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Sonntag, 10. Januar 2010, 14:20

An alle (Hobby-)Regisseure: Wie sieht es aus mit eurer Arbeit mit den Darstellern?

Analog zu Freddys Thread hier gleich mal die Gegenfrage nach Erfahrungen der Regisseure in puncto Arbeit mit den Darstellern:
  • Inwiefern und mit welchen "Techniken" führen denn die Regisseure hier ihre Darsteller und Statisten? Ich nehme mal nicht an, dass ihr sogar einen AD oder einen 2nd Unit Director habt, der dafür (in Teilen) zuständig ist?
  • Wie viel Zeit nehmt ihr euch fürs Rollen erarbeiten, wie viel Zeit, um die Rollen zusammen mit dem Darsteller durchzugehen, weiterzuentwickeln usw.?
  • Wie viel Zeit nehmt ihr euch für Staging und Blocking (falls notwendig: WIKI zur ersten Begriffsklärung ) usw.?
So wie ich das sehe, sind die Regisseure der meisten Amateurteams ja selten "nur" Regisseur, sondern übernehmen auch andere Aufgaben (z.B. Kamera, Schnitt, Darsteller...):
  • Sofern ihr auch gleichzeitig noch Darsteller (vielleicht sogar in einer großen Rolle) in Personalunion seid: Wie geht ihr damit um?

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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »mp-cw« (11. Januar 2010, 13:52) aus folgendem Grund: Erläuterungen ergänzt


Frederik Braun

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Sonntag, 10. Januar 2010, 23:33

Das ist wirklich eine interessante Frage. Viele deiner genannten Punkte kommen bei den meisten Amateurfilmen viel zu kurz.

Da ich in den meisten unser bisherigen Filme selbst vor der Kamera stand, kam der Regie-Job im Allgemeinen dadurch etwas zu kurz. Habe Gott sei Dank das Glück, dass einige meiner Darsteller häufig blind verstehen, was ich mir im Drehbuch vorgestellt habe (liegt wahrscheinlich auch daran, dass wir alle den selben Humor haben). ^^ Natürlich bespreche ich vorher mit jedem, was ich mir vorgestellt habe und was z.B. markante Charakterzüge der jeweiligen Rolle sind, aber da die Charaktere in Parodien (und das war bisher unser bevorzugtes Genre) sowieso meist sehr oberflächlich sind, bedurfte es bisher noch keiner ausführlicheren Rollenarbeit.

In Zukunft werden wir uns aber auch auf ernste Projekte konzentrieren, bei denen dann deine genannten Punkte auf jeden Fall eine große Rolle spielen werden.

Mr Dude

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Sonntag, 10. Januar 2010, 23:41

Ich erkläre meinen Darstellern auch meistens nur wie ich mir den Charakter vorstelle. Je nach Rolle und Darsteller gehe ich da unterschiedlich ran. Einer aus meinem Team ist auf einer Schauspielschule, der möchte es zu Übungszwecken schon etwas genauer, dann denk ich mir einen kurzen Lebenlauf aus, aber meistens erkläre ich alle Rollen mit bekannten Filmrollen... "Eine mischung aus Jack Nicholson in Departed und Marlon Brando im Paten" Oder sowas in der Art. Wenn es beim Dreh Probleme gibt, spiele ich es kurz vor, aber an sich kann man von Amateurdarstellern ja auch nicht zu viel verlangen... Große Rollen übernehme ich persönlich kaum noch, weil in diesen Szenen leider meistens unsere technische Seite zu stark leidet, aber ich habe das immer gern gemacht.
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Montag, 11. Januar 2010, 08:13

OK, zweiter versuch, habe gestern einen meeega langen beitrag hier verfasst, und dann bin ich auf irgend eine besch... Taste gekommen, dann war alles weg. Jetzt habe ich nochmal die Kraft was zu schreiben :-)


Ich musste erstmal paar sachen nachschlagen Alex, damit ich dir antworten kann, daher denke ich setze ich estmal paar goolge beschreibungen hier rein.

Staging und Blocking - Beschreibung hier

Personalunion auch selten verwendetes wort als *Amateurfilmer* - d.H. : Unter Personalunion versteht man die Ausübung verschiedener Ämter oder Funktionen durch ein- und dieselbe Person aus in der Person liegenden Gründen (nicht das von dieser Person beherrschte Gesamtgebiet).


Zu nun zur eigentlichen Frage von dir. Also allgemein habe ich das bis jetzt so gemacht, dass jeder in unserem Team sagen kann was er am besten findet. Wenn ich z.B. sage, die Protagonistin soll ihre Augen zu lassen, macht ein anderer den vorschlag, sie könnte aber auch nur kurz die augen schließen, dann aber entspannt schauen. Im großen schließe ich mich an Mr.Dude an. Genauso läufts.
Beim letzten Dreh zu *Das Schwert der Atlanter* wurde sogar ein neuer Begriff in unser Vokabular eingeführt, das *Stuhlkuscheln* ...
Wir hatten eine Szene in der die Schauspielerin am Frühstückstisch sitzt, sich gemütlich mit einer Tasse Kaffe zurück lehnt und die ruhe genießt. Weil das immer wieder gedreht werden musst ( der Regiemeister wollte es einfach besser haben ) kamen so viele versuche dabei heraus, dass am ende die Szene mit dem Stuhlkuscheln verwendet wird. Hört sich komisch an, ist aber so.

Für bestimmte rollen, die jetzt z.b. demnächst ansteht, ein Ritterkampf, weis ich selber noch nicht so genau wie ich den Ritter zeigen soll wie ich gerne den Schwertkampf haben möchte.

Aber hey, dafür sind wir ja Amateurfilmer.
Jeder hat da so sein eigenes kleines ding um das zu erreichen beim dreh, was er sich eigentlich vorstellt. :thumbsup:


Ich bin Pragmatiker. Wenn es paßt, der Kunde es nicht sieht, es zeitlich vertretbar ist, dann mach ich es so.

