitorbild am Absaufen ist, dann wird man da in der Post nichts retten. Von daher "Expose to the right". Auch eine Nachtsszene sollte erstmal "hell" aussehen am Set, denn der Kontrast ist nur dann da, wenn er auf dem Sensor gelandet ist. Kontrast ist das nächste Stichwort. Ein Kinobild ist kontrastreich, dh. es sollte von hell bis dunkel auch was im Bild vorhanden sein. Lichtstaffelungen erzeugen Tiefe, weicheres Licht sieht im Kino idR. besser aus... und und und... Das ist ein riesiges Feld und das ist auch der Grund, weswegen ich einen LKW voller Licht am Set brauche, wo auch bei einer Alexa mit 800ISO durchaus 4KW oder 6KW Tageslicht dabei ist oder 9KW / 12KW Kunstlichter. Deswegen sind da auch große Butterflys bis 20x20 drin...

Ich will damit nicht sagen, dass es nur so geht und ich will damit auch nicht sagen, dass du nicht trotzdem einen Film für ein Festival drehen kannst. Ich will dir nur deine Frage beantworten, was Kinoqualität heißt, und da ist das, was ich aufgezählt hab noch der eher untere Bereich.

Ich kann dir folgenden Tipp geben... Überleg dir, wie dein Film vom Look her aussehen soll, welche Richtung er bekommen soll. Soll das Hollywood sein, soll das Roy Anderson sein, soll das Andreas Dresen sein oder soll es sehr dokumentarisch sein oder soll es (im positiven Sinne) amateurhaft sein. Wenn du diese Frage beantworten kannst, dann weißt du (oder die Leute, die mit dir daran arbeiten oder wir hier im Forum), wie du das erreichen kannst. Denn es ist ein Unterschied, ob du in einen Dokumentaren Stil willst oder in einen Dresen Stil oder in einen Hollywood Stil. Und wenn du für eine Geschichte 2 Alexas und 4 LKW mit Licht brauchst, dann wirst du das irgendwie hinbekommen - und sei es mit einer Filmschule zusammen.
Gemeint war also eher: Welche Kameras eigenen sich dafür besonders (ohne jetzt in die High-End Bereiche zu gehen)?
Das sollte so ziemlich egal sein. Man muss nur damit umgehen können. Egal ob eine 5D oder ARRI. Nützt ja nichts wenn du sie nicht beherrscht. Bin immerwieder überrascht was die Profis aus Consumercams holen!
Nur um da eben nochmal meinen Senf dazu zu geben... Es ist absolut nicht egal mit welcher Kamera man den Kram dreht - zumindest nicht, wenn wir über die Kinoleinwand reden. 5D auf der Leinwand... also da wirst du keine Freude mit haben! Und eine 5D mir einer Alexa zu vergleichen... also sorry...

Es hat bereits 1 registrierter Benutzer diesen Beitrag als hilfreich eingestuft.

Benutzer, die diesen Beitrag hilfreich fanden:

Danielleinad

the machine one

Registrierter Benutzer

  • »the machine one« ist männlich

Beiträge: 581

Dabei seit: 11. Mai 2015

Wohnort: Berlin

Hilfreich-Bewertungen: 112

  • Private Nachricht senden

15

Donnerstag, 10. September 2015, 11:35


Gemeint war also eher: Welche Kameras eigenen sich dafür besonders (ohne jetzt in die High-End Bereiche zu gehen)?
Das sollte so ziemlich egal sein. Man muss nur damit umgehen können. Egal ob eine 5D oder ARRI. Nützt ja nichts wenn du sie nicht beherrscht. Bin immerwieder überrascht was die Profis aus Consumercams holen!
Nur um da eben nochmal meinen Senf dazu zu geben... Es ist absolut nicht egal mit welcher Kamera man den Kram dreht - zumindest nicht, wenn wir über die Kinoleinwand reden. 5D auf der Leinwand... also da wirst du keine Freude mit haben! Und eine 5D mir einer Alexa zu vergleichen... also sorry...


Kann sein das ich mich irre aber, soweit ich weiß wird seit Jahren mit DSLRs fürs Kino produziert. Mit der Canon 5D besonders. Dieser Film fiel mir spontan ein in dem mit der 5D gedreht wurde Link. Auf IMDB gibt es auch eine schöne Liste weiterer Filme welche mit DSLR gedreht wurden. Vlt nicht der ganze Film, aber als B-Cam, warum auch nicht?
Die Teile sind billig und jemand der damit umgehen kann holt dort richtig was raus. Selbst GoPro Aufnahmen kann man im Kino sehen. Klar Handling, Codec, Auflösung, Dynamik Range, Objektivmount und Vorschau machen dem Profi Bauchschmerzen aber es geht.

Warum sollte man keine 5D mit einer Alexa vergleichen? Ganz Polemisch gesagt produzieren beide nur Bilder.
Mir ging es aber nicht so sehr um den direkten Vergleich der beiden Kameras, sondern eher um den Vergleich zwischen einer Kamera welche für den Consumer(vlt Prosumer) ausgelegt ist und einer Kamera welche sich explizit an Leute richtet die damit Geld verdienen.
Was ich damit sagen will ist, das es vollkommen egal ist womit man dreht, solange man die Technik richtig beherrscht(Story, Ton,Licht,etc). Dir hilft die geile Arri Alexa 65 nichts wenn du keine Ahnung von Belichtung hast und damit nur Blumen filmst.

In den anderen Punkten gebe ich dir absolut Recht besonders beim Licht!

Social Bookmarks