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Mr Dude

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Donnerstag, 11. August 2011, 16:26

Arbeit mit Musikern

Ich wollte mich mal umhören, wie ihr mit euren Musikern arbeitet. Ich arbeite derzeit zum dritten Mal mit einem guten Freund zusammen an der Filmmusik. Bislang habe ich ihm immer Musikbeispiele gegeben und dann solange Änderungswünsche geäußert bis es mir gefiel. Das führte schon teilweise zu 8 verschiedenen Variationen einer Szene. Und der Kumpel begann mich zu hassen :D Letzten Endes waren wir zwar beide immer sehr zufrieden, aber ich habe halt das Gefühl, dass ich ihm zu wenig kreativen Freiraum lassen, wenn ich sage "Mach das mal so wie in dem Beispiel aus dem Bourne-Score", "Nimm mal die Synthies raus", "Da muss mehr Abwechslung rein, vielleicht mehr Drums, für mehr Tempo". Er meint zwar ihn stört das nicht, aber mich würde mal interessieren wie das andere sehen und machen.

Wie macht ihr das? Geht ihr auch auf eure Musiker zu und gebt ihnen exakte Angaben und biegt sie dann zurecht oder sagt ihr nur welche Stimmung und welcher Stil in etwa gewünscht ist? Mich interessiert auch, welche Erfahrungen die Musiker unter uns hier schon gemacht haben und welche Arbeitsweise von ihnen favorisiert wird.
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Birkholz

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Donnerstag, 11. August 2011, 17:20

Ich mach das ähnlich wie du. Entweder ich geb direkte Beispiele von vorhandenen Scores zur "Inspiration" vor, oder sag halt einfach Stil, Stimmung und Tempo an. Meistens sind es wirklich grobe Vorgaben bei den Änderungen wie "tiefere Synthies, mehr Bass, weniger Streicher"... Oder so! :D

Mich würde mal interessieren, wie die Komponisten hier das sehen. Ohne großes musikalisches Wissen, auch was Begrifflichkeiten angeht, kann es da auch mal schnell an der Kommunikation scheitern. Vielleicht könnte man den Workflow verbessern, wenn man sich hier gegenseitig Tipps zur erfolgreichen Zusammenarbeit gibt! :)

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Donnerstag, 11. August 2011, 18:58

Genau deine Frage betrifft auch mich... Ich weiß teilweise nicht was er da für Intrumente einbaut, weil er sie stark verfälscht oder was und dann heißts einfach "Das surren etwas leiser und dieses Schiffshorn-Dingens lauter und schallender" :D
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Schattenlord

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Donnerstag, 11. August 2011, 21:32

Also für mich ist die Arbeit mit dem Komponisten sehr wichtig.
Wie ja hier vielleicht einige wissen (^^), bin ich großer Filmmusikliebhaber und lege sehr viel Wert auf entsprechende Qualität. Jeder hat da ja einen anderen Geschmack, aber für mich muss der Soundtrack zu allererst zu dem Film passen, ins Ohr gehen, aber vor allem: Einzigartig sein. Grade in der heutigen Zeit gleicht sich ja das meiste so sehr, so viel Standart-Mucke entsteht, es stechen halt kaum noch Scores aus dieser Suppe aus Einheitsbrei heraus und wissen von vorn bis hinten zu fesseln. Letztes Jahr waren es gerade mal 5 Soundtracks, die das bei mir geschafft haben, immer wieder rotieren und auch in Erinnerung bleiben. Neue Soundtracks habe ich mir so um die 60 zugelegt. (Von Klassikern wie Goldsmith Neuauflagen sprech ich hier nicht. Nur von Soundtracks von neuen Filmen.) Und es geht hier nicht nur um reine Orchestermucke, bin auch Synthie-Soundtracks recht aufgeschlossen. Das diese auch mit Individualität glänzen können, hat ja Trent Reznor mit Social Network letztes Jahr wunderbar bewiesen.

Wenn ich also einen Film mache, involviere ich von Anfang an auch mit den Komponisten. Momentan arbeite ich ja immer mit Kevin Knorr zusammen, der ja letztes Jahr mit seinem Porzellanpuppen-Soundtrack den Award für besten Original-Score abgeräumt hat. :) Da läuft es dann ungefähr so ab: Ich schicke ihm das Drehbuch und ein Exposé, das darf er sich erstmal zu Gemüte führen. Dann reden wir gemeinsam über unsere Vorstellungen. Meist schicke ich zu dem Drehbuch verschiedene Musiken mit, die er sich währenddessen anhören soll. So weiß er zumindest schonmal grob, in welche Richtung ich mir das vorstelle. Dann reden wir drüber und versuchen einen Stil zu finden. Machen schon Pläne bezüglich Instrumentenwahl, usw.
Ich bin der Meinung, dass man einem Komponisten so großen kreativen Freiraum wie möglich lassen sollte. Sonst kommt halt so Standart-Mucken-Zeugs raus.
Kevin erstellt dann zumeist einen Track basierend auf den Vorstellungen des Drehbuches. Der wird dann auseinandergenommen. Ich sag ihm, obs mir gefällt oder nicht, immerhin will ich vor allem meine Vorstellungen des Filmes verwirklichen. Man muss sich auf Kompromisse einigen und nicht einfach sagen: "So solls sein!". So bleibt genügend Platz für Individualität, was den Soundtrack ja zum Schluss einzigartig machen soll.
Während des Filmes gibt es meist immer 8-10 Versionen eines Stückes für eine Szene. Da Kevin Perfektionist ist, arbeitet er meist selbst Wochenlang an einem Stück, da wird nix dem Zufall überlassen. Sicherlich gibt es immer künstlerische Differenzen, aber meist finden wir einen guten Kompromiss. Zum Schluss müssen wir beide zufrieden mit dem Werk sein, dass ist das, was ich mir wünsche.