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Montag, 11. Januar 2010, 10:06

Schöner Thread :)

Wie die anderen schon angedeutet haben, wird sicherlich einiges was hier im Eingangspost erfragt wird, bei den meisten noch keine so klare Anwendung finden. Sicherlich ist bei den meisten Teams hier derzeit noch eher der Stand der Dinge, das sie mit Freunden und Bekannten arbeiten und somit keiner im Team in irgendeiner Form ausgebildet ist in dem was er tut. Somit entwickeln sich heir sicherlich also auch Arbeitsabläufe, die nicht den anerkannten Abläufen entsprechen, die man in einer (semi-)professionellen Produktion erwarten würde.

Ich kann von meiner Seite aus auch nur berichten, wie ich es bislang geregelt habe und bin mir auch sicher das vieles davon nicht "regelkonform" ist. Aber ich denke, dass ist auch nicht weiter schlimm, denn wenn man nicht mit ausgebildeten Schauspielern arbeitet, muss man eh umdenken.

Ich nehm jetzt mal einfach unser letztes Projekt "Invasion 2" als Beispiel. Was mir zu Gute kam war die Tatsache, dass die meisten meiner Freunde in den Nebenrollen im Prinzip sich selbst spielen. Somit musste ich ihnen also keine so ausgereiften Vorgaben darüber machen, wie sie zu spielen haben. Natürlich spielt man ja trotzdem eine Rolle in den Szenen, alleine durch das fantasy/scifi-Setting der Geschichte die erzählt wird.
Bei den Antagonisten (Imperator, Darth Günther und Darth Walter) war es ein wenig anders. Unser Script gab keine genaueren Informationen über die Figuren im Bezug auf ihre Art zu sprechen oder wie sie sich verhalten. Am ersten Drehtag sind wir auch alleine durch die schiere Zahl der Shots die vor uns lagen direkt eingestiegen und haben losgefilmt. Ich habe Ingo und Ansagr vom KingCerberus Team einfach erstmal spielen lassen und geschaut, was sie machen und wie sie ihre Figuren spielen. Das ist generell etwas, was ich ganz gerne mache, erstmal machen lassen und schauen, was dabei rauskommt. Danach dann wird besprochen was mir gefallen hat und was ich gerne anders hätte. So lief es schlussendlich dann auch mit den beiden Schergen des Imperators. Auf diesem Wege haben wir mit den ersten Szenen quasi die Figuren für den restlichen Film begründet.
Ähnlich verhielt es sich auch mit Tristan als Imperator. Das Script sah nur vor, dass er eben ein wenig neben der Spur ist und sich entgegen der bekannten Figur aus Star Wars verhalten sollte. So war dann für Tristan die erste gedrehte Szene der Dialog mit Schumi auf der Raumstation. Auch hier habe ich die beiden einfach erstmal machen lassen und geschaut, was Tristan mit der Rolle anfängt. Gleich beim ersten Take kam dann von ihm dieses improvisierte Husten, was mir auf Anhieb als "Comic Relief" gefallen hat und die Figur des Imperators herrlich entrückt hat. Dementsprechend haben wir dies dann auch in vielen Szenen des Films eingebaut...

Was ich allerdings immer versuche beim Dreh, ist den Leuten immer zu erklären, was sie gerade machen und warum sie es machen. Als erläutern, was eben die Motivation der gespielten Figur gerade aus macht. Gerade bei I2 war es so, dass ich der einzige war der das gesamte Script im Kopf hatte, der genau wusste, was gerade gedreht wird und was die jeweilige Szene im großen und ganzen für einen Sinn hat. Das wurde mir auch mehrfach von meinen Freunden damals bestätigt, dass sie oft gar nicht wussten was sie da gerade spielen, oder wann und wo das im fertigen Film mal vorkommen wird. Speziell war dies auch bei den Greenscreenszenen zu merken, wo natürlich keinerlei Referenzen mehr vorhanden waren. Da hilft es halt ungemein, kurz zu erklären, wann und wie diese Sequenz später kommen wird, was vorher passiert ist usw.

Was bei mir / uns bislang definitiv noch nie vorkam, war eine große Vorbereitungsphase mit Proben für die Schauspieler. Auch das begründet sich größtenteils auf dem Zeitfaktor und der Tatsache meist mit Freunden und nicht ausgebildeten Schauspielern zu arbeiten. Es ist immer meist der direkte Einstieg beim Dreh. Einmal drehen und schauen wie derjenige seine Rolle spielt, dann besprechen was gut war und was nicht. Dann noch mal und noch mal drehen, bis die Sache soweit sitzt, wie ich es gerne hätte und dann folgt meist mein berühmtes "Ja perfekt! Genauso! Gut und jetzt noch mal einen zur Sicherheit, genauso wie gerade eben". ;)

Was Staging / Blocking angeht, da arbeite ich viel nach Bauchgefühl. Meist wird nur im Groben besprochen, wann die Darsteller wo in einer Szene zu stehen haben und ich sehe einfach zu, während die Szene läuft entsprechend zu filmen, um den Shot in den Kasten zu kriegen. Speziell bei Invasion 2 gibt es ja leider so einige sehr schlecht gefilmte, bzw. extrem langweilig und unmotiviert gefilmte Shots. Damit komme ich zum Punkt der Personalunion. Da ich bei I2 zweiter Hauptdarsteller, Regisseur und Kameramann in einer Person war, blieb natürlich immer etwas auf der Strecke. Mangels Leuten haben wir sogar oft alle zeitgleich vor der Kamera stehen müssen, so dass allzu oft Totalen im Film vorkamen, wo die Kamera einfach auf dem Stativ stand während wir die Szene gespielt haben. Definitiv etwas, was gar nicht klar geht aus heutiger Sicht und ich auch niemanden an´s Herz legen kann ;) Hier hätte eine bessere Planung des Staging/Blockings evtl. sogar über Storyboards im Vorfeld vieles verbessern können. Aber gut, die Dreharbeiten liegen nun mehr schon bald 5 Jahre zurück...

