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dödeli117

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Samstag, 19. Oktober 2013, 15:38

Casting - Tipps & Ratschläge

Hallo zusammen,

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, ist bei uns ein grosses Projekt in Planung. Der Aufruf zum Casting ist gestern erfolgt, ich habe bereits über 20 Bewerbungen. Klar ist, dass ich im Voraus gewisse aussortieren muss.

Meine Frage bezieht sich auf das eigentliche Casting. Es wird unser erstes in diesem Rahmen und ich wollte die Erfahreneren (Schauspieler und Filmemacher) unter euch fragen, wie ihr das so handhabt.

Die Ausschreibung gilt für 4 Hauptrollen. Meine Idee ist, dass ich den Schauspielern sicherlich eine kurze Textpassage aus dem Script gebe. Ausserdem hat mir eine Schauspielerin den Tipp gegeben, ein paar "Gesten" und Bewegungen zu Proben.

Habt ihr gerade noch Tipps? Auf was man achten soll? Was es sonst noch für Möglichkeiten gibt, um herauszufinden, ob jemand für die bestimmte Rolle geeignet ist.

Klar, schlussendlich muss ich als Regisseur und Projektleiter entscheiden, ob die Person geeignet ist.

Die Castingausschreibung und Rollenauswahl findet ihr hier: http://www.durchdienacht-derfilm.ch/media/Casting-Aufruf.pdf

Gruss, Andreas

L Lawliet

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Samstag, 19. Oktober 2013, 15:57

Lass die Leute "kritische" Szenen machen. Wenn ein Charakter z. B. in einer Szene auf Kommando weinen muss und du den Schauspieler eine "normale" Szene hast vorsprechen lassen, findest du eventuell erst am Set raus, dass der Schauspieler das nicht kann und dann ist blöd. :)

Achte auf die Unterschiede zwischen einem guten Vorsprechen, einem schlechten Vorsprechen und einem nervösen Vorsprechen. Die ersten zwei dürften klar sein, das dritte ist recht tricky. Wenn dus im Bauchgefühl hast, dass diese Person DIE Besetzung für die Rolle ist, ihr Spiel aber nicht überzeugt, liegt es vielleicht nur an der Castingsituation.

Leg dich nicht zu sehr auf die Rollen fest. Wenn jemand für Rolle A vorspricht, du ihn aber absolut in Rolle B siehst, frag höflich, ob er den Text von B vorsprechen würde.

Nimm das Casting nicht auf. Wenn sich jemand nicht in dein Gedächtnis spielt, wird das einen Grund haben. Zudem erhöht es die Chance auf nervöse Vorsprechen.
Notizen reichen; Videoaufnahme ist beim zweiten Durchgang sinnvoll, wenn du die Schauspieler miteinander agieren lässt und du beim einen etwas übersehen könntest, weil du dich grade auf den anderen konzentrierst.

Wenn es das Budget erlaubt (und wenn nicht, sollte anderswo gespart werden), holt euch einen Casting director, der schon mehrere Castings geleitet hat. Die richtige Besetzung ist essenziell, da wollt ihr nicht am falschen Ende sparen.
Gebt mir bitte in folgendem Thread Bescheid, wenn ihr eine wie dort beschriebene Kritik von mir zu eurem Film haben wollt:
L Lawliet verreißt eure Filme

Drehbuchkritik nach Absprache per PN.

pikk

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Samstag, 19. Oktober 2013, 16:04

Hallo,

bei solch einem Aufkommen ist das doch ganz überschaubar. Such dir alle raus, die in Frage kommen und lade sie zum Vorsprechen ein. Bestimmt hast du die ein oder andere Szene, die du so bildlich im Kopf hast, als hättest du sie im Fernsehen gesehen. Lass die Leute einfach mal was vorspielen und sag ihnen dann, was du gerne anders hättest, um zu sehen, ob sie deine Anweisungen schnell verstehen und umsetzen können.
Dann würde ich die Darstellung mit ca. 60% Gewichtung betrachten. 40% sind dann die praktischen Gegebenheiten. Ist man sich sympathisch? Folgt der Darsteller ohne Murren den Anweisungen? Geht es ihm um Geld/Ruhm oder um die Kunst? Solche Sachen eben.
Allgemein würde ich aber sagen, dass man da ganz intuitiv vorgehen kann. Sollte nur von Anfang an klar sein, dass es eine gewisse Hierarchie gibt und da kann es unter Umständen hilfreich sein, wenn man sich ein Bisschen arschig gibt, um gleich mal zu testen, ob es beim Dreh dann Probleme geben könnte.
Mehr fällt mir dazu gerade nicht ein.