Film ist nunmal Kunst. Zumindest betrachte ich das so. Und wenn man was einzigartiges schaffen will, muss man an den nötigen Stellen Kreativen Freiraum lassen. Ich wünschte, sowas gäbe es öfter. :)

Schattenlord


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Silentforcestudios

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Sonntag, 14. August 2011, 21:02

Na ja, ich versuchs mal aus Sicht des Komponisten zu beschreiben. Also wie ich das selbst erlebe. Man muss natürlich dazu wissen: Jeder Komponist ist anders und arbeitet anders. Daher ist es "meine" Ansicht.

Fangen wir mal beim generellen Zusammenarbeiten an: Im Prinzip ist es für Komponisten wie mich am besten, wenn wir möglichst früh in der Entstehung des Films involviert sind. Grund dafür ist einfach das wir so uns am besten auf das Projekt einstellen können. Musik ist nun mal auch immer etwas persönliches, etwas emotionales. Und es kann durchaus für die Qualität sehr gut sein wenn man etwas mehr Zeit hat darüber nachzudenken welches Gefühl man eigentlich vermitteln möchte und, vor allem, mehrere Tests machen kann. Wenn man natürlich nicht so viel Zeit hat, sollte man verständlicherweise auch davon ausgehen das weniger Änderungen durchgeführt werden können. Wie gesagt, Musik schreiben ist etwas emotionales und, gerade bei Leuten die nicht so extrem viele Filme unterlegt haben, kann man nicht erwarten das die am Tag locker 3min Musik schaffen.

Was den Beispieltracks anbelangt so sehe ich diese erstmal unkritisch, weil die können helfen das zu verstehen, was der Regisseur im Schilde führt ;). Aber man sollte als Regisseur nicht auf diese pochen. Es liegt in der Natur des Komponisten das er gern Sachen machen möchte, die den Regisseuren/Auftraggeber überraschen. Und diesen Freiraum sollte man nicht einschränken. Man sollte dem Komponisten die Chance/Möglichkeit zu geben Verrücktes zu machen.

Was der Diskussion der Elemente angeht die geändert werden sollen(also dieses typische, weniger Streicher, mehr Synthies) usw. ist möglich und ein guter Filmkomponist sollte auch in der Lage sein zu verstehen was die "Laien" Ausdrücke bedeuten, denn er wird selten mit musikalischen Profis zusammenarbeiten. Dieses abstrahieren sollte dem Komponisten gegeben sein. Sehr hilfreich für den Komponisten kann dann aber sein wenn man nicht nur sagt was man ändern möchte, sondern auch begründet wieso. Also vielleicht etwas in die Richtung:"Wir brauchen an der Stelle die Synthies um den Klang dicker zu machen. Dies erzeugt mehr Spannung" oder "Die Bässe müssen da raus, weil da kommt am Ende ein sehr tiefes Grollen als Soundeffekt drunter". Also zu versuchen zu erklären was man bezwecken möchte damit. Weil dann kann der Komponist u.U. sich noch überlegen wie er dieses anders erreichen könnte. Vielleicht sogar effektiver.

Ich hoffe das hilft etwas weiter xDD. Für Rückfragen bin ich jederzeit offen ;)

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Montag, 15. August 2011, 14:54

Was den Beispieltracks anbelangt so sehe ich diese erstmal unkritisch, weil die können helfen das zu verstehen, was der Regisseur im Schilde führt ;). Aber man sollte als Regisseur nicht auf diese pochen. Es liegt in der Natur des Komponisten das er gern Sachen machen möchte, die den Regisseuren/Auftraggeber überraschen. Und diesen Freiraum sollte man nicht einschränken. Man sollte dem Komponisten die Chance/Möglichkeit zu geben Verrücktes zu machen.

Leider passiert halt genau das immer öfter. Wenn man von Hollywood-Produktionen ausgeht, merkt man mittlerweile schon fast 1:1, wo welche Temptracks eingesetzt worden sind. Sehr schade, dass Kreativität bei Musikern anscheinend nicht mehr so hoch geschrieben wird und dann Standart-Mucke a la Steve Jablonsky rauskommt...


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Montag, 15. August 2011, 16:30

Ja, leider ist es oft so. Und je "professioneller" ein Projekt wird, desto schlimmer wirds oft(siehe halt "Hollywood" Produktionen).

Und das ist auch, ganz ehrlich, für (in diesem Fall) mich als Komponisten extrem unbefriedigend wenn du weißt: Du hättest mehr draus machen können. Aber dir irgendwelche Personen aus Zeitgründen oder weil sie einfach dir keinen kreativen Freiraum lassen das so aussichtsreiche Projekt zerstören.

Das ist schade. Weil, wie du ja auch schon sagtest, Musik ist eine Kunst, genauso wie Film auch. Und, um mal ein klassisches Beispiel zu nennen, Beethoven oder Mozart oder auch Bach, sind früher teilweise mit ner Idee einer Melodie wochenlang rumgelaufen um diese weiter zu entwickeln. Die haben sich teilweise so viel Zeit für ne Melodie alleine genommen, wie heute nen ganzer 2 stündiger Score abgearbeitet wird.

Ich hoffe inständig, das sich in Zukunft die Filme mehr auf die alten Stärken wie Bildsprache, Story usw. besinnen, als auch sowohl Studios, Regisseure als auch Produzenten der Musik im Film wieder mehr Aufmerksamkeit schenken in Zukunft. Insbesondere auch bei großen Produktionen.
Um das ganze aber nicht zu negativ enden zu lassen: Ich sehe öfter(nicht immer, aber öfter) das Regisseure, insbesondere bei Projekten die von keinem Budget abhängen, die Bereitschaft größer wird dem Komponisten zuzuhören. Viele davon sind sogar daran interessiert wenn man ihnen ein paar Grundregeln der Musik nahe bringt. Auf verständlicher Weise natürlich. Vielleicht, oder besser hoffentlich, ist das die Zukunft.