Ich hoffe, das wir von euch von Mania Pictures auch zu dem Thema noch eine kleinen Bericht erwarten dürfen, da ihr ja nun desöfteren in den Genuss von ausgebildeten Profis der Schauspielriege kommt. Wäre sicherlich für alle hier interessant wie ihr die Sache angeht.

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Montag, 11. Januar 2010, 11:15

Also ich lasse alle frei nach dem Motto: "Schmerz vergeht, Film bleibt" spielen. So musste sich ein Darsteller für "Herrschaft Zeit'n" zum Beispiel hinter einen Odelbanzen (Güllefass) stellen. Warum sollte ich die Kuhscheiße digital machen, wenn ich sie echt haben kann?
Wer mit spielen will, muss teilweise schon ganz schön was durchmachen. An Freiwilligen fehlt es mir Gott sei Dank nicht mehr, da gibt es so viele, die gerne mal mitspielen. Mal gute, mal schlechtere. Aber da sie alle Laien sind, kann man damit sehr zufrieden sein. Erfahrung haben sie so gut wie nicht (außer ein paar, die Theater spiel(t)en).

Da das letzte und das aktuelle Projekt Dialektfilme sind, kommt es oft vor,
...dass die meisten meiner Freunde in den Nebenrollen im Prinzip sich selbst spielen.
Entweder ich schreibe ihnen bereits diese Rolle, oder wir suchen im Bekanntenkreis nach passenden Charakteren. Spielt man sich selbst, fördert das Glaubwürdigkeit der Darsteller enorm.

Große Rollen übernehme ich persönlich kaum noch, weil in diesen Szenen leider meistens unsere technische Seite zu stark leidet
Ist bei uns genauso. Die Kamera gebe ich nur noch selten aus der Hand. Bin jetzt auch nicht gerade der überzeugende Schauspieler und spiele auch nicht so gerne, aber eine kleine Gastrolle muss dann schon meistens sein.

Wenn es beim Dreh Probleme gibt, spiele ich es kurz vor
"Spielen" ist bei mir zu weit gegriffen. Wenn man es selbst nicht kann, kann man es auch schlecht von den anderen erwarten. Sagen wir's lieber so: ich mache es ihnen vor, wie ich es mir vorstelle. Aber dieser Aufgabenbereich fällt mir bei größeren Projekten sowieso nicht zu. Da teilen wir die Regie auf. Ich die technische Seite, mein Cousin (der Blonde, der in jedem Film spielt) übernimmt dann die Schauspielerische.





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Montag, 11. Januar 2010, 13:36

"Spielen" ist bei mir zu weit gegriffen. Wenn man es selbst nicht kann, kann man es auch schlecht von den anderen erwarten. Sagen wir's lieber so: ich mache es ihnen vor, wie ich es mir vorstelle.

Mein Vorspielen ist meistens extrem übertrieben, damit sie das mitbekommen worauf es ankommt. Denke da kann man viel retten, gerade mit Mimik und Gestik. Als schlechten Schauspieler würde ich mich nicht bezeichnen, aber ich kann keine normalen Menschen spielen... Ich muss entsprechend auch dem satz
"Spielt man sich selbst, fördert das Glaubwürdigkeit der Darsteller enorm."
wiedersprechen. Ich kann mich als mich selbst gar nicht ersehen und auch meine Kumpels wirken alles andere als Überzeugend. Da hat Frederik Braun einen guten Weg gefunden: Durch vollkommenes Overacting wirkten die Leute in Chorambo glaubwürdiger, als wenn sie es normal gespielt hätten. Kommt halt auf die Darsteller und deren Talent an.

Ich denke als Regisseur muss man auch etwas Schauspielen können. Kann man es nicht, gibt es öfter Probleme mit den Darstellern, wenn sie nicht wissen wie man es haben will. Es reicht ja nicht zu sagen "So will ich es NICHT". Wenn man die Rollen von vornherein auf jemand bestimmtes zuschneidet kann man so etwas auch wieder größtenteils umgehen. Oder es ergeben sich neue Perspektiven: In "Gefährliche Irrtümer" gibt es einen Polizisten, der im Drehbuch noch vollkommen cholerisch und agressiv agiert. Mein Darsteller spielte ihn dann aber mit einer Arsch-Ruhe und Gelassenheit, dass die Verzweiflung des Hauptdarstellers besser zur Geltung kam, da plötzlich er der Agressive im Raum war und er noch offensichtlicher in die Ecke getrieben wurde.

Wie geht ihr eigentlich damit um, wenn ihr einen Darsteller habt, der sich als vollkommen unfährig erweist? Sowas hatte doch garantiert schonmal jeder... Ich habe so einen sogar in der Stammcrew :D
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Montag, 11. Januar 2010, 14:05

Heth hat es ja schon angesprochen, hier aber noch mal von mir:

In der Fragestellung sind einige Aspekte enthalten, bei denen ich davon ausgehe, dass sie bei vielen zu kurz kommen oder anders gelöst werden als "von den Profis empfohlen" – so auch bei uns. Finde ich aber auch nicht schlimm. Es geht mir auch nicht darum, wer dafür wie ausgebildet ist, sondern mich interessiert, ob solch wichtige Teilbereiche des Filmes überhaupt aktiv angegangen (oder zumindest erkannt) werden. Für mich ist es nämlich gerade ein Merkmal – unter vielen anderen – des Amateurfilms, dass eine "echte" Regiearbeit (zumindest die Arbeit mit den Darstellern/Figuren betreffend) nicht wirklich existiert, was sich als eines der grundlegenden Probleme erweist. (EDIT: was ja z.B. auch bei den AFF-Awards zu Diskussionen führt; wobei das für mich wiederum nicht verständlich ist, da Regie ja in erster Linie "künstlerische Gesamtleitung" eines Projekts heißt)

Ich habe das in anderem Zusammenhang glaube ich schon mal erwähnt und kopiere der Einfachheit halber einen alten AFM-Beitrag von mir:

Zitat

Genau an dieser Beziehung "Regisseur - Schauspieler" muss man meiner Meinung nach eine der größten Schwierigkeiten im Amateurspielfilm festmachen:

Für jeden Schauspieler ist es schwer, zu einen, weil sie etwas vormachen, zum anderen, weil sie natürlich sein sollen. [...] Der Grad zwischen zu viel (Over-Acting, Theaterschauspieler, übermotiviert...) und zu wenig (emotionslos, Text heruntergeleiert, motiviert aber eigentlich untalentiert usw.) ist ziemlich schmal.

