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benny

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Sonntag, 23. Oktober 2011, 14:57

Wie baut man einen Draht vom Zuschauer zur Hauptperson auf

Hallo :)
Meine Frage: Wie baue ich einen Draht vom Zuschauer zur Hauptperson auf, sprich dass der Zuschauer mit der Person fühlt, sie einem leidtut, die Handlungen nachvollziehen kann, und sowas.
Gibt es irgendwelche Tipps, Tricks, Kameraeinstellungen (zb. Nahe Perspektiven wählen?!), ...???

Hab schon hier im Forum gesucht aber nichts derartiges gefunden.

lg benny!

L Lawliet

Watashi wa eru desu

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Sonntag, 23. Oktober 2011, 15:01

Niemand wird eine Person im Film bedauern oder ihre Handlungen nachvollziehen können, wenn das Drehbuch nicht stimmig ist. Alles andere ist nur nettes Beiwerk,

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Sonntag, 23. Oktober 2011, 16:26

Da gibt es sicherlich vieles, worauf man achten kann.

Ich denke es ist wichtig, wie gut der Schauspieler seine Situation rüber bringt. Dann wie L schon gesagt hat, muss das Drehbuch passend geschrieben sein. Es müssen genug Momente zur Identifizierung dabei sein.

Kameratechnisch gibt es da auch vieles, was man tun kann. Für emotionale Momente bevorzuge ich lange Einstellungen, die den Zuschauer förmlich die Situation zeitgleich ohne Schnitte mit am Erlebnis teilhaben lassen.

Dann kommt noch die Musik, die stimmig sein muss und die Szene nicht zerstören darf.

Es gibt sicher noch vieles mehr. Einfach ausprobieren und lernen :)

joey23

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Sonntag, 23. Oktober 2011, 17:19

Wenn man das in einem Forenpost erklären könnte, würde Hollywood nicht so viel Scheiße produzieren und es gäbe keine Filmhochschulen.

Genau das ist der Punkt, der gute Filme von schlechten Filmen unterscheidet, ist der Punkt der zwischen Erfolgreichem Regisseur und B-Movie-Klimbim unterscheidet und so weiter.

Im Grunde gibst du die Antwort aber schon selbst: Lass den Zuschauer Mitfühlen. Dann baut er einen Draht auf. Wie hängt zu 100% vom Projekt, der Strory, den Mitteln, den Schauspielern ab. Da gibt es keine Anleitung, kein Richtig oder Falsch.

Artemis

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Sonntag, 23. Oktober 2011, 20:17

Ich glaube auch, dass das Drehbuch sehr wichtig ist, d.h. der Charaketer so geshrieben ist, dass man sich als Zuschauer in ihn hineinversetzen und sich mit ihm identifizieren kann. Das ist meiner Meinung nach schon mal die halbe Miete. Die anderen 50% macht die schauspielerische Leistung und die Darstellung des Charakters aus. Dabei ist besonders wichtig, dass die Emotionen gut und natürlich rübergebracht werden.

rick1000

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Sonntag, 23. Oktober 2011, 21:37

Als konkrete Beispiele:

Apelliere an das Gerechtigkeitsempfinden des Publikums. Halte Deinem Darsteller etwas schönes verlockendes hin und nimm es ihm dann schlagartig weg (Bsp: Tolle Frau die aber nicht auf den Losser steht und mit dem Sportler loszieht). Oder laß ihm schreindes Unrecht widerfahren (Bsp. Er wird beim Versuch jemanden zu beschützen selber zum Opfer). Steigern ließe sich das z.B. durch die Aufopferungsbereitschaft des Charckters, die ihm nicht gedankt wird und von der er nur Nachteile hat (Bsp. Altenpfleger, der sich rührend um die Senioren kümmert wird wegen mangelnder Effizenz gefeuert oder Bsp. Frau verläßt Mann weil er sich um seine todkranke Mutter/Schwester kümmert). Bei einer Rolle als Opfer ergeben sich dann gegebenenfalls spezielle Kameraperspektiven wie z.B. :

Vogelperspektive (Emo-Look von Oben) -> unschuld / Verletzlichkeit.
Ego-Perspektive mit leichtem Fisheye auf spottende Gesichter/verzerrte Fratzen -> läßt den Zuschauer die Scham des Verspottet werdens mit erleben.
Super-Totale auf den Darsteller zwischen großen Häusern/Bäumen -> läßt ihn klein/einsam/verletzlich wirken.

Hier noch ein paar Gedanken u. A. zum umgekehrten Fall.

Mitfühlen, hineinversetzen, identifizieren sind die "positiv geprägten" Wege zum Draht zum Darsteller. Aber was ist z.B. mit Anthony Hopkins in "Schweigen der Lämmer" oder Bruno Ganz in "Der Untergang". Charisma denke ich ist hier ein Schlagwort. Darstelbar z.B. in Form von unbeirrbarer Konsequenz. Eine Charackter der um jeden Preis sein Ziel verfolgt (egal ob gut oder böse), wird vom Zuschauer akzeptiert, gefürchtet, verachtet, gehaßt oder heimlich bewundert, somit entsteht eine Verbindung aus Sym- oder Antipathie die den Betrachter an den Akteur fesselt, z.B. der Wunsch das etwas mit dem Charackter (auf Grund seines Handelns) unbedingt passieren muß/soll. Ihm soll die Gerechtigkeit widerfahren die ihm gebührt.