P.S.: Mir ist durchaus klar das das ganze jetzt etwas nostalgisch und bisschen schmalzig klingt :P . Mir ist da kein besserer Text eingefallen spontan ?(

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Montag, 15. August 2011, 23:48

Ja, aber du hast verdammt Recht. Ich sehe es absolut wie du. Schade, dass dieses Thema nicht mehr diskuttiert wird. Mich würden andere Meinungen zu diesem Thema sehr interessieren.

Um das ganze aber nicht zu negativ enden zu lassen: Ich sehe öfter(nicht immer, aber öfter) das Regisseure, insbesondere bei Projekten die von keinem Budget abhängen, die Bereitschaft größer wird dem Komponisten zuzuhören.

Oh ja, das ist mir auch schon aufgefallen. Merkt man schon deutlich von professionellen Filmen. Beispiel: Patrick Doyle schreibt bei großen Hollywood-Produktionen immer öfter schon oft gehörten Crap zusammen, Thor und Rise of the Planet of the Apes sind da zwei aktuelle Beispiele, bei denen er sich wirklich sehr für den Regisseur und Mainstream verbogen hat. Sehr schade. Das er es drauf hat, individuelle, neue Sachen zu schreiben, die vor fabelhaften Ideen glänzen, zeigt er dann immer in seinen kleineren Projekten, wo ihm anscheinend mehr kreativer Freiraum gelassen wird, wie jetzt sehr aktuell von ihm bei "JIG". Die Frage ist, um beim Thema zu bleiben: Warum wird das getan?
Warum werden Komponisten und andere Künstler gezwungen, sich möglichst für ein massentaugliches Projekt zu verbiegen, anstatt Kreativität ausleben zu lassen? Ich glaube, vor 12 Jahren hat man sich das noch nicht so stark getraut. Also wie kommt das?


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Dienstag, 16. August 2011, 15:00

Ich denke das hat mehrere Ursachen. Zum einen kommt es mir so vor das generell der Hollywood Film(nehm ich jetzt einfach mal als Referenz für High Budget Filme) von den Studios immer mehr kalkuliert wird als kreativ gemacht wird. Es wird also mehr drauf geachtet möglichst viel Geld einzunehmen ohne dabei viel Risiko zu gehen. Man macht Sachen bei denen klar ist, das sie funktionieren werden. Das ist denk ich auch ne Einschränkung die Regisseure da gemacht wird. Anstatt dem Regisseuren zu vertrauen wird oft, denk ich, nur nach dem gearbeitet was angesagt ist. Kann mir gut vorstellen das wenn der Regisseur anfragt ob er da irgendwas neues versuchen kann wird oft wahrscheinlich nur gesagt:"Nicht nötig. Pack einfach mal ein paar Effekte mehr in den Film rein und die Leute werden es schon kaufen/schauen"
Dies kommt dann natürlich denk ich auch bei der Musik zu tragen. Alles getreu dem Motto "die paar Personen denen Filmmusik wichtig ist, auf die können wir im Notfall verzichten, wenn wir dafür gut bei den anderen verkaufen".
Das ist denk ich der eine Grund das generell von den Studios oft die Kreativität eingeschränkt wird. Das nimmt, finde ich, in letzter Zeit immer mehr zu. Als es noch keine guten Computereffekte gab war man da denk ich von Natur aus kreativer und hat den Kreativen da auch mehr Spielraum gelassen.

Der andere Punkt der denk ich zum tragen kommt ist das jede Produktion von Musik heute vorraushörbar ist. Es wird ja heute darauf Wert gelegt das alles, insbesondere das vom Orchester, heute mit Libarys im Vorraus den Verantworltichen alles vorgespielt wird. Das hat natürlich den Vorteil das, gerade in Low-Budget Produktionen, heute ein recht guter Orchestersound möglich ist(ohne richtiges Orchester. Natürlich kein Vergleich zu nem echten, aber das kostet ja schnell mal 10.000-20.000€ am Tag). Hat aber den Nachteil das oft im Vorraus gehört wird was der Komponist plant und dann auch gleich gesagt werden kann "so wollen wirs aber nicht". Tatsächlich war vor gut 12 Jahren das, was man aus Libarys damals rausholen konnte höchstens Anhaltspunkte gab, aber nicht annäherend ne Qualität hatte wie heute. Zumal die Rechner ja auch extrem schwächer waren. Früher wars wirklich so das die "fertige" Komposition vom Regisseuren und den Produzenten usw. frühstens am Tag der Aufnahme zu hören war. Und Änderungen währrend eines bestellten Orchesters(insbesondere komplette Neu-Kompositionenwaren da oft einfach nicht drin). Also wurde das genommen, was der Komponist halt abgeliefert hatte.

Schattenlord

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Dienstag, 16. August 2011, 20:38

Sehr interessant vor allem ist der zweite Punkt, den du ansprichst. Punkt 1 war mir soweit klar, aber Punkt 2 hab ich bisher nie so stark in Betracht gezogen.
Wenn es denn damals schon so gewesen wäre, wenn Libarys und guter Computer-Sound damals schon gewesen wären... ob man Altmeister wie Jerry Goldsmith, John Williams oder Basil Poledouris auch schon so verbogen hätte, wie es heute mit den aktuellen Komponisten getan wird?

Und: Welche Auswirkungen hat das Voranschreiten der Technik im Bereich Musik auf uns Amateurfilmer? Eigentlich gereicht es uns ja zum Vorteil, da uns eigentlich nun Soundtracks möglich sind, wie in großen Produktionen, wenn halt auch nur aus der Dose. Warum bestehen dann so viele trotzdem auf den Einheitsbrei von Remote Control Synthies und lassen ihre Komponisten nicht den nötigen kreativen Freiraum, innovativeres zu schaffen? Hört man aber auch von vielen Komponisten, dass sie sich der breiten Masse unterordnen.
Meine Vermutung liegt darin, dass es das gleiche Problem ist wie mit Youtube-Webserien: Jeder will schnell billigen Erfolg. Alt bewährtes wird beachtet, neues zu erfinden ist zu schwer und man kann Misserfolg haben. Wo bleibt dann noch die Kunst?