Sagt ein Regisseur z.B., dass er eine Szene aggressiver gespielt haben möchte, wissen viele Amateur-Schauspieler – wenn sie ehrlich sind – oft nicht, wie sie das am besten umsetzen können. Mit dem Resultat, dass sie es einfach mit einer aggressiveren Tonart versuchen und alles andere vernachlässigen.

Aber wichtig ist viel mehr: Körperspannung, Mimik, stimmlicher Ausdruck, in der Rolle bleiben (auch wenn man nicht bildwichtiger Teil ist) und viele weitere Details müssen beachtet werden - vom Schauspieler und vom Regisseur.

Viele Regisseure reizt aber die Komplexität der Aufgaben, die ein Film mit sich bringt. Dass man sich nicht in alle Aufgaben fundamental einarbeitet, ist auch klar. Gerade vor dem Hintergrund, dass viele Amateurfilm-Regisseure wenig eigene Schauspielerfahrung haben, kommt neben den vielen organisatorischen, motivatorischen und technischen Aufgaben, die ein Amateur-Regisseur hat (manchmal noch in Personalunion mit anderen Aufgaben), die eigentliche Schauspielerführung aber oft zu kurz. Sei es mangels Zeit, Erfahrung, oder sonstigem...

Daher ist man auch mal ganz zufrieden mit dem, was vorgespielt wurde, obwohl man weiss, dass es viel besser geht. Dafür müsste dann aber meist unverhältnismäßig viel Zeit zusätzlich investiert werden. Um auf das obige Beispiel zurückzukommen: Wenn der Regisseur sieht, dass der Schauspieler nicht weiss, wie der die Aggressivität besser darstellen kann, reicht eben die gegebene Regieanweisung nicht aus. Der Regisseur muss dann detailierter erklären können, was er eigentlich haben will. Und genau an dieser Stelle scheitert die Schauspielerführung schon, wenn andere Dinge im Projekt wichtiger sind.

Oft fehlt auch echte Selbstkritik und konstruktives Feedback (egal ob vom Publikum oder vom Team), zum einen, weil Mitwirkende und Publikum oft Freunde sind und einen nicht "echt" kritisieren können oder wollen, zum anderen, weil sich mit Fertigstellung eines Projektes in der Regel eine Eigendynamik und Euphorie entwickelt, dass man sich gleich Gedanken darüber macht, was man beim nächstem Mal alles machen kann und was man in Zukunft besser nicht mehr macht. Aber nicht, was man unbedingt besser machen muss.

So wird das Niveau in diesem eigentlich zentralen Bereich bei vielen Filmteams oft nur langsam gehoben, auch wenn man die Problematik vielleicht schon lange erkannt hat. Nicht nur wegen der fehlenden technischen Feinheiten sondern auch deshalb sieht Amateurfilm eben oft wie Amateurfilm aus.

1. Ich nehme mein eigenes Team von dieser Kritik nicht aus.
2. Ich hoffe, ich werfe hier nicht wieder all zu provozierende Thesen in den Ring.
Das grundlegende Problem sehe ich nach wie vor so, auch wenn ich mich bzw. wir uns in Schauspielführung und Schauspiel schon etwas weiterentwickelt haben, womit manche der aufgezeigten Probleme mittlerweile nicht mehr in dem oben skizzierten Umfang vorhanden sind.

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Thom 98

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Montag, 11. Januar 2010, 15:31

Guter Thread zum gleichen Thema auf IndieTalk. Dort sind freilich z.T. auch Leute Unterwegs, die richtig professionell in der Branche arbeiten. Von daher, schaut mal rein! Sehr viele Interessante Tips!

MrBuddy

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Mittwoch, 13. Januar 2010, 17:53

Ein paar Leute hier werden das Problem kennen: wenn man einem befreundeten Darsteller Tipps gibt, oder ihm erklärt, wie man sich die Szene vorstellt, kommt der Spruch: "Ey, bin ich Tom Cruise? Das ist nur n Spaß." Tja, was soll man da sagen?

Deshalb gehe ich von Anfang an diplomatischer ran und sage: "Kennst du die Szene ZX aus dem Film XY? Da macht der Schauspieler doch dies und das. So ungefähr stell ich mir das vor." Das gute an Amateurdarstellern ist, dass sie solche Szenen nicht mal zu 50% kopieren können. Deshalb sieht die Szene hinterher in etwa so aus, wie man es sich vorgestellt hat, ohne dass man die Szene aus dem Film XY kopiert hätte. Andere Möglichkeiten der Führung sehe ich bei einigen Darstellern leider nicht.

Da der erste Take fast nie sitzt, drehe ich alle Einstellungen dreimal. Dann sehe ich es mir mit dem Darsteller/den Darstellern der Szene an und meist finden sie selbst Kritik daran und ändern es oder ich spreche sie darauf an. Wichtig ist mir nur, dass ich ihnen nicht das Gefühl gebe, als wären sie zu blöd, sondern erkläre es läge daran, dass ich die Szenen in bestimmter Weise zusammenschneide, so dass es nicht zusammenpassen würde, wenn sie es nicht so oder so machen.

Wenn ich selbst mitspiele, versuche ich schon beim Drehbuchschreiben, eine realistische Stimmung zu erzeugen, in die ich mich hineinversetzen kann. Da ich kein Schauspieler bin, kann ich keine mir absolut fremden Charakterzüge verkörpern. Deim Dreh nehme ich einen Dummy (Darsteller, der für mich eine Distanz zur Kamera oder eine bestimme Pose einnimmt) und stelle die Kamera richtig ein. Ggf. lasse ich einen "Assistenten" meines Vertrauens die Kameraführung übernehmen.