Viel Erfolg! :)

TEXOFilme

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Samstag, 19. Oktober 2013, 16:06

Hi Andreas,

Am wichtigsten ist meiner Meinung nach die Textpassage, die du als Castingszene auswählst. Das sollte möglichst kein Monolog, sondern eine Szene mit mehreren Darstellern sein. Dabei habe ich es oft erlebt, dass der Text dann aus dem Off von einem Caster oder dem Regisseur eingelesen wird.
Davon rate ich dir allerdings ab. Überlege dir am besten vor dem Casting schonmal anhand der Schauspielerfotos und Showreels (Die sind bei den meisten unter Schauspielervideos.de zu finden), welche Kombinationen du dir am besten vorstellen könntest und lass dann beim Casting die Schauspieler zusammen die Szene spielen. Da siehst du viel mehr. Was passiert zwischen den beiden? Welche Blicke und Geesten werden ausgetauscht? Ich glaube, dass diese Castingmethode dir und den Schauspielern viel mehr gibt, als bloß auf die Betonung der Texte eines einzelnen Schauspielers zu achten. Nimm dir dabei ruhig Zeit, tausche vielleicht mal die Rollen und probiere, wenn du genug Zeit hast verschiedene Kombinationen aus. Das ist durchaus üblich, solange du die Schauspieler keinen ganzen Tag von ihrem Alltag abhälst.
Lass jemanden das ganze dokumentieren. Schnapp dir eine kleine Kamera, stell sie evtl. einfach auf ein Stativ und filme alles mit, damit du nach den Castings nicht den Überblick verlierst und dir alles nochmal anschauen und durch den Kopf gehen lassen kannst.

Mehr fällt mir spontan auch nicht ein. Zum Verhalten gegenüber den Schauspielern gibt's noch ein ganz gutes Film Riot Video :)
Schau mal hier:


www.TEXOFilme.de

Aktueller Film: Aus deinen Händen
Letzte Veröffentlichung: Bruchstück
Aktuelles Showreel: Showreel 2013

HobbyfilmNF

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Samstag, 19. Oktober 2013, 16:11

Da ich schon an einigen TV und Kino Castings teilgenommen habe und selbst eins gemacht hatte kann ich dir nur den tip geben beim Casting mindestens eine Kamera laufen zu lassen damit du in ruhe zu Hause dir alle nochmal anschauen kannst.
Mehrere Kameras sind aber besser. Mit einer Halbtotal oder Englisch und mit ner anderen Close up.
"Gesten" und Bewegungen zu Proben halte ich für unsinn da jeder Schauspieler eine andere Art hat eine Rolle zu spielen.
(Ausgenommen das für die besagte Rolle eine bestimmte Gestik oder Bewegung wichtig ist dann solltest du es beim Casting mit einbauen).
Wichtig ist auch niemanden vor Ort zu sagen das er oder sie schlecht gewesen ist denn das kann zu unerwünschten Diskusionen führen und auch zu kleinen Verbalen ausschreitungen kommen und bei allen die noch warten für schlechte Laune Sorgen.
Vor Ort keine Zu und Absage machen (sowas kannst du später Telefonisch oder per Mail machen).

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »HobbyfilmNF« (19. Oktober 2013, 16:25)


dödeli117

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Montag, 21. Oktober 2013, 01:48

Danke schon einmal für die vielen ausführlichen Tipps.

Also das Casting zu filmen hatte ich definitiv geplant; es mag die Schauspieler vielleicht minimal nervöser machen, allerdings habe ich so die Möglichkeit, nochmals auf gewisse Details zu achten, die mir vielleicht beim Casting selbst nicht auffallen.

Ein Casting Director wäre natürlich ideal, allerdings werden wir uns wohl keinen leisten können.

Mittlerweile sind es über 50 Bewerbungen (für 4 Rollen), heisst ich werde definitv schon im Voraus sortieren müssen. Eigentlich ist dies das Casting der Hauptrollen, allerdings kann es dann natürlich gut sein, dass ich mir jemand besser in einer bestimmten Nebenrolle vorstellen kann..

Und wie würdet ihr es mit dem Text für die Schauspieler machen? Soll ich ihnen den direkt in die Hand drücken und sie sollen die Szene einfach spielen? Oder soll die jemand quasi "in Empfang" nehmen, während sie warten und ihnen den Text geben, so dass sie ein paar Minuten Vorbereitungszeit haben? Oder soll ich ihnen den Text gar im Voraus (heisst ein paar Tage vorher) zuschicken?

pikk

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Montag, 21. Oktober 2013, 09:22

Ich würde ihnen einen Drehbuchauszug vorab schicken. Bin der Meinung, es ist hilfreicher zu wissen, ob sich die Kandidaten gründlich vorbereiten, als ob sie schnell den Einstieg finden, wenn man sie ins kalte Wasser stößt.
Natürlich solltest du ihnen dann beim Termin trotzdem noch ein Script anbieten und drauf achten, ob sie stark drauf angewisen sind. Wenn dann jemand trotzdem nicht gut klar kommt, könnte das ein Indiz dafür sein, dass er eigentlich gar nicht so richtig Bock hat. Ist mir auch schon passiert, dass Leute aus einer laufenden Produktion ausgestiegen sind und das Risiko solltest du natürlich so gut es geht minimieren.

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