/EDIT: Zu dem Thema hatte ich übrigens letztens eine interessante Diskussion mit Florian Linckus, einen Komponisten dieses Boards. Er hat mir ein paar Stücke von sich geschickt, die ich allesamt als eintönig und schon oft gehört abgetan hab, wohingegen seine Tracks von QuH Trailern und Rollygeddon einfach genial sind. Er meinte dazu, dass halt bei größeren Auftragsarbeiten verlangt wird, solche Musik zu schreiben. Weil sie halt funktioniert. Seine besten Arbeiten hat er mit Thomas zusammen. Irgendwie schade. Ich denke, hinter jedem Komponisten, der mit Herz komponiert, steckt großes Potential. Schade, wenn das unbedingt eingeschränkt werden muss. Wer mit seinen Arbeiten heute Erfolg haben will, muss kreativlos sein. Verdammt schade.


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Mr Dude

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Dienstag, 16. August 2011, 22:55

Allgemein ist die Filmmusik meiner Meinung nach kreativer als sie es vor 50/60/70 Jahren war. Da gab es ganz oft nur ein Thema, das dann den kompletten Film über herhalten musste. Einmal schnell, einmal langsam, reicht (siehe Zwölf Uhr Mittags) Diese Themen waren durchaus sehr kreativ und individuell, aber es nervte halt mit der Zeit dann doch. Nur scheint die große Zeit der musikalischen Experimente vorbei zu sein. Sie setzte n den 70ern richtig ein und zog sich bis die frühen 2000er. Jetzt haben wir halt viele Künstler die ihren Lehrern ähnlich klingen. Und wenn mehrere die dick im GEschäft sind von Hans Zimmer gelernt haben, dann ist sein Stil halt omnipräsent. Ich mag diese Musik sehr. Sie funktioniert in den Filmen gut (siehe Transformers - Bombastisch, überzogen Episch, passt perfekt zur Reihe) Ich denke nicht unbedingt, dass die Kreativität bei den Musikern, bzw die Freiheiten derer nachlassen. Ich denke eher, dass die Anzahl der Musiken steigt. Früher kamen Filme viel mehr ohne Musik aus als es heute der Fall ist. Außerdem sind euch die schwachen Scores von früher nicht so geläufig. Trotzdem muss ich euch zustimmen, dass die großen Studios weniger den kreativen Weg des Filmemachens als den finanziellen Erfolg schätzen - Entsprechend flach werden die Forderungen an viele Musiker sein.

Beim Amateurfilm verhält es sich ähnlich. Dort wollen wir doch alle wie die großen sein - Also kopieren wir sie. In der Lernphase finde ich das völlig okay - In allen Bereichen. Ich habe jetzt so aus dem Thread für mich gelernt, dass meine/unsere Herangehensweise nicht falsch ist. Ich gebe meinem Kumpel Musikbeispiele um ihm zu sagen "In diese Richtung solls gehen". Das hieß bislang niemals "Mach mir ne Coverversion" sondern galt nur als orientierung für die geschwindigkeit und die Stimmung. Ich denke besonders bei jemandem der noch wenig Erfahrung mit Filmmusik hat ist das sehr praktisch. Mein Kumpel lieferte mir bislang für den neuen Score bereits in einzelnen Entwürfen Sachen ab die besser waren als die finalen Stücke aus dem letzten Score, ohne dass die Musikbeispiele zu stark abgefärbt hätten. Für mich ein weiteres Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
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Dienstag, 16. August 2011, 23:33

Ich muss meinem Komponisten Freiraum lassen, da ich selbst von Musik keine Ahnung habe :D Da muss ich dann einfach vertrauen. Natürlich stellt man es sich oft "HansZimmerMäßiger" vor, aber das ist ebensowenig drin, wie eine "MichaelBallhausKamera".

Was bei meinem Komponisten viel einschränkt ist, dass er völlig gegen MIDI und alle Instrumente aus dem Computer ist. Bei ihm werden weitgehend alle Instrumente selbst aufgenommen und eingespielt. So werden auch Streicher und Co live aufgenommen.

Man kann dadurch zwar keinen bombastischen Score zaubern, aber es klingt natürlich (seiner Meinung nach) und ich bin zufrieden, weil ich eine echte, im Studio aufgenommene Filmmusik habe :D





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Dienstag, 16. August 2011, 23:37

Ich möchte mich diesem interessanten Thema doch mal einbringen und aus verschiedenen Arbeitssituationen berichten:

1. Der Mainstream
Für die im Herbst auf Sat1 laufende TV-Serie "Die Insider" habe ich einen ca. 55 Minütigen Score geschrieben. Mainstream. Bei der Besprechung des Projekte fiel natürlich auch der Name "Hans Zimmer".
So habe ich einen Score kreiert der sich an Remote Control orientiert aber doch meine Note hat. Ich finde diese Orientierung keineswegs schlimm, das wurde damals in den klassischen Zeiten auch schon getan.
Bei diesem Projekt hatte ich keine Szenen, keine fertigen Bilder. Nur Drehbücher und es hieß Stimmungen komponieren. Dies tat ich. Der Score wurde mit Kusshand abgenommen. Auch wenn er einigen nicht zusagen wird, ich selbst mit dem Ergebnis sehr zufrieden und das zeigt auch die professionelle Seite eines Komponisten. Man liefert das was gewünscht ist vom Kunden. Größtenteils war ich kreativ dort keineswegs eingeschränkt, sondern habe zT gewollt das die Musik nach Mainstream klingt, den Themen willen. Und in diesem Score gibt es auch Werke die kein Mainstream sind. Es ist die Arbeitsweise die einen einzigartig macht.