Zum Blocking: ich benutze Paketklebeband (leicht ablösbar und auf den meisten Böden gut sichtbar) um z.B. den Kamerawinkel für die Darsteller deutlich zu machen, damit sie sehen, von wo bis wo sie gehen sollen oder an welcher Stelle des Sets sie sich umdrehen sollen, etc. pp.
Ich schreibe das Drehbuch, bin Regisseur, Kameramann, löhne das Budget, schreibe die Musik...ich stehe nicht in den Credits. Ich BIN die Credits!

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Dienstag, 27. Juli 2010, 16:30

Also, der Thread kommt mir gerade Recht, weil wenn ich jetzt über die Erfahrungen von meinem aktuellen Projekt schreibe werdet ihr merken, dass da echt irgndwas schief läuft. Vielleicht hat ja jemand mit mehr Erfahrung mal ne Idee, was ich machen kann.

Erstmal zu meiner Besetzung:
Ich selber möchte bei meinen eigenen Film natürlich viel mitsprechen, weshalb ich das Drehbuch geschrieben habe und Regie führe. Durch ein Mangel an Schauspielern kam es dazu, dass ich auch noch die Hauptrolle übernehme. Deswegen habe ich mir noch eine Co.-Regieseurin organisiert, die sich gleichzeitig um das bischen MakeUp, das wir braucehn kümmert. Außerdem habe ich in der Crew einen Kameramann und einen "Effektmenschen", der mir in der Postproduktion helfen wird.
Meine Schauspieler setzen sich aus 8 Nebenrollen und zwei Randrollen zusammen.

Nun zur Vorbereitung:
Wir haben zwei Probetage darin investiert Übungen und diverses Training zu absolvieren um uns in unsere Aufgaben/Rollen hineinzuversetzen. Das klappte supergut. Eine hat profesionelle Schauspielerfahrung und der eine ist ein absolutes Naturtalent. Der Rest wurde auch immer besser.

Und nun zu den Dreharbeiten:
Am 1. Drehtag ging es dann los, das drei Leute trotz Zusage nicht kamen, ohne die Höflichkeit zu besitzen Abzusagen. Das hat dann meine ganze Planung über den Haufen geworfen, so das ich mit den Leuten die da waren nur halbgut Arbeiten konnte. Seitdem sind es immer die gleichen Leute die superengagiert sind und die gleichen die das ganze nicht ernst nehmen, obwohl ich sie zur Rede gestellt habe und sie mir dann schon fast am Verzweifeln erzählt haben wie dringend sie dabei sein möchten. Das komische ist das diese Personen auch wirklich gut sind und Spaß haben, WENN SIE MAL DA SIND. Ich weiß langsam nicht mehr wie ich die in den Griff bekommen soll. Ich bezahle sie ja nicht weshalb ich kein anderes Druckmittel habe als sie rauszuschmeißen, was wieder rum nicht geht da es enormschwierig war Leute für mein Schauspielprojekt zu begeistern. Ich würde also keinen Ersatz finden. Ich bin mit meiner Co.Regieseurin und meinem Kameramann auch schon durchgegangen, wo eigentlich das Problem liegt. Wir sind nicht zu Anspruchsvoll oder so. Das große kleine Problem ist einfach nur das es fast unmöglich ist einen Tag zu finden an dem dann wirklich jeder da ist.

FAZIT: Momentan steckt unser Arbeitsverhältnis in einer echten Kriese und Aufgeben kommt für mich nicht in Frage. Ich hab nur Schiss das vielleicht irgendwer hinschmeißt wenn sich das so in die Länge zieht.

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Dienstag, 27. Juli 2010, 19:22

Also, der Thread kommt mir gerade Recht, weil wenn ich jetzt über die Erfahrungen von meinem aktuellen Projekt schreibe werdet ihr merken, dass da echt irgndwas schief läuft. Vielleicht hat ja jemand mit mehr Erfahrung mal ne Idee, was ich machen kann.

Erstmal zu meiner Besetzung:
Ich selber möchte bei meinen eigenen Film natürlich viel mitsprechen, weshalb ich das Drehbuch geschrieben habe und Regie führe. Durch ein Mangel an Schauspielern kam es dazu, dass ich auch noch die Hauptrolle übernehme. Deswegen habe ich mir noch eine Co.-Regieseurin organisiert, die sich gleichzeitig um das bischen MakeUp, das wir braucehn kümmert. Außerdem habe ich in der Crew einen Kameramann und einen "Effektmenschen", der mir in der Postproduktion helfen wird. Meine Schauspieler setzen sich aus 8 Nebenrollen und zwei Randrollen zusammen.

Nun zur Vorbereitung:
Wir haben zwei Probetage darin investiert Übungen und diverses Training zu absolvieren um uns in unsere Aufgaben/Rollen hineinzuversetzen. Das klappte supergut. Eine hat profesionelle Schauspielerfahrung und der eine ist ein absolutes Naturtalent. Der Rest wurde auch immer besser.

Und nun zu den Dreharbeiten:
Am 1. Drehtag ging es dann los, das drei Leute trotz Zusage nicht kamen, ohne die Höflichkeit zu besitzen Abzusagen. Das hat dann meine ganze Planung über den Haufen geworfen, so das ich mit den Leuten die da waren nur halbgut Arbeiten konnte. Seitdem sind es immer die gleichen Leute die superengagiert sind und die gleichen die das ganze nicht ernst nehmen, obwohl ich sie zur Rede gestellt habe und sie mir dann schon fast am Verzweifeln erzählt haben wie dringend sie dabei sein möchten. Das komische ist das diese Personen auch wirklich gut sind und Spaß haben, WENN SIE MAL DA SIND. Ich weiß langsam nicht mehr wie ich die in den Griff bekommen soll. Ich bezahle sie ja nicht weshalb ich kein anderes Druckmittel habe als sie rauszuschmeißen, was wieder rum nicht geht da es enormschwierig war Leute für mein Schauspielprojekt zu begeistern. Ich würde also keinen Ersatz finden. Ich bin mit meiner Co.Regieseurin und meinem Kameramann auch schon durchgegangen, wo eigentlich das Problem liegt. Wir sind nicht zu Anspruchsvoll oder so. Das große kleine Problem ist einfach nur das es fast unmöglich ist einen Tag zu finden an dem dann wirklich jeder da ist.