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schleiereule, Anderl Smithee

benny

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Montag, 24. Oktober 2011, 20:16

Danke an alle für die schnellen und hilfreichen Antworten. :)
@rick1000: Die Beispiele waren sehr hilfreich!!

lg benny

8

Freitag, 4. November 2011, 19:06

Ich habe die vorherigen Posts nur überflogen, deswegen verzeiht mir Wiederholungen :D

Selbst, wie vorher Erwähnt, das ganze nicht in einem Forenpost erklärt werden kann, würde ich genauso sagen, dass es dafür keine Formel gibt.
Filme machen hat etwas mit Kunst zutun und sobald man für Kunst Formeln hat, ist es keine Kunst mehr.
Das soll heißen: Learning by Doing! :D

Meine Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass es als anstrebender Filmemacher einfacher ist, sich Situationen zu suchen, die ein Großteil der Zuschauer kennt.


Ich hoffe das konnte ein kleines wenig helfen! :P



Gruß, Oli!

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9

Samstag, 5. November 2011, 13:23

Ich glaube dass zum Mitgefühl auch dazu gehört, dass der Zuschauer sich mit Charakteren im Film identifizieren kann und eventuell denkt "So hätte ich auch gehandelt"

Noch viel wichtiger finde ich zu erwähnen, dass der komplette Draht zur Hauptfigur vollkommen egal wird, wenn die Nebenfiguren nicht genauso volkommen lebensecht sind. Denn dann ist die Welt unecht in die der Zuschauer sich hineindenken soll.

Jan Riebe

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10

Montag, 7. November 2011, 10:19

Auch wenn hier schon viel wahres gepostet wurde möchte ich gerne etwas anfügen. Die Identifikation mit einer Figur geschieht oftmals alleine schon dadurch, dass die Figur der Protagonist ist. Der Zuschauer ist sich, wenn er einen Film sieht, zu einem gewissen Maße immer bewusst, dass er es mit einer Geschichte zu tun hat, und folgt daher den erlernten Regeln des Rituals "einen Film sehen". Dazu gehört auch, dass er weiß, ahnt, oder zumindest von einem guten Film erwartet zu ahnen, wer der Protagonist ist und mit wem er sich daher zu identifizieren hat.
Selbstverständlich ist dies nur ein Anteil an einer starken Identifikation, aber Filme wie z.B. Psycho zeigen, dass sich der Zuschauer, wenn man ihm keine andere Wahl lässt, auch mit Charakteren identifiziert, die er in anderen Situationen ablehnen würde.

Klassische weitere Mittel der stärkeren Identifikation wären, z.B. ein aktiver Protagonist, denn wir alle wären gerne aktiv, ein Protagonist der durch sein wechselhaftes und unvorhersehbares Verhalten interessant ist, und natürlich ein solcher, der die gleichen inneren Probleme hat, wie der Zuschauer, wie jeder Mensch.

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Shaun Whites brother

DiGiTAL MAGiC

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11

Donnerstag, 10. November 2011, 23:14

Laut arestoteles (wenn man den so schreibt) sollte die hauptperson auf ein mal eine wende von in seinem leben erleben, die er durch einen unkontrollierten fehltritt selber eingeleitet hat, dabei sollte die hauptperson nicht besonders reich oder tüchtig sein, sondern ein mittelmaß zwischen arm und reich und faul und tüchtig darstellen

Das gilt auf jeden fall für die tragödie, dessen hauptziel es ja ist emotionen über den protagonisten ans publikum zu bringen

Masterson

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12

Donnerstag, 1. Dezember 2011, 11:35

Ich finde es schwer, da eine generelle Antwort zu geben: Klar soll der Zuschauer mitfühlren - jeder Zuschauer fühlt jedoch anders mit und da wirds schwierig. Alle anzusprechen ist denke ich sogar unmöglich.

Shaun Whites brother

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13

Donnerstag, 1. Dezember 2011, 22:36

Jan hat Recht

Ich finde Jan hat absolut Recht. Desweiteren ist es von großer Bedeutung, dass die Rolle des Protagonisten mit einer besonderen Persönlichkeit besetz ist, oder der Schauspieler zumindest diese sehr gut spielen kann.

Gruß SWb :thumbup:
:thumbup: PEACE :thumbup:

fanboy666

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Freitag, 2. Dezember 2011, 01:24

Ein wichtiges Wort ist hier noch nicht gefallen: Tiefe.
Die Hauptfigur sollte möglichst angemessen viel Tiefe haben.

Ein wichtiger Teil dessen ist es z.B. die Vergangenheit der Figur zu beleuchten und für die Story wichtige Abschnitte oder Erlebnisse zu erwähnen. Grundsätzlich sollte man seine Hauptfigur sehr genau kennen - je detailreicher man Lebenslauf, Gewohnheiten, Vorlieben erschafft, desto leichter fällt es ihr Tiefe zu geben, sie (re)agieren, handeln, reden, leben und sterben zu lassen.
Eine gute Geschichte ist alles!

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Arwen_Undomiel

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15

Dienstag, 6. Dezember 2011, 00:18

Vielleicht eine Hilfe

Hi,

ich habe dazu ein Schnitt Tutorial, vielleicht hilft es Dir. Schau mal hier:

"Führung der Gefühle", das neue Schnitt Tutorial

Gruß

Lutz

benny

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16

Mittwoch, 7. Dezember 2011, 14:42

Danke!
werd ich mir gleich anschauen! :)

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