2. Projekte für zB einen "Thomas Zeug" als Privatperson
Die Arbeit mit Thomas ist IMMER sehr locker. Ich bekomme meine Szenen/Trailer/Filme, seine Ideen. Er weiß sich auch sehr gut auszudrücken, das ist für meine Arbeit das A&O. Thomas verlangt nie Hollywoodmainstream. Orientieren tun wir uns trotzdem. Rollygeddon zB. ist ein absoluter Mainstreamscore mit Effekten aus diversen Filmen, daher auch sehr unterschiedlich und bunt in der Farbe.
Der 3. Teaser war zB. ein Danny Elfman mit Mars Attacks als Idee vorgegeben. Thomas bekam genau das was er wollte.
Dazu muss ich sagen das Thomas nicht zu arg ist was Änderungen betrifft, er selbst sagt zwar immer das er mir sehr viel Änderungen aufbrummt, aber dem ist nicht so. Das macht den Feinschliff und die Perfektion aus.

3. Wie es nicht laufen sollte
Ich habe vor 3 Jahren mal einen Film einer berliner Studentin vertont. Wir hatten nicht viel Zeit. Ein Musikkonzept habe ich mir aber dennoch schnellstmöglich überlegen können und wir waren einverstanden es so anzugehen. Nun... dann kamen die Änderungen, genau gesagt wusste die Dame einfach nicht was sie wollte. Nach 2 Monaten war ich leicht sauer da wir immer im Kreis rotierten. Wir fangen bei Idee a) an und ändern sie zu Idee b) oder vll doch zu Idee c)... nun am Ende landeten wir wieder bei a). Mein Musikkonzept (ein sich zum Ende des Films entwickelndes Thema) wurde zerrissen und durch ihre Änderungen komplett zunichte gemacht. Die Musik wirkte für mich irgendwann nicht mehr. Profi wie ich bin habe ich die Arbeiten beendet, abgeliefert und den Film noch nicht in seiner Fertigstellung gesehen. Ich boykottiere ihn.

Warum war ich frustiert?
Nun man sitzt 2 Monate nur an einem kleinen 20 Minutenfilm... man opfert jede freie Zeit die man hat um Wünschen gerecht zu werden. Entlohnung gab es keine, auch wenn der Film ein 20.000EUR Budget hatte... für die Musik war nichts mehr übrig... ich dachte es wäre vielleicht eine gute Referenz.
Aber seien wir mal ehrlich. Was bringen diese Referenzen? Nichts. Der Film wird auf Festivals laufen mit der Musik die man selbst nie so anbringen würde. Ergo können Zuschauer evtl. aus meiner Sicht auch ein falsches Bild meiner Arbeit erhalten. Fazit: Die Referenz ist nichts Wert.
(war diese und viele andere im Grunde auch nicht)

An junge Regisseure ein kleiner Rat
In den 8 Jahren die ich nun als Komponist und inzwischen als Profi tätig bin habe ich viele Filme vertont, viele Projekte unterstützt und viele Dinge geschrieben die ich heute nicht mehr hören würde oder sie gar als Referenz nennen würde.
Wenn man jung und unerfahren ist stellt man sich die Welt noch sehr klein vor. Man baut sich einen Referenzstamm auf in der Hoffnung den großen Cou damit zu landen. Nun, die Realität sieht anders aus. Es mag hart klingen aber 99% der Projekte die man schreibt sind für die Katz beim Referenzaufbau. Es gibt aber auch Ausnahmen und da fällt bei mir wieder der Name Thomas Zeug. Er ist sehr dankbar für alle Arbeiten die ich mit Ihm zusammen getätigt habe und ich denke wir ergänzen uns künstlerisch einfach, dafür danke ich ihm. Aus vielen anderen ist eben nicht das geworden was aus Thomas wurde und jedes Projekt das ich mit ihm mache ist immer etwas besonderes. Ob nun Hörspiel oder Film.
Viele junge Regisseure wollen von uns Komponisten einfach großen Hollywood-Sound weil dieser eben mit den modernen Libraries möglich ist. Aber damit grenzt ihr selbst die Kreativität schon ein. Viele wissen gar nicht wieviel Arbeit dahintersteckt. Ich kann verstehen das ein Regisseur "sein Baby" auch als jenes behandelt. Aber ich empfehle auch Rücksicht auf den Komponisten und geht auf diesen ein. Nicht nur eure Ideen sind die besten für das Projekt. Ein Komponist sieht das Projekt mit anderen Augen, er kann von Anfang an fühlen in welche Richtung der Regisseur mit den Bildern gehen wollte. Da sollte mehr Vertrauen her.
Auf der anderen Seite sind eben jene 99% selbst "Kopien" von großen Filmstilen und wollen entsprechende Scores. Die mangelnde Kreativität fängt dort nicht beim Komponisten an, sondern bei der ersten Textzeile des Drehbuchs.
Deutsche Filme sind deutlich weniger Bildgewaltig, größtenteils hat die Musik nicht einmal Zeit sich zu entfalten. Dies liegt an den Drehs, den Cuts, ja dem ganzen Projekt.
Ich will nur deutlich machen das wir es nicht leicht haben eure Filme zu vertonen und größten teils wird man noch als "untertan" behandelt, gerade im Amateurbereich habe ich das oft erlebt. Die junge Generation denkt sie haben den nächsten Blockbuster wollen "Pirates" von Zimmer als Score ... aber der Film hat keinerlei die Qualität einer großen Hollywoodproduktion. Von uns Komponisten wird dies aber verlangt. ;)

Ich habe in diesem Jahr reichlich Projekte abgelehnt, weil ich solche Geschichten einfach nicht mehr nötig habe. Ich möchte von euch Innovation sehen und ihr bekommt Innovative, eigene Musik.