FAZIT: Momentan steckt unser Arbeitsverhältnis in einer echten Kriese und Aufgeben kommt für mich nicht in Frage. Ich hab nur Schiss das vielleicht irgendwer hinschmeißt wenn sich das so in die Länge zieht.
Hier gleich noch ein paar Fragen: Um was für ein Projekt handelt es sich (Länge, Umfang, Aufwand...)? Was sind "Randdarsteller"? Was heißt "halbgut arbeiten können"? Wieso ist es unmöglich, Ersatz zu finden? Ist das "Autoritäts-Verhältnis" zwischen dir und deiner Co-Regie geklärt (ist auch wichtig für alle anderen im Projekt)? Was meinst du mit "in die Länge ziehen" (wie viele Drehtage gab es denn schon und wie viele wirst du insgesamt brauchen)?

Trotzdem der Versuch einer Antwort: Deine aktuelle Situation hat nur am Rande was mit den Regieführungs-Fragen dieses Threads zu tun, denke ich. Es geht da mehr um Dinge aus der Produktionsorganisation und Produktions-/Aufnahmeleitung, wenn man das so sagen will. Ich versuch das mal ein bisschen aufzuschlüsseln: Das Hauptproblem sind die drei Darsteller von größeren Nebenrollen, die du nicht zuverlässig terminieren kannst (im Sinne von einen passenden Termin finden, nicht abschießen ;) )? Die Crew steht und ist zuverlässig, wenn ich das richtig sehe?

Es gibt mehrere Möglichkeiten:
1) Die Darsteller nehmen dich als Hauptdarsteller nicht ernst.
2) Die Darsteller nehmen dich als Regisseur nicht ernst.
3) Die Darsteller nehmen dein Projekt nicht ernst und sehen es eben als deines und nicht als eures an; egal wie sehr sie "Spaß haben, wenn sie mal da sind"


Lösung 1)
Die einfachste Möglichkeit wäre, dem beschriebenen "Naturtalent" die Hauptrolle zu überlassen und selbst eine Nebenrolle zu spielen. Hätte außerdem die Vorteile, dass du dich als Regisseur und Projektleiter mehr auf deine "eigentlichen" Aufgaben konzentrieren kannst. Geht aber nur, wenn das wirklich das Problem ist, da du einen deiner Problemfälle dadurch noch mehr in die Pflicht nimmst.

Lösung 2)
Dann wird es schwierig. Ist aber unwahrscheinlich, wenn sie wirklich mit Begeisterung dabei sind (sofern anwesend) und deine Anweisungen entsprechend befolgen. Laut deiner Beschreibung fühlen sie sich ja auch in ihren Rollen und am Set wohl, d.h. sie vertrauen darauf, dass du weißt, was du tust? (Ist nich böse gemeint sondern eine legitime Frage, die dir deine Leute ehrlich beantworten müssen, um dich als "Teamführung" zu akzeptieren)

Lösung 3)
Überlegen, was man tun kann, damit sie sich mehr mit dem Projekt identifizieren. Ist für Außenstehende immer schwierig zu beurteilen, vor allem, da du über das Projekt selbst nichts erzählt hast. Da du aber selbst schreibst, dass es "dein eigener Film" ist, bei dem du möglichst viel zu sagen haben möchtest, solltest du überlegen, ob deine Leute wirklich hinter dem Projekt stehen (können) oder dir mehr oder weniger nur einen Gefallen tun, indem sie dabei sind.

Sollten einzelne Leute durch ihre Unzuverlässigkeit das gesamte Projekt "in Gefahr" bringen, musst du dir überlegen, was dir wichtiger ist: die Leute dabeizuhaben und sie offensichtlich nicht so sehr für das Projekt begeistern lassen, dass sie die entsprechende Eigeninitiative aufbringen, die nötig wäre, um vernünftig weitermachen zu können, oder eben ohne sie weiterzumachen und das Projekt halbwegs gesichert abschließen können. Warum sollte ein Ersetzen der entsprechenden Personen unmöglich sein? Lieber einen klaren Schnitt als ewig weitermurksen (ich glaube, der User HartlBros hatte vor einiger Zeit ein ähnliches Problem, vielleicht mal den Thread raussuchen).

Sollte es tatsächlich "nur" daran liegen, dass du die Darsteller nur schwer auf bestimmte Tage festlegen kannst, dann geh dein Skript noch mal durch und plane deine Drehtage so, dass du eben nicht "mit allen gleichzeitig" drehen musst sondern nicht alle an jeden Drehtag anwesend sein müssen. Vielleicht hat es ja auch mit Urlaubszeit zu tun, oder anderen wichtigen privaten Terminen und Hobbies. Dann eben klar machen, dass das ganze Projekt ja zeitlich begrenzt ist, und je besser ihr es durchkriegt, umso schneller seid ihr fertig.

Dann gibt es eben noch so Sachen wie z.B. Catering (das kostet zwar ne Kleinigkeit, hilft aber ENORM) und Tagesplanung (Länge der Drehtage, Anzahl der Sets usw) sowie andere Kleinigkeiten. Außerdem sollte deinen Leuten klar sein, dass Filmen auch immer Warten heißt. Sollte ihnen das nicht klar sein, versuch noch mal zu erklären, dass es nicht anders geht. Sollten sie die Zeit nicht totschlagen können, ist es besser, ein Buch oder eine PSP dabei zu haben, als vom Set wegzulaufen. Alternativ kannst du auch versuchen, sie in Crewaufgaben (auch organisatorisches jenseits des Sets) einzubinden, falls sie sich am Set nicht genügend gefordert/ausgelastet fühlen.