Ab schließend möchte ich jedem Regisseur raten. Entlohnt eure Komponisten anständig. Nicht nur mit Worten wie "Dein Name im Abspann"... die Libraries die wir nutzen sind u.U. mehrere Tausend EUR wert. Würden wir das Geld nicht investieren würde ihr keine tollen Sound bekommen. Für einen 5min Film sollte eine Gage von 250EUR für einen Komponisten angemessen sein, die Höhe ist natürlich jedem selbst überlassen aber ihr wisst was ich damit ausdrücken will.. Er wird sich freuen und ihr Wertschätzt seine Arbeit.

Auch wenn meine Meinung etwas hart daherkommt, so hoffe ich dem einen oder anderen die wirklich schwierige Arbeit der Filmvertonung etwas näher bringen zu können.

lg
Facebook - Webseite - Soundcloud
Ab 2. April erhältlich (Amazon, iTunes, Spotify etc): Original Alien Picture Score "Proll Out", Music composed by Florian Linckus.

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Schattenlord

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Dienstag, 16. August 2011, 23:59

Endlich kommt Leben in die Bude! :)
Allgemein ist die Filmmusik meiner Meinung nach kreativer als sie es vor 50/60/70 Jahren war.

Absolutes No-Go! Würde ich nicht behaupten, mein Guter, ich könnte jetzt massig Gegenbeispiele posten, die wahrscheinlich eine längere Liste wären, als die Scores der letzten - sagen wir 8 Jahre. Allein Charlie Chaplin und Max Steiner könnten ganze Compilationen füllen.
Da gab es ganz oft nur ein Thema, das dann den kompletten Film über herhalten musste.

Oben genannte Herren haben sich gerade im Grab umgedreht. Ehrlich: Wie viele Soundtracks der Epochen 30er bis 70er kennst du? Habe hier zu Hause um die 90 stehen, aus diesen drei Jahrzehnten. Auch da gab es schon durchaus thematisches schreiben.
Davon abgesehen gibt es doch heute viel öfter Soundtracks, die nur aus einem oder gar keinem Thema bestehen und damit viel eintöniger sind. Hellboy, I am Legend, Battle Los Angeles, Inception, Last Legion, ach, ich könnte ne ganze Menge Scores aufzählen.
Nur scheint die große Zeit der musikalischen Experimente vorbei zu sein. Sie setzte n den 70ern richtig ein und zog sich bis die frühen 2000er.

Das stimmt nicht. Musikalische Experimente gabs immer und wirds immer geben, nur halt unterschiedlich oft. Ab dem so genannten "Golden Age" der Filmmusik, also 70er bis Spät-90er, gab es eine ganze Menge an individuellen Scores, tollen Experimenten, ausbrüche aus dem Spätromantischen Klang, angeführt von Jerry Goldsmith und John Williams, das gibt es heute nur noch sehr selten.
Und wenn mehrere die dick im GEschäft sind von Hans Zimmer gelernt haben, dann ist sein Stil halt omnipräsent. Ich mag diese Musik sehr. Sie funktioniert in den Filmen gut (siehe Transformers - Bombastisch, überzogen Episch, passt perfekt zur Reihe) Ich denke nicht unbedingt, dass die Kreativität bei den Musikern, bzw die Freiheiten derer nachlassen.

Hans Zimmer ist nicht mehr der Oberbegriff, sondern Remote Control, seine Firma, die Musik am Fließband produziert. Steve Jablonskys Musik passte natürlich zu Transformers wie die Faust aufs Auge, Kreativ ist sie dadurch aber noch lange nicht, nur zweckdienlich. Und das ist ja wohl die Mindestvorraussetzung, die ich an Filmmusik stelle. Und das Hans Zimmer geile Sachen machen kann, ist bekannt. Nur wenns immer das gleiche ist, alles nur kopiert wird (Transformers 3 ist zum Teil 1:1 Kopie von vielen bekannten Musiken), dann frage ich mich, wozu ich das brauche. Dann gibt es keine Kreativität mehr. Wo soll sie denn sein, wenn nur noch ein Stück das andere kopiert?
Klar, Kopien gab es immer, schon unter Beethoven und Mozart fand man das, aber im Gegensatz zu heutigen Komponisten haben sie die Kopie versucht zu vertuschen und in eigene Ideen eingebettet. Was neues draus gemacht.
Ich denke eher, dass die Anzahl der Musiken steigt. Früher kamen Filme viel mehr ohne Musik aus als es heute der Fall ist. Außerdem sind euch die schwachen Scores von früher nicht so geläufig.

Heute werden mehr Musiken komponiert, das ist klar. Aber auch in einem viel kürzerem Zeitraum, was man mit einbeziehen muss. Und ich kenne eine ganze Menge schwacher Scores von damals. :) Aber die guten haben halt überwogen. Das ist heute leider einfach andersrum.
Mein Kumpel lieferte mir bislang für den neuen Score bereits in einzelnen Entwürfen Sachen ab die besser waren als die finalen Stücke aus dem letzten Score, ohne dass die Musikbeispiele zu stark abgefärbt hätten. Für mich ein weiteres Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

So sollte es auch sein! :)
Man kann dadurch zwar keinen bombastischen Score zaubern, aber es klingt natürlich (seiner Meinung nach) und ich bin zufrieden, weil ich eine echte, im Studio aufgenommene Filmmusik habe :D

Sei stolz drauf. :) Zwar sehr einschränkend, aber hey, dein Komponist hat diesen Kreativen Geist, aus den wenigen Mitteln die er hat das meiste rauszuholen. Finde ich sehr klasse!
Bei diesem Projekt hatte ich keine Szenen, keine fertigen Bilder. Nur Drehbücher und es hieß Stimmungen komponieren. Dies tat ich. Der Score wurde mit Kusshand abgenommen. Auch wenn er einigen nicht zusagen wird, ich selbst mit dem Ergebnis sehr zufrieden und das zeigt auch die professionelle Seite eines Komponisten. Man liefert das was gewünscht ist vom Kunden. Größtenteils war ich kreativ dort keineswegs eingeschränkt, sondern habe zT gewollt das die Musik nach Mainstream klingt, den Themen willen. Und in diesem Score gibt es auch Werke die kein Mainstream sind. Es ist die Arbeitsweise die einen einzigartig macht.

Finde ich zum Teil schade, zum anderen Teil ziehe ich meinen Hut. Musik ohne Bilder zu schreiben ist schwer und eigentlich dann auch nicht mehr als pures Underscoring. Schade, gerade die Momente, wo die Musik vor die Bilder klingt, machen sie einzigartig. Ansonsten mal eine andere Ansichtsweise, die ich auch mal interessant finde. Warum nicht.

Den Rest deines Beitrags kann ich nur zu 100 Prozent zustimmen. Ich denke, damit hast du den Nagel auf den Kopf getroffen, gibts nichts mehr zu ergänzen.

Schattenlord


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Silentforcestudios

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15

Mittwoch, 17. August 2011, 00:27

Gebe den Kollegen FlorianLinckus auch völlig recht.
Leider gehöre ich nicht zu den glücklichen die dieses inzwischen professionell machen dürfen ;), aber gerade auch was den Referezen angeht stimmt es. Und ich merke ja auch als Komponist selber, das Sachen die ich teilweise noch vor einem Jahr geschrieben hatte, heute auch gar nicht mehr in meine Entwicklung gehen.
Das ist sowieso ein wichtiger Teil des Komponisten finde ich. Das man nie aufhört sich zu entwickeln, sich weiter zu bilden. Das man nie sagt: Jetzt kann ich dies und dies, jetzt ist es fertig. Und, was auch immer wieder bei mir zum tragen kommt, ist, das ich aufgeregt bin wenn der Regisseur zum ersten Mal "mein Baby" hört. Man hofft dabei den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben und sagen zu hören:"Das ist geil". Insbesondere mit dem Satz:"An sowas hab ich ja noch nicht mal gedacht".
Ich meine, meine Auffassung ist das ich den Regisseuren überzeugen will. Ich möchte ihm zeigen was ich kann und ihm einen Score liefern, so wie er ihn gar nicht erwartet hätte(im Positiven natürlich).

Und diese Chance kann man nur kriegen, wenn einem kreativer Freiraum gegeben wird. Und je mehr Gedanken sich Regisseure und Geldgeber um die Musik machen und je mehr Geld sie frei geben, desto besser. Dabei ist nicht mal unbedingt ein komplettes Live aufgenommenes Orchester von Nöten. Wie wäre es mal nen Score in Rockmusik oder so wo man nur eine Band aufnimmt? Ist zwar auch nicht günstig, aber wesentlich günstiger als ein Orchester. Weil, so geil die Orchesterlibarys heutzutage auch klingen mögen(und so teuer diese auch sind), sie werden niemals das Herz eines Musikers ersetzen.

Und, um mal auf die Frage nochmal mit John Williams, Jerry Goldsmith usw. zurück zu kommen: Das sind Komponisten die sich nicht so hätten extrem einschränken lassen. Jerry Goldsmith z.B. hatte damals sogar den originalen Score von 2001: Odyssee im Weltraum live aufgeführt um zu zeigen, wie schlecht es für den Film ist wenn die Regisseure nachher sogar die Temp Tracks vorziehen. Und John Williams hatte das Glück, das Steven Spielberg Musiker ist und somit die die gleiche Sprache hatten. Er bekam den Freiraum.

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Mittwoch, 17. August 2011, 00:44

Absolutes No-Go! Würde ich nicht behaupten, mein Guter, ich könnte jetzt massig Gegenbeispiele posten, die wahrscheinlich eine längere Liste wären, als die Scores der letzten - sagen wir 8 Jahre. Allein Charlie Chaplin und Max Steiner könnten ganze Compilationen füllen.

Dass es in den ersten 50 Jahren Film mehr gute Scores gab als in den letzten 8 Jahren ist denke ich klar, nur hat sich die Musik von damals extrem gewandelt. Ich glaube es ist völlig sinnlos immer zu sagen "früher war alles besser". Steiner und Chaplin sind tolle Ausnahmen, auch ein Dimitri Tiomkin. Aber mir kommt es immer wieder vor, dass sehr viele Filme von einem einzigen Thema leben. Zum Beispiel eben Tiomkins Zwölf Uhr Mittags das nur von seinem "Do not foresake me" lebt. Immer Ärger mit Harry war genauso einseitig. Man hat meiner Meinung nach früher weniger Wert auf die Musik gelegt als heute. Heute benutzt man sie stärker als Instrument um Emotionen zu unterstreichen als früher. Dass dabei oftmals Einheitsbrei herauskommt möchte ich nicht bezweifeln, aber man hat erst spät begonnen Musik wirklich intensiv zu benutzen. Es gab natürlich schon immer einige denen die Musik sehr wichtig war, doch es hat gedauert bis Musik mehr als nur Untermalung war. Heute schießt man halt gern über das Ziel hinaus indem man gern etwas dick aufträgt.

Zitat

Das stimmt nicht. Musikalische Experimente gab's immer und wirds immer geben, nur halt unterschiedlich oft.

Deshalb hab ich ja auch von der großen Zeit geredet. Ich denke in den 70/80/90ern wurde am meisten innovatives geschaffen, weil der allgemeine Wandel der Musikbrache neue Möglichkeiten schaffte. Eigentlich hast du nur meine Aussage niedergemacht und gleich formuliert.^^

Zitat

Aber die guten haben halt überwogen. Das ist heute leider einfach andersrum.