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13

Dienstag, 27. Juli 2010, 21:13

Ich spräche von einem für Amateure aufwendigen Projekt (http://www.amateurfilm-forum.de/allgemeines/projekte/18383-jugendfilm-sommerkoks-verkokste-ferientage/).

Ich werde deine Fragen gleich beantworten und danke dir schonmal für deine Ideen. Ich glaube es ist Vermutung 3, das sie das Projekt nicht ernst nehmen, weil sie sich nicht ausreichend mit identifizieren können. Ich weiß je doch wirklich nicht was ich noch machen kann. Ich hab 1000 mal klar gestellt ich bin offen für Ideen, wir werden überall Kompromisse finden können und ich achte immer darauf es unser Projekt zu nennen und behandle dabei jeden als wichtig fürs gelingen. Die Schauspieler haben sogar in Absprache mit mir die Möglichkeit gegen das Drehbuch zu verstoßen, so lange dadurch nicht die Handlung beeinträchtigt wird. Achja und Catering is ne nette Idee, aber das haben wir (heißt die Crew) sogar schon versucht.

Mit Randdarsteller meinte ich Figuren die nur einmal im ganzen Film auftauchen, was vielleicht etwas ungünstig formuliert war. Um das Wort halbgut zu erklären vorab folgendes: Ich habe für den Drehtag bestimmte Szenen die ich drehen wollte geplant, usw. Nun ist z.B. eine Schauspielerin extra 2 Stunden zum Drehort gefahren weil sie gefordert war. Da in ihrer Szene aber noch andere vorkommen, die ohne bescheid zu sagen nicht aufgetaucht sind ist sie umsonst erschienen. Sie war auch verständnisvoll usw. aber das hat zurfolge gehabt, das wir nicht volle 100% schaffen konnten, sondern eher 50% des Geplanten. Soviel zu halbgut. Ersatz ist insofern schwierig, weil ich die Leute aus meinem Bekannten- und Freundeskreis gefragt habe und es erstaunlich wenig gab die sich fürs Schauspielen interessiert haben. Und die die ich jetzt in der Besetzung habe, die sind auch wirklich gut. Bloß bestimmte Personen sind einfach nicht gekommen. Was meine Co.-Regieseurin angeht, sie ist absolut genial sie stützt mich wo sie kann bringt neu ideen ein und respektiert gleichzeitig, das ich das letzte Wort habe. Mit "in die länge ziehen" meine ich das es jetzt noch schwieriger wird Termine zu finden, weil manche jetzt eine Ausbildung anfangen und andere von uns Abitur machen. Das bedeutet gleichzeitig das die Drehtage in größeren Abständen erfolgen werden. Es gab mehrere Probetage, aber erst einen richtigen Drehtag, weil das beschriebene Problem ebend da ist. Wenn alle da wären, schätze bräuchte ich gerade mal 8-10 Drehtage um die Dreharbeiten abzuschließen.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »<<<ThE SpEZi>>>« (27. Juli 2010, 21:47)


tomatentheo

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Mittwoch, 28. Juli 2010, 13:04

Inwiefern und mit welchen "Techniken" führen denn die Regisseure hier ihre Darsteller und Statisten? Ich nehme mal nicht an, dass ihr sogar einen AD oder einen 2nd Unit Director habt, der dafür (in Teilen) zuständig ist?

Ich bin in der komfortablen Situation, das ich (fast nur) mit Leuten arbeite, die Schauspielerfahrung/-ausbildung haben. Das macht den Einstieg schonmal einfach. Die paar Amateure, die dabei sind, ziehen wir mit durch. Ich hab vor Jahren mal "Schauspielführung in Film und Fernsehen" gelesen und bin versucht, typische Fehler zu vermeiden (Stichwort "Ergebnisorientierte Regie").
Bei einigen Projekten arbeite ich mit einem Bekannten zusammen, der vom Theater kommt und sich dann um die Schaupielführung kümmert. Der Rest findet sich.

Wie viel Zeit nehmt ihr euch fürs Rollen erarbeiten, wie viel Zeit, um die Rollen zusammen mit dem Darsteller durchzugehen, weiterzuentwickeln usw.?

Kommt aufs Projekt und dessen Wichtigkeit an. Das kann in einer Stunde vor Drehbeginn getan sein, oder sich über Wochen hinziehen. Ich höre hin, wenn die Schauspieler eine Idee haben und versuche es mit dem Script zu vereinbaren. In einem frühen Stadium von "Survival Game" (einem geplanten Kurzfilm) haben wir uns mit zwei potentiellen Darstellern und meinem Coach zusammengesetzt und über die Rollen diskutiert. Und wenn man die Schauspieler lässt, kommen da wunderbare Sachen raus. Gerade den "Subtext" einer Szene zu erarbeiten, ist etwas, was gerne vernachlässigt wird. Und da wurde dann aus einem taffen Anwalt, der alles vögelt, was bei drei nicht auf dem Baum ist, ein verklemmter Homosexueller, der sich in seiner Umwelt nicht outen will/kann und es auch in einer Extremsituation nicht zugibt. Das alles ohne ein Wort im Film zu sagen, sondern nur als Grundlage für sein Spiel.

Wie viel Zeit nehmt ihr euch für Staging und Blocking (falls notwendig: WIKI zur ersten Begriffsklärung ) usw.?

Seitdem ich mir den Kamerakurs von hollywoodcamerawork.us zugelegt habe, gaaanz viel. Wobei ich da nicht extra noch Storyboards male, sondern die Auflösung im Kopf habe. Und die wird dann abgearbeitet. Allerdings ist das für Kurzfilmprojekte auch einfach. Für einen 90min. würde ich heutzutage auf PreViz setzen. Kostet ewig Zeit in der Vorbereitung, aber spart unwahrscheinlich Zeit beim Dreh.
Mfg
Theo

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15

Mittwoch, 28. Juli 2010, 19:06

Vielen Dank für deinen Beitrag. Deine Situation ist für hiesige Verhältnisse vermutlich wirklich sehr komfortabel. Weston scheint echt Pflicht zu sein (weiß man ja auch allerspätestens seit dem Filmercamp :D )

Der Master Course von hollywoodcamerawork.us scheint echt sein Geld wert zu sein und ist wirklich jedem ambitionierten (Amateur-)Regisseur oder -Kameramann zu empfehlen, auch wenn er einiges kostet. Ist ne sehr tolle Sache, konnte bisher leider nur bei einem befreundeten Filmer mal reinschauen (da ich aber auch äußerst selten für Kamera verantwortlich bin, ist er für mich nicht ganz so relevant).