Wenn du den Score von "Vom Winde verweht" mit "Transformers" vergleichst passt das super. Ein Meisterwerk und ein inspiationsloses Geballer. Nur wer wird sich in 70 Jahren noch an Transformers erinnern? Früher war alles besser, weil man sich nur an die guten Dinge erinnert und an ein paar wenige schlechte Sachen. Vielleicht ist mein Film-Musik-Geschmack auch zu modern um deine These zu unterstützen...

So genug geschrieben, ich schau mir jetzt nen Chaplin Film an.
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Mittwoch, 17. August 2011, 01:09

So finden wir Komponisten die Arbeit mit Regisseuren manchmal... nicht immer aber immer öfters... ;)

http://theoatmeal.com/comics/design_hell

Tauscht den Clienten mit Regisseur und den Designer mit dem Komponisten aus... :thumbsup:
Facebook - Webseite - Soundcloud
Ab 2. April erhältlich (Amazon, iTunes, Spotify etc): Original Alien Picture Score "Proll Out", Music composed by Florian Linckus.

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Mittwoch, 17. August 2011, 01:24

Dazu empfehle ich auch: http://clientsfromhell.net/
:D

Silentforcestudios

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Mittwoch, 17. August 2011, 01:28

Hmm, irgendwie kommen mir beide Gespräche einigermaßen bekannt vor. Wieso nur???
:P

Aber sehr gute Beispiele, ja :thumbsup:

Man darf aber natürlich jetzt nicht pauschalisieren. In jeder Stufe, von Amateur Projekten bis Hollywood, gibt es solche und solche Regisseure. Nur wenn man als Regisseur einen der letzten beiden Beispiele hat, wirds frustrierend xDD

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Silentforcestudios« (17. August 2011, 01:42)


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Mittwoch, 17. August 2011, 01:41

Hallo, ein weiterer Komponist hier.
Erstmal stimme ich mit fast allem was Silentforcestudios und Florian gesagt haben überein, möchte aber auch noch mal ein bisschen senf dazuschmieren.

Mir ist es generell am wichtigsten, dass die Kommunikation zwischen Regisseur und Komponisten funktioniert, und beide wissen was sie tun.
Ich habe vor nicht allzulanger Zeit an einem Soundtrack für einen Diplomfilm einer jungen Regisseurin gearbeitet, die Beruflich sehr beschäftigt war. Das ist generell nicht allzu schlimm, das Problem war nur, dass ich die meiste Zeit ohne Kontakt zu ihr gearbeitet habe. Sie war dann auch nicht bereit mir zu meinen Sachen ein ausführlicheres und ehrliches Feedback zu geben, sondern wollte sich mit ihrer Freundin und CoRegisseurin absprechen. Ich habe also weitgehend ohne eine ehrliche Meinung gearbeitet und ging davon aus, dass sie schon etwas dagegen sagen würde, wenn es ihr überhaupt nicht passt.
Nachdem dann der komplette Score fertig war, und sie mir zwischenzeitlich immer wieder ein paar kleine Verbesserungsvorschläge gegeben hatte, bekam ich eine Mail, dass sie sich einen anderen Komponisten gesucht hätten, weil ihnen meine Musik von anfang an nicht ganz zugesagt habe.
Da fragte ich mich dann doch: Warum nicht ehrlich?
Ich finde in dieser Arbeitsbeziehung von Regisseur und Komponisten muss im Bezug auf das Produkt unbedingt absolut ehrlich miteinander umgegangen werden und so klar und schnell wie möglich Bedürfnisse und Anliegen formuliert werden.
Es macht für mich keinen Sinn, wenn ich stundenlang in eine Richtung arbeite, die dem Regisseur nicht gefällt, nur weil dieser nicht den Mumm hatte mir zu sagen, dass es ihm nicht passt. Beide haben ein gemeinsames Ziel: Einen guten Score, der den Film optimal unterstützt. Also sollte man das Ziel auch gemeinsam verfolgen, und nicht um den heißen Brei herumreden.
Das ist glaube ich etwas, was in den weniger professionellen Kreisen nicht unüblich ist:
Die Kommunikation funktioniert nicht wirklich gut.
Und manche Regisseure vergessen denke ich auch zeitweise, was für ein Privileg es eigentlich ist einen Komponisten zu haben der für wenig oder gar kein Geld so viel arbeitet.
Letzteres ist ein Punkt der für mich momentan immer kritischer wird. Wann arbeite ich für Geld? Was mache ich kostenlos? Und wen interessiert das eigentlich.
Ist es eigentlich so schwer, wenn man für einen film ein budget von 900€ für die Produktion eines Filmes hat, auch etwas davon für den Komponisten einzuplanen? Der Komponist hat sehr viel Arbeit mit dem Film, meistens deutlich mehr als die meisten anderen Mitglieder des Team. Warum sind den Produzenten handgefertigte Requisiten mehr wert als ein handgefertigter Score?
Ich finde es ok, wenn das Geld nicht da ist, ich arbeite auch gerne umsonst (auch wenn das in Zukunft nach diesem Studentenfilmreinfall seltener vorkommen wird) aber dann sollte man auch wirklich wertschätzen was der Komponist da macht, und ihn nicht wie einen Untergebenen oder Angestellten behandeln, was aber durchaus manchmal geschieht.
Wenn man die Stunden die ich an z.B. Reasons gesessen habe zusammenzählt und einfach mal einen normalen C-Organisten Stundensatz darauf rechnet, dann wäre Daniel jetzt Bankrott. (Wobei ich die Zusammenarbeit mit ihm sehr angenehm fand, auch wenn ich den Film jetzt ums verrecken nicht noch einmal vertonen würde :D)

Soviel von meiner Seite erstmal zur arbeit mit Musikern, bzw Regisseuren ;)
Seht mir Rhetorische Schwächen, Sinn- oder Rechtschreibfehler nach, es ist spät.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Bri&DI Studios« (17. August 2011, 01:50)


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