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HobbyfilmNF

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Donnerstag, 29. Juli 2010, 18:26

Ich erzähle meinen Darstellern wie ich mir die Rolle vorstelle und lasse sie dann versuchen auf ihre eigene Art sie zu spielen. Oft klappte das ganz gut aber nicht jedes mal. Wenn das nichts wurde habe ich ihnen vorgespielt mit Gesten, Minik und art zu sprechen wie es sein soll und dann klappte es immer. Wichtig ist dabei nicht unter Zeitdruck zu stehen sondern sich für jeden Karrakter zeit zu nehmen und an der Rolle zu arbeiten.
Bei Massenszenen (21 leute ist für mich schon ne Masse) ist das drehen viel einfacher gewesen als wennich einen oder zwei darsteller vor der Cam habe. Ich weiß nicht woran es liegt aber ich habe den eindruck umso mehr desto Konzentrierter gehen sie daran um gut zu spielen (vieleicht wollen sie sich ja dann auch nicht vor allen den anderen blamieren).

Doch wenn ein Darsteller nicht mit der gehörigen Konzentration und Ernshaftigkeit an die sache rangeht bleibt nur eins übrig und zwar ihn vom Set zu verweisen und schnellst möglich ersatz heranzuschaffen. Es ist schrecklich wenn einer aus der reihe tanzt und so die ganze Produktion aufhällt.
Bei Regie anweisungen bei den Dreharbeiten ist mir aufgefallen umso leiser ich spreche desto besser passen die Darsteller auf also Schreien oder lautes Reden ist nicht notwendig. Komunikation ist das a und o in der Buchstabensuppe.

Birkholz Productions

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17

Donnerstag, 29. Juli 2010, 19:53

Doch wenn ein Darsteller nicht mit der gehörigen Konzentration und Ernshaftigkeit an die sache rangeht bleibt nur eins übrig und zwar ihn vom Set zu verweisen und schnellst möglich ersatz heranzuschaffen.


Whoa... Mit dir möcht ich dann lieber nicht drehen...

Bei uns am Set wird ständig rumgealbert, Mist gelabert usw... Nun ja... Ne gewisse Disziplin muss natürlich vorhanden sein und wenn nicht, kann man sich mit Leuten immer noch arrangieren. Meinen ersten Film hab ich komplett mit Leuten gedreht, die eigentlich gar nicht bei der Sache waren. Mit sowas umzugehen und trotzdem das Projekt abzuschließen, bringt einem auch viel Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen bei. Ich möchte diese Erfahrung nicht missen.

HobbyfilmNF

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18

Donnerstag, 29. Juli 2010, 20:46

Es soll ja nicht heisen das man keinen Spass beim Drehen haben darf. Wir lachen viel und machen unsere Späße aber mann sollte trotzdem nicht übertreiben und dadurch eine Produktion gefährden bzw stören.

MaxMotives

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19

Samstag, 31. Juli 2010, 11:10

Es soll ja nicht heisen das man keinen Spass beim Drehen haben darf. Wir lachen viel und machen unsere Späße aber mann sollte trotzdem nicht übertreiben und dadurch eine Produktion gefährden bzw stören.
Ich glaube ich weiß, was du meinst. Vor allem bei größeren Projekten muss man sich auf die Leute hunderprozentig verlassen können, sonst kriegt man es nicht fertig. Als ich 2006 meinen ersten "Spielfilm" (30 min :D) gedreht habe, hat die Produktion NEUN MONATE gedauert, weil die Schauspieler kaum mehr als eine Szene ernsthaft durchgehalten haben. Und so auf die Dauer verliert man auch den Spaß an einem Projekt, wenn man drei oder viermal zum gleichen Schauplatz zurückgehen muss, weil man es in den Versuchen davor nicht geschafft hat, alles fertig zu drehen.
Ich stimme dir absolut zu, lieber gleich einen Schauspieler ersetzen als sich mit einem unmotivierten, eigentlich desinteressierten Anfänger durch die Prodution zu quälen.

Pandora

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20

Montag, 2. August 2010, 16:58

Das Thema sieht glaube ich ab dem Moment ganz anders aus wo man unter Zeitdruck gerät, bzw in einem eher knappen zeitlichen Rahmen arbeiten muss.

Wenn man Drehort und Crew komplett kostenlos zur Verfügung hat und jeder selbst für Unterbringung und Verpflegung sorgt ist es sicher kein Problem wenn man mal etwas rumalbert und an einer Szene hängen bleibt. Wenn sich die Crew allerdings gar nicht mehr einkriegt, ich zusätzliche Drehtage anhängen muss und deswegen zusätzliche Kosten auf mich zukommen (und bei einem Team von ca 20 Leuten summiert sich das verdammt schnell) dann kann ich durchaus verstehen wenn man lieber Ersatz heranschafft.

Falls man nicht gerade ein Team aus Schülern/Studenten hat, die alle die gleichen Ferienzeiten bzw freie Wochenenden etc. haben, dann ist es auch meistens nicht so einfach so schnell Zusatztermine zu finden. Ein Dreh über 9 Monate wäre da bei meinem aktuellen Projekt zum Beispiel gar nicht denkbar weil die Leute auch nebenher berfustätig sind und da nicht ewig für mich verfügbar sein können
(gut. ist aber auch nochmal eine andere Situation, weil ich mit geliehenem Equipment arbeite, da muss sowieso alles am Stück und so schnell wie möglich gedreht werden